hochkant|mini|Wappen Huberts de Burgh Hubert de Burgh, 1. Earl of Kent (* um 1170; † unsicher: 12. Mai 1243 in Banstead, Surrey) war ein englischer Adliger.
Durch loyalen Dienst stieg er unter König Johann Ohneland aus dem Ritterstand zum Justiciar und zu einem reichen Baron auf. Während der Minderjährigkeit und der Jugend von Heinrich III. regierte er England unter Beachtung der Einschränkungen, die die Magna Carta der Regierung auferlegte. Ältere Historiker bezeichneten ihn als englischen Beamten, der in Opposition zu den ausländischen, aus dem Poitou stammenden ehemaligen Günstlingen von König Johann Ohneland, aber auch gegen fremde, italienische Geistliche stand. Diese nationalistische Sichtweise entspricht jedoch wohl nicht der Politik de Burghs und gilt als überholt. Durch seinen Reichtum, den er durch sein Amt erwarb, machte er sich jedoch unter den anderen Baronen zahlreiche Feinde. Vor allem durch sein militärisches Scheitern verlor er die Gunst des Königs und wurde 1232 gestürzt. Während seiner Amtszeit wurde deutlich, dass die Verantwortung, die der Justiciar als Leiter der Verwaltung und der Finanzverwaltung, oberster militärischer Kommandant und als oberster Richter hatte, die Amtsträger überforderte.
Hubert de Burgh war der letzte Justiciar, der das Amt mit diesen großen Befugnissen ausübte. Schon unter de Burgh übernahmen Beamte, die auf die einzelnen Fachgebiete spezialisiert waren, Teile der Aufgaben des Justiciars. Nach dem raschen Scheitern von Stephen of Seagrave, de Burghs Nachfolger als Justiciar, besetzte der König das Amt nicht erneut.
Herkunft Hubert de Burgh entstammte einer Familie des Ritterstandes, über die wenig bekannt ist. Die Familie besaß Besitzungen in Burgh bei Aylesham in Norfolk, doch de Burghs genaue Herkunft ist nicht geklärt. Fälschlicherweise gilt er gelegentlich als Sohn eines Bruders von William fitz Adhelm, einem Steward von König Heinrich II. Sein Vater war möglicherweise ein Walter, der um 1179 gegen eine Gebühr von 40 Mark ein Lehen in Burgh erhielt, doch auch diese Herkunft ist zweifelhaft. Seine Mutter hieß Alice und wurde in der Kirche von Oulton bei Walsingham begraben. Dieser Kirche machte Hubert 1230 eine Schenkung zugunsten des Seelenheils seiner Mutter. Sein älterer Bruder war William de Burgh, der später Lord of Connacht in Irland wurde. Dazu hatte er zwei jüngere Brüder, Geoffrey de Burgh, der spätere Bischof von Ely, sowie Thomas de Burgh, der von 1215 bis 1216 als Kommandant von Norwich Castle diente. Angeblich wurde Hubert 1175 geboren, doch da sein älterer Bruder William schon vor 1185 zum Ritter geschlagen worden war, wurde Hubert wohl eher bereits um 1170 geboren. 1232 gab er die Güter von Burgh bei South Erpingham, Beeston bei North Erpingham und Newton bei South Greenloe in Norfolk sowie Sotherton in Suffolk als sein Erbe an. Ursprünglich hielt er diese Güter als Lehen des normannischen Grafen von Perche.
Aufstieg bis 1215 Höfling unter Johann Ohneland Möglicherweise durch die benachbarte Magnatenfamilie Warenne, in die er später einheiratete, oder durch seinen älteren Bruder William, der im Dienst von Johann Ohneland, dem jüngsten Sohn von König Heinrich II. stand, kam Hubert an den Königshof. Nach dem Chronisten Roger von Wendover trat er bereits vor 1198 unter Erzbischof Hubert Walter in den Dienst von König Richard Löwenherz, doch diese Behauptung kann nicht belegt werden. Am 8. Februar 1198 bezeugte de Burgh für Johann Ohneland, der damals Graf von Mortain war, eine Urkunde in Tinchebrai in der Normandie. In einer Urkunde vom 12. Juni 1198 wird er als Chamberlain des Haushalts von Johann Ohneland bezeichnet. Als dieser 1199 englischer König wurde, stieg de Burgh zum Chamberlain of the Royal Household auf.
Im Dienst des Königs stieg de Burgh nun weiter auf. Ende April 1200 verhandelte de Burgh mit William de Redvers, 5. Earl of Devon, um dessen jüngste Tochter Joan zu heiraten. Als Mitgift hoffte de Burgh auf die Isle of Wight und das Gut von Christchurch in Hampshire. Am 28. April 1200 schlossen de Burgh und der Earl in Portchester eine Vereinbarung, nach der de Burgh £ 60 und den Dienst von zehn Rittern erhalten solle, wenn die Frau des Earls noch einen Sohn gebären würde. Tatsächlich gebar sie wenig später einen Sohn, und der Heiratsvertrag wurde offensichtlich gekündigt. Im Dezember 1200 ernannte ihn der König zum Verwalter der wichtigen Burgen Dover und Windsor. Anfang 1201 wurde de Burgh Sheriff von Dorset und Somerset, 1202 diente er als Sheriff von Berkshire und Cornwall. Als Sheriff von Somerset erhielt er die Baronien Beauchamp und Dunster. Bevor der König im Juni 1201 nach Frankreich aufbrach, sandte er William Marshal, 1. Earl of Pembroke und Roger de Lacy, Constable of Chester mit 200 Rittern voraus. An Stelle von Marshal und Lacy ernannte Johann nun de Burgh zum Verteidiger der Welsh Marches. Er übergab ihm die strategisch wichtigen Three Castles Grosmont, Skenfrith und White Castle in Südostwales sowie 100 Men-at-arms. Dazu gab er ihm das an Burgh angrenzende Gut von Cawston sowie weitere Besitzungen in Creake in Norfolk als Lehen. Im November 1201 erhielt de Burgh die Besitzungen von Walter of Windsor und im April 1202 wurden ihm die Cinque Ports unterstellt. De Burgh war damit zu einem mächtigen Höfling aufgestiegen, als ihn der König 1202 mit als Botschafter nach Portugal sandte, um über eine Hochzeit von Johann mit einer Tochter des portugiesischen Königs Sancho I. zu verhandeln. Noch während die Gesandtschaft in Portugal verhandelte, heiratete Johann plötzlich Isabella von Angoulême, so dass die Gesandten unverrichteter Dinge nach England zurückkehren mussten. mini|Hubert de Burgh und Arthur von der Bretagne. Gemälde von William Frederick Yeames, 1882
Kampf und Gefangenschaft im Französisch-Englischen Krieg De Burghs Karriere in England wurde unterbrochen, als ihn der König nach Beginn des erneuten Krieges mit Frankreich (siehe Französisch-Englischer Krieg von 1202 bis 1214) im Oktober 1202 nach Frankreich berief und ihn zum Kommandanten der Burg von Falaise in der Normandie ernannte. Nach dem Chronisten Radulph von Coggeshall weigerte sich de Burgh in Falaise, Arthur von der Bretagne, den Neffen des Königs, zu blenden und zu kastrieren, weil dieser einen Erbanspruch auf Johanns Besitzungen stellte. Sollte sich dies wirklich so zugetragen haben, dann brachte de Burghs Weigerung, die königliche Anordnung auszuführen, keine Nachteile für ihn. Anfang 1203 ernannte der König de Burgh zusammen mit Philip of Oldcoates zum Kommandanten der strategisch wichtigen Burg Chinon im Touraine.
Vermutlich diente de Burgh 1204 als Gesandter des Königs, um dessen Gegner, den französischen König Philipp II. eine Nachricht zu überbringen. In diesem Jahr eroberte König Philipp die Normandie, das Touraine und den Großteil der französischen Besitzungen von Johann Ohneland. De Burgh setzte die Verteidigung des isolierten Chinon fort, bis er im Sommer 1205 in aussichtsloser Lage mit der Besatzung einen Ausfall machte. Nach heftigem Kampf geriet er verwundet in Gefangenschaft, in der er über zwei Jahre blieb. Während dieser Zeit übernahm der König die Verwaltung seiner englischen Lehen, während er seine Ämter an andere Höflinge vergab. De Burghs Besitzungen in Norfolk und Suffolk fielen an Gilbert of Stanfort, während die Three Castles in Südostwales an William III de Briouze fielen. Mit Unterstützung des Königs, der im Februar 1207 300 Mark an den französischen Ritter Guillaume de Chayv sowie weiter £ 100 direkt an dei Burgh zahlte, konnte er das geforderte Lösegeld aufbringen und kam Ende 1207 frei.
Wiederaufstieg zum einflussreichen Baron und Höfling Nach seiner Rückkehr nach England zahlte de Burgh 1208 die geringe Summe von £ 100 an den König, womit seine noch offenen Gebühren als Sheriff von Somerset und Dorset abgegolten waren. Dazu erhielt er das Gut von Shepperton in Middlesex. Am 28. Mai 1208 erhielt er Lafford Castle sowie die Stadt Lafford in Huntingdonshire. 1209 heiratete er Beatrice de Warenne, die Witwe von Doun Bardolf. Sie war eine Verwandte des Earls von Surrey und war als einziges überlebendes Kind von William de Warenne († 1208/09) Erbin von Wormegay, die an seine Erbgüter in Norfolk grenzte. Durch diese Heirat wurde de Burgh auch der Vormund von William Bardolf, ihrem Sohn aus erster Ehe, und Verwalter von dessen Gütern bei Stowe und North Runcton in Norfolk und Finborough in Suffolk. In den nächsten Jahren gelang es de Burgh, wieder einen umfangreichen Grundbesitz in England aufzubauen. Er kaufte zwei Knight’s fees bei seinen ererbten Besitzungen, Beeston und Runton, dazu erhielt er vom König Corfe Mullen in Dorset als Lehen, dazu weitere Besitzungen als Lehen in Dorset und Somerset. 1213 besaß er mehr als 50 Knight’s fees, vor allem in East Anglia, Dorset und Somerset, aber auch in Buckinghamshire, Hampshire, Surrey und Wiltshire.
Erneuter Dienst in Frankreich 1212 wurde de Burgh unter Ivo de Jallia stellvertretender Seneschall des Poitou, einer der verbliebenen Besitzungen von Johann Ohneland in Südwestfrankreich. Als Ivo de Jallia 1213 vom König nach England berufen wurde, übernahm de Burgh zusammen mit Philip d’Aubigny und Geoffrey de Neville das Amt des Seneschalls. Als Seneschall des Poitou hatte de Burgh seinen Hauptstützpunkt in Niort. Er unterstützte 1214 den vergeblichen Feldzug des Königs, durch den dieser seine 1204 verlorenen Besitzungen zurückerobern wollte. Nach der Niederlage von Bouvines bezeugte de Burgh mit den Waffenstillstand mit dem französischen König, durch den Johann zwar seine Besitzungen südlich der Loire behalten konnte, doch die nördlich des Flusses gelegenen Gebiete endgültig verlor.
Unterstützer des Königs gegen die Adelsopposition Ende April oder Anfang Mai 1215 kehrte de Burgh nach England zurück, wo sich der König im Konflikt mit einer mächtigen Adelsopposition befand. De Burgh unterstützte weiterhin loyal den König und sollte für diesen die City of London sichern. Diese schloss sich im Mai jedoch den rebellischen Baronen an, was wesentlich dazu beitrug, dass der König den Forderungen der Barone in der Magna Carta zustimmen musste. De Burgh, der für den König Truppen bei Rochester zusammengezogen hatte, wird in der Magna Carta als einer der acht weltlichen Ratgeber des Königs genannt, die dem König zur Anerkennung der Forderungen der Barone rieten. Vor dem 25. Juni 1215 löste er Peter des Roches als Justiciar des Königs ab. Nach Angaben des Chronisten Matthew Paris hat der König de Burgh in Anwesenheit von Erzbischof Stephen Langton, der Earls of Warenne und Derby und vor zahlreichen anderen Baronen zum Justiciar ernannt. Zusammen mit diesem Amt wurde er Sheriff von Kent und Surrey, womit er auch Kommandant von Canterbury und Dover Castle wurde.
Justiciar von England Militär während des Ersten Kriegs der Barone