Schwarzheide (bis zum 31. Dezember 1998 Schwarzheide/N.L.; ) ist eine amtsfreie Stadt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz im Süden des Landes Brandenburg.

Geografie Geografische Lage Schwarzheide liegt im Süden des Landes Brandenburg, etwa 50 km nördlich von Dresden und 110 km südlich von Berlin. Das Stadtgebiet befindet sich nördlich der Schwarzen Elster im Tiefland der Niederlausitz. Im Ostteil der Stadt fließt das Flüsschen Pößnitz.

Nachbargemeinden Unmittelbare Nachbargemeinden der Stadt sind Schipkau (nördlich), die Stadt Senftenberg mit dem Ortsteil Brieske (nordöstlich), Schwarzbach (östlich) und die Städte Ruhland (südlich) und Lauchhammer (westlich).

Stadtgliederung Zur Gemeinde Schwarzheide gehören die Wohnplätze Naundorf (Łucka), Schwarzheide-Mitte, Schwarzheide-Ost, Schwarzheide-West (ehemals Zschornegosda), Victoria und Wandelhof.Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Stadt Schwarzheide

Geschichte Vorgeschichte und Gemeindegründung mini|links|Alter Dorfkern von Zschornegosda, seit 1936 Schwarzheide-West. Nr. 1: Einklassenschule von 1859, Nr. 2: Einklassenschule von 1894, Nr. 3: Vierklassenschule von 1902, der spiegelgleiche Anbau entstand 1911. Auf dem freien Platz, der Nr. 5, wurde 1933 ein Schulanbau mit Aula und erstmals Innentoiletten errichtet. mini|Historischer Ortskern von Zschornegosda mini|hochkant|Der Wasserturm ist das Wahrzeichen der Stadt Die heutige Industriegemeinde Schwarzheide entstand am 1. Oktober 1936 durch den Zusammenschluss der beiden bis dahin völlig selbstständig entwickelten Gemeinden Zschornegosda (heute Schwarzheide-West) und Naundorf (heute Teil von Schwarzheide-Ost). Der Name der Stadt entstand im Zuge der Germanisierung von Ortsnamen aus der freien Übersetzung des aus dem Sorbischen stammenden Namen des Ortes „Zschornegosda“ (čorny = schwarz, gozd = Heide, Wald).

Der Zeitpunkt der Gründung des Ortes ist nicht bekannt. Vermutlich wurden die Dörfer Zschornegosda und Naundorf im Zuge der christlichen Missionierung im Verlaufe des 12. und 13. Jahrhunderts gegründet. Solche kleinen Dörfer wurden jedoch erst dann schriftlich erwähnt, wenn für diese gegenüber den jeweiligen Landesherren oder Kirchenvertretern bestimmte Rechte oder Pflichten festgeschrieben wurden.

Der erste schriftliche Nachweis von Naundorf (als Nuwendorff) stammt aus einer Verpfändungsurkunde aus dem Jahre 1421. Zschornegosda wurde erstmals 1449 (als Cschörnegast) in der Lehensurkunde des Herzogs Friedrich von Sachsen urkundlich erwähnt. Während das an einem Übergang der Schwarzen Elster gegenüber der Stadt Ruhland gelegene Naundorf ein typisches Straßendorf war, war das ursprüngliche Fischerdorf Zschornegosda, im Gegensatz zu den für die Gegend typischen slawischen Rundlingen, ein sogenanntes Hofreitendorf. Es bestand aus einer stark gekrümmten Gehöftzeile, die sich nach Nordosten offen um die Kapelle des Dorfes legte.Inge Gotzmann: Lutherkirche Schwarzheide. In: dies.: Dorfkirchen in Deutschland. Bund Heimat und Umwelt in Deutschland, Bonn 2007, ISBN 978-3-925374-78-4, S. 26–27, hier S. 27. Die Kapelle selbst stand auf dem höchsten Punkt einer flachen Sandkuppe, der heutigen Dorfaue. Die damals etwa 20 Grundstücke der Bauern, die Hofreiten, waren Flächen von etwa 25 × 300 Meter, deren Stirnseite in Richtung der Kapelle zeigte.

Die Entwicklung der beiden Dörfer wurde immer wieder durch Plünderungen infolge von Kriegen, großen Bränden und Seuchen erheblich behindert. So betrug die Zahl der Einwohner bis ins 18. Jahrhundert hinein kaum mehr als 100. Eine Pechhütte (1673), welche aus Kiefernholz Pech zum Abdichten der Fischerkähne, Wagenschmiere, Holzkohle und Kienruß herstellte sowie ein Eisenhammer (1725), der Ursprung des heutigen Lauchhammerwerkes, waren bis dato die einzigen größeren Industrieansiedlungen in unmittelbarer Umgebung.

Industrialisierung und Werkssiedlungen mini|Umweltschutz-Wasseranalytik im Labor des VEB Synthesewerk Schwarzheide, 1990 Nach den ersten Funden von Rohbraunkohle westlich von Zschornegosda auf der Bockwitzer Flur um 1780 begann deren Abbau (über Tage) im großen Stil erst etwa hundert Jahre später, in dessen Folge auch die ersten Brikettfabriken gegründet wurden (Ferdinand, Victoria, Victoria II). Mit der einhergehenden Begradigung und Kanalisation der Schwarzen Elster, um das entstehende Grubenwasser besser abfließen zu lassen, verschwanden auch die natürliche Auenlandschaft und der damit verbundene Fischreichtum, so dass die Fischerei als ehemals wichtigster Erwerbszweig völlig erlosch. Für die neue Industrie ließ die Braunkohlen- und Brikett-Industrie AG, kurz BUBIAG, nach 1900 in der Nähe des Wandelhofs eine Werkssiedlung bauen, die 1920 fertig wurde. Bereits 1921 kam dazu die Wohnanlage Bürenhof, heute Hugo-Wolfram-Platz, als Angestelltensiedlung in Zschornegosda / Schwarzheide-West.Kerstin Tischer: abgerufen am 26. Januar 2020 Auch die Victoria-Siedlung in Schwarzheide Ost entstand um 1900.

Um während eines Krieges unabhängig von Ölimporten Benzin produzieren zu können, wurde 1935 nördlich der Stadt von der Braunkohle-Benzin-AG (BRABAG) das Hydrierwerk Ruhland (spätere Bezeichnung Hydrierwerk Schwarzheide) errichtet, welches mittels der Fischer-Tropsch-Synthese aus Braunkohle Benzin erzeugte. Zusammen mit der Errichtung der Industrieanlagen entstanden die heutige Bundesautobahn 13 und die zahlreichen Wohnungen der Belegschaft als Wandelhof- und Wasserturmsiedlung. Die Wohnbebauung wurde durch die Architekten und Landschaftsplaner Gustav Allinger, Alfred von Bodisco und Walther Stridde im Stil der Gartenstädte der 1930er Jahre konzipiert. Das Konzept enthielt auch ein Stadtzentrum um den heutigen Schillerplatz, nach späterer Planung am Wasserturmplatz. Durch den Krieg wurde dieser Planteil nicht abgeschlossen.Hans Jank: abgerufen am 27. Januar 2020

Vom Juli 1944 bis April 1945 befand sich im Nordosten der Stadt das KZ-Außenlager Schwarzheide, ein Zwangsarbeitslager des Konzentrationslagers Sachsenhausen, dessen etwa 1000 überwiegend tschechische Juden hauptsächlich Arbeiten zur Aufrechterhaltung der Produktion des BRABAG-Werkes verrichten mussten. Die schweren und teilweise lebensgefährlichen Arbeiten überlebten nur etwa 600 Häftlinge, von denen im Mai 1945 wiederum nur etwa 200 den Todesmarsch zum KZ Theresienstadt überlebten.Gedenkstätten für die Opfer des NS II, Hrsg. Bundeszentrale für politische Bildung Bonn, S. 346f.

mini|hochkant|Wasserturm des Synthesewerkes Aufgrund der strategischen Bedeutung der BRABAG-Werke wurde die Stadt während des Zweiten Weltkriegs durch zahlreiche Bombenangriffe zum Teil erheblich zerstört. Demzufolge existieren heute in Stadt und Umgebung, bis auf beispielsweise die Wasserturmsiedlung, kaum noch Gebäude aus der Zeit vor 1945, während noch immer jährlich mehrere zentnerschwere Blindgänger geborgen werden. Infolge des Potsdamer Abkommens wurde das BRABAG-Werk eine sowjetische staatliche Aktiengesellschaft (SAG) und diente den Reparationsleistungen an Polen und die Sowjetunion. Erst am 1. Januar 1954 wurde das SAG-Werk als VEB Synthesewerk Schwarzheide in die Hände der DDR übergeben.

Entwicklung nach 1954 Als die Industriegemeinde Schwarzheide in den 1960er Jahren schon über 8.000 Einwohner zählte, wurde ihr am 11. Januar 1967 das Stadtrecht verliehen. Anfang der 1980er Jahre hatte die Stadt kurzzeitig sogar mehr als 10.000 Einwohner.

Infolge der deutschen Wiedervereinigung von 1990 wurde das Synthesewerk Schwarzheide als einer der ersten Betriebe der Treuhandanstalt mit über 6.000 Arbeitsplätzen von der BASF SE als BASF Schwarzheide GmbH übernommen. Mit dem Niedergang der Braunkohleförderung ist die BASF Schwarzheide seit 2019 mit rund 1.800 direkt und 1.650 indirekt Beschäftigten inklusive zahlreicher Zulieferer der größte Arbeitgeber der Region., S. 3 Ab 1996 modernisierte die BASF-eigene Wohnungsbaugesellschaft SEWOGE GmbH einen Teil der historischen Wandelhofsiedlung denkmalschutzgerecht. Die Wohnungen wurden 2012 verkauft.BASF verkauft Werkswohnungen. In: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Senftenberg, 1. Juni 2012, abgerufen am 27. Januar 2020.

Politische Zugehörigkeit Der Flusslauf der Schwarzen Elster bildet die Grenze zwischen der Nieder- und Oberlausitz, die seit 1367 als Nebenländer dem Königreich Böhmen angehörten. Nach dem Prager Frieden von 1635 gehörten beide Dörfer zum Kurfürstentum Sachsen. Im Jahr 1815 wurden beide Orte Teile Preußens und seiner Provinz Brandenburg durch die preußischerseits herbeigeführte Teilung des Königreiches Sachsen im Rahmen des Wiener Kongresses infolge der sächsischen Teilnahme an den Napoleonischen Kriegen. Zwischen 1818 und 1952 gehörten Zschornegosda und Naundorf bei Ruhland beziehungsweise ab 1936 die Gemeinde Schwarzheide zum Landkreis Calau.

Nach der Auflösung der Länder und Neugliederung der Landkreise in der DDR im Jahre 1952 kam Schwarzheide zum Kreis Senftenberg im Bezirk Cottbus. Seit der Wiederherstellung der Länder im Jahre 1990 gehört die Stadt zum Land Brandenburg und dort seit der Kreisstrukturreform vom 6. Dezember 1993 zum Landkreis Oberspreewald-Lausitz.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1939 5 898 1946 7 449 1950 8 287 1964 8 169 1971 8 570 1981 9 920 1985 9 262 Jahr Einwohner 1990 8 936 1995 7 881 2000 7 203 2005 6 555 2010 6 053 2015 5 795 Jahr Einwohner 2020 5 568 2021 5 495 2022 5 819 2023 5 777 2024 5 765 2025 5 675 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberspreewald-Lausitz. S. 26–29.Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7.Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Schwarzheide besteht aus 18 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 64,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Allianz für Schwarzheide 28,8 % 5 35,1 % 6 CDU 22,4 % 4 25,0 % 5 Freie Wählergruppe Schwarzheide 14,1 % 3 18,6 % 3 Die Linke 15,2 % 3 11,0 % 2 SPD 11,4 % 2 10,4 % 2 FDP 8,1 % 1 – – Insgesamt 100 % 18 100 % 18

Bürgermeister 1996–2008: Bernd Hübner (parteilos)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Potsdam 2004, S. 28. Abgerufen am 29. September 2024. seit 2008: Christoph Schmidt (parteilos)Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Potsdam 2008, S. 10. Abgerufen am 29. September 2024.

Schmidt wurde in der Bürgermeisterwahl am 12. Oktober 2008 mit 52,0 % der gültigen Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Bei der Wahl am 11. September 2016 wurde er mit 81,0 % und bei der Wahl am 22. September 2024 ohne Gegenkandidat mit 80,7 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 22. September 2024 Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74

Wappen

Historisches Wappen

Flagge Die Flagge wurde am 10. August 2005 durch das Ministerium des Innern des Landes Brandenburg genehmigt.

Die Flagge ist Weiß - Blau (1:1) gestreift und in der Mitte mit dem Stadtwappen belegt.

Städtepartnerschaften Krosno Odrzańskie – Polen Karcag – Ungarn Piano di Sorrento – Italien

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Lutherkirche In der Liste der Baudenkmale in Schwarzheide stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburgs eingetragenen Denkmale.