mini|Karl Lehmann (2014) rahmenlos|rechts|Signatur (1994)
Karl Kardinal Lehmann (* 16. Mai 1936 in Sigmaringen; † 11. März 2018 in MainzTraueranzeige Karl Kardinal Lehmann, FAZ vom 17. März 2018) war ein deutscher römisch-katholischer Geistlicher, Theologe und Hochschullehrer und von 1983 bis 2016 Bischof von Mainz. Ab 1968 war er ordentlicher Professor für Dogmatik, von 1987 bis 2008 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Lehmann wurde 2001 von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt.
Leben Kindheit und Jugend mini|Veringenstadt 1963, Primiz von Karl Lehmann. Die liturgischen Assistenten waren Pfarrer Fridolin Abberger und Pfarrer Fridolin Fink. mini|Bischof Karl Lehmann (vorderste Reihe links im Bild), neben ihm Bischof Gerhard Schaffran, Joseph Kardinal Ratzinger und Joachim Kardinal Meisner auf dem Dresdner Katholikentreffen 1987
Karl Lehmann wurde in Sigmaringen als älterer von zwei Söhnen geboren und verbrachte seine Jugend in Veringenstadt, wo sein Vater Karl Lehmann (1903–1986) Volksschullehrer war. Die Mutter Margarete Lehmann (1911–1997) war ausgebildete Buchhändlerin. Sein jüngerer Bruder war Reinhold Lehmann (1939–1998). Von 1942 bis 1945 besuchte Karl Lehmann die Grundschulen in Liggersdorf und Langenenslingen, woher auch seine Eltern stammen. Mit dem Besuch des Staatlichen Gymnasiums Sigmaringen trat er in das dortige Erzbischöfliche Studienheim St. Fidelis ein.
Studium, Priesterweihe, Professur Nach der Schulzeit studierte Lehmann von 1956 bis 1964 Philosophie und Katholische Theologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, wo er im Germanicum-Hungaricum lebte. Er empfing am 10. Oktober 1963 in Rom durch Julius Döpfner die Priesterweihe für das Erzbistum Freiburg. Seine Primiz feierte er zunächst in San SabaKarl Kardinal Lehmann: Erinnerungen an seine Primiz. In: bistummainz.de, abgerufen am 8. März 2014 und dann auch in Veringenstadt. auf der Seite der Pfarreien Herz Jesu und St. Thomas Morus Obertshausen
1962 wurde Lehmann von der Päpstlichen Universität Gregoriana im Fachgebiet Philosophie mit einer Dissertation zum Thema Vom Ursprung und Sinn der Seinsfrage im Denken Martin Heideggers zum Dr. phil. promoviert.Eintrag auf dem Freiburger Dokumentenserver Beim II. Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965 war er als Mitarbeiter des Theologen Karl Rahner tätig; dessen wissenschaftlicher Assistent war er zunächst (1964 bis 1967) am Seminar für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, später (1967) am Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 1967 wurde Karl Lehmann von der Gregoriana im Fachgebiet Theologie mit einer Arbeit zum Thema Auferweckt am dritten Tag nach der Schrift – Exegetische und fundamentaltheologische Studien zu 1 Kor 15, 3b–5 zum Dr. theol. promoviertEintrag auf dem Freiburger Dokumentenserver und durch den Freiburger Erzbischof Hermann Schäufele endgültig für die wissenschaftliche Laufbahn freigestellt.
1968 erhielt er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Dogmatik II der Katholisch-Theologischen Fakultät der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Da Lehmann in Deutschland weder promoviert worden war noch sich habilitiert hatte, war die Berufung mit einem rechtlichen formalen Problem verbunden. Mit Hilfe eines externen Gutachtens des Tübinger Dogmatikprofessors Joseph Ratzinger wurde die Lehrbefähigung Lehmanns, die Venia Legendi, an der Mainzer Fakultät bestätigt.
Zusammen mit Walter Kasper, Joseph Ratzinger, Karl Rahner und anderen plädierte er im Februar 1970 mit dem Memorandum zur Zölibatsdikussion für eine eindringliche Überprüfung und differenziertere Betrachtung des Zölibatsgesetzes der lateinischen Kirche.
Seit 1971 war Lehmann Professor für Dogmatik und ökumenische Theologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau. Ab 1972 war er Mitherausgeber einer Internationalen Katholischen Zeitschrift. 1974 berief ihn Papst Paul VI. in die Internationale Theologenkommission, der er von 1975 bis zu seiner Bischofsweihe angehörte.Daniel Deckers: Der Kardinal. Karl Lehmann. Eine Biographie. Pattloch, München 2002, S. 199. Er war Vorsitzender ihrer Unterkommission zum Studium der Theologie der Befreiung.Daniel Deckers: Der Kardinal. Karl Lehmann. Eine Biographie. Pattloch, München 2002, S. 198. Am 26. März 1979 verlieh ihm Papst Johannes Paul II. den Titel Ehrenprälat Seiner Heiligkeit.Annuario Pontificio per l’anno 1982, Città del Vaticano 1982, S. 1851. Im Dezember desselben Jahres kritisierte Lehmann den Entzug der kirchlichen Lehrbefugnis Hans Küngs durch Johannes Paul II. und bezeichnete diese Entscheidung als „rabenschwarzen Tag für die Theologie“. Ab 1982 war er Mitherausgeber der Schriftenreihe Dialog der Kirchen.
Bischof und Kardinal mini|hochkant|Kardinal Lehmann in weißer Kasel (2007)mini|Kardinal Lehmann (2015) Am 3. Juni 1983 wurde Lehmann vom Mainzer Domkapitel zum Bischof gewählt und infolgedessen am 23. Juni 1983 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Mainz ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm sein Amtsvorgänger, Hermann Kardinal Volk, am 2. Oktober desselben Jahres im Mainzer Dom; Mitkonsekratoren waren Wolfgang Rolly, Weihbischof in Mainz, und Oskar Saier, Erzbischof von Freiburg. Lehmann war der 87. Nachfolger des heiligen Bonifatius auf dem Mainzer Bischofsstuhl und damals der jüngste Bischof Deutschlands.
Nachdem er seit 1985 stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war, wurde er am 22. September 1987 zum Vorsitzenden gewählt. In den Jahren 1993, 1999 und 2005 wurde er jeweils für weitere sechs Jahre in diesem Amt bestätigt. Die letzte Wahl erfolgte auf der Vollversammlung der Bischöfe am 20. September 2005 in Fulda. Am 15. Januar 2008 gab er bekannt, dieses Amt am 18. Februar desselben Jahres niederzulegen.
Im Bistum Mainz führte Lehmann 1996 mit der Strukturreform „…damit Gemeinde lebt“ eine Pastoral ein, in der die einzelnen Gemeinden verstärkt zusammenarbeiten. Diese Pastoralreform wurde im Februar 2007 mit dem Abschluss von Kooperationsverträgen verbindlich. Ein weiteres bedeutendes Ereignis war der 93. Deutsche Katholikentag im Juni 1998, der in Mainz stattfand. Im Januar 2001 gründete er die Initiative „Netzwerk Leben“, die sich für die Beratung von Schwangeren im Bistum einsetzt, nachdem die katholische Kirche in Deutschland aus der Schwangerenkonfliktberatung ausgestiegen war.
Am 21. Januar 2001 verkündete Papst Johannes Paul II. die Namen von 37 Geistlichen, die zur Kardinalskreierung im Konsistorium am 21. Februar vorgesehen waren und kündigte an, in Kürze die Namen weiterer Kardinäle in pectore bekannt zu geben. Diese Ankündigung setzte er am 28. Januar 2001 um und benannte zwei Kardinäle in pectore sowie die Namen von fünf weiteren Priestern, die er in pectore zur Ernennung im Konsistorium am 21. Februar vorgesehen hatte, darunter auch Karl Lehmann. In: bistummainz.de. Lehmann wurde im Rang eines Kardinalpriesters mit der Titelkirche San Leone Magno während des Konsistoriums vom 21. bis 23. Februar 2001 zusammen mit 41 weiteren neu ernannten Kardinälen feierlich in sein Amt eingeführt. Nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. nahm er am Konklave 2005 teil.
Bei Vollendung seines 75. Lebensjahres brachte Lehmann aus Altersgründen ein Rücktrittsgesuch vor, dem Papst Benedikt XVI. nicht stattgab.Papst Benedikt lehnt Rücktrittsgesuch ab. In: Stern, 28. April 2011. Nach dem Rücktritt Benedikts XVI. nahm Lehmann am Konklave 2013 teil. Die Wahl des neuen Papstes Franziskus begrüßte er und sprach von einem „Neubeginn“.Der Spiegel, Ausgabe 12/2013, 18. März 2013, S. 85. Er stellte sich auch hinter den Papst und verteidigte dessen Vorgehensweise zur Zeit der argentinischen Militärdiktatur. mini|hochkant|Kardinalswappen mini|hochkant|Wappenschild als Fensterbild im Mainzer Dom thumb|Das Grab von Karl Lehmann in der Bischofsgruft des Mainzer Doms In einem Interview im Sommer 2015 deutete Lehmann an, dass er mit Vollendung des 80. Lebensjahres im Mai 2016 aus dem Amt scheiden werde.Werner D’Inka, Peter Lückemeier: „So denke ich ja manchmal beinahe selbst.“ (Interview) In: faz.net, 23. November 2014, abgerufen am 29. Juli 2015. Am 16. Mai 2016, dem 80. Geburtstag Karl Lehmanns, nahm Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch an.
Karl Lehmanns Amtszeit war die drittlängste in der Geschichte des Bistums Mainz. Nur Lothar Franz von Schönborn und Willigis waren länger im Amt.
Titel Der offizielle kirchliche Titel Lehmanns seit seiner Ernennung zum Kardinal lautete: Seine Eminenz Karl Kardinal Lehmann, Kardinalpriester der Heiligen Römischen Kirche, durch Gottes Barmherzigkeit und des Heiligen Apostolischen Stuhles Gnade, Bischof des Heiligen Stuhles von Mainz.
Akademisch: Karl Lehmann war ab 1983 Honorarprofessor der Universitäten Mainz und Freiburg i. Br. Außerdem war er, wie weiter unten einzeln aufgeführt, dank seiner Fachautorität und seiner Bekannt- und Beliebtheit neunfacher Ehrendoktor, überwiegend der Theologie sowie der Jurisprudenz und der Humanwissenschaften.
Wappen und Wahlspruch Blasonierung: Geteilt und oben gespalten, oben vorn das Mainzer Rad und hinten in Schwarz ein silberner schräggelegter Schlüssel mit dem Bart nach heraldisch rechts (Wappen des ehemaligen Bistums Worms), begleitet von sechs goldenen Kreuzchen. Im unteren goldenen Schild die aufgeschlagene rote Bibel mit den griechischen Buchstaben A und Ω. Über dem Wappenschild der rote Kardinalshut (Galero) mit herabhängenden 15 roten Quasten (Zeichen der Kardinalswürde). Hinter dem Wappenschild das bischöfliche Vortragekreuz als Verweis auf den Bischof von Mainz. Unter dem Wappen im Spruchband sein Wahlspruch State in Fide („Steht fest im Glauben“) entstammt dem 1. Brief des Paulus an die Korinther .
Emeritierter Bischof Im Dezember 2016 wurde Lehmann Mercator-Professor in Duisburg. Bei seiner ersten Vorlesung am 13. Dezember 2016 bekräftigte er seine Ablehnung einer Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen. Für die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel zeigte Lehmann Verständnis und sagte: „Was hätte Angela Merkel denn machen sollen, als die Menschen in großer Not vor unseren Toren standen?“Duisburg: Angesichts des Elends Mensch bleiben. In: rp-online.de, 15. Dezember 2016
Erkrankung und Tod Ende September 2017 wurde Lehmann nach einem Schlaganfall und einer HirnblutungKardinal Lehmann ist tot Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 11. März 2018, abgerufen am 11. März 2018 ins Katholische Klinikum Mainz eingeliefert. Dort wurde er bis Dezember desselben Jahres behandelt, anschließend in seinem Haus in Mainz gepflegt. Am 5. März 2018 teilte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf mit, dass Lehmanns Gesundheitszustand kritisch sei, und bat die Gläubigen um ihr Gebet.
Karl Kardinal Lehmann starb am 11. März 2018, dem Sonntag Laetare, gegen 4:45 Uhr im Mainzer Bischofshaus im Alter von 81 Jahren. Vom 13. bis 20. März 2018 war sein Leichnam in der Augustinerkirche aufgebahrt, wo sich die Bevölkerung von Lehmann verabschieden konnte. Die Exequien für den verstorbenen Altbischof von Mainz fanden am 21. März 2018 statt. Nach einer Prozession mit dem Sarg Kardinal Lehmanns, die von der Augustinerkirche über die Domplätze Leichhof, Höfchen, Markt und Liebfrauenplatz zum Dom führte, zelebrierte Bischof Peter Kohlgraf dort das Pontifikalrequiem. Der Leichenwagen wurde von Lehmanns langjährigem Chauffeur Klaus Ritzheim gelenkt. Im Anschluss an das Requiem wurde Lehmann in der Bischofsgruft des Domes über seinem Vorgänger Kardinal Volk beigesetzt.
Überdiözesane Aufgaben