Schmargendorf ist ein Ortsteil im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin, der bis heute seinen eigenständigen und eher kleinstädtischen Charakter mit eigenem Ortsteilzentrum in der Breiten Straße und der Berkaer Straße erhalten konnte.

Geografie Schmargendorf liegt auf der Hochfläche des Teltow im südwestlichen Teil von Berlin mit einer durchschnittlichen Höhe von rund 40 Metern über Normalnull.

Ausdehnung und Grenzen des Ortsteils mini|Übersichtskarte von Schmargendorf

Der seinerzeit zur Festlegung der neuen Ortsteile führende BVV-Antrag beschreibt die Problematik der Abgrenzung der Ortsteile sehr prägnant:

Nach der amtlichen Bezirkskarte von Charlottenburg-Wilmersdorf lassen sich die Grenzen des Ortsteiles wie folgt beschreiben: Im Nordosten bilden die Stadtautobahn und die Ringbahn die Grenze zu den Ortsteilen Halensee und Wilmersdorf. Im Südosten erfolgt die Abgrenzung nach Wilmersdorf durch die Mecklenburgische Straße und die Zoppoter Straße. Im Süden bilden die Lentzeallee und die Pücklerstraße die Grenze zu Dahlem. Schwieriger wird es im Westen: Die Grenze zum Ortsteil Grunewald verläuft von Süden kommend nordwärts westlich des Goldfinkweges am Waldrand bis zur Waldmeisterstraße und folgt dann dieser wieder ostwärts bis zur Clayallee. Dieser und dem sich anschließenden Hohenzollerndamm folgt sie nordöstlich bis zum Roseneck. Nun verläuft die Grenze nordwärts der Teplitzer Straße folgend bis zur Hubertusallee, um dann südöstlich kurz der Franzensbader Straße und dann der Reinerzstraße zu folgen. Zum Schluss bildet nordwärts bis zur Stadtautobahn führend die Auguste-Viktoria-Straße die Grenze zum Ortsteil Grunewald.

Nachbarortsteile Schmargendorf grenzt im Norden an den Ortsteil Halensee, im Osten an den Ortsteil Wilmersdorf, im Süden an das zum Bezirk Steglitz-Zehlendorf gehörende Dahlem und im Westen an den Ortsteil Grunewald.

Geschichte Gründung mini|hochkant|Dorfkirche aus dem 14. Jahrhundert

Die Gründung erfolgte wahrscheinlich nach 1220 im Zuge des Landesausbaus der jungen Mark Brandenburg, zu deren Stabilisierung die askanischen Markgrafen Siedler aus Schwaben, Thüringen, Flandern und Westfalen ins Land riefen. Ein Dorf der slawischen Vorbevölkerung hat hier sehr wahrscheinlich nicht bestanden.

Die Siedler lebten von der Landwirtschaft, der Schafzucht und vom Fischfang im Wilmersdorfer See, der zur eiszeitlichen Glazialen Rinne der Grunewaldseenkette gehörte und 1915 nach langen Verlandungsprozessen zugeschüttet wurde.

Im Jahr 1354 wurde der Ort Schmargendorf erstmals urkundlich erwähnt. In dieser Zeit entstand auch die Dorfkirche Schmargendorf. Der Name Schmargendorf entstand aus Margrevendorf, was hochdeutsch Markgrafendorf bedeutet und auf die Besitzverhältnisse hinweist.

Besitzverhältnisse Bereits im 15. Jahrhundert gehörte es der Familie von Wilmersdorff. 1799 verkaufte Leopold Heinrich von Wilmersdorff (1732–1802) Schmargendorf an den Grafen von Podewils auf Gusow, Friedrich Heinrich von Podewils. Nach dessen Tod erwarb 1804 Karl Friedrich von Beyme Schmargendorf.Hans E. Pappenheim: Das Rätsel der Dahlemer Dorfaue. (PDF; 14,5 MB). In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte. 3, 1952, Berlin 1952, S. 18. 1807 bekamen die Bauern Gelegenheit, das von ihnen bewirtschaftete Land zu erwerben. Nach dem Ableben Beymes veräußerte seine Tochter Charlotte Gerlach das Gut Schmargendorf an den Preußischen Domänenfiskus.

Der Ort erhielt 1899 den Status eines selbstständigen Amtsbezirks (mit etwa 2000 Einwohnern). 1900 ließen die nunmehr etwa 3000 Einwohner das neue Rathaus (damals noch auf freiem Acker) bauen, nachdem die Gemeinde vor allem durch die Umsatzsteuer aus Grundstücksverkäufen der Bauern reich geworden war, die unter anderem für den Ausbau des Hohenzollerndamms seit 1899 zum breiten Boulevard nach dem Muster des Kurfürstendamms erforderlich waren.

Internationale Ballon-Wettfahrten Im Oktober 1908 fanden in Schmargendorf die internationalen Gordon-Bennett-Ballon-Wettfahrten statt. Die Ballons wurden beim Gaswerk Schmargendorf gestartet. Der größte Ballon „Conqueror“, geflogen von A. Holland Forbes und Augustus Post, stieß kurz nach dem Start gegen einen Zaun, verlor zwei Ballastsäcke, stieg schnell auf und riss drei Minuten nach dem Start auf. Die Flieger warfen den Ballast ab, als sie 910 m tief fielen. Ihr Abstieg wurde nur dadurch gebremst, dass sich der Stoff des Ballons im Netz verfing und einen groben Fallschirm bildete. Sie hielten sich an dem Ring über ihnen fest und hoben ihre Füße an, als der Korb durch das Ziegeldach eines Hauses im Berliner Vorort Friedenau krachte. Sowohl die Männer als auch ihre Instrumente blieben bei dem Absturz unversehrt.

Eingemeindung Die Landgemeinde Schmargendorf wurde 1920 aus dem Landkreis Teltow ausgegliedert und nach Groß-Berlin in den damals neuen Verwaltungsbezirk Wilmersdorf als Ortsteil eingemeindet, es hatte zu dieser Zeit 11.581 Einwohner.

Der Bezirk Wilmersdorf ging zum 1. Januar 2001 im neuen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf auf, viele Bauwerke und Einrichtungen in Schmargendorf tragen (noch) den vormaligen Bezirksnamen, der also nicht als Ortsname zu verstehen ist, beispielsweise Stadion Wilmersdorf, Kraftwerk Wilmersdorf, Stadtbad Wilmersdorf und Wilmersdorfer Seniorenstiftung.

Wappen mini|hochkant=0.5|Ehemaliges Wappen Schmargendorfs Obwohl Landgemeinden eigentlich kein Wappen besitzen sollten, bekam Schmargendorf am 9. Mai 1903 ein eigenes Wappen. Das Wappen ist schräglinks geteilt. Oben in silbernem Feld ist ein halber, springender, roter Hirsch und unten in blauem Feld eine silberne Lilie. Die beiden Wappenhälften symbolisieren die beiden Familien, in deren Besitz Schmargendorf einst war: Der Hirsch ist dem Wappen des Geschlechts derer von Podewils entnommen und die Lilie derer von Wilmersdorff, die im 14. Jahrhundert Anteile an Schmargendorf erworben hatten.

Mit der Eingemeindung nach Groß-Berlin verlor es seine Gültigkeit und verschwand aus dem amtlichen Gebrauch.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1858 299 1871 387 1880 468 1890 1.591 1900 3.175 1910 7.475 1919 11.581 Jahr Einwohner 1930 21.647 1937 22.663 1946 11.376 1950 18.043 1960 23.370 1970 21.303 1987 20.546 2000 20.159 Jahr Einwohner 2007 19.858 2010 19.972 2015 21.107 2020 22.733 2021 22.481 2022 23.797 2023 24.133 2024 24.132 2025 23.955

Quellen: 1871–1919 Gross-Berlin: Geographie der Weltstadt, Friedrich Leyden 1933; 1930–1987 Statistisches Jahrbuch von Berlin (jeweilige Jahre); ab 2007: Statistischer Bericht A I 5. Einwohnerregisterstatistik Berlin. Bestand – Grunddaten. 31. Dezember. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (jeweilige Jahre)

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Bauwerke mini|Rathaus Schmargendorf

Das Rathaus Schmargendorf am Berkaer Platz wurde von 1900 bis 1902 von Otto Kerwien im Stil märkischer Backsteingotik erbaut und orientiert sich an mittelalterlichen Vorbildern aus Stendal und Tangermünde. Seit 1920 befindet sich in dem Gebäude unter anderem das bezirkliche Standesamt.

Die Dorfkirche Schmargendorf aus dem 14. Jahrhundert ist eine typische märkische Feldsteinkirche. Mit einer nutzbaren Fläche von 66 m² ist sie die kleinste erhaltene Kirche Berlins. Der Fachwerk-Dachreiter wurde 1831 errichtet und ist seit 1957 holzverkleidet. 1937/1938 wurde die Kirche weitgehend in den ursprünglichen frühgotischen Zustand zurückversetzt und 1990 bis 1992 umfassend saniert. Das barocke Kruzifix im Kircheninneren wird auf etwa 1700 datiert.

Die Kreuzkirche von 1929 am Hohenzollerndamm 130 ist eine der wenigen expressionistischen Sakralbauten.

Das Hochhaus am Roseneck war eines der ersten Hochhäuser Berlins. Es wurde zwischen 1954 und 1955 nach Plänen von Franz Heinrich Sobotka und Gustav Müller errichtet und hat 15 Stockwerke. Wegen des Y-förmigen Grundrisses besitzen alle Wohnungen mindestens ein nach Süden ausgerichtetes Zimmer. Das Dach wurde im Sommer 2009 für den Brandschutz genutzt, um den nahen Grunewald zu beobachten.

Das ehemalige Geburtshaus Dahlem an der Lentzeallee war von 1923 bis 1971 ein von den Missionsschwestern vom „Heiligsten Herzen Jesu“ von Hiltrup geführtes Entbindungsheim, danach wurde es von Senatsverwaltungen genutzt. Seit März 2003 beherbergt es den internationalen Zug der privaten Kantschule, die Berlin International School.

Das 1929 eröffnete Kino Germania an der Ruhlaer Ecke Hundekehlestraße wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die drei nach dem Krieg noch erhaltenen Lichtspielhäuser in Schmargendorf – das Dedy in der Warnemünder Straße (heute: Aldi), das Kino Melodie in der Marienbader Straße (in den 1950er Jahren im Gebäude der AEG an der Cunostraße) und das Deutsche Lichtspielhaus (seit 1951: Kammerspiele Schmargendorf) in der Breiten Straße 33, etwa 100 Meter neben der Dorfkirche, fielen dem Kinosterben in den 1960er und 1970er Jahren anheim. Zwei wurden in Supermärkte umgewandelt, das letztere abgerissen.Sylvaine Hänsel, Angelika Schmitt: Kinoarchitektur in Berlin 1895–1995. Reimer, 1995, ISBN 978-3-496-01129-3.

mini|Franzensbader Straße

Der alte Verlauf der Breiten Straße mit vielen alten Gebäuden fiel einer Begradigung und Verbreiterung für Neubauten zum Opfer. Die Straßenbahn (Linie 51 vom Roseneck zum Bahnhof Zoo), die sich durch den leicht gewundenen Straßenlauf schlängelte, wurde durch eine Buslinie (ehemalige Linie A60, heute Linie 249) ersetzt.

Im Jahr 2018 wurde an der Fritz-Wildung-Straße eine sogenannte Tempohome-Gemeinschaftsunterkunft (Wohncontainer) für bis zu 160 Geflüchtete eröffnet, die erste dieser Art im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.Belegung der Gemeinschaftsunterkunft Fritz-Wildung-Straße in Wilmersdorf. Bezirksamt Berlin-Charlottenburg; abgerufen am 6. Dezember 2018.

Straßen und Plätze

In Schmargendorf befinden sich 78 gewidmete Straßen und 9 Plätze. 18 Straßen davon setzen sich in benachbarten Ortsteilen mit dem gleichen Namen fort. Die Gesamtlänge dieser Straßen im Ortsteil beträgt 39,5 Kilometer.

Parks und Gartenanlagen Messelpark Carl-Ludwig-Schleich-Promenade nördlich der Plöner Straße mit einem Gedenkstein für den Arzt und Dichter Carl Ludwig SchleichCarl-Ludwig-Schleich-Promenade. Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf;abgerufen am 3. Dezember 2018. Betty-Hirsch-Platz am Roseneck, benannt nach der blinden Sängerin und Pädagogin Betty Hirsch; langfristig entsteht ein Duft- und Tastgarten.108. Kiezspaziergang am 11. Dezember 2010. Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf Im Jahr 2022 wurde als erstes eine ertastbare Skulptur aus verschiedenen Natursteinen errichtet, die von der Künstlerin Semra Sevin den Namen (In)Visible Differences erhielt.Inklusive Figur auf dem betty-Hirsch-Platz, hrsg. Berliner Woche, 2022, abgerufen am 27. November 2024. Südlicher Teil der Robert-Stolz-Anlage neben Clayallee und Dünkelbergsteig, erinnert an den Komponisten Robert Stolz Flinsberger Platz mit drei durch Hecken getrennten GartenräumenFlinsberger Platz. Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf; abgerufen am 3. Dezember 2018. Kissinger Platz, in den 1920er Jahren geschaffenes Gartendenkmal Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf; abgerufen am 3. Dezember 2018. Kleingartenkolonien: Alt-Rheingau, Blaupunkt, Friedrichshall, Kissingen, Mannheim, Oeynhausen, Paulsborn-Kudowa Regenrückhaltebecken Forckenbeckstraße

Wirtschaft mini|hochkant|Kraftwerk Berlin-Wilmersdorf vom Funkturm gesehen, im Vordergrund der Stadtring

Das Kraftwerk Wilmersdorf in der Forckenbeckstraße 3–6 wurde 1977 als Spitzenlastkraftwerk auf dem Gelände des 1964 abgebauten Elektrizitätswerks von 1911 errichtet. Es arbeitete nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung, erzeugte also gleichzeitig Strom und Wärme. Seit April 2021 ist das Kraftwerk außer Betrieb; der ehemalige Betreiber des Kraftwerks, das Energieversorgungsunternehmen Vattenfall, baut es seit Juni 2021 zurück.group.vattenfall.com Die weithin sichtbaren drei Schornsteine wurden 2022 abgerissen.