+Syrisch-Orthodoxe Kirche von AntiochienrahmenlosSiegel der Syrisch-Orthodoxen KircheOrientierungorientalisch-orthodoxTheologieMiaphysitismusSchriftPeschittaGemeinwesenEpiskopalPatriarchIgnatius Aphrem II.Patriarchensitzseit 1959 Kathedrale des Heiligen Georg, Damaskus, SyrienDiözesen37, davon 11 in der autonomen Syrisch-Orthodoxen Kirche von Malankara, IndienMitgliederzwischen 2 und 5 MillionenLiturgiesprachenAramäisch, Arabisch, Türkisch, MalayalamLiturgieLiturgie des Heiligen JakobusKalenderjulianischUrsprungim 1. Jahrhundert nach Christus, AntiochienUnabhängigkeit518 nach ChristusVerbreitungNaher Osten, Indien und in der Diaspora mini|hochkant|Ignatius Ephräm II., Patriarch von Antiochien und dem ganzen Orient der Syrisch-Orthodoxen Kirche, seit 2014 mini|hochkant|Georgskathedrale in Damaskus, Sitz des Patriarchen der Syrisch-Orthodoxen Kirche mini|Hauptkirche Deyrulzafaran in Mardin (Türkei) Patriarchensitz (links) der syrisch-orthodoxen Kirche von 1160 bis 1932
Die Syrisch-Orthodoxe Kirche () ist eine selbständige orientalisch-orthodoxe Kirche, erwachsen aus dem altkirchlichen Patriarchat von Antiochien. Nach Jakob Baradai, dem Begründer der Eigenständigkeit der Kirche, wurden ihre Mitglieder häufig Jakobiten genannt, besonders in der arabischen Sprache ( oder ). Diese Bezeichnung wird von ihnen selbst heute abgelehnt. Oberhaupt ist seit März 2014 Ignatius Ephräm II.; er war zuvor Metropolit und Patriarchalvikar für den Osten der USA. Es gibt rund 14 Millionen syrisch-orthodoxe Gläubige, etwa 1,5 Millionen davon leben in Indien,Syrisch-Orthodoxe Kirche auf der Seite von Pro Oriente, abgerufen am 5. Februar 2026.Nuri Kino: New US-based Syriac Patriarch says he'll return to Syria. World Watch Monitor, 1. April 2014Heleen Murre-van den Berg: Syriac Orthodox Church, in George Thomas Kurian. The Encyclopedia of Christian Civilization, 2011, S. 2304. etwa 100.000 in Deutschland.
Geschichte Geschichte bis zum Konzil von Chalcedon Ursprünge bis zum 3. Jahrhundert Die Kirche von Antiochien ist nach der Urgemeinde in Jerusalem die älteste unter den langfristig bestehenden Gemeinden. Laut der Bibel wurde hier für die Gläubigen erstmals die Bezeichnung „Christen“ verwendet (vgl. ).
Die Syrisch-Orthodoxe Kirche ging überwiegend aus den christlichen Gemeinden der syrischsprachigen Bevölkerung hervor, die um die Zeitenwende Mesopotamien mit seinen angrenzenden Gebieten besiedelte und sich damit auf die Herrschaftsgebiete zweier miteinander verfeindeter Großreiche verteilte: Der eine Teil lebte im Römischen (dann Byzantinischen) Reich, der andere im Partherreich, das im 3. Jahrhundert vom persischen Sāsānidenreich abgelöst wurde. Diese Aufteilung unter die verfeindeten Mächte hatte für die syrische Christenheit auch bald weitreichende Konsequenzen.
3. Jahrhundert bis 4. Jahrhundert Für die christliche Mission (wie für die Handelswege, denen sie folgte) bedeutete die umkämpfte und immer wieder verschobene Reichsgrenze kein Hindernis; das Christentum breitete sich schnell in beiden Bereichen des syrisch-aramäischsprachigem Siedlungsgebietes aus. Der Begriff „Syrer“ stellt die Eigenbezeichnung der indigenen Völker Mesopotamiens (Assyrer und Aramäer) dar. In Edessa, dem heute türkischen Şanlıurfa, das östlich des oberen Euphrat, aber noch auf römischem Boden lag, gab es spätestens seit dem 2. Jahrhundert Christen und ihre Zahl wuchs hier in solchem Maße an, dass im frühen 4. Jahrhundert (also vor Konstantin dem Großen) Edessa im gesamten Römischen Reich als die Stadt mit dem höchsten christlichen Bevölkerungsanteil galt. Bedeutend war auch Nisibis, dessen Bischof Jakob (Mar Jakob) bis heute in der syrischen Kirche ein Heiliger ist. In derselben frühen Zeit hatte die christliche Mission aber auch das aramäische Siedlungsgebiet östlich der Reichsgrenze erreicht. Auch hier gab es Christen seit dem 2. Jahrhundert, vielleicht sogar schon einige Zeit vorher um die Jahrhundertwende im Bergland des nördlichen Irak.
4. Jahrhundert bis 5. Jahrhundert Trotz ihrer gemeinsamen ethnischen Herkunft und trotz ihrer gemeinsamen Sprache fand sich die syrische Christenheit auf Dauer nicht zu einer gemeinsamen Kirche zusammen. Was die Suroye/Suryoye (Eigenbezeichnung der syrischen Christen) in ihrer weiteren Geschichte kirchlich trennte, hatte dogmatische, aber auch politische Gründe. Denn die kirchliche und zugleich konfessionelle Grenze, die die syrischen Christenheit bald spaltete, entsprach ziemlich genau der Reichsgrenze zwischen Römern und Persern, die im 4. Jahrhundert also auch kirchengeschichtliche Bedeutung gewann.
Es blieb für die Christen unter persischer Herrschaft nicht ohne Konsequenzen, dass der römische Kaiser Christ und das Christentum auf römischem Boden zur Staatsreligion wurde. Musste doch nun der zoroastrische persische Großkönig in den Christen seines Reiches Parteigänger des Reichsfeindes sehen, um deren Loyalität er zumal da fürchtete, wo sie im Grenzgebiet siedelten. In dieser Situation grenzten sich die Ostsyrer unter persischer Herrschaft also nun von der Kirche im Nachbarreich ab und schufen sich im 5. Jahrhundert ihre eigene Apostolische Kirche des Ostens, die in einem weiteren Schritt dann auch das nestorianische Christus-Bekenntnis annahm (mit seiner betonten Trennung der wahren göttlichen und der wahren menschlichen Natur in Christus) und damit nun auch konfessionell ihren eigenen Weg ging.
Kirchenspaltung im Vorderen Orient im Zuge des Konzils von Calcedon Die Kirchentrennung im Vorderen Orient, die zur Existenz einer selbständigen Syrisch-Orthodoxen Kirche geführt hatte, war theologisch unvermeidlich geworden, weil die Syrer den christologischen Beschlüssen des Konzils von Chalcedon (451) nicht folgten. Denn hier hatte die Mehrheit Christus als wahren Gott und wahren Menschen in zwei Naturen bekannt; eine den syrischen Theologen zu gefährliche Definition, weil sie durch die Betonung von „zwei Naturen“ die Einheit der Person Christi verletzt sahen und ein Abgleiten in die schroffere nestorianische Zwei-Naturen-Lehre fürchteten. Gemeinsam mit den Kopten Ägyptens und den Armeniern betonten sie vielmehr die wahre Gottheit und die wahre Menschheit Christi in nur einer Natur. „Monophysiten“ wurden sie deshalb von ihren Gegnern genannt; zutreffender freilich ist die Bezeichnung „Miaphysiten“ oder auch „Diplophysiten“, weil sie zwar die eine, aber die eine doppelte (göttliche und menschliche) Natur in Christus bekannten und bekennen. Dieser dogmatische Dissens also wirkte kirchentrennend, wobei freilich zugleich auch der ethnische Gegensatz zwischen Aramäern/Assyrern und Römern bzw. Griechen (wie in Ägypten zwischen Kopten und Griechen) wirkte und den aufgebrochenen Graben vertiefte. Rangstreitigkeiten und Rivalitäten zwischen den Patriarchen von Antiochien, Alexandria, Konstantinopel und Rom taten ein Übriges, um die Konflikte zu verschärfen. mini|Kloster Mor Gabriel, im Südosten der Türkei gelegen Mit ihrem miaphysitischen Bekenntnis stand die Syrisch-Orthodoxe Kirche im krassen konfessionellen Gegensatz vor allem aber zur ostsyrischen „Kirche des Ostens“ mit ihrem früheren nestorianischen Christus-Bekenntnis. So braucht es kaum besonders betont zu werden, dass sich die beiden syrischen Kirchen, die in enger geographischer Nachbarschaft lebten, theologisch heftig befehdeten. Erwähnenswert ist vielmehr, dass es lange Perioden in der Geschichte gab, die ein geradezu „ökumenisches“ Verhältnis zwischen beiden Kirchen erkennen lassen: ein Miteinander mit persönlichen Kontakten auch der höchsten Kirchenführer, ohne dass dabei der konfessionelle Unterschied verschleiert worden wäre. Erklären lässt sich dieses freundliche Nebeneinander über lange Zeiten hinweg aus der gemeinsamen Situation, in der man sich befand. Denn beide Kirchen waren keine Staatskirchen, und beide standen nun (mit den anderen Kirchen des Orients) unter islamischer Herrschaft, die in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts begonnen hatte.
6. Jahrhundert bis 7. Jahrhundert Die Westsyrer im christlichen Römischen Reich dagegen waren mit der Zeit zu Gliedern der römischen bzw. byzantinischen Reichskirche geworden und bildeten einen nicht unwesentlichen Teil des Patriarchats von Antiochien. Aber es kam auch hier bald zum konfessionellen und kirchlichen Bruch aufgrund der dogmatischen Auseinandersetzungen, die in der Reichskirche selbst aufbrachen: im Zentrum stand auch hier um die Frage nach dem rechten Verständnis der Person Christi (nach seiner göttlichen und seiner menschlichen Natur), die unterschiedlich beantwortet wurde und damit letztlich die Kirche spaltete. Unter Kaiser Justinian scheiterte der Versuch, den Konflikt auf dem Fünften Ökumenischen Konzil 553 beizulegen. Nach jahrzehntelangem Streit und teilweiser Verfolgung durch die römische Staatsgewalt schuf der Bischof und Mönch Yaʿqub Burdʿoyo (Jakob Baradai, gest. 578) den Seinen eine von der Reichskirche unabhängige Kirchenorganisation. Damit stand nun eine „syrisch-orthodoxe Kirche“ selbständig neben der „byzantinisch-orthodoxen Kirche“: unter einem eigenen Patriarchen von Antiochien gegen den reichskirchlichen Patriarchen in dieser Stadt. Der syrisch-orthodoxe Patriarch konnte jedoch seit dem 6. Jahrhundert nicht in der Stadt Antiochien residieren. In der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts schloss sich der Syrisch-Orthodoxen Kirche dann auch eine kleinere Gruppe der Ostsyrer auf persischem Boden an, die sich dort der Einführung des Nestorianismus widersetzt hatte. Ihr Oberbischof, der im Rang unmittelbar dem Patriarchen folgte, erhielt den in der Christenheit singulären Titel eines „Maphrian“ mit Sitz in Tagrit (Tikrit) am Tigris, später im Kloster Mor Mattai nördlich von Mossul.
7. bis 13. Jahrhundert mini|Georgskathedrale (Abends beleuchtet) in Damaskus Die Jahrhunderte des Mittelalters waren geistesgeschichtlich eine bedeutende Zeit, nicht nur für die aramäische Christenheit selbst, sondern auch für den Islam, der in vielem vom Geistesleben der Christen profitierte. Dabei war – über die konfessionelle Grenze hinweg – die Gelehrsamkeit der beiden syrischen Kirchen, der Syrisch-Orthodoxen wie auch der Apostolischen Kirche des Ostens, von weitreichender Bedeutung. Die syrischen Theologen betrieben Wissenschaft weit über das im engeren Sinne Theologische hinaus, wobei der bedeutendste frühe Vertreter Jakob von Edessa war. Sie beschäftigten sich vor allem mit der Philosophie des Aristoteles und den medizinischen Lehren Galens. Sie hatten vieles aus dem Griechischen ins Syrische übersetzt (so neben Jakob von Edessa auch etwa Theophilos von Edessa, der am Kalifenhof tätig war). Teilweise übersetzten sie diese Schriften sowie andere direkt aus dem Griechischen auch ins Arabische. Zudem schrieben ab dem 8. Jahrhundert aramäischsprachige Theologen Abhandlungen philosophischer und medizinischer Natur direkt auf Arabisch. Die abbasidischen Kalifen förderten dies, zudem waren ihre Leibärzte zumeist syrische Christen. Christen wie Theodor abu Qurra (Melkit, 750–825), Habib ibn Khidma abu Ra'ita (syrisch-orthodox, Anfang 9. Jahrhundert) und Yahya ibn Adi (syrisch-orthodox, 893–974) prägten die arabisch-philosophische Terminologie. Die aristotelische Ausprägung der islamischen Philosophie, wie wir sie bei Ibn Sina und Ibn Ruschd vorfinden, wurde im Wesentlichen von den syrischen Christen vorgegeben. Damit wurden sie indirekt auch für die abendländische Scholastik prägend, da deren Aristotelesrezeption wiederum auf arabische Vermittlung zurückzuführen ist.
14. Jahrhundert bis zur Neuzeit mini|Syrisch-Orthodoxe Gabrielskirche in Midyat, Türkei