Franz Anton Pilgram (abgekürzt auch F. A. Pilgram, in historischen Urkunden häufig auch Pulgram oder Pilgramb, * 7. Juni 1699 in Feldkirchen in Kärnten; † 28. Oktober 1761 in Wien) war ein österreichischer Baumeister des Barock.
Leben Über Kindheit und Jugend Pilgrams ist wenig bekannt. Historisch belegt ist aber ein Naheverhältnis zu Baumeister Franz Jänggl, der ebenfalls aus der Gegend um Feldkirchen in Kärnten stammte, und häufig als Bauführer für Johann Lucas von Hildebrandt tätig war. Jänggl wurde von Pilgram in Schriften häufig "Vetter" genannt, was zur damaligen Zeit auch zur Bezeichnung eines Onkels verwendet wurde. Ob es sich bei Jänggl um einen reinen Rufonkel Pilgrams handelte, oder beide tatsächlich miteinander verwandt waren, ist nicht bekannt. Der ungarische Kunsthistoriker Pál Voit (1909–1988) vermutete, dass Pilgram früh verwaiste, und der 49 Jahre ältere Jänggl ihn unter seine Obhut nahm. Er unterstütze ihn sowohl beruflich als auch materiell und vererbte Pilgram 1731 auch seinen Betrieb und sein gesamtes Privatvermögen.
Am 30. Mai 1717 nahm Jänggl Pilgram als Lehrling auf. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war Pilgram vermutlich auch in Wien ansässig. Nach Abschluss der dreijährigen Ausbildung am 2. Juni 1720 begann er seine Gesellenzeit. Ob er diese gleich im Anschluss bei Jänggl absolvierte, ist nicht bekannt. Er wird aber 1726 als Maurergeselle und Begleiter Jänggls genannt. Dieser war damals unter Johann Lucas Hildebrandt mit dem Neubau von Stift Göttweig beschäftigt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt kam Pilgram mit Hildebrandt in Kontakt, der neben Jänggl in die Ausbildung Pilgrams involviert war.
Während seiner Gesellenzeit begab sich Pilgram auf Wanderschaft. Diese führte ihn unter anderem in den deutschen Raum, die Niederlande, nach Frankreich, England und vermutlich auch nach Italien, unter anderem nach Rom. Dort kam er vermutlich mit den Bauten Francesco Borrominis in Kontakt, von dessen Werk er unter anderem beeinflusst war.
1729 legte er seine Meisterprüfung positiv ab und wurde Mitglied der Wiener Maurer- und Steinmetzzunft. Der Grund für die mit neun Jahren recht lange Gesellenzeit dürfte in den ausgiebigen Reisen Pilgrams liegen, aber auch darin, dass er seinen Onkel häufig auf dessen Baustellen vertreten musste. 1731 bewarb er sich erfolgreich um die Stelle des Landschauftsbaumeisters des Herzogtums Niederösterreich, das er bis zu seinem Tod am 28. Oktober 1761 ausführte.
F. A. Pilgram ist der Vater des Astronomen Anton Pilgram.
Werke mini|Schloss RuegersBischofspalast in Vác (spätestens 1730) Umbau des Stiftshofes im Wiener Heiligenkreuzerhof (um 1730) Schloss Ruegers in Riegersburg bei Hardegg (1730–1780) Umbau und Erweiterung des Invalidenhauses Wien (1732–1735) Übernahme der Tätigkeiten als Baumeister des Stift Göttweig als Nachfolger von Johann Lucas von Hildebrandt (1732–1746) mini|Kloster SzentgotthárdUmbau des Palais Leeb (siehe Augartenpalais) in Wien (1736/1737) Planung und teilweise Errichtung der Kamaldulenser-Einsiedelei in Majk (1736–1761) Barockkirche und Kloster St. Gotthard in Szentgotthárd (ab 1738) Planung und Errichtung von Kloster und Spitalskirche der Elisabethinen in Pressburg (1739–1745/46) Planung und teilweise Errichtung des Klosters Jasov (ab ca. 1740 bis 1761) Umbau des Elisabethinenklosters und Neubau der Elisabethinenkirche in Wien–Landstraße (1743–1748) Planung und teilweise Ausführung von Schloss Eszterházy in Pápa (ab 1743) Umbau des Prämonstratenserklosters Louka bei Znaim (1745–1761) mini|Kloster LoukaErrichtung des Wiener Tores im Stift Klosterneuburg (1747) Umbau des Palais Rottal in Wien (1750–1754)
Planung der Kirche zur Kreuzerhöhung in Tata (Grundsteinlegung 1751)
Schloss Eszterházy in Tomášikovo (um 1760) Planung und teilweise Errichtung der Kathedrale von Vác (1760–1761) Pläne für den späteren Neubau der Pfarrkirche Podersdorf (errichtet 1791–1796) Quelle: Fanny Papp: Der Architekt Franz Anton Pilgram in Architektur und Ausstattung der ehemaligen Zisterzienserabtei Szentgotthárd
Ehrungen mini|Die indirekt nach F. A. Pilgram benannte Wiener U-Bahn-Station Pilgramgasse Im Jahr 1862 wurde in Wien-Margareten die Pilgramgasse nach ihm benannt, 1867 die neu errichtete Pilgrambrücke zum Nachbarbezirk Wien-Mariahilf. Dadurch ist in weiterer Folge auch die gleichnamige Station der Wiener U-Bahn-Linie U4 (siehe U-Bahn-Station Pilgramgasse) nach Pilgram benannt.
Literatur Thomas Korth: Franz Anton Pilgram und der Bau des Elisabethinenklosters in Linz. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 120. Linz 1975, S. 225–235, , . Pal Voit: Franz Anton Pilgram (1699–1761). Budapest 1982. Nina Kallina: Das ehemalige Stadtbancogebäude, Wien I, Singerstraße 17–19. Der Bau des Architekten Franz Anton Pilgram. Diplomarbeit, Wien 2009.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt (Österreich) Kategorie:Architekt des Barock Kategorie:Person (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Geboren 1699 Kategorie:Gestorben 1761 Kategorie:Mann