QGIS (ehemals Quantum-GIS) ist eine freie Geoinformationssystemsoftware zum Betrachten, Bearbeiten, Erfassen, Analysieren, Konvertieren und Darstellen räumlicher Daten.

Applikation QGIS ist nach GNU General Public License lizenziert. Wesentliche Merkmale der Applikation sind die breite Unterstützung gängiger Vektordaten und Rasterdaten wie GeoPackage, Shapefile oder GeoTIFF, aber auch räumlicher Datenbanken wie PostGIS und SpatiaLite, ausgereifte Digitalisier-Werkzeuge zum Erfassen von Vektordaten sowie eine Druckzusammenstellung zum einfachen Erstellen von Kartenausdrucken.

Die QGIS-Architektur baut stark auf Erweiterungen (Plugins) auf, nennenswert sind die fTools-Werkzeuge für allgemeine vektorbasierte Aufgaben oder die GRASS-Erweiterung für anspruchsvolle räumliche Analysen. Eine GPS-Erweiterung erlaubt es, GPX-Dateien zu lesen oder direkt auf ein GPS-Gerät zuzugreifen. Andere Erweiterungen erlauben das Einbinden von WMS- und WFS-Diensten, den Zugriff auf OSM-Daten, das KML-Format oder Datenbanken. Viele dieser Erweiterungen wurden nach und nach direkt in den Corecode von QGIS übernommen.

Geladene Themen bzw. Layer sowie z. B. deren Farbgebung, Stile und andere Einstellungen werden vom Nutzer in einer QGIS-Projektdatei (.qgz) frei zusammengestellt und gespeichert.

Wesentliche Teile der grafischen Benutzeroberfläche sind in über 40 verschiedene Sprachen übersetzt.

Aufgrund seiner geringen Kosten eignet es sich beispielsweise für Studium und Lehre. Anwendungsbeispiele umfassen die Planung von Standorten für Windenergieanlagen, die Arbeit an Modellen und Atlanten und das kontrastive Arbeiten mit verschiedenen Modellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Entwicklung Gary Sherman begann im Jahr 2002 mit der Entwicklung von Quantum GIS, welches im Jahr 2007 zu einem Inkubatorprojekt der Open Source Geospatial Foundation wurde. Die Version 1.0 wurde im Januar 2009 veröffentlicht.

Im Jahr 2013 wurde einhergehend mit dem Update auf die Version 2.0 der Name des Programms von „Quantum GIS“ zu „QGIS“ geändert um Missverständnisse zu vermeiden, da zu diesem Zeitpunkt beide Namen gleichzeitig verwendet wurden.

QGIS wurde hauptsächlich in C++ geschrieben und verwendet häufig die Qt-Bibliothek. Neben Qt beinhalten die vorausgesetzten Abhängigkeiten von QGIS GEOS und SQLite. GDAL, GRASS GIS, PostGIS, und PostgreSQL werden auch empfohlen, da sie den Zugang zu weiteren Datenformaten ermöglichen.

QGIS kann auch als Grafische Benutzeroberfläche für GRASS verwendet werden. QGIS hinterlässt, verglichen mit kommerziellen GISen, nur einen kleinen Installations-Footprint im Dateisystem des Hosts und benötigt generell weniger Arbeitsspeicher und Rechenleistung. Daher kann QGIS auch mit begrenzter Leistung des Prozessors verwendet werden, etwa auf älterer Hardware oder mit gleichzeitig laufenden anderen Anwendungen.

QGIS wird von freiwilligen Entwicklern mit regelmäßigen Updates und Patches aufrechterhalten. QGIS ist von Entwicklern in 41 Sprachen übersetzt worden und wird international im akademischen und professionellen Kontext angewandt. QGIS wird von mehreren Unternehmen kommerziell unterstützt.

QGIS hat mit Stand März 2023 über 500.000 tägliche und über 10 Millionen monatliche Programmstarts, im November 2025 bereits über 20 Millionen monatliche Starts.

Programmierschnittstelle Die Grundlage von QGIS und seinen Erweiterungen bildet die plattformunabhängige Qt-Bibliothek, die das Entwickeln von Applikationen mit grafischen Benutzeroberflächen im Stil des Wirtsbetriebssystems ermöglicht (QWindowsVistaStyle, QWindowsXPStyle, QMacStyle).

QGIS bietet eine Programmierschnittstelle, die das Verwenden von vorhandenen QGIS-Funktionalitäten in eigenen Programmen oder das Schreiben von Erweiterungen für QGIS erlaubt. Erweiterungen können sowohl in C++ als auch in Python (PyQt) entwickelt werden. Die Programmierschnittstelle unterteilt sich in vier Module: QGis.Core für grundlegende Funktionalitäten wie Datenzugriff, Geometrien oder Projektionen QGis.Gui für Elemente der Benutzeroberfläche QGis.Analysis mit Klassen zur Analyse von Vektor- und Rasterdaten MapComposer mit Klassen der Druckzusammenstellung Hierdurch ergeben sich zahlreiche Ergänzungen des Hauptprogramms. So ermöglicht die Anwendung AskGIS beispielsweise im Proof of Concept die Verknüpfung QGIS' mit dem Sprachmodell GPT-3, was die Selektion und Abmessung von Objekten per Texteingabe ermöglicht.

Zur Einführung in die Datenbankanbindung existieren verschiedene einführende Skripte. Neben PostGIS wird PyQGIS verwendet.

Systemanforderungen Hardware Aufgrund des relativ geringen Speicherbedarfs und des damit einhergehenden geringen Anspruchs an die Hardware eignet sich QGIS auch für den Einsatz auf älterer Hardware bzw. kann parallel zu anderen Anwendungen laufen. Für einfache Operationen hat QGIS minimale Anforderungen (4 GB RAM, 1 GB freier HDD Speicher), aber um große Datensätze effizient zu handhaben, wird mindestens 8 GB + RAM, einen Multi-Core-Prozessor (1,9 GHz +) und reichlich Speicher (512 GB + SSD empfohlen). Für eine optimale Leistung, insbesondere bei 3D-Modellen, ist eine dedizierte Grafikkarte (GPU) von Vorteil, mit schnelleren CPUs und deutliche mehr RAM.

Betriebssystem QGIS ist auf mehreren Betriebssystemen, wie etwa Mac OS X, Linux, Unix, und Microsoft Windows verfügbar. Als Mobile App Qfield ist es auch für Android in einer angepassten Variante für Erfassungen im Gelände verfügbar.

MacOS / OS X Aufgrund der schnellen Entwicklung der Software wurden QGIS-Abhängigkeiten von verschiedenen Libraries sehr oft aktualisiert und dadurch hat sich die Kompatibilität mit den Versionen des Betriebssystems macOS (bzw. OS X) mit der Zeit verändert. Folgende Tabelle stellt die offiziell unterstützten Versionen dar und ist nur zur Kenntnisnahme angegeben. QGIS-Versionen können auch manchmal auf älteren oder neueren macOS-Versionen laufen als die hier genannten, jedoch oft mit Fehlern. +Mac-KompatibilitätBasiert auf der Verfügbarkeit von alten dmg.QGIS Versionenälteste Mac-Versionneuste Mac-Version0.8.0–0.9.0Erste QGIS-Versionen für Mac.OS X 10.4Mac OS X 10.4 ist die erste offiziell unterstützte Version, aber die älteren QGIS-Versionen könnten auch in OS X 10.3 laufen.OS X 10.60.9.1–1.3OS X 10.4OS X 10.51.4–1.7.0OS X 10.5OS X 10.61.7.1–1.8OS X 10.6OS X 10.92.0OS X 10.6OS X 10.72.2–2.10OS X 10.7OS X 10.102.12–2.18OS X 10.8macOS 10.123.0–3.2OS X 10.10macOS 10.143.4–3.8OS X 10.11macOS 10.143.10–3.14macOS 10.12macOS 10.153.16Kompatibel mit macOS 10.12 und höher3.18 und höherKompatibel mit macOS 10.13 und höher

Versionsgeschichte Version Codename Freigabedatum Anmerkungen und wichtigste Änderungen Juli 2002 Import und Anzeigen von PostGIS Daten 10. Aug. 2002 Support für Shapefiles und andere Vektorformate 15. Aug. 2002 Verbesserungen im Bereich der Layer (Ebenen), Farben, Anzeige der Eigenschaften in eigenem Fenster 5. Okt. 2002 Fehlerbereinigung, Stabilitätsverbesserungen, Linienstärke nun wählbar, Zoomfunktionen verbessert 24. Nov. 2002 Weitere Verbesserungen bei PostGIS, Layer-Identifikation, Anzeigen und Sortieren von Attributtabellen 30. Nov. 2002 11. Dez. 2002 25. Jan. 2003 13. Mai 2003 10. Juni 2003 10. Juni 2003 8. Dez. 2003 14. Feb. 2004 Support für Rasterdaten hinzugefügt „Moroz“ 25. Feb. 2004 „Pumpkin“ 26. Apr. 2004 freshmeat.net „Madison“ 28. Mai 2004 freshmeat.net „Baby“ 4. Juli 2004 freshmeat.net „Bandit“ 5. Okt. 2004 freshmeat.netsvn.osgeo.org „Simon“ 19. Dez. 2004 freshmeat.net „Seamus“ svn.osgeo.org 11. Okt. 2005 freshmeat.net 7. Jan. 2007 „Titan“ 15. Juni 2007 benannt nach Titanfreshmeat.net „Ganymed“ 26. Okt. 2007 benannt nach Ganymedblog.qgis.orgfreshmeat.net „Ganymed“ 6. Jan. 2008 blog.qgis.orgfreshmeat.net „Io“ 3. Mai 2008 benannt nach IoAnnouncing the release (englisch) „Metis“ 21. Juli 2008 benannt nach MetisAnnouncing the release (englisch) „Kore“ 5. Jan. 2009 benannt nach KoreAnnouncing the release (englisch) „Pan“ 12. Mai 2009 benannt nach Pan „Daphnis“ 1. Sep. 2009 benannt nach DaphnisAnnouncing the release (englisch) „Mimas“ 20. Sep. 2009 benannt nach MimasAnnouncing the release (englisch) „Enceladus“ 10. Jan. 2010 benannt nach EnceladusAnnouncing the release (englisch) „Tethys“ 29. Juli 2010 benannt nach TethysAnnouncing the release (englisch) „Copiapó“ 27. Nov. 2010 benannt nach CopiapóAnnouncing the release (englisch) „Wrocław“ 19. Juni 2011 benannt nach BreslauAnnouncing the release (englisch) „Lisboa“ 21. Juni 2012 benannt nach LissabonAnnouncing the release (englisch) „Dufour“ 8. Sep. 2013 benannt nach der Dufourspitze (englisch)Changelog for QGIS 2.0 (englisch) „Valmiera“ 22. Feb. 2014 benannt nach ValmieraAnnouncing the release (englisch)Changelog for QGIS 2.2 (englisch) „Chugiak“ 27. Juni 2014 benannt nach Chugiak, einer Gemeinde im Verwaltungsbezirk AnchorageAnnouncing the release (englisch)Changelog for QGIS 2.4 (englisch) „Brighton“ 1. Nov. 2014 benannt nach BrightonAnnouncing the release (englisch)Changelog for QGIS 2.6 „Wien“ 20. Feb. 2015 benannt nach WienAnnouncing the release (englisch)Changelog for QGIS 2.8 „Pisa“ 26. Juni 2015 benannt nach PisaAnnouncing the release (englisch)Änderungsprotokoll für QGIS 2.10 „Lyon“ 23. Okt. 2015 benannt nach LyonAnnouncing the release (englisch)Änderungsprotokoll für QGIS 2.12 „Essen“ 29. Feb. 2016 benannt nach EssenAnnouncing the release (englisch)Änderungsprotokoll für QGIS 2.14 „Nødebo“ 22. Juli 2016 benannt nach Nødebo, einer Ortschaft in der Hillerød KommuneAnnouncing the release (englisch)Changelog for QGIS 2.16 (englisch) (LTR) „Las Palmas“ 21. Okt. 2016 Letzte Version in der 2.x-Serie, benannt nach Las Palmas de Gran Canaria „Girona“ 23. Feb. 2018 benannt nach Girona,basiert auf Qt 5 sowie PyQt 5 und Python 3Changelog for QGIS 3.0.0 (englisch). „Bonn“ 22. Juni 2018 benannt nach Bonn (LTR) „Madeira“28. Okt. 2018benannt nach MadeiraChangelog for QGIS 3.4 (englisch) „Noosa“22. Feb. 2019 benannt nach Noosa Shire „Zanzibar“21. Juni 2019 benannt nach Sansibar (LTR) „A Coruña“25. Okt. 2019 benannt nach A Coruña „București“21. Feb. 2020 benannt nach Bukarest „Pi“19. Juni 2020 benannt nach der Kreiszahl Pi (LTR) „Hannover“23. Okt. 2020 benannt nach Hannover „Zürich“23. Feb. 2021 benannt nach Zürich „Odense“18. Juni 2021 benannt nach Odense (LTR)„Białowieża“22. Okt. 2021 benannt nach Białowieża „Tisler“18. Feb. 2022 benannt nach Tisler „Buenos Aires“17. Juni 2022benannt nach Buenos Aires (LTR)„Firenze“21. Okt. 2022benannt nach Florenz „’s-Hertogenbosch“7. März 2023benannt nach ’s-Hertogenbosch „Lima“26. Juni 2023benannt nach Lima (LTR)„Prizren“29. Okt. 2023benannt nach Prizren„Maidenhead“23. Feb. 2024benannt nach Windsor and Maidenhead „Grenoble“21. Juni 2024benannt nach Grenoble (LTR)„Bratislava“25. Okt. 2024benannt nach Bratislava „Münster“21. Februar 2025benannt nach Münster (LTR) „Solothurn“20. Juni 2025benannt nach Solothurn „Norrköping“ 6. März 2026 Umstieg auf Qt6, benannt nach Norrköping

Entwickler- und Benutzertreffen Seit 2009 fanden mehrtägige Entwickler-Treffen statt, in den ersten drei Jahren noch unter dem Namen QGIS Hackfest. Diese wurden in Hannover, Wien, Pisa, Breslau, Lissabon, Zürich, Lyon, Essen, Nødebo und Las Palmas de Gran Canaria durchgeführt.

Seit 2010 finden QGIS-Anwendertreffen mit Vorträgen und Workshops statt. Die QGIS Anwendergruppe Deutschland e. V. ist seit 2015 beim Amtsgericht Köln registriert. Die QGIS Anwendergruppe Schweiz als ein Verein nach Artikel 60 bis 79 ZGB gibt es seit ihrer Gründungsgeneralversammlung in Solothurn am 8. Februar 2012. + DeutschsprachigeQGIS-Anwendertreffen Datum Ort Besucher Bern 80 Rapperswil 80 KasselKassel Bern Kassel Essen Detmold Essen19. Sept. 2025Aachen200

QGIS nimmt zudem einen breiten Raum innerhalb der Vorträge auf der jährlich stattfindenden FOSSGIS-Konferenz ein.

Weblinks

qgis.org – Website des Projektes QGIS qgis.de – QGIS Anwendergruppe Deutschland e. V. qgis.ch – QGIS Anwendergruppe Schweiz (Verein)

Einzelnachweise