Salmünster ist neben Bad Soden einer der namengebenden Stadtteile von Bad Soden-Salmünster im osthessischen Main-Kinzig-Kreis und Sitz der Stadtverwaltung. Weitere Stadtteile sind Ahl, Alsberg, Hausen, Eckardroth, Katholisch-Willenroth, Kerbersdorf, Mernes, Romsthal und Wahlert.
Geographie Geografische Lage mini|Die Salz (hinten links) mündet in die Kinzig (von hinten rechts nach vorne rechts)
Salmünster gehört zum Main-Kinzig-Kreis. Es liegt im Kinzigtal, am Nordrand des Spessarts und am Südrand des Vogelsbergs, mit dem Münsterberg, 351 m NHN als höchster lokaler Erhebung.
In die Kinzig mündet bei Salmünster die Salz; Spazier- und Radwege durch die Flussauen verbinden den Stadtteil mit Bad Soden.
Nachbarorte Salmünster grenzt im Norden an die Ortsteile Bad Soden und Ahl, im Osten an den Ortsteil Hausen und den Gutsbezirk Spessart, im Süden an die Stadt Bad Orb, im Südwesten an Aufenau, im Westen Neudorf, zwei Ortsteile der Stadt Wächtersbach und im Nordwesten an den Ort Udenhain, einen Ortsteil von Brachttal.
Geschichte Frühgeschichte Archäologische Funde weisen auf eine frühe Besiedlung, bereits um das Jahr 4.000 v. Chr. hin.
Ursprünge und Ortsname Der Ort Salmünster findet erstmals Erwähnung als Salchenmunster bzw. Salechenmunistri in einer Urkundensammlung des Klosters Fulda, dem sog. Codex Eberhardi, der in den Jahren 1150–1168 angelegt wurde. „Dabei stehe der Anhang munster wohl für eine Mönchsklause, die damals von einem Mönch namens Salucho bewohnt worden war“.
Eine Urkunde, die in dieser Sammlung als Abschrift erhalten ist, beschreibt den Grenzverlauf des Kirchspiels Salmünster aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Als Gründungsdatum des Kirchspiels wird nach Eberhard das Jahr 860 angegeben, richtiger ist wohl das Jahr 886 aus einer Abschrift des 12. Jahrhunderts, in dem „der Mainzer Erzbischof Liutbert eine steinerne Kirche in Salmünster geweiht hatte“.Mit dem Barock kam das Sonnenlicht in die Kirchen – Wissenswertes zur Baugeschichte der Pfarrkirche. In: Gelnhäuser Neue Zeitung. 24. Oktober 2020, S. 35. Die Etymologie des Ortsnamens ist umstritten, sie weist in jedem Fall aber auf eine kirchliche Gründung hin (Endung -munster von lat. monasterium = Klosterzelle). 909 überschrieb das Erzbistum Mainz den Sprengel an das Kloster Fulda.
Stadtgründung 1319 wurde das Stift (Kirche) Salmünster eingerichtet, in dem sich mehrere Weltgeistliche zusammenfanden. Diese übten gemeinschaftlich die priesterlichen Aufgaben in den Gemeinden aus, die der Kirche zu Salmünster beigeordnet waren.
1320 wurde die Siedlung, die sich rund um die Stiftskirche gebildet hatte, auf Bitten des Fuldaer Abtes Heinrich VI. von Hohenberg von Kaiser Ludwig dem Bayern zur Stadt erhoben und mit den Privilegien der vier wetterauischen Reichsstädte Frankfurt am Main, Friedberg, Gelnhausen und Wetzlar ausgestattet. Damit wurde offenbar der Bedeutung des Ortes Rechnung getragen, der eine Wegstation an der bedeutenden Reichsstraße von Frankfurt nach Leipzig war; die heutige Hauptstraße (Frankfurter Straße), die in Nord-Süd-Richtung die Altstadt in der Mitte durchschneidet, folgt dieser historischen Route.
Die kurz darauf angelegte Stadtmauer (fertiggestellt um 1400) verlieh dem Ort seine noch heute im Straßenbild erkennbare bemerkenswert regelmäßige, rechteckige Form. Die restaurierte Stadtbefestigung ist insbesondere am Schwedenring/Amthof (sog. Zent- oder Hexenturm) und am Dammweg (Graben und Stadtmauer) zu besichtigen. An drei von vier Ecken des Rechtecks – mit Ausnahme der Südwestecke mit der Stiftskirche – bildeten sich Höfe aus, die von den landadligen Familien der Umgebung errichtet wurden, darunter die Herren von Jossa und die Herren von Hutten. Diese übten im Auftrag des Klosters Fulda Vogteirechte in Salmünster aus; daran erinnert noch eine „Vogtstraße“. Zu den heute noch erhaltenen Adelssitzen zählen der Huttenhof und der Amthof (Nordwestecke) sowie der Schleifrashof (Südostecke); am Freihof (auch „Alter Hof“ genannt) im Nordosten ist das Areal noch dokumentiert, die Bausubstanz jedoch völlig verändert.
Frühe Neuzeit Obwohl das 16. und 17. Jahrhundert von Unruhe gezeichnet war – u. a. durch die rasche Abfolge von Reformation und Gegenreformation und die zahlreichen Pestepidemien in Salmünster – entging die Stadt weitgehend den Zerstörungen, die die militärischen Konflikte der Zeit hinterließen. Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges ist die Geschichte der „Tapferen Frauen von Salmünster“ überliefert, die nach Aussage des zeitgenössischen Chronisten Johannes Lutz (Wirt des Gasthofs Weißes Roß) den Angriff von 1.200 schwedischen Marodeuren 1646 abwehrten, indem sie diese mit Bienenkörben bewarfen. Den unerschrockenen Verteidigerinnen wurde 2001 im Bereich des abgerissenen Untertors ein bronzenes Denkmal gesetzt.
Infolge des Dreißigjährigen Krieges kamen 1650 die Franziskaner (OFM) der Thüringischen Franziskanerprovinz (Thuringia) nach Salmünster. Kurz zuvor waren sie aus der Nachbarstadt Gelnhausen vertrieben worden. In Salmünster errichteten sie 1691–1694 ihr neues Kloster.
Rund fünfzig Jahre später, 1745, wurde die alte Stiftskirche abgerissen und durch einen zeitgemäßen, barocken Kirchenbau (St. Peter und Paul) ersetzt. Der alte Glockenturm indes blieb erhalten, da er einen Teil der Stadtbefestigung bildete. Erst 1895 wurde der – inzwischen stark baufällige – Turm, nachdem er zum Teil eingestürzt war, niedergelegt und das Material zur Vergrößerung des Klostergebäudes verwendet.
Postverkehr Nach Einrichtung eines Oberpostamtes in Frankfurt durch das Haus Thurn und Taxis legte der Postmeister Johann von den Birghden, 1616 einen festen Postkurs auf der Strecke Frankfurt – Leipzig fest. Salmünster war, ebenso wie Gelnhausen eine der „Posthaltereien“.Peter Nickel: Die Frankfurt-Leipziger Strasse zur Postkutschenzeit. Dokumentation zur Ausstellung des Geschichtsvereins Biebergemünd, 400 Jahre Poststrasse Frankfurt am Main – Leipzig 1616/2016, S. 8. 1729 wird die Posthalterei Salmünster erstmals genannt.Peter Nickel: Die Frankfurt-Leipziger Strasse zur Postkutschenzeit. Dokumentation zur Ausstellung des Geschichtsvereins Biebergemünd, 400 Jahre Poststrasse Frankfurt am Main – Leipzig 1616/2016, S. 27. Schon um 1660 kam, mit der Fürstlich Hessischen Post eine Konkurrenz-Linie auf der gleichen Route hinzu. In der Napoleonischen Zeit (1806–1813) wurden beide Linien zu einer einzigen vereint, die ab dem 2. Dezember 1813 wieder in der Regie von Thurn und Taxis lief. Nach dem Anschluss Salmünsters an das Kurfürstentum Hessen 1816 erhielt die Postanstalt den Namen Postverwaltung.
Mit der Aufnahme des viel günstigeren und leistungsfähigeren Bahnbetriebes auf der Linie Hanau – Fulda kam ein baldiges Ende des Fahr- und des Reisepostverkehrs auf der Via Regia.
Napoleonische Zeit und 19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert wurde Salmünster von den politischen Wirren erfasst, die den Napoleonischen Kriegen folgten. Das Hochstift Fulda wurde 1802 säkularisiert und fiel als Fürstentum Nassau-Oranien-Fulda an Wilhelm V. Batavus von Oranien-Nassau-Dietz bzw. dessen Sohn Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau. Allerdings verlor das Haus Oranien-Nassau seine sämtlichen Besitzungen, als es sich der Koalition gegen Frankreich anschloss und dann von Napoléon aber 1806, im Zuge der Schlacht bei Jena und Auerstedt, besiegt wurde. Infolgedessen wurden die fuldischen Gebiete offiziell zum französischen Departement Fulda, das wiederum 1810 dem neu eingerichteten Großherzogtum Frankfurt inkorporiert wurde. Salmünster, seit alters her Gerichtsort, erhielt die Funktion einer Districtsmairie. Bereits 1813 aber, nach der Niederlage Napoléons in der Völkerschlacht bei Leipzig, kam es zu erneuten Umverteilungen in der Herrschaft. Auf dem Rückzug soll Napoleon am 29. Oktober 1813 in Salmünster vorbeigekommen und der Überlieferung nach auf einer Bank gerastet haben, die heute im Eingangsbereich des Hotels „Engel“ (Bau von 1687) steht.
Fulda wurde nach dem Wiener Kongress kurhessisch, das Amt Salmünster 1822 der Provinz Hanau (ehemals Fürstentum Hanau) als eigener Kreis (Kreis Salmünster) zugeschlagen. Bis 1829 eigenständig, gehörte das Amt Salmünster ab 1830 zum Kreis Schlüchtern.
Salmünster erhielt 1868 einen Bahnhof und 1888 eine evangelische Kirche.
20. und 21. Jahrhundert Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden auf freiwilliger Basis am 1. Dezember 1970 die Gemeinden Alsberg, Kerbersdorf und Romsthal in die Stadt Salmünster eingemeindet; am 1. Juli 1972 auch die Gemeinde Katholisch-Willenroth, die bis dahin zum Landkreis Gelnhausen gehörte. Die Stadt Salmünster wurde am 1. Juli 1974 mit der Stadt Bad Soden bei Salmünster und der Gemeinde Mernes zur Stadt Bad Soden-Salmünster kraft Landesgesetz zusammengeschlossen. Für Salmünster wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.
Einer Altstadtsanierung 1987 folgte die Restaurierung der Stadtmauer in 9-jähriger freiwilliger Arbeit (2000 bis 2009) durch eine Gruppe Salmünsterer Bürger. An der Mühlenbachbrücke dokumentiert ein Gedenkstein mit der Inschrift Mensterer Stääklopper ho die Mauer goanz gemocht diese Restaurierung.
Die Franziskaner haben 2004 das Kloster aufgegeben. Im ehemaligen Klostergebäude befindet sich heute ein modernes Bildungs- und Exerzitienhaus der Diözese Fulda.
Jüdisches Leben in Salmünster Mittelalter und Neuzeit Die günstige Lage an der Frankfurt-Leipziger Handels- und Heeresstraße führte vermutlich, ähnlich wie in Soden, schon im Mittelalter „zur Ansiedlung jüdischer Familien und Kaufleute in der Altstadt Salmünsters“.Stolpersteine Altstadt Salmünster aufgerufen am 20. September 2021. Ein Nachweis jüdischen Lebens in Salmünster findet sich aber erst, als in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, im Jahr „1655 Jacob der Jud als Grundbesitzer aus Salmünster aufgelistet“ wird.Georg Wilhelm Hanna, „Die Geschichte der Juden in Bad Soden-Salmünster“ aufgerufen am 20. September 2021.
Die Ansiedlung von Juden im eigenen Herrschaftsbereich stellte für die Obrigkeit, wegen des von Juden zu entrichtende Schutzgeldes, eine interessante Einnahmequelle dar. Erst nach der Französischen Revolution, zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlangten die Juden eine Gleichberechtigung. Die Gemeinde wuchs und erfüllte 1848 die „Voraussetzungen zur Gründung einer Synagogengemeinde, nämlich das Vorhandensein von zehn männlichen Erwachsenen, die die liturgischen Feiern abhalten konnten“. 1865 wurde ein am Mühlbach gelegener städtischer Schafstall, zur Synagoge ausgebaut. Der große Synagogenraum diente gleichzeitig als Schulraum. Eine jüdische Schule existierte aber bereits zuvor und stand im Verband mit Wächtersbach (seit 1856). Die Schule blieb noch eigenständig bis zur Gründung der Henry-Harnischfeger-Schule 1931. Der Synagoge angeschlossen war auch, dank des vorbeifließenden Mühlbachs, eine Mikwe, das rituelle Frauenbad.
In der Mehrzahl waren die jüdischen Mitbürger von Salmünster Händler oder Kaufleute und zum Beispiel im Viehhandel tätig. Die Familiennamen waren: Neuhaus, Stern, Grünebaum, Selig und Jakobi. Sie bekleideten teilweise auch öffentliche Ämter, wie etwa Herr Stern, der während des Weltkrieges (1914–1918) Stadtrat war.
Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden im 17. Jahrhundert in Gelnhausen, später in Eckardroth, seit 1923 auf einem eigenen, in diesem Jahr eingeweihten Friedhof beigesetzt. Auf dem 1937 behördlich geschlossenen und abgeräumten Friedhof konnten nach 1945 noch zwei wiedergefundene Grabsteine errichtet werden. 1966 folgte ein Gedenkstein mit den Namen der sieben dort bestatteten jüdischen Mitbürger.Friedhof aufgerufen am 20. September 2021.
Verfolgung