mini|Die Bergpredigt, Fresko von Fra Angelico (1437–1445)

Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging und sich ab dem 4. Jahrzehnt n. Chr. über Judäa hinaus ausbreitete. Ihre Anhänger werden Christen genannt, die Gesamtheit der Christen wird auch als die Christenheit bezeichnet.

Von zentraler Bedeutung für das Christentum ist Jesus von Nazaret, ein jüdischer Wanderprediger, der etwa in den Jahren 28–30 n. Chr. auftrat und in Jerusalem hingerichtet wurde. Die Jünger Jesu waren überzeugt, dass er von den Toten auferstanden sei, und bekannten ihn als Sohn Gottes und als den erwarteten Messias. In ihren Bekenntnissen nennen sie ihn Jesus Christus. Der Glaube an ihn ist in den Schriften des Neuen Testaments grundgelegt. Die weitaus meisten Christen glauben an einen Gott (Monotheismus)Theodore M. Ludwig: Art. Monotheismus. In: Lindsay Jones (u. a.) (Hrsg.): Encyclopedia of Religion. 2., völlig neu erstellte Auflage. New York (u. a.) 2005, Vol. 9, S. 6155–6163. als eine Trinität, das heißt eine Wesenseinheit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist.Gisbert Greshake: Der dreieine Gott – Ein trinitarische Theologie. Freiburg/Basel/Wien, 5. Aufl. 2007.Vgl. die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse Apostolikum, Nizänum und Athanasium. Daneben existieren innerhalb des Christentums kleinere antitrinitarische Gruppierungen.Lothar Ullrich: Antitrinitarier. In: Lexikon für Theologie und Kirche. Durchges. 3. Auflage. Freiburg 2009, Sp. 776–777.Artikel Antitrinitarier. In: Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde. Band 1. 1992, S. 91: „Sie … bildeten eine über die Reformation hinausgehende Gestalt des Christentums im Unitarismus, …“

Die zahlreichen Konfessionen bzw. Kirchen innerhalb des Christentums lassen sich in fünf Hauptgruppen zusammenfassen: die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen, die protestantischen Kirchen, die anglikanischen Kirchen und die Pfingstbewegung.Nach der einzigen übergreifenden, jedoch häufig kritisierten Erhebung betrugen die Anhängerzahlen der einzelnen Strömungen im Jahr 2000 etwa: 66 Millionen (klassische Pfingstler), 176 Millionen (Charismatic Movement), 295 Millionen (Third Wave). Vgl. David B. Barrett, Todd M. Johnson: Global Statistics. In: Stanley M. Burgess; Eduard M. van der Maas (Hrsg.): The New International Dictionary of Pentecostal and Charismatic Movements. Revised and Expanded Edition. Zondervan, Grand Rapids 2002, ISBN 978-0-310-22481-5, S. 283–302. Mit rund 2,5 Milliarden (2022) Mitgliedern ist das Christentum vor dem Islam (2 Milliarden) und dem Hinduismus (1,2 Milliarden) die weltweit am weitesten verbreitete Religion.

Überblick

Bezeichnung

Der Begriff „Christentum“ (von ) wird erstmals in einem Brief des syrischen Bischofs Ignatius von Antiochia im 2. Jahrhundert erwähnt und ist den älteren Begriffen (, Judentum) und (, Hellenismus) nachgebildet. Nach der Apostelgeschichte wurden die Jünger Jesu Christi zuerst von den Bewohnern der zum Römischen Reich gehörenden syrischen Stadt Antiochia am Orontes, in welche die Christen nach den ersten Verfolgungen in Palästina geflohen waren, (, Christen) genannt. Man sah offenbar das Christusbekenntnis der Anhänger Jesu als charakteristisch für ihren Glauben an. Die Christen übernahmen diese Bezeichnung bald auch für sich selbst (vgl. , ). Das deutsche Wort ist erstmals im Mitteldeutschen bei Walther von der Vogelweide belegt.Max Seckler: Art. Christentum I-III. In: Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage, 1993–2001, Zweiter Band, Sp. 1105 ff.

Ursprung

Die Wurzeln des Christentums liegen im Judentum im römisch beherrschten Palästina zu Beginn des 1. Jahrhunderts. Es geht zurück auf die Anhänger des jüdischen Wanderpredigers Jesus von Nazaret. Mit dem Judentum ist das Christentum insbesondere durch den ersten Teil seiner Bibel verbunden, der den jüdischen heiligen Schriften des Tanach entspricht und im Christentum Altes Testament genannt wird. Ohne das Alte Testament wäre der christliche Glaube geschichtslos und bliebe unverständlich. Christen lesen die Texte des Alten Testaments allerdings von Jesus Christus her und auf ihn hin (christologische Interpretation). Das Christentum verbreitete sich in kurzer Zeit im Mittelmeerraum. Dabei übte der Hellenismus erheblichen Einfluss auf das christliche Denken aus.

Selbstverständnis

Der Kern der christlichen Religion rührt nach ihrem Selbstverständnis aus der bedingungslosen Liebe Gottes gegenüber den Menschen und der gesamten Schöpfung. In dieser Liebe, in der sich Gott in der Gestalt des Menschen Jesus von Nazaret offenbart und selbst erschließt, wird die Beziehung Mensch-Welt-Gott geklärt. Sie betrifft alle Daseinsbereiche des Menschen und alle Dimensionen des Menschseins. Die Heilszusage gilt den Menschen aller Nationen, unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht oder gesellschaftlicher Stellung (vgl. ).Max Seckler: Art. Christentum I-III. In: Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Aufl. 1993–2001, Zweiter Band, Sp. 1113 f. Das Christentum versteht sich somit als universale Religion und gleichzeitig als der unüberbietbare Ort, an dem sich Gott den Menschen in der Geschichte zugewandt hat und erfahrbar ist. Diesem Verständnis bzw. dem Sendungsauftrag Christi entspricht der missionarische Charakter des Christentums.

Lehre

Jesus ist nach vorherrschendem christlichen Glaubensverständnis zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch. Die christliche Lehre, die auf dem biblischen Zeugnis basiert, hat folgenden zentralen Inhalt: Gott wandte sich in der Menschwerdung („Inkarnation“) in seinem Sohn Jesus Christus der in Sünde verstrickten Menschheit zu; der Tod Jesu Christi am Kreuz bewirkte die Erlösung durch Beseitigung von Schuld und Sünde der Menschheit.

Die Glaubensgewissheit lag für die ersten Christen in den Ereignissen zu Ostern begründet, dem dritten Tag nach der Kreuzigung Jesu. Damals – so die Überzeugung der Christen – bewirkte Gott an Jesus als erstem von allen Menschen die Auferstehung bzw. Auferweckung und bestätigte somit die Botschaft Jesu vom kommenden Reich Gottes . Die Anhänger Jesu machten die Erfahrung, dass ihnen der auferstandene Jesus erschien und seine bleibende Gegenwart zusagte . Auf diese Oster- bzw. Auferstehungserfahrung gründet sich die christliche Gemeinschaft (Kirche), die an Pfingsten durch den Heiligen Geist die Befähigung zur Erfüllung des Missionsauftrags erhielt.

Dieser Glaube wurde, zusammen mit der Erinnerung an das Wirken Jesu von Nazaret als dem Verkünder der Botschaft Gottes, in Form von gottesdienstlichen Hymnen sowie Bekenntnisformeln ausgedrückt und in Predigten entfaltet. Kern des Bekenntnisses waren auf Jesus übertragene, zum Teil alttestamentliche Hoheitstitel wie „Herr“, Gesalbter (griech. Christus, hebr. Messias), „Sohn Gottes“ und andere.Benedikt XVI.: „erneuerte jüdische Tora“ Schrittweise entstanden die Schriften des Neuen Testaments, die im Laufe der ersten Jahrhunderte – gemeinsam mit der Bibel der Juden – im biblischen Kanon festgehalten sowie bewahrt wurden – als einheitliche Grundlage der christlichen Lehre. In Bezug auf die Anerkennung der weiteren Lehrentwicklung gibt es konfessionelle Unterschiede.

Verbreitung mini|550px|Länder, in denen das Christentum die am meisten verbreitete Religion ist, sind violett (katholisch), blau (protestantisch) oder pink (orthodox) gekennzeichnet.

Das Christentum ist die zahlenmäßig bedeutendste Weltreligion, der schätzungsweise ungefähr ein Drittel aller Menschen auf der Welt angehören. Die meisten staatlichen Statistiken werden auf Selbstbezeichnungen der einzelnen Staatsbürger oder Hochrechnungen zurückzuführen sein, manchmal auch auf amtliche Listen. In vielen Ländern der Erde werden Christen verfolgt, so dass von dort nur ungewisse Zahlen vorliegen.

+ Christentum weltweit in Zahlen (2000) Region Bevölkerung Christen in Mio. Wachstum in Prozent in Mio. Wachstum Europa 730 0,05 % 71,0 % 519,1 −0,4 % Deutschland 82 0,1 % 69,4 % 57,1 −1,0 % Schweiz 7 0,67 % 86,6 % 6,4 0,4 % Österreich 8 0,52 % 89,7 % 7,3 0,2 % Asien 3.691 1,41 % 8,5 % 316,5 3,7 % Afrika 784 2,41 % 48,3 % 379,4 2,8 % Angloamerika 309,6 0,85 % 81,5 % 259,0 0,7 % Lateinamerika 519 1,59 % 91,6 % 476,6 1,5 % Pazifik 31 1,59 % 73,3 % 22,9 0,74 % Weltweit 6.065 1,59 % 32,5 % 1.973,0 1,4 %

Oben angeführt sind die Bevölkerungszahlen der UNO von 1998. Zahlen über Religionszugehörigkeit aus Gebet für die Welt, Ausgabe 2003 (siehe unten). Die Daten stammen aus den Jahren 1998–2000. Die Wachstumsraten betreffen das durchschnittliche Wachstum von 1995 bis 2000, beruhen jedoch zum Teil auf einem Wechsel der Datenbasis. Das Christentum wuchs in dieser Zeit in den meisten Erdteilen der Welt, wobei sich sein Wachstum vom „alten“ Kontinent Europa hin zu den „neuen“ Erdteilen verschob; besonders stark wuchs es in Asien und Afrika. Dieses Wachstum verteilt sich gleichermaßen auf die katholische Kirche, evangelikale Gemeinschaften und Kirchen der Pfingstbewegung. Der Anteil der Lutheraner geht somit langsam zurück. In Europa kann man aufgrund des allgemeinen Geburtenrückganges und der Kirchenaustritte bei gleichzeitiger Migration einen Rückgang der Gesamtzahl der Christen verzeichnen.

Zusammenhalt, Organisation und Richtungen

mini|Das Christusmonogramm mit den griechischen Buchstaben Alpha und Omega. Das „X“ und das „P“ sind die beiden griechischen Buchstaben Chi und Rho und die beiden Anfangsbuchstaben von Christus. miniatur|hochkant=1.5|Überblick über die christlichen Konfessionsfamilien

Die gesamte Christenheit wird als Ekklesia angesehen, als Leib Christi mit Christus als Haupt. Jeder einzelne Christ stellt ein Glied dieses mystischen Leibes dar. Manche christlichen Theologen unterscheiden zwischen der „unsichtbaren Kirche“, die alle gläubigen Christen aller Konfessionen umfasst, und der sichtbaren Kirche, deren Mitglieder mehr oder weniger gläubig sein können.

Innerhalb des Christentums entstanden bald mehrere Gruppierungen bzw. Strömungen, manchmal durch politische Motive oder geographische Gegebenheiten, aber auch durch abweichende Lehrmeinungen. Grob lassen sich diese Richtungen nach ihren Merkmalen in Konfessionen und Denominationen einteilen. Zu einer Konfession oder Denomination gehören eine oder mehrere Kirchen oder Gemeinden. Der einzelne Christ ist Mitglied einer bestimmten Kirche oder Gemeinde. Neben den Konfessionen gibt es auch konfessionsübergreifende theologische Richtungen, beispielsweise liberal, evangelikal oder charismatisch.

Viele Kirchen stehen in einer mehr oder weniger lockeren Gemeinschaft mit anderen Kirchen, die in beiderseits anerkannten Lehren begründet ist, ohne deshalb ihre spezifischen Lehren und ihr Brauchtum aufzugeben. Beispiele für solche Gemeinschaften sind der Ökumenische Rat der Kirchen, die Evangelische Allianz und die Leuenberger Konkordie. Daneben gibt es auch Kirchengemeinschaften, die die vollständige, gegenseitige Anerkennung von Sakramenten, Kirchenmitgliedschaft und Ämtern beinhalten. Beispiele für solche Kirchengemeinschaften sind die Anglikanische Gemeinschaft, die orthodoxen Kirchen und die evangelischen Unierten Kirchen.

Da man den Christen die Taufe nicht angesehen hatte, wollten sie dennoch untereinander und nach außen hin identifizierbar sein. Da das Vaterunser einfache, für jeden wiederholbare Akte aufgewiesen hatte, erfüllte dieses alle Voraussetzungen für ein verbindendes und nach außen abgrenzendes Merkmal.

Historische Entwicklung