mini|Blick über die Coburger Altstadt im Morgengrauen mini|Veste Coburg mini|Rathaus
Coburg (, außerhalb des Herzogtums im 19. Jahrhundert auch Koburg) ist eine kreisfreie Mittelstadt im bayerischen Regierungsbezirk Oberfranken und Sitz des Landratsamtes Coburg. Sie liegt im Norden der Metropolregion Nürnberg unweit der thüringischen Grenze. Vom 16./17. Jahrhundert bis 1918 war sie Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Coburg, von der Mitte des 19. bis Ende des 20. Jahrhunderts Garnisonsstadt. Seit 2005 führt Coburg den Beinamen Europastadt. Über der Stadt erhebt sich mit der Veste Coburg eine der größten Burganlagen Deutschlands.
Geografie Lage und Überblick mini|Judenbrücke von 1783
Coburg liegt zwischen dem südlichen Vorland des Thüringer Waldes, den Langen Bergen und dem Maintal und wird von der Itz durchflossen, in die innerhalb des Stadtgebietes bei der Heiligkreuzkirche die Lauter mündet. Diese vereinigt sich im Stadtteil Neuses mit der Sulz und wird in Coburg noch vom Rottenbach gespeist. Der von Cortendorf kommende Hahnfluss, ein 1967 verrohrter Mühlbach der Itz, mündet am Rand der Innenstadt bei der Judenbrücke in die Itz.
20 Brücken überspannen die Itz im Stadtgebiet. Aus dem Einzugsgebiet der Itz oberhalb Coburgs von ungefähr 346 km² kam es bis zur Errichtung des Hochwasserrückhaltebeckens Froschgrundsee im Jahre 1986 öfters zu größeren Überschwemmungen in der Stadt, insbesondere im tiefer gelegenen Bahnhofsviertel, dem ehemaligen Überschwemmungsgebiet der Itz. Letztmals trat die Itz 2003 in Coburg über die Ufer. Zur Verhinderung solcher Ereignisse wurde 2010 das Hochwasserrückhaltebecken Goldbergsee für Sulz und Lauter angestaut.
Die nächsten Großstädte sind Erfurt, etwa 80 km Luftlinie nördlich, Würzburg, etwa 90 km südwestlich, sowie Erlangen und Nürnberg, etwa 75 bzw. 90 km südlich. Die Höhenlage des Marktplatzes ist , die der Veste .
Stadtgliederung Coburg besteht aus der Kernstadt und zwölf weiteren Stadtteilen.Für die Einwohnerzahlen vom 1. Januar 2011 siehe In: coburg.de, 18. November 2011, Abschnitt 2.4.2 Einwohnerstatistik der Stadtteile Coburgs.
mini|Stadtgliederung von Coburg
StadtteilFlächekm²Einwohner2002DichteEW/km²Einwohner1. Januar 2011 Coburg Mitte (Kernstadt)13,9127.1201.95025.841 Beiersdorf (mit Callenberg)7,31.4211941.487 Bertelsdorf (mit Glend)4,001.4073521.601 Cortendorf1,651.3498181.500 Creidlitz (mit Hambach)2,301.7327531.707 Ketschendorf1,791.5178471.635 Lützelbuch1,00458458420 Neu- und Neershof (mit Neuhof und Neershof)2,5123292254 Neuses2,741.7206281.644 Rögen3,05384126368 Scheuerfeld (mit Dörfles und Eichhof)4,832.4255022.291 Seidmannsdorf (mit Löbelstein)1,98682344667 Wüstenahorn1,232.0021.6281.705 Stadt Coburg48,2942.44987841.120
Zwei Drittel der Bevölkerung wohnen in der Kernstadt im Itztal. Insbesondere die äußeren Stadtteile Rögen sowie Neu- und Neershof haben noch einen stark dörflichen Charakter.
Gemarkungen Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Coburg, Beiersdorf bei Coburg, Bertelsdorf, Coburger Forst-Nordwest, Cortendorf, Creidlitz, Ketschendorf, Lützelbuch, Neuses bei Coburg, Neu- und Neershof, Rögen, Scheuerfeld, Seidmannsdorf und Wüstenahorn. Die Gemarkung Coburg hat eine Fläche von 12,877 km² und ist in 10.070 Flurstücke aufgeteilt.
Nachbargemeinden Folgende Gemeinden des Landkreises Coburg grenzen im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, an die Stadt Coburg: Lautertal, Dörfles-Esbach, Rödental, Ebersdorf bei Coburg, Grub am Forst, Niederfüllbach, Untersiemau, Ahorn, Weitramsdorf und Meeder.
Klima Das Klima Coburgs ist durch die Lage zwischen dem oberen Maintal im Süden und dem Thüringer Wald im Norden gekennzeichnet. Zusätzlich wird es durch die Tallage beeinflusst. Die Sommer sind verhältnismäßig warm, milde Winter verhindert dagegen die Nähe zum Thüringer Wald.
Die Jahresmitteltemperatur liegt bei etwa 8,9 °C, die mittlere Tagestemperatur beträgt im Januar −1,4 °C und im Juli 17,2 °C. Im Mittel gibt es pro Jahr fünf heiße Tage, 36 Sommertage und 28 Eistage. Pro Jahr fallen, relativ gleichmäßig über die Monate verteilt, durchschnittlich 747 mm Niederschlag. Maxima gibt es im Juni mit 82 mm und im Dezember mit 73 mm. Niederschlag über 1,0 mm gibt es im Schnitt an jedem dritten Tag.
Geschichte
mini|„Coburg von der Südseite“, Stahlstich 1837
11. bis 18. Jahrhundert Erstmals urkundlich erwähnt wurde Coburg 1056 in einer Schenkungsurkunde der exilierten Polenkönigin Richeza an den Erzbischof Anno von Köln über das Land um Coburg. 1331 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer Coburg das Stadtrecht und das Recht der eigenen Gerichtsbarkeit.Coburg. In: Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 506 (). 22 Jahre später, im Jahr 1353, erbte Markgraf Friedrich III. von Meißen und somit das Haus Wettin von dem Henneberger Grafen Heinrich die Herrschaft Coburg (Pflege Coburg). Während die Hussiten im Jahr 1430 Bereiche des Coburger Landes plünderten, wurde die Stadt Coburg nicht angegriffen.Walter Schneier: Coburg im Spiegel der Geschichte. Von der Urzeit bis in die Gegenwart. Auf den Spuren von Fürsten, Bürgern und Bauern. Druck- und Verlagsanstalt Neue Presse, Coburg 1985, , S. 59. Im Stadtwappen erschien 1430 der heilige Mauritius.
1485 gehörte Coburg nach der Leipziger Teilung den Ernestinern. Da die sächsischen Kurfürsten die Reformation unterstützten, konnte diese schon bis 1524 in Coburg eingeführt werden. Im Jahr 1530 hielt sich Martin Luther ein halbes Jahr auf der Veste Coburg auf, weil er wegen der über ihn verhängten Acht nicht am Reichstag zu Augsburg teilnehmen konnte. mini|hochkant|Herzog Casimir
Von 1586 bis 1633 war Coburg erstmals Residenz und Hauptstadt des selbständigen Herzogtums Sachsen-Coburg. In dieser Zeit entstanden in Coburg unter Herzog Johann Casimir einige Renaissancebauten, die noch heute das Stadtbild prägen. Nach einer Periode von 1680 bis 1699 unter Herzog Albrecht wurde Coburg 1735 abermals Residenzstadt, diesmal der Herzöge von Sachsen-Coburg-Saalfeld und ab 1826 von Sachsen-Coburg und Gotha.
Ab 1532 kam es in Coburg zu einzelnen Hexenprozessen. Während der Regierungszeit Herzog Johann Casimirs (1586–1633) sind von 1612 bis 1619 und von 1628 bis 1632 etwa 178 Hexenprozesse mit intensiven Verfolgungen nachweisbar. Insgesamt gab es in Coburg und Umgebung im 16. und 17. Jahrhundert mindestens 228 Hexenprozesse.Traudl Kleefeld: Wider das Vergessen. Hexenverfolgung in Franken – Stätten des Gedenkens. J. H. Röll, Dettelbach 2016, S. 26 ff.
19. bis 20. Jahrhundert Anfang des 19. Jahrhunderts wurde unter Herzog Ernst I. das Residenzschloss Ehrenburg neu gestaltet. Der Schlossplatz erhielt mit dem neuen Hoftheater, den Arkaden und dem erweiterten Hofgarten sein heutiges Aussehen.
Wichtig für die Stadtentwicklung war das Jahr 1858 mit dem ersten Eisenbahnanschluss an die Werrabahn. Die Eisenbahnverbindung führte unter anderem dazu, dass in den folgenden 60 Jahren Kaiser, Zaren, Könige und Fürsten oft zum Besuch ihrer Verwandtschaft nach Coburg kamen. Unter der Regentschaft und dem Patronat des liberalen Herzogs Ernst II. wurde die Stadt um 1860 Zentrum der in Vereinen organisierten deutschen Nationalbewegung.
Am 14. November 1918 endete mit dem Rücktritt des Herzogs Carl Eduard die Monarchie. Am 30. November 1919 stimmten in einer der ersten demokratischen Volksbefragungen in Deutschland 9402 Einwohner der Stadt Coburg gegen den Zusammenschluss des Freistaates Coburg mit dem Land Thüringen und 1624 dafür.Walter Schneier: Coburg im Spiegel der Geschichte, von der Urzeit bis in die Gegenwart: auf den Spuren von Fürsten, Bürgern und Bauern. Druck- und Verlagsanstalt Neue Presse GmbH, Coburg 1985, S. 277. Somit kam Coburg am 1. Juli 1920 zum Freistaat Bayern.
Ab 1922 entwickelte sich Coburg zu einer Hochburg des Nationalsozialismus.
Schon 1929 erhielt die NSDAP zum ersten Mal in einer deutschen Stadt bei den Stadtratswahlen die absolute Mehrheit der Sitze. Coburg verlieh 1932 als erste deutsche Stadt Adolf Hitler die Ehrenbürgerwürde. Ab Ende der 1930er Jahre führte Coburg den Ehrentitel „Erste nationalsozialistische Stadt Deutschlands“.Eva Karl: „Coburg voran!“ Mechanismen der Macht – Herrschen und Leben in der „ersten nationalsozialistischen Stadt Deutschlands“. Schnell & Steiner, Regensburg 2024, ISBN 978-3-7954-3945-3, S. 283.
Im Jahr 1925 hatte Coburg 316 jüdische Einwohner. Bei einer Einwohnerzahl von 25.707 lebten 1933 noch 233 jüdische Bürger in der Stadt. Das Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland verzeichnet namentlich 65 jüdische Einwohner Coburgs, die deportiert und größtenteils ermordet wurden.
mini|Coburg 1945
Im Zweiten Weltkrieg wurde Coburg gegen Kriegsende durch Luftangriffe und Artilleriebeschuss zu 4,1 % zerstört,Deutscher Städtetag: Statistisches Jahrbuch deutscher Gemeinden. Braunschweig 1952, S. 384. insgesamt wurden 402 Wohnungen vollständig zerstört und 639 beschädigt. Die Stadt wurde am 11. April 1945 von der 11. US-Panzerdivision besetzt. Die Entscheidung für Bayern im Jahr 1919 gewann rückblickend noch einmal an Gewicht.Martin Ott: Franken oder Thüringen (= Schriftenreihe der historischen Gesellschaft Coburg e. V. Band 30). Coburg 2007, ISBN 978-3-9819391-2-5, S. 84. Coburg wurde Teil der Amerikanischen Besatzungszone, während das thüringische Hinterland zur Sowjetischen Besatzungszone gehörte und bis 1989 durch die Zonengrenze bzw. ab 1949 innerdeutsche Grenze von Coburg abgeschnitten blieb. Coburg lag somit im Zonenrandgebiet.
Im Jahr 1950 verlegte die Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse kraftfahrender Beamter Deutschlands a. G., Erfurt, die heutige Versicherungsgruppe HUK-Coburg, ihren Sitz nach Coburg. Sie ist mit rund 5.500 vor Ort tätigen Mitarbeitern (Stand 2015) größter Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler Coburgs, was die höchsten Gewerbesteuereinnahmen bezogen auf die Einwohnerzahl in Bayern und die fünfthöchsten in Deutschland zur Folge hat.
Im 21. Jahrhundert Coburgs Bedeutung für die Region hat, insbesondere durch die Wiedervereinigung Deutschlands, weiter zugenommen. Die Stadt ist Oberzentrum mit wichtiger Infrastruktur, wie Landestheater, Landesbibliothek, Klinikum und vielen verschiedenartigen Schulen, darunter vier Gymnasien. Seit dem 30. Mai 2005 führt Coburg den Beinamen „Europastadt“. Mit diesem Beinamen bezeichnen sich Städte, die sich dem Gedanken der europäischen Verständigung besonders verschreiben. 2014 wurde Coburg der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1934 wurden Ketschendorf, Wüstenahorn, Cortendorf (mit dem zugehörigen Forstbezirk Coburg I Bausenberg) und Neuses bei Coburg eingemeindet, wodurch Coburg wieder Garnisonsstandort werden konnte (dafür war eine Einwohnerzahl von 30.000 notwendig). Ende der 1930er Jahre folgte die Zuordnung des rund 20 Hektar großen Geländes der Hindenburg-Kaserne auf Dörfleser Flur. Die 1970er Jahre waren durch eine größere Zahl von Eingemeindungen im Rahmen der Gemeindegebietsreform gekennzeichnet. Am Jahresanfang 1972 waren es Lützelbuch, Rögen und Seidmannsdorf (mit Löbelstein) sowie am 1. Juli Beiersdorf bei Coburg (bekannt für das Schloss Callenberg), Creidlitz und Scheuerfeld. Am 1. Juli 1976 kamen die ehemalige Gemeinde Neu- und Neershof und das Gut Neudörfles aus der Gemeinde Dörfles-Esbach dazu sowie am 1. Januar 1977 Bertelsdorf und das 1868 dorthin eingemeindete Glend. 1993 erwarb Coburg von Lautertal 105 Hektar für ein neues Baugebiet. Die Fläche der Stadt hat sich damit seit 1900 von 11,4 auf über 48 Quadratkilometer mehr als vervierfacht.
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