miniatur|Posthausschild Kaiserliche Reichspost mit Salvaguardia 1770 Die Kaiserliche Reichspost war das erste überregionale Postunternehmen im Heiligen Römischen Reich. Sie stützte sich auf ein Postregal Rudolfs II. und stand damit offiziell unter dem Schutz des Kaisers. In Kriegszeiten erhielten die Poststationen eine Salvaguardia, die sie vor feindlichen Übergriffen schützen sollte. Betreiber der Kaiserlichen Reichspost waren Mitglieder der Familie der Taxis, die sich ab 1650 mit kaiserlicher Genehmigung in Thurn und Taxis umbenannten und ohne Unterbrechung die Generalpostmeister stellten. Die Zentrale befand sich bis 1701 in Brüssel, der Hauptstadt der Spanischen Niederlande, wurde jedoch im Spanischen Erbfolgekrieg nach Frankfurt und 1748 nach Regensburg verlagert. Mit der Niederlegung der Reichskrone im Jahre 1806 durch Kaiser Franz II. und der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches endete die Kaiserliche Reichspost.

Dieser Artikel behandelt zusammenfassend die Entwicklung der kaiserlichen Reichspost bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, die anschließenden Auseinandersetzungen mit den neuentstandenen eigenständigen Landespostanstalten, die Ausweitung des Postnetzes bis zu den Gebietsverlusten am Ende des 18. Jahrhunderts und der endgültigen Auflösung in der Zeit Napoleons. Die Organisation und die Aktivitäten der (Thurn und) Taxis im internationalen Postwesen können hierbei nur am Rande gestreift werden.

Anfänge miniatur|hochkant|Leonhard I. von Taxis Mit der endgültigen Bestallung des Generalpostmeisters Leonhard I. von Taxis durch Kaiser Rudolf II. 1595 begannen die Vorbereitungen zur Gründung einer Kaiserlichen Reichspost. Leonard I. von Taxis leitete von 1597 bis zu seinem Tod im Jahre 1612 diese Einrichtung von der Brüsseler Zentrale aus. Zusätzlich war er im Auftrag der Spanischen Habsburger als Generalpostmeister in den Spanischen Niederlanden tätig.

Mit der Kaiserlichen Reichspost gewann der Kaiser außerhalb seines eigenen Machtbereiches eine kostenfreie Nachrichtenübermittlung. Er stützte diesen Anspruch auf ein Postregal, das die anderen deutschen Fürsten nicht anerkannten, aber zunächst tolerierten. Wenn das Postnetz erweitert werden sollte, waren deshalb kaiserliche Empfehlungsschreiben notwendig.

Die Kaiserliche Reichspost stand unter dem Schutz des Kaisers und war für jeden Interessenten gegen Bezahlung zugänglich. Anfangs bestanden nur zwei Postkurse im Gebiet des heutigen Deutschland. Im Mittelpunkt stand die Niederländische Postroute, die gleichzeitig ein Transitkurs war. Sie führte von Brüssel über Namur, Flamisoul bei Bastogne, Lieser, Wöllstein, Rheinhausen, das Herzogtum Württemberg, Augsburg, Innsbruck und Trient nach Italien. Eine Nebenlinie führte von Köln über Wöllstein nach Augsburg. Die Poststationen zwischen Wöllstein und Köln unterstanden dem Kölner Postmeister Jacob Henot. Dafür erhielt Henot einen kaiserlichen Zuschuss von jährlich 500 Gulden vom Augsburger Reichspfennigamt.

Die Posthalter der niederländischen Linie, die gleichzeitig den spanischen Habsburgern als Transitkurs diente, wurden von der Brüsseler Zentrale bezahlt. Die spanische Krone garantierte dem Kaiser durch ausreichende Zuschüsse die Bezahlung der Posten. Nach der Niederlage der Spanischen Armada 1588 und zunehmenden Schwierigkeiten mit Frankreich war die Verbindung von Spanien in die Niederlande über Frankreich und den Ärmelkanal nachhaltig gestört. Deshalb gewann der Landweg von Italien nach Brüssel durch das Heilige Römische Reich an Bedeutung.

Konkurrenzsituation

Die Einnahmen der kaiserlichen Reichspost aus der Fremdbeförderung gingen in voller Höhe an die Familie der Taxis in Brüssel. Zusammen mit den spanischen Zuschüssen reichten diese Einnahmen aus, um den reibungslosen Ablauf sicherzustellen.

Ernsthafte Konkurrenten der Kaiserlichen Reichspost waren die Botenanstalten der Städte. Sie hatten bereits Jahrzehnte vorher im Deutschen Reich eine Monopolstellung in der privaten Nachrichtenübermittlung. Durch eine geschickte Vernetzung konnten Briefe an jeden größeren Ort geschickt werden. Die bedeutendsten Botenanstalten befanden sich in Augsburg, in Frankfurt am Main, in Hamburg, in Köln, in Leipzig und in Nürnberg.

Schon vor der Gründung der Reichspost hatte der Kaiser erfolglos versucht, die Tätigkeit der Botenanstalten einzuschränken. Nun aber verstärkte er seine Bemühungen, solche Aktivitäten zu unterbinden. Als Grund für ein Verbot wurden die unterlegten Wechselstationen der Botenanstalten genannt, wo ein Reiter- und Pferdewechsel möglich war, sowie die Benutzung des Posthorns. Am 6. November 1597 erließ Kaiser Rudolf II. ein Dekret, in dem er im Reich und seinen Erblanden das Nebenbotenwesen und die Metzgerpost verbot.Dallmeier, Quellen zur Geschichte des europäischen Postwesens, Band II, Urkundenregesten, Seite 58–59.

Veränderungen und Weiterentwicklung

Der Kölner Postmeister Jacob Henot wurde nach der Postordnung von 1596 dem Generalpostmeister in Brüssel beigeordnet. Am 29. Mai 1598 verpflichtete Henot den Frankfurter Botenmeister Weigand Uffsteiner als kaiserlichen Postmeister in Frankfurt für einen dritten Postkurs zwischen Köln und Frankfurt. Darüber kam es zum Streit.

miniatur|hochkant|Lamoral von Taxis 1619 Auf Betreiben Lamorals von Taxis verschrieb Kaiser Rudolf II. am 25. Oktober 1603 das Postamt Köln und die Posten bis Wöllstein an Leonhard I. von Taxis, dessen Sohn Lamoral und den Enkel Leonhard. Lamoral verzichtete auf den jährlichen Zuschuss von 500 Gulden. Am 28. März 1604 wurde Henot als Kölner Postmeister abgesetzt und durch Johann von Coesfeld ersetzt, der mit einer Frau aus der Familie der Taxis verheiratet war.

Am 6. September 1604 ernannte der Augsburger Postmeister Octavio von Taxis Peter Amerath zum Postmeister in Frankfurt. Die Botenpost zwischen Frankfurt und Rheinhausen wurde in eine Reitpost umgewandelt. Ebenso kamen zwischen Köln und Frankfurt Reitboten zum Einsatz. Am 16. Januar 1608 erhob Kaiser Rudolf II. Leonhard und Lamoral von Taxis in den erblichen Reichsfreiherrenstand. Anfang Mai 1612 starb Leonhard von Taxis.

Die Reichspost unter Kaiser Matthias und Lamoral von Taxis Erste Ausweitung der bestehenden Postkurse

Nach dem Tod Kaiser Rudolfs II. am 20. Januar 1612 in Prag wurde Erzherzog Matthias am 13. Juli 1612 in Frankfurt zum deutschen König und Kaiser gewählt.

Am 20. Juli 1615 verpflichtete sich Lamoral von Taxis, eine Ordinaripost von Köln über Frankfurt und Nürnberg bis zur böhmischen Grenze zu legen. Von dort aus sollte die dem Kaiser unterstehende Hofpost den Betrieb nach Prag fortsetzen. Diese Verbindung war dem Kaiser wichtig, weil der Fürstbischof von Mainz als Reichskanzler in Aschaffenburg residierte. Als Dank erhielt das Haus Taxis vom Kaiser am 27. Juli 1615 das Amt des Generalpostmeisters zum Erbmannslehen. Seitdem nannten sich die Brüsseler Taxis Generalerbpostmeister.

Ende August 1615 begann Johann von Coesfeld mit der Einrichtung eines Postkurses von Köln nach Prag und ernannte Hans Georg Haid zum Postmeister in Nürnberg. Der Nürnberger Stadtrat und die örtliche Botenanstalt widersetzten sich dem kaiserlichen Ansinnen und bereiteten der Kaiserlichen Reichspost für mehrere Jahre Schwierigkeiten.

Einrichtung neuer Postkurse unter Johann von den Birghden

miniatur|hochkant|Johann von den Birghden Nach dem Ausscheiden Hans Georg Sulzers als Postmeister in Frankfurt erhielt Johann von den Birghden am 24. Oktober 1615 die Bestallungsurkunde. Von den Birghden trug entscheidend zur Ausweitung der Kaiserlichen Reichspost bei. Als Lutheraner gelang es ihm in wenigen Monaten, Poststafetten nach Leipzig und nach Hamburg zu organisieren.

Am 20. November 1615 ernannte Johann von den Birghden gegen den Widerstand des Frankfurter Botenmeisters Johann Adam Uffsteiner den Leipziger Botenmeister Johann Sieber zum kaiserlichen Postmeister. Von den Birghden wurde dabei vom sächsischen Kurfürsten unterstützt, der Uffsteiner am 30. Mai 1616 verbot, Briefe nach Leipzig zu befördern. Bis Ende Juni 1616 war eine Postroute von Frankfurt über Fulda, Suhl und Erfurt nach Leipzig eingerichtet.

Danach organisierte von den Birghden bis Ende August 1616 einen Postkurs von Hamburg nach Köln über Rotenburg, Detmold, Unna und Schwelm. Einige Städte an der Route protestierten vergeblich. In Hamburg ernannte Johann von den Birghden Albrecht Kleinhans zum Postmeister.

Situation zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges Historischer Hintergrund Am 23. Mai 1618 gab es in Prag einen ständischen Aufstand unter Beteiligung des Grafen Heinrich Matthias von Thurn, der mit dem Prager Fenstersturz endete. Dies löste im Sommer 1618 den Böhmisch-Pfälzischen Krieg aus mit dem Abfall der Lausitz, Schlesiens und Böhmens von den Habsburgern. Im Jahre 1619 kam es zum Abfall von Mähren, Ober- und Niederösterreich.

Nach dem Tod von Kaiser Matthias am 20. März 1619 wurde der innerösterreichische Erzherzog Ferdinand aus Graz, als Ferdinand II. am 28. August 1619 in Frankfurt zum König und Kaiser gewählt.

Noch als Erzherzog wurde Ferdinand am 22. August 1619 von den Ständen als böhmischer König abgesetzt. Sein Nachfolger wurde der Kurfürst von der Pfalz Friedrich V.

Am 18. November 1620 besiegten die Habsburger in der Schlacht am Weißen Berg vor Prag die Böhmen. Der pfälzische Kurfürst und böhmische Winterkönig wurde geächtet und floh nach Holland.

Wiedereinsetzung Henots als kaiserlichem Postmeister Im Jahre 1623 erzwang der entlassene Kölner Postmeister Jacob Henot nach einem langen Rechtsstreit auf Beschluss des Wiener Reichshofrates seine Wiedereinsetzung als Postmeister in Köln. Kaiser Ferdinand II. verfügte am 3. April 1623, dass Johann von Coesfeld das Amt an Henot abtreten musste. Die Übergabe erfolgte am 6. Mai 1623. Henot erhielt die Posten zwischen Köln und Wöllstein zurück, nicht aber die Posten auf der Strecke von Köln nach Frankfurt.

Zentralisierung unter Leonhard II. von Taxis miniatur|hochkant|Leonhard II. von Taxis Am 8. Juni 1624 wurden Lamoral von Taxis und sein Sohn Leonhard in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben.

Nach dem Tod Lamorals am 7. Juli 1624 wurde das Reichspostlehen offiziell am 17. August 1624 auf Leonhard II. von Taxis übertragen.

Lamoral von Taxis hatte seinen untergeordneten Postmeistern und Organisatoren viel Handlungsspielraum gelassen. Teilweise hatte er ihnen sogar die Postämter als „Afterlehen“ übertragen. Dies versuchte Leonhard II. rückgängig zu machen. Er plante eine zentral von Brüssel aus gesteuerte Organisation. Die übergeordneten Postmeister hießen von nun an im Sprachgebrauch der Kaiserlichen Reichspost Postverwalter.

Nach Jacob Henots Tod am 17. November 1625 trat zunächst dessen Sohn die Nachfolge als Kölner Postmeister an. Er musste jedoch auf kaiserliche Anordnung hin zurücktreten. Erschwerend kam hinzu, dass seine Schwester Katharina am 10. Januar 1627 in Köln als Hexe angeklagt und verhaftet wurde. Leonhard II. von Taxis befand sich zu diesem Zeitpunkt vom 2. bis 17. Januar 1627 in Köln.

Nach dem erfolgreichen Ausschalten der Henots in Köln und der Wiedereinsetzung Coesfelds betrieb Leonhard II. als nächstes Ziel die Entfernung des Frankfurter Postmeisters. Da Johann von den Birghden Lutheraner war, fiel es Leonhard leicht, ihn am kaiserlichen Hof zu diffamieren. Am 3. März 1627 erhielt er vom Kaiser den Befehl, Johann von den Birghden wegen des Verdachtes einer feindlichen Konspiration aus seinem Amt zu entfernen. Leonhard ernannte daraufhin den Katholiken Gerard Vrints zu Birghdens Nachfolger in Frankfurt.

Alexandrine von Taxis als Interimsleiterin miniatur|hochkant|Alexandrine von Taxis Nach dem überraschenden Tod Leonhards II. von Taxis am 23. Mai 1628 übernahm seine Witwe Alexandrine stellvertretend für den minderjährigen Sohn Lamoral Claudius Franz von Taxis die Leitung der Kaiserlichen Reichspost. Kaiser Ferdinand II. bestätigte am 1. August 1628 diese Stellvertretung.

Schwedische Übernahme der Reichspost unter Johann von den Birghden