Siciny (deutsch Seitsch) ist ein Ort in der Landgemeinde Niechlów (Nechlau) im Powiat Górowski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.
Geographische Lage Siciny liegt zwölf Kilometer südöstlich von Wschowa (Fraustadt) und zehn Kilometer nordwestlich von Góra (Guhrau).
Geschichte mini|Zisterzienser-Probstei Seitsch, vor 1777; Bildlegende: 1 Stiftskirche, 2 Alte Probstei, 3 Neuerbaute Probstei, 4 Amtswohnung, 5 Kutschen-Stallung, 6 Vieh-Stallungen, 7 Vorwerks-Hofraum mini|Dorfstraße (2018) mini|Häuser in Dorfmitte (2018) mini|Seitsch, ostnordöstlich von Glogau und nordwestlich von Guhrau (Guraw) im Herzogtum Glogau (Ducatus Glogoviensis), auf der Schlesienkarte von Petrus Schenk, 1710 mini|Seitsch, südsüdwestlich der Stadt Posen, ostnordöstlich der Stadt Glogau und nordwestlich der Stadt Guhrau, auf einer Landkarte von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Erstmals urkundlich erwähnt wurde „Sezesco“ im Jahre 1155 im päpstlichen Schutzbrief für das Bistum Breslau. Für das Jahr 1213 ist der Ortsname „Sychem“ überliefert. Nach der Teilung des Herzogtums Schlesien gelangte Seitsch 1251 an das Herzogtum Glogau. Für das Jahr 1289 ist ein Pfarrer in Seitsch belegt. In einer Urkunde vom 5. Dezember 1309 schenkt Herzog Heinrich III. sein Gut Seitsch (Sydcz, Sychicz) mit allem Zubehör dem Abt Ulrich des Klosters Leubus; in einer anderen Urkunde, ausgefertigt zu Steinau unter demselben Datum, ergänzt Herzog Heinrich auf Rat seiner Gemahlin, der Herzogin Mechthilde († 1323), und mit Einwilligung seiner Erben die Urkunde dahin, dass die Übereignung das Kirchenpatronat über die Kirche zu Seitsch mit allem Zubehör, frei von Steuern und Diensten, mit einschließen soll.Johann Heyne: Dokumentirte Geschichte des Bisthums und Hochstiftes Breslau, Band 1, Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1860, S. 906 (Google Books).Colmar Grünhagen, Konrad Wutke (Hrsg.): Regesten zur schlesischen Geschichte: 1301–1315. Band 16, Verlag Josef Max & Co., Breslau 1892, S. 153 (Google Books). Abt Ulrich war damit 1309 das Recht übertragen worden, in Seitsch eine Propstei zu gründen und das Gut Seitsch in ein Kirchenlehen umzuwandeln.Wilhelm Wattenbach: Martin Sebastian Dittmans Chronik der Aebte von Leubus. In: Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens. Band 1, Breslau 1855, S. 271–297, insbeondere S. 275 (Google Books). Seit diesem Jahr bestand im Ort wahrscheinlich eine Schule. Das Kloster Leubus erwarb um diese Zeit mehrere Dörfer in der Nähe der polnischen Grenze.Franz Winter: Die Cistercienser des nördlichen Deutschlands – Ein Beitrag zur Kirchen- und Culturgeschichte des deutschen Mittelalters, Band 2: Vom Auftreten der Bettelrorden bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1871, S. 321–322 (Google Books). Heinrichs III. Sohn, Herzog Johann von Steinau bestätigte 1326 dem Kloster Leubus den Besitz von Seitsch sowie der benachbarten Dörfer Braunau, Weschkau, Seifersdorf und LangenauH. Schuch: Die Kastellanei Sandewalde und ihre Germanisierung, eine ortsgeschichtliche Studie im Kreis Guhrau, in: Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens, Band 14, Breslau 1878, S. 486–520, insbesondere S. 518 (Google Books). (im späteren Landkreis Guhrau) und errichtete in Seitsch eine Propstei. 1329 unterstellten Herzog Heinrich IV. „der Treue“ und dessen Brüder das Herzogtum Glogau freiwillig als ein Lehen an die Krone Böhmen, was 1335 mit dem Vertrag von Trentschin bestätigt wurde. Der böhmische König, Kaiser Karl IV. verlieh 1349 Seitsch Deutsches Recht und bestätigte dem Kloster Leubus den Besitz von Seitsch.Hermann Neuling: Schlesiens ältere Kirchen und kirchliche Stiftungen nach ihren frühesten urkundlichen Erwähnungen, Verlag Johann Max & Comp., Breslau 1884, S. 121–122 (Google Books). 1350 befreite er es von allen Abgaben an die weltliche Macht.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Seitsch zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Um 1791 gab es in Seitsch eine zum Kloster Leubus gehörige Propstei, ein Hospital, eine katholische Kirche, eine Schule, ein Pfarrhaus, ein Schloss, ein Vorwerk, ein Freigut, 66 Gärtner, 27 Häusler, 33 Nebenhäuser (Angerhäuser) und sieben Windmühlen.Christian Friedrich Emmanuel Fischer: Geographisch-statistisches Handbuch über Schlesien und die Grafschaft Glatz, Band 2, bei Graß, Barth und Comp., Breslau und Jauer 1818, S, 374 (Google Books). Schloss und Hospital waren auch noch um 1806 vorhanden.Johann Georg Sternagel: Geographisch-statistische Beschreibung des Herzogthums Schlesien und der Grafschaft Glaz, Band 2, bey August Schall, Breslau 1806, S. 129 (Google Books). Mit der Säkularisation 1810 endete die 700-jährige Herrschaft des Klosters Leubus in Seitsch.
Die umfangreichen Ländereien des KlostersOtto Grote: Lexicon deutscher Stifter, Klöster und Ordenshäuser, Teil I: Das heutige Deutsche Reich, Verlag A. W. Zickfeldt, Osterwieck a. Harz 1881, S. 300–301 (Google Books). wurden im Rahmen der Säkularisation an verschiedene neue Besitzer veräußert. Die Propstei Seitsch mit den zughörigen sechs Dörfern wurde von Wilhelm I. der Niederlande aufgekauft und in eine Gutsherrschaft umgewandelt.Christian von Stramberg: Diez, Stadt und Grafschaft, in: Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius, Teil II, Band 3, Coblenz 1853, insbesondere S. 372 (Google Books). 1825 wird Wilhelmine von Preußen (1774–1837), durch Heirat 1791 des oranischen Erbprinzen Wilhelm I. der Niederlande seit 1815 Königin der Niederlande, als Besitzerin genannt, deren Familie sich nach Karl Friedrich Rauer schon seit 1809 im Besitz der Herrschaft Seitsch mit Braunau, Langenau, Neudorf, Seiffersdorf und Weschkau befunden hatte.Karl Friedrich Rauer: Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter, Berlin 1857, S. 222 (Google Books). Nach ihrem Tod wird ihr zweiter Sohn, Prinz Friedrich der Niederlande, als Besitzer der Herrschaft Seitsch genannt. Von ihm erbte das Rittergut Seitsch seine zweite Tochter, Maria Fürstin zu Wied (1841–1910), Prinzessin der Niederlande, die 1894 als Besitzerin genannt wird und ihren Wohnsitz im Schloss Neuwied in der Stadt Neuwied am Rhein hatte.Schlesisches Güter-Adreßbuch. Verzeichniß sämmtlicher Rittergüter und selbständigen Guts- und Forstbezirke, sowie solcher größeren Güter, welche innerhalb des Gemeindeverbandes mit einem Reinertrag von etwa 1500 Mark und mehr zur Grundsteuer veranlagt sind. Fünfte Ausgabe. Verlag Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1894, S. 40 (Google Books).Josef Partsch: Schlesien – Eine Landeskunde für das deutsche Volk auf wissenschaftlicher Grundlage, Teil II: Landschaften und Siedelungen, Ferdinand Hirt, Breslau 1911, S. 466 (Google Books). Sie ließ den eine Fläche von 2226 ha umfassenden Gutsbezirk, wovon 485 ha Ackerland, 893 ha Wiesen, 788 ha Holzungen und 62 ha Hofraum etc. waren, von einem Bevollmächtigten verwalten.
Am 1. Dezember 1913 wurden in dem 641,8 ha umfassenden Gemeindebezirk Seitsch 106 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 68 Pferde, 336 Stück Rindvieh, 416 Stück Borstenvieh und 74 Ziegen hielten. Am 1. Dezember 1913 standen im Gemeindebezirk 330 Apfelbäume, 280 Birnbäume, 1858 Pflaumen- und Zwetschgenbäume, 107 Kirschbäume, ein Aprikosenbaum, 19 Pfirsichbäume und 51 Walnussbäume. Zu den gleichen Zeiten wurden im 2226,8 ha umfassenden Gutsbezirk Seitsch 30 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 42 Pferde, 237 Stück Rindvieh, 841 Schafe, 69 Stück Borstenvieh und sechs Ziegen hielten. Im Gutsbezirk standen 228 Apfelbäume, 79 Birnbäume, 186 Pflaumen und Zwetschgenbäume, 54 Kirschbäume, drei Aprikosenbäume, drei Pfirsichbäume und sieben Walnussbäume.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat – Auf Grund der Ergebnisse der Vieh- und Obstbaumzählung vom 1. Dezember 1913, der Viehzählung vom 2. Dezember 1912 und anderer amtlicher Quellen, Heft 6: Provinz Schlesien, Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Breslau, 6. Kreis Guhrau, S. 44–45, Ziffer 88 (Google Books), und S. 46–47, Ziffer 169 (Google Books).
Am 1. April 1927 hatte der Gutsbezirk Seitsch laut Katasteramt einen Flächeninhalt von 2225 ha und 73 ar, und am 16. Juni 1925 wurden im Gutsbezirk 201 Einwohner gezählt.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1928, S. 344–477, insbesondere S. 408, 6. Kreis Guhrau, Ziffer 59 (Google Books).
Durch die Perußischen Reformen wurde Seitsch 1816 dem Landkreis Guhrau eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. 1874 wurde der Amtsbezirk Seitsch gebildet, der aus den Landgemeinden Langenau, Lanken, Seitsch und Tarpen bestand.territorial.de Amtsbezirk Seitsch Für die über 80 im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder wurde 1927 ein Kriegerdenkmal errichtet.
Um 1935 hatte Seitsch unter anderem zwei Gasthöfe, eine Spar- und Darlehnskasse, zwei Baugeschäfte, drei Gemischtwarenläden, eine Molkerei, zwei Mühlen, zwei Sattler, eine Schmiede, einen Stellmacher und zwei Tischler.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, Band 1 B, Berlin 1935, 2. Teil, Provinz Schlesien, S. 1760–1761 (Google Books).
Im Jahr 1945 gehörte das Dorf Seitsch zum Kreis Guhrau im Regierungsbezirk Breslau der preußischen Provinz Niederschlesien im Deutschen Reich.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs versuchte ein Teil der Bewohner zu fliehen, um sich vor der von Osten her nähernden Kriegsfront in Schutz zu bringen. Im Frühjahr 1945 besetzte die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde Seitsch zusammen mit fast ganz Schlesien von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Nachfolgend wurde Seitsch in Siciny umbenannt. 1945/46 wurden die verbliebenen einheimischen Bewohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Seitsch vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.
1975 wurde Siciny Teil der Woiwodschaft Leszno und 1999 der Woiwodschaft Niederschlesien.
Einwohnerentwicklung