mini|Blick aus dem Landesinneren auf die Hauptstadt San Sebastián de La Gomera mini|Statue des Rebellen Hautacuperche mini|Lorbeerwald auf La Gomera mini|Weinanbau auf Terrassen mit Trockenmauern mini|Los Órganos, freigewitterter Vulkanschlot. Die sechseckigen Säulen entstanden durch Risse beim Abkühlen der Lava. mini|Der Roque de Agando () mini|Freigewitterte Vulkanschlote im Zentrum der Insel mini|Felslandschaft bei Valle Gran Rey mini|Agulo an der Nordküste mini|Hermigua an der Nordküste mini|Bergkette und Vegetation auf La Gomera La Gomera ist nach El Hierro die zweitkleinste der sieben Hauptinseln des Kanarischen Archipels im Atlantischen Ozean. Sie gehört zur spanischen Provinz Santa Cruz de Tenerife.

Geografie Die Insel La Gomera liegt rund 1300 Kilometer vom spanischen und 300 Kilometer vom afrikanischen Festland entfernt. Die Entfernung vom nächstgelegenen Fährhafen Los Cristianos auf Teneriffa beträgt 38 Kilometer. Die Insel ist ungefähr kreisrund bei einem mittleren Durchmesser von etwa 22 km. Mit einer Fläche von 369,76 km² hat sie einen Anteil von 4,94 Prozent an der Fläche aller Kanaren. Im Jahr hatte La Gomera Einwohner, das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 61 Einwohnern pro km².

Der 1487 Meter hohe Alto de Garajonay im Nationalpark Garajonay ist die höchste Erhebung der Insel.Susanne Lips, Oliver Breda: La Gomera. Dumont, 2014, ISBN 978-3-7701-7435-5, S. 273.

Geologie La Gomera ist vulkanischen Ursprungs, etwa elf Millionen Jahre alt und besteht zum großen Teil aus poröser Lava, gelbem und rotem Aschentuff und Lapillituff, älteren schräg gestellten Basalten (wie an der Felswand Los Órganos an der Nordküste zu sehen) sowie jüngeren horizontalen Basalten. Der letzte Vulkanausbruch liegt etwa zwei Millionen Jahre zurück. La Fortaleza ist eine phonolithische Quellkuppe (Kryptodom). Einige Vulkanschlote bestehen aus Trachyt. Teile der Insel sind abgesenkt und vom Meer oder durch Wasser und Wind abgetragen. Kerbtäler (barrancos) schneiden tief ein und münden in Muldentäler (valles) mit Sedimentböden. Die Verwitterung ist durch das feuchte Klima fortgeschritten; zurück bleiben schwer lösliche Eisen- und Aluminiumoxide.

Vegetation La Gomera besitzt mehrere Vegetationszonen. Aufgrund der Höhenunterschiede zeigen sich hier verschiedenartige Mikroklimata. Im Norden der Insel finden sich ab 500 Meter Höhe Lorbeerwälder und immergrüne Farne. Oberhalb einer Höhe von 1000 Metern gehen sie fließend in die Fayal-Brezal-Formation über, einen Heidemischwald aus Gagelbaum (faya) und Baumheide (brezo). Im regenarmen Süden der Insel dominieren neben verschiedenartigen kargen Sträuchern der Phönizische Wacholder, Dickblattgewächse der Gattung Aeonium und die Kanarenpalme. In Küstennähe befinden sich vorwiegend Pflanzen, die auf die salzhaltige Brise des Meeres angewiesen sind, zum Beispiel der Strandflieder, diverse Wolfsmilchgewächse, Agaven und Feigenkakteen. Inmitten La Gomeras liegt der Nationalpark Garajonay, der rund 10 Prozent der Inselfläche bedeckt. Sein Ökosystem steht seit 1986 als Weltnaturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Die Wälder im Park sind Lorbeerwälder (Laurisilva), die aufgrund der fehlenden Eiszeit hier noch existieren. Das Herzstück des Nationalparks besteht aus immergrünem, subtropischem Nebelwald mit bis zu zwei Meter hohen Farnen, von den Bäumen hängenden langen Bartflechten, mit Moos bewachsenen Ästen und Bächen mit einigen wenigen Wasserfällen.

Waldbrände 1984 kam es zu großflächigen Waldbränden, die mehrheitlich auf die Bestände der Kanarischen Kiefer beschränkt blieben, allerdings gab es wegen der raschen Ausbreitung über 20 Todesopfer. Im August 2012 betraf erneut ein Großbrand die Insel, begünstigt durch einen sehr trockenen Winter und Frühling, der etwa 40 km² zerstörte. Betroffen waren auch erhebliche Teile des Nationalparks und des Lorbeerwaldbestands.

Klima Klimatisch trennt sich die Insel in die trockene Süd- und die von Passatwinden mit feuchter Luft versorgte, fruchtbare Nordhälfte. Zur Wasserversorgung der in Terrassen an den Berghängen angelegten Feldflächen werden Regen und kondensierendes Wasser in Reservoirs aufgefangen und an die Bewohner verteilt. Neben Bananen werden auch Kartoffeln, Tomaten und Wein angebaut. + Klimatabelle Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Durchschnittliche Höchsttemperatur (°C)212122232425272928262422 Durchschnittliche Tiefsttemperatur (°C)151515161718202120191816 Durchschnittlicher Niederschlag (mm)1824147200010131827 Durchschnittliche Anzahl Regentage643221002567 Durchschnittliche Wassertemperatur (°C)191818181920212223232120

Natürliche Symbole der Insel

Natürliche Symbole der Insel La Gomera sind die Lorbeertaube (Columba junoniae) und die Indische Persea (Persea indica).

Geschichte

Erste Besiedlung Das bisher älteste Fundstück, das darauf hinweist, dass La Gomera im 1. Jahrhundert n. Chr. besiedelt war, stammt von der Fundstelle „El Lomito del Medio-1“ (Casas Cáidas, San Sebastián de La Gomera). Auf den Kanareninseln Lanzarote und Teneriffa ist die Anwesenheit von Menschen seit der Mitte des 10. Jahrhunderts v. Chr. nachgewiesen. Zu dieser Zeit hatten nur die Phönizier Schiffe, die die technischen Voraussetzungen für eine Hin- und Rückreise aus dem Mittelmeergebiet erfüllten. Die archäologischen Fundstücke von Buenavista (Teguise / Lanzarote) weisen auf phönizisch / punische Herkunft hin. Die Theorie, dass ausreichend viele Bewohner der nahen afrikanischen Küste auf gut Glück in einer „Arche-Noah-Aktion“ auf die Inseln gelangten, wird von Historikern heute als sehr unwahrscheinlich abgelehnt. Um die Besiedlung der Kanarischen Inseln zu erklären, wurde seit den 1980er-Jahren, auf der Grundlage von archäologischen Funden die „hipótesis mediterránea“ (mittelmeerische Hypothese) formuliert. Sie besagt, dass phönizisch-punische und später römische Seefahrer vermutlich zu verschiedenen Zeiten Menschen auf den Inseln ansiedelten, die aus dem „Círculo del Estrecho“ stammten. Als „Círculo del Estrecho“ () wird die ausgedehnte geopolitische Zone bezeichnet, die sich über den äußersten Süden der iberischen Halbinsel und den westlichen Teil der nordafrikanischen Küste am Übergang des Atlantischen Ozeans zum Mittelmeer erstreckt.

Die Gründung von Kolonien auf den Kanarischen Inseln war für die Punier aus mehreren Gründen interessant: Es waren strategisch wichtige Gebiete, die reich an potenziell nutzbaren Ressourcen waren. Diese zu kontrollieren und zu nutzen, begünstigte die karthagische Vormachtstellung. Sie boten die Gelegenheit, überschüssige Bevölkerung zu verlegen und soziale Spannungen zu vermeiden. Das waren die Gründe für die Verschiebung von Nordafrikanern in die Siedlungskolonien an die afrikanische Atlantikküste. Mit der Ausdehnung Karthagos scheint auch das Interesse an den Kanarischen Inseln zugenommen zu haben. Der Reisebericht Hannos des Seefahrers aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. beschreibt die Gründungen von phönizisch-punischen Siedlungen an der Westküste Afrikas. Von der Besiedlung der Kanarischen Inseln wird nicht berichtet, das schließt sie aber nicht aus.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand in Nordwestafrika unter der Schirmherrschaft Roms das Königreich Mauretanien. König Juba II., der in Rom aufgezogen worden war, betrieb eine Politik der Siedlungsgründung. Er ließ Anlagen zur Herstellung von Purpur und zum Einsalzen von Fisch an der Westküste Marokkos einrichten. Plinius berichtet, dass Juba II. nach dem Jahr 25 v. Chr. die Fortunatae insulae, wie die Römer die Kanarischen Inseln nannten, erforschen ließ. Auf die Zeitenwende datierte Funde von verschiedenen Inseln deuten auf eine enge wirtschaftliche Verbindung der Kanarischen Inseln mit dem Mittelmeerraum hin. Die intensive und lang anhaltende Verbindung mit der alten mittelmeerischen Welt wurde durch die Römische Reichskrise des 3. Jahrhunderts beendet. Zu dieser Zeit gerieten die Kanarischen Inseln immer mehr in die Isolation. Das führte schließlich dazu, dass die Einwohner der Inseln, die über keinerlei Kenntnisse des Schiffbaus und der Nautik verfügten, nicht einmal Verbindungen zwischen den Inseln unterhalten konnten.

Zeit der isolierten Entwicklung

In der Zeit zwischen dem 4. und dem 14. Jahrhundert entwickelten die Ureinwohner aller Kanarischen Inseln jeweils eine eigenständige Kultur. Die Kultur der Gomeros hatte die gleichen Grundlagen wie die der Altkanarier auf den anderen Inseln. In etwa tausend Jahren entwickelten sich Eigenarten, die eine getrennte Betrachtung der Kulturen der verschiedenen Inseln erfordert.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war die Insel in vier Herrschaftsbereiche geteilt. Trotz dieser Teilung kamen die Gomeros regelmäßig zu Besprechungen und Versammlungen zusammen, bei denen auch Feste gefeiert wurden. Diese Treffen fanden offenbar jeweils zwischen den Bewohnern zweier Stämme statt. Zwischen dem Stamm der Hipalán und dem der Mulagua gab es eine Vereinbarung, dass die Hipalán ihre Ehepartner nur unter den Mulagua suchen durften und umgekehrt.

Wiederentdeckung der Kanarischen Inseln im 14. Jahrhundert Die älteste Nennung des Namens Gomera für diese Insel ist „Gommaria“ auf der Karte des Angelino Dulcert, die 1335 auf der Insel Mallorca erschien.

Im Jahr 1341 schickte der portugiesische König Alfons IV. eine aus drei Schiffen bestehende Expedition zur Erforschung und u. U. Eroberung zu den Kanarischen Inseln. Der Navigator der Expedition, der Genuese Niccoloso da Recco (1327–1367), berichtete, dass es auf La Gomera viele Bäche mit hervorragendem Wasser und in den Wäldern wohlschmeckende Tauben und andere Vögel gäbe. Die Expedition kehrte nach Portugal zurück, ohne den Versuch gemacht zu haben, die Inseln zu erobern.

Während des 14. Jahrhunderts gelangten immer wieder Seeleute und Piraten nach La Gomera. Sie beschränkten sich bei ihren Aufenthalten auf die Versorgung mit Holz und Harz oder den Fang von Vieh und von Menschen, um sie als Sklaven zu verkaufen. Es gibt keine Berichte über Missionsbemühungen auf La Gomera vor dem 15. Jahrhundert.

Entwicklung unter der Herrschaft der Krone von Kastilien Jean de Béthencourt bis Hernán Peraza Das Recht, die Insel zu erobern, um sie danach als Lehensmann des Königs zu beherrschen, gewährten die Könige von Kastilien nacheinander verschiedenen Personen. Um das Herrschaftsrecht zu erhalten, wurden zeitweise übertriebene Angaben über den tatsächlichen Stand der Unterwerfung der Gomeros und über den Stand ihrer Christianisierung gemacht.

Im Jahr 1402 begannen die französischen Adeligen Jean de Béthencourt und Gadifer de La Salle, auf den Kanarischen Inseln Handelsstationen und europäische Siedlungen zu gründen. Als sie feststellten, dass ihre eigenen Mittel dafür nicht ausreichten, unterstellte sich Jean de Béthencourt König Heinrich III. von Kastilien, in dessen Namen er die Bevölkerung der Inseln der Herrschaft der Krone von Kastilien unterwerfen sollte. Die Franzosen besuchten Gomera zweimal, jeweils unter dem Befehl Gadifer de La Salles. Beim ersten Mal wollten sie ihre Wasservorräte auffüllen. Die Chronik Le Canarien, in der zwei französische Kleriker die Ereignisse der französischen Expedition aufzeichneten, berichtet darüber, dass die Franzosen, kaum dass sie die Insel betreten hatten, durch die Ureinwohner angegriffen wurden und sich zurückziehen mussten. Beim zweiten Mal wird die Insel als kleeblattförmig beschrieben mit außerordentlich großen und tiefen Barrancos, bewohnt von vielen Menschen, die eine der eigenartigsten Sprachen benutzten. Das ist sicher eine Anspielung an das Kommunikationssystem Silbo, das die Gomeros bis heute erhalten haben. Die Franzosen machten keine Versuche, La Gomera zu besetzen oder zu erobern.