Salzgitter-Bad (bis 1951 Salzgitter) ist der zweitgrößte von insgesamt 31 Stadtteilen der kreisfreien Stadt Salzgitter in Niedersachsen, gelegen in der Ortschaft Süd, und ist seit dem 23. Januar 1951 der namensgebende Stadtteil der Stadt Salzgitter, die ursprünglich unter dem Namen Watenstedt-Salzgitter am 1. April 1942 gegründet wurde.

Der heutige Stadtteil „Salzgitter-Bad“ war bis 1942 eine Kleinstadt im damaligen Landkreis Goslar. Der Stadtteil weist eine Fläche von rund 19,23 km² auf.Das Statistische Jahrbuch der Stadt Salzgitter 2020 (Seite 17; PDF; 5,9 MB) weist die Fläche der Stadtteile Salzgitter-Bad und Gitter nur zusammen aus (seit 2016: 2221,7 Hektar), da diese Stadtteile keine separaten Gemarkungen bilden. Die Flächenanteile der einzelnen Stadtteile wurden anhand der Karte gemessen.

Geschichte Der Ursprung des Ortes war eine alte Salzquelle, die schon vor der Jahrtausendwende bekannt war und von der die Region den Namen „Salzgau“ erhalten hatte. Diese Salzquelle lag in einem sumpfigen Tal und war daher anfangs nicht besiedelt. Die Salzsieder kamen aus den nahegelegenen Ortschaften Gitter, Vöppstedt und Kniestedt, an deren Grenzen der Salzsumpf lag.

Ortsname Der Ort wurde wegen seiner Salzquelle lange nur als „salina“, ab dem 14. Jahrhundert auch als „solte“, „Dat Solt“ oder „Dat Saltz“ bezeichnet. Zur Abgrenzung gegenüber anderen Salzwerken erschienen 1344/45 auch die Bezeichnung „salina Knistidde“ (Saline bei Kniestedt) und „Salz to Vepstedt“. 1370 hieß es erstmals „Up dem Solte to Gytere“ (also „Das Salz bei Gitter“), hieraus entwickelte sich der Name „Salzgitter“, der seit 1533 verwendet wird. Dieser Name wurde 1951 auf die heutige Stadt Salzgitter übertragen, die 1942 als Watenstedt-Salzgitter gegründet worden war. Der bisherige Stadtteil Salzgitter wurde in Salzgitter-Bad umbenannt.

Gründungsgeschichte mini|hochkant=1.7|Schuchartsche Karte der Saline Salzliebenhalle von 1725

In einer Urkunde vom 22. Mai 1125 wurden erstmals eine Pfannenstelle in Gitter („unum panstel in Gethere“) und ein Salzwerk bei Gitter erwähnt und es wurde der Erwerb einer Salzpfanne durch das Frauenkloster Backenrode (heute Marienrode bei Hildesheim) bezeugt. Auch das Kloster Steterburg war an der Saline beteiligt, Brunnenbauer des Klosters reparierten 1272 einen defekten Salzbrunnen der Saline.Kolbe: Siedlungsgeschichte, S. 16

Um 1125 entstand wahrscheinlich auch der Salzspeicher der Saline. Das Gebäude lag östlich der Salzquellen und war an zwei Seiten vom Sumpf umgeben, wodurch es leicht gegen Angriffe verteidigt werden konnte. Das zunächst nur einstöckige Gebäude wurde 1522 um ein Stockwerk erhöht, neben seiner Funktion als Salzspeicher diente es auch den Bierbrauern als Lager und dem Bürgermeister und den Ratsherren als Amtsgebäude. Dieses älteste Gebäude Salzgitters, der Ratskeller Salzgitter, ist heute noch erhalten und wird als Hotel und Restaurant betrieben.

mini|hochkant|Ruine der Jacobus-Kirche von Vöppstedt Um eine Besiedlung zu ermöglichen, wurde der Sumpf um die Salzquelle durch bis zu sieben Meter hohe Aufschüttungen aus Siedeschutt und Strauchwerk trockengelegt. Der Zugangsweg für die Vöppstedter wurde durch Bohlen gangbar gemacht, dieser Weg heißt noch heute „Bohlweg“. Um 1273 war der Salinenbezirk der Gemeinden Gitter und Vöppstedt durch eine Wallanlage mit Graben geschützt worden, dieser Bereich war etwa 10 Hektar groß. Nach außen führten drei Tore, das östliche Tor nach Vöppstedt, im Nordosten lag das Kniestedter Tor und das westliche Tor führte nach Haverlah und Gitter. Erste schriftliche Belege für diese Tore stammen von 1531 und 1549. Die aus Gitter kommenden Salzsieder siedelten sich im Westen des umfriedeten Bereiches an. Die Vöppstedter verließen ihre alte Siedlung und zogen in den östlichen Bereich, um 1350 war Vöppstedt verlassen und wüst gefallen.Kolbe: Saline Salzliebenhalle, S. 55–58, 177

Für die Gründung der Stadt wird der Zeitraum zwischen 1331 und 1337 angenommen, in dem erstmals die Ortsbezeichnung „Dat Saltz“ aufkam. Anfänglich bildeten die Siedler aus Gitter und Vöppstedt noch eine Doppelgemeinde mit zwei Bürgermeistern, hatten aber schon eine gemeinsame Verwaltung. Wann diese Trennung aufgegeben wurde, ist nicht belegt, vermutlich aber um 1370, als sich als Ortsname „Up dem Solte to Gytere“ (also „Das Salz bei Gitter“) durchsetzte.Kolbe: Salzgitter Chronik, S. 54

In älteren Quellen wird die Vermutung geäußert, dass die Stadt um 1400 schon einmal das Stadtrecht erhalten hatte.Zobel: Heimatbuch des Landkreises Goslar, S. 2ff. Diese berufen sich auf verschiedene Dokumente, in denen stadtähnliche Eigenschaften genannt werden. So hatte Salzgitter zwei Bürgermeister, eine Ratsverfassung, einen Rat mit fünf Mitgliedern und seit 1471 ein eigenes Siegel, von dem sich das heutige Wappen ableitet. Auch wurden die Einwohner schon 1273 als „cives“, also „Bürger“, bezeichnet. Da es aber keine Verleihungsurkunde gibt und Salzgitter sich selbst auch nie als „Stadt“ Salzgitter bezeichnet hat, wird diese These mehrheitlich abgelehnt.Kolbe: Salzgitter Chronik, S. 55–62Kolbe: Geschichte Salzliebenhalle, S. 100, 182. Hinzu kommt, dass der Ort nie eine eigene Gerichtsbarkeit hatte, die als unabdingbares Merkmal einer unabhängigen Stadt gilt. Die Gerichtsbarkeit wurde bis 1370 von den Herren von Kniestedt ausgeübt, danach wurde sie an den Bischof von Hildesheim übertragen, der sie an die Herren von Schwicheldt weitergab. Nach 1523 war das braunschweigische Amt Liebenburg für die Gerichtsbarkeit zuständig.

In der Hildesheimer Bierfehde (1481 bis 1486) hatte die Stadt dem Hildesheimer Bischof Berthold II. die Treue gehalten und dessen Forderung nach einer Biersteuer anerkannt. Die Stadt wurde daraufhin von den gegnerischen Truppen aus Goslar und Braunschweig belagert, dabei wurden die hölzerne Marienkirche von Salzgitter und wohl auch die Jacobus-Kirche von Vöppstedt zerstört. Die Marienkirche wurde nicht wieder aufgebaut, die Vöppstedter Kirche wurde in eine Totenkirche umgewandelt. Als Ersatz bauten die Salzgitteraner eine neue St.-Mariae-Jakobi-Kirche, die den Heiligen der beiden zerstörten Kirchen gewidmet wurde. Die aus der Gründungszeit der Kirche stammende St.-Barbara-Sturmglocke erinnert in ihrer Inschrift an die Schrecken dieses Überfalles.

Salzgitter unter braunschweigischer Herrschaft (1523 bis 1643) Als Folge der Hildesheimer Stiftsfehde wurde 1523 ein großer Teil der Gebiete des Bistums Hildesheim dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zugesprochen. Dazu gehörte auch das Amt Liebenburg und damit Salzgitter und seine Salzquellen. Kaiser Karl V. belehnte Herzog Heinrich den Jüngeren 1530 mit den Salzquellen, der die Saline daraufhin seiner herzoglichen Verwaltung unterstellte. Diese war als selbstständige Gemeinde „Salzliebenhalle“ nun unabhängig vom umliegenden Salzgitter. Die Einwohner Salzgitters konnten anfänglich als Arbeiter auf der Saline weiterarbeiten und erhielten so ihren Lohn, der Erlös aus dem Verkauf des Salzes ging aber an den Herzog, so dass die Gemeinde zunehmend verarmte. Unter Herzog Julius (Regierungszeit 1568–1589) wurde die Saline modernisiert, er stellte aber auch hessische Salzsieder ein, so dass die Arbeitslosigkeit in der Stadt weiter anstieg. Um die Armut zu lindern, gestand sein Nachfolger Herzog Heinrich Julius 1590 der Gemeinde als Ersatz für die entgangenen Einnahmen drei Pfennig für jedes gesottene Werk Salz zu. Weiter gab er der Stadt das Braurecht zurück und verkaufte ihr das Brauhaus und die drei Gaststätten, die sein Vater Herzog Heinrich der Jüngere zuvor enteignet hatte.

Im „Hildesheimer Hauptrezess“ von 1643 wurde vereinbart, die nach der Hildesheimer Stiftsfehde 1523 dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zugesprochenen Gebiete wieder an das Hochstift Hildesheim zurückzugeben, Salzgitter wurde also wieder hildesheimisch. Einzig der Salinenbereich blieb Privatbesitz des braunschweigischen Hauses, Salzliebenhalle war seitdem eine herzoglich-braunschweigische Enklave im hildesheimischen Salzgitter.Kolbe: Geschichte Salzliebenhalle, S. 64–66, 71–74

17. Jahrhundert bis Beginn des 20. Jahrhunderts mini|hochkant=0.5|Klesmer-Denkmal

Im Dreißigjährigen Krieg war Salzgitter mehrfach von durchziehenden Truppen besetzt und teilweise zerstört worden. Der Aufbau wurde erst 1658 mit der Wiederherstellung der Vöppstedter Kirche als Totenkirche und der Windmühle am Windmühlenberg begonnen. Erhebliche Zerstörungen verursachte 1709 ein Brand, dem große Bereiche des Kirchplatzes zum Opfer fielen. Bei zwei weiteren Großbränden am 20. September 1720 und am 11. März 1731 wurden 14 bzw. 18 Häuser vernichtet. Auch während des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) war Salzgitter 1757, 1760 und 1761 von den französischen Truppen besetzt und musste insgesamt 23.000 Reichstaler an Kontributionen zahlen.Zobel: Heimatbuch des Landkreises Goslar, S. 6

Nachdem das Hochstift Hildesheim 1802 säkularisiert worden war, gehörte die Stadt zum Königreich Preußen. In der Franzosenzeit von 1807 bis 1813 wurde Salzgitter ein Teil des Königreichs Westphalen. Die Stadt bildete hier mit den umliegenden Gemeinden den Kanton Salzgitter und gehörte zum Distrikt Goslar im Departement der Oker. Die Saline war in dieser Zeit Eigentum des Königreichs Westphalen, auch war die Bezeichnung „Salzliebenhalle“ aufgehoben. Auf Beschluss des Wiener Kongresses wurde der Ort 1815 wieder dem Königreich Hannover zugeteilt. Dieses wurde 1866 vom Königreich Preußen annektiert. Das Amt Liebenburg, dem der Ort zu dieser Zeit angehörte, wurde 1884 aufgelöst und aus der Stadt Goslar und den bisherigen Amtsbezirken Liebenburg und Wöltingerode wurde der Landkreis Goslar gebildet. Zu diesem gehörte die Stadt bis zur Gründung der heutigen Stadt als Watenstedt-Salzgitter am 1. April 1942. Zuvor waren der Stadt am 25. Oktober 1929 die Stadtrechte verliehen worden.Kolbe: Siedlungsgeschichte, S. 170

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts musste die Produktion der Saline erheblich verringert werden. Grund waren die Einschränkungen zum Export des Salzgitterschen Salzes, das ab 1822 nur noch in den Distrikten Harz und Weser verkauft werden durfte. Schon zuvor waren die Verdienstmöglichkeiten für die Einwohner stetig zurückgegangen, was zur Verarmung führte und das Entstehen des Wandermusikantentums – der salzgitterschen Klesmer – zur Folge hatte. Zwischen 1790 und 1910 zogen etwa 7000 aus Salzgitter kommende Klesmer durch die Welt. Für ihr tägliches Leben hatten sie eine eigene Sprache gebildet, deren Fachausdrücke aus dem Rotwelschen und dem Plattdeutschen kamen. In der Heimat wurden sie von den Kaufleuten unterstützt, das salzgittersche Bankhaus Sievers gab die nötigen Kredite und verwahrte die aus dem Ausland eingezahlten Einnahmen. Zur Erinnerung an die Musikanten wurde 1963 ein Klesmerdenkmal aufgestellt und es wird ein jährliches Klesmerfestival mit Ensembles aus aller Welt veranstaltet.Stadt Salzgitter: Wandermusikanten (Klesmer)

Industrialisierung seit dem 19. Jahrhundert Mit der Eröffnung der Bahnlinie der Braunschweigischen Südbahn von Börßum nach Kreiensen im Jahr 1856 und der Inbetriebnahme des Bahnhofs Salzgitter im folgenden Jahr begann für die Stadt die Industrialisierung.

1858 wurde am Gittertor die „Mechanische Hedegarn-Spinnerei“ gegründet. 1869 wurde diese zur „Mechanische Leineweberei Ahrens & Möker“ erweitert, die hier bis 1939 betrieben wurde und danach nach Stadtoldendorf verlegt wurde. Zeitweilig waren hier 650 Mitarbeiter beschäftigt.