mini|Blick auf Kirche und Schloss Reinsberg ist eine Gemeinde im Landkreis Mittelsachsen, etwa 35 km westlich von Dresden, in der Nähe der Städte Freiberg und Meißen. Das neun Ortsteile umfassende Gemeindegebiet mit 3000 Einwohnern liegt östlich der Freiberger Mulde im Zentrum des Freistaates Sachsen. Mit der Gründung des Klosters Altzella Mitte des 12. Jahrhunderts und Silbererzfunden um Freiberg entstanden die ländlich geprägten Siedlungsgebiete.

Geographie und Landschaft mini|Reinsberg-Neukirchen. Karte des Amtes Meißen, 1750 Die Gemeinde Reinsberg befindet sich inmitten des östlichen Ausläufers des Erzgebirgsvorlandes zwischen dem Osterzgebirge und der Lommatzscher Pflege. Die westliche Gemeindegrenze bildet die Freiberger Mulde. Von Süden ausgehend fließt nach Norden die Bobritzsch, welche innerhalb des Gemeindegebiets zwischen Bieberstein und Hirschfeld in die Freiberger Mulde mündet. Durch die Gemeinde verläuft der Rothschönberger Stolln, ein Wasserlösungsstollen des Brander und Freiberger Bergreviers. Er besitzt im Bereich Neukirchen ein Lichtloch.

Zur Ortschaft Reinsberg der gleichnamigen Gemeinde gehören der Ortsteil Drehfeld in der nordwestlichen Gemarkung an der „Nordstraße“/„Hirschfelder Straße“ und der Gemeindeteil Wolfsgrün in der südöstlichen Gemarkung an der „Freiberger Straße“ in Richtung Krummenhennersdorf.

Geologie Das Gemeindegebiet stellt in geologischer Hinsicht die Nordgrenze eines großflächigen, durch kristalline Schiefer und Gneis geprägten Raumes dar, der sich weiter Richtung Süden vom Osterzgebirge bis zum mittleren Erzgebirge erstreckt.

Nachbargemeinden Die nachfolgenden Gemeinden grenzen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordwesten) an die Gemeinde Reinsberg: Nossen, Klipphausen, Wilsdruff, Halsbrücke und Großschirma.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Reinsberg besteht heute aus neun Ortsteilen in fünf Ortschaften:Ortschaften der Gemeinde Reinsberg

Ortschaften Ortsteile Bieberstein Bieberstein, Burkersdorf, Gotthelffriedrichsgrund Dittmannsdorf Dittmannsdorf Hirschfeld Hirschfeld mit Friedland Neukirchen Neukirchen, Steinbach Reinsberg Reinsberg mit Wolfsgrün, Drehfeld

Geschichte mini|Schloss Reinsberg, 1989 mini|Schloss Reinsberg, 2009 mini|Oberes Mundloch der Reinsberger Rösche (Teil der Grabentour)

Reinsberg entstand im 12. Jahrhundert. Die Gründung des Ortes steht in Verbindung mit der Gründung des von Zisterziensermönchen errichteten Klosters Altzelle und dem Auffinden von Silbererzen im Raum Freiberg. Ab 1168 wurden die meisten dörflichen Siedlungen in dieser Region angelegt.

Der Silberbergbau und die Besiedlung durch fränkische Bauern zur Zeit des hochmittelalterlichen Landesausbaus prägte den Ort. Sie errichteten Siedlungen in Form von Reihendörfern mit Waldhufen (Waldhufendörfer), Gutsblöcken und fränkischen Vierseitenhöfen. Um 1550 lebten 47 „besessene Mann“ (grundbesitzende Bauern) und 52 Inwohner in Reinsberg. Zu dieser Zeit bestand der Ort der Größe nach aus 28 Hufen (in Sachsen gab es die Hufe zu 12, 15, 18, 24 und 30 Acker, wobei der Acker zu 5.534,230 m² groß waren).

An der Freiberger Mulde entstand die Burg Reinsberg. Der Ortsteil Reinsberg war bereits im Jahre 1197 Sitz eines gleichnamigen ritterlichen Herrengeschlechts, wovon heute die Schlösser in Reinsberg und Bieberstein sowie mehrere Rittergüter zeugen. Die für die mittelalterlichen Verhältnisse ideale Lage, schwer zugänglicher Steilhang über der Bobritzsch, war vermutlich für einen deutschen Ritter mit dem Namen Reinhard Veranlassung, den festen Sitz Regensberg (später Reinsberg) zu errichten. Zum Schutz der Dörfer und zur Sicherung der Zehnteinnahmen der Markgrafschaft Meißen und Bistums wurden in der Region Adelsgeschlechter mit Rittergütern belehnt, die Burgen als Wohnsitze errichteten. Der Burgname wurde somit zum Namen des Ortes Reinsberg und dem Geschlecht von Reinsberg. Im 14. Jahrhundert verloren die Reinsberger immer größere Teile ihres Stammsitzes, darunter einen Teil des Dorfes Reinsberg. Diese Anteile wurden, zum Teil über andere Geschlechter, von den von Schönberg erworben.

Schließlich erwarben die von Schönberg im Jahre 1411 von den Reinsbergern den Rest des Stammsitzes. Die Burg ging in ihren Besitz über. Danach residierten die von Schönberg über 500 Jahre auf Schloss Reinsberg und der zugehörigen ausgedehnten Herrschaft. Der Einfluss der von Schönberg reichte vom Meißner Land bis in das Erzgebirge. 1572 erfolgte die Teilung des Besitzes in Oberreinsberg mit dem Schloss Reinsberg und Niederreinsberg mit dem Rittergut Niederreinsberg.

Der Ortsname „Reinsberg“ hat sich im Laufe seiner Geschichte mehrfach geändert und es gab verschiedene Schreibweisen. Folgende Schreibweisen sind aus historischen Quellen überliefert:Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen.

1197: Reinhardus de Regensberg 1198: Regensburch 1205: Regenstein 1219: Regensberg 1255: Regensberc, Reinsberc 1350: Reinsperg 1378: Reynsberg 1428: Rensperg 1485: Reinsperg 1551: Nider-, Ober-Reynsperk 1791: Ober- und Nieder-Reinsberg sind zwey besondere Güther 1875: Reinsberg (Nieder- u. Ober-)

Ober- und Niederreinsberg sowie das in der Flur von Oberreinsberg liegende Wolfsgrün gehörten bis 1836 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Meißen.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 46 f. Ab 1836 gehörten die Orte mit der Grundherrschaft Reinsberg kurzzeitig zum Kreisamt Freiberg.Reinsberg als Ort im Kreisamt Freiberg, Buch "Handbuch der Geographie", S. 606 1856 wurde Reinsberg dem Gerichtsamt Nossen und 1875 der Amtshauptmannschaft Meißen angegliedert. Zu dieser Zeit gehörte Drehfeld politisch schon zur Reinsberg. Bei Gründung des Kaiserreichs 1871 war die Bevölkerung auf 893 Einwohner angestiegen.

Mit dem Ausbau der Schmalspurbahn Potschappel–Wilsdruff bis nach Nossen im Jahr 1898 erhielt das Tal des Dittmannsdorfer Bachs Anschluss an das spätere Wilsdruffer Netz der sächsischen Schmalspurbahnen. Auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Reinsdorf entstanden folgende Stationen: Ortsteil Dittmannsdorf: Stationen Oberdittmannsdorf und Niederdittmannsdorf Ortsteil Reinsberg: Stationen Oberreinsberg und Niederreinsberg Ortsteil Bieberstein: Station Obergruna–Bieberstein Der Haltepunkt Oberdittmannsdorf wurde nach dem Ersten Weltkrieg zum Trennungsbahnhof, dort zweigte die 1921–1923 erbaute Strecke nach Klingenberg-Colmnitz ab, die im Bahnhof Klingenberg-Colmnitz Anschlüsse nach Frauenstein und an die normalspurige Bahnstrecke Dresden–Werdau hatte. Der Personenverkehr trat gegenüber dem Güterverkehr zurück, der letztlich 1972 eingestellt wurde. Teile der ehemaligen Strecke wurden nach der politischen Wende in der DDR als Wanderweg ausgebaut.

Durch die Verwaltungsreform von 1952 in der DDR kam die Gemeinde Reinsberg zum Kreis Freiberg im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Freiberg fortgeführt wurde. Am 1. März 1994 wurden die Gemeinden Bieberstein, Dittmannsdorf, Neukirchen und Reinsberg zur neuen Gemeinde Reinsberg zusammengeschlossen. Die Ortsteile Reinsberg und Drehfeld bilden seitdem eine von fünf Ortschaften der Gemeinde Reinsberg.

1998 erfolgte die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Siebenlehn. Nachdem im Jahr 2003 die Verwaltungsgemeinschaft Reinsberg-Siebenlehn aufgelöst worden war, erfolgte zum 1. September 2003 die Eingliederung der stark verschuldeten Stadt Siebenlehn als Stadtteil in die bisherige Gemeinde GroßschirmaStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003, welcher damit das Stadtrecht zuerkannt wurde. Es war die erste Eingemeindung einer Stadt in eine Gemeinde in Sachsen.

Seit 2008 gehört die Gemeinde Reinsberg zum Landkreis Mittelsachsen.

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung BiebersteinStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. März 1994 BurkersdorfGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches BundesamtVerzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Bieberstein Dittmannsdorf 1. März 1994 DrehfeldGemeinde- und Ortsverzeichnis für das Königreich Sachsen, 1904, Herausgeber: Statistische Bureau des königlichen Ministeriums des Inneren vor 1875 GotthelffriedrichsgrundDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 1. Oktober 1934 Eingemeindung nach Burkersdorf Hirschfeld (mit Friedland) 1. März 1994 Neukirchen 1. März 1994 Steinbach 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Neukirchen Wolfsgrün vor 1875

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl ist jeweils auf den 31. Dezember des angegebenen Jahres beziffert. Jahr Einwohner 1548/51 47 besessene Mann, 52 Inwohner 1764 19 besessene Mann, 28 Häusler 1834 664 1871 893 1890 815 1910 764 1925 774 Jahr Einwohner 1939 760 1946 1119 1950 1077 1964 963 1990 686 1998 3409 1999 3340 Jahr Einwohner 2000 3350 2001 3300 2002 3276 2003 3275 2004 3301 2005 3259 2006 3247 Jahr Einwohner 2007 3247 2008 3221 2012 3010 2013 2998 Quellen: Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Wappen Das Wappen des Ortes stellt auf dem Schild drei Hügel dar. Auf dem mittigen Hügel ist ein Nadelbaum angeordnet, auf dem linken und rechten steht jeweils ein Laubbaum.

Regelmäßige Veranstaltungen Weit verbreitete Feste des ländlichen Raumes wie Walpurgisnacht, Maibaumfest, jährliche Feierlichkeiten von Vereinen, wie dem des Schützenvereins, welcher seit über 200 Jahren jährlich das Vogelschießen austrägt und das der Freiwilligen Feuerwehr haben in Reinsberg ihren Platz im Veranstaltungsjahr.

Politik

Gemeinderat Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 15 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

+letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Verein Gerechte Kommunalabgaben der Gemeinder Reinsberg532,2532,3424,5CDU531,7638,4747,1Regionalbauernverband Erzgebirge e. V.327,1216,5213,3Linke29,1212,7111,6SPD–––––3,5Wahlbeteiligung74,9 %68,7 %57,5 %

Bürgermeister Bürgermeister der Gemeinde Reinsberg ist seit 1. August 2022 Markus Buschkühl (parteilos).Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 12. Juni 2022 Sein Vorgänger war von 1994 bis 2022 Bernd Hubricht (CDU). +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Markus BuschkühlBuschkühl79,62015Bernd HubrichtCDU95,4200882,6200196,5199494,5 Kultur und Sehenswürdigkeiten siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Reinsberg

Bauwerke Bekannteste Bauwerke der Gemeinde sind die Schlösser Reinsberg und Bieberstein.

Die Kirche in Reinsberg soll eine Wallfahrtskirche (Gnadenort) gewesen sein, in der, lt. einem Schreiben des Kardinalkollegiums zu Rom, demjenigen 100 Tage Ablass versprochen wurden, der am Monatsersten (lateinisch: Kalendae) die Kirche aufsuchte, um zu beten und zu opfern.

Daneben haben regionalgeschichtliche Bezüge die Kirche in Neukirchen, in der Kunz von Kauffungen nach seiner Enthauptung die letzte Ruhestätte gefunden haben soll, die Kriegermühle in Steinbach und die Dorfkirche Dittmannsdorf. Zu ihrem Geläut gehörte von 1960 bis 1998 die einzige erhaltene Glocke (Gussjahr 1518) der alten Frauenkirche in Dresden, die inzwischen wieder Teil des Geläuts der Frauenkirche ist.