Die Liste gefährdeter Nutztierrassen gibt einen Überblick über Rassen von Nutztieren, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz heimisch sind und dort als gefährdet eingestuft werden.

Grundlagen der Listen Deutschland

In Deutschland veröffentlicht die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) seit den 1980er Jahren jährlich eine Rote Liste der gefährdeten Nutztierrassen im Bundesgebiet. Die Gefährdungskategorien sind „extrem gefährdet“, „stark gefährdet“, „gefährdet“, „Bestandsbeobachtung“ und „nur noch Einzeltiere“. Eine Rasse wird als gefährdet bezeichnet, wenn der Bestand die Mindestanzahl (Pferde, Schweine, Ziegen, Esel: 5000 Tiere; Schafe: 1500 Tiere; Rinder: 7.500 Tiere) unterschreitet und sich über einen Zeitraum von zwei Jahren durchschnittlich um mindestens 10 % verringert. Die Einstufung in die Gefährdungskategorien geschieht durch Fachleute unter Einbeziehung der Bestandsentwicklung und deren Prognose.

Im Rahmen des Fachprogramms zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung tiergenetischer Ressourcen, das 2003 von der Konferenz der Agrarminister des Bundes und der Länder verabschiedet wurde, führt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die online frei verfügbare Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland (TGRDEU) mit Einstufung in Kategorien nach Bestandsgefährdung. Eine aus diesen Daten erstellte Rote Liste ist der Öffentlichkeit als Rote Liste der gefährdeten einheimischen Nutztierrassen in Deutschland verfügbar. Die Gefährdungskategorien sind „PERH“ (Phänotypische Erhaltungspopulation: unstreitbarer kultureller Wert, jedoch nur noch Rudimente), „ERH“ (Erhaltungspopulation), „BEO“ (Beobachtungspopulation), „NG“ (nicht gefährdet). Die Kategorisierung geschieht über die Effektive Populationsgröße, die aus der Anzahl an weiblichen und männlichen Tieren errechnet wird. Teilweise wird eine abweichende Einstufung (gekennzeichnet mit *) unter Berücksichtigung zusätzlicher fachlicher Aspekte vorgenommen. Die Liste beinhaltet Pferde, Rinder, Schafe, Schweine, Ziegen und Esel. Für die Arten des Geflügels (Huhn, Gans, Ente, Pute) wurde 2006 vom Bund deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG) und der GEH eine Gemeinsame Rote Liste alter, heimischer und gefährdeter Geflügelrassen erstellt, die in die Liste der BLE übernommen wurde. Hier gibt es fünf Gefährdungskategorien (Kategorie I = höchste Gefährdung). Die Ausweitung auf andere Nutztierarten wie Kaninchen, Hunde und Bienen wird angestrebt.Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Rote Liste der gefährdeten einheimischen Nutztierrassen in Deutschland (PDF-Datei; 460 kB; Stand: April 2008) Dazu werden Rassebeschreibungen der aktuellen Eigenschaften und Leistungen der Haustierrassen geführt.

In diese Liste sind die Rassen aufgenommen, die in der Broschüre der BLE (Stand: 2008), in der TGRDEU oder von der GEH als gefährdet eingestuft werden. In Deutschland veröffentlicht die Vielfältige Initiative zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (VIEH) eine Rote ListeRote Liste von Vieh e. V. auf der auch ausländische Rassen genannt sind. Jährlich werden alle Bestandszahlen der Nutztier-Archen im In- und Ausland erfasst. Die aktuellen und früheren BestandszahlenBestandszahlen der Vieh e. V. der Vertragshöfe werden veröffentlicht.

Österreich

In Österreich widmet sich die Österreichische Nationalvereinigung für Genreserven (ÖNGENE) der Bestandsaufnahme einheimischer gefährdeter Nutztierrassen und ergreift Maßnahmen zur Erhaltung der gefährdeten Rassen.oengene Darüber hinaus führt die Arche Austria – Verein zur Erhaltung seltener Nutztierrassen, die sich aktiv um die Erhaltung gefährdeter Nutztierarten in Österreich bemüht, ebenfalls ein Verzeichnis gefährdeter Rassen.arche-austria In diese Liste sind zudem die von der ÖNGENE genannten gefährdeten Rassen aufgenommen und einige zusätzliche der Arche Austria. Rassen von Nutztieren, die in Österreich heimisch und dort als gefährdet eingestuft sind, werden von anerkannten Tierzuchtorganisationen betreut und sind gegebenenfalls im Rahmen der Vorhabensart „Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen“ des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft förderfähig.

Zur Maßnahme „Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen“ im österreichischen Programm für eine umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und für das damit verbundene Generhaltungsprogramm „Seltene, erhaltungswürdige Nutztierrassen“ wurde von der ÖNGENE ein Rassenliste seltener Nutztierrassen erstellt.Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen im ÖPUL 2015. Informationsblatt der ÖNGENE, abgerufen am 23. April 2017.ÖNGENE: Generhaltungsprogramm „Seltene, erhaltungswürdige Nutztierrassen“, abgerufen am 23. April 2017. Rassen, die in dieser Liste nicht enthalten sind, werden als solche kenntlich gemacht.

Großtiere 59 von 83 einheimischen Rassen der sechs Großtierarten (vormals fünf; im Jahr 2025 wurden erstmalig zwei Eselrassen mit aufgeführt) werden durch den Fachbeirat Tiergenetische Ressourcen in Deutschland als gefährdet eingestuft.Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefährdeter Nutztierrassen 2025. Ausgabe 2025, S. 24 (online)

Anzahl einheimischer Nutztierrassen in den Gefährdungkategorien (nach BLE 2025Tabelle 2: Anzahl einheimischer Nutztierrassen in den Gefährdungskategorien. In: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefährdeter Nutztierrassen. Ausgabe 2025, S. 24 (online)) Pferd Esel Rind Schwein Schaf Ziege Gesamt PERH PhänotypischeErhaltungspopulation 6 0 1 0 0 0 7 ERH Erhaltungspopulation Ne (Effektive Populationsgröße)<200 3 0 7 1 5 0 16 BEO Beobachtungspopulation200<Ne<1.000 5 0 7 4 17 3 36 NGnicht gefährdetNe>1.000 14 2 6 0 2 0 24 Gesamt 28 2 21 5 24 3 83

Die genannten Gefährdungskategorien des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung werden seit 2025 folgendermaßen definiert.Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefährdeter Nutztierrassen. Ausgabe 2025, S. 20–21 (online; PDF)

Phänotypische Erhaltungspopulationen (PERH) Die alten einheimischen Nutztierrassen dieser Gefährdungskategorie sind von landeskulturellem Wert. Allerdings kann der noch vorhandene Tierbestand genealogisch nicht eindeutig auf die Ursprungsrasse zurückgeführt werden, oder die Rasse war bei ihrer Wiederbegründung bereits stark mit anderen Rassen vermischt oder umfasste nur noch sehr wenige Tiere, oder die Populationsgrößen sind über mehrere Generationen nur sehr klein geblieben. Aufgrund dessen werden umfassende Erhaltungszuchtprogramme nicht für sinnvoll erachtet. Erhaltungspopulationen (ERH) Die effektive Populationsgröße ist so gering, dass eine starke Existenzgefährdung der Rasse vorliegt. Erhaltungsprogramme, um die Population zu stabilisieren und das Genmaterial zu erhalten, und das Anlegen von Kryoreserven sind unverzüglich in die Wege zu leiten. Gründe für eine Abweichung von der rechnerisch niedriger geschätzten Gefährdung können eine nur noch lokale Verbreitung der Rasse, eine sein. Beobachtungspopulation (BEO) Für Rassen der Beobachtungspopulationen, die sich durch eine eingeschränkte effektive Populationsgröße auszeichnen, werden Samen- und Embryonen-Kryoreserven angelegt und ein Monitoring durchgeführt. Falls Ne rechnerisch für ERH spricht, kann eine Einstufung in BEO auch dann vorgenommen werden, Umgekehrt können Rassen in BEO eingestuft werden, obwohl die Gefährdung rein rechnerisch auf NG zu schätzen wäre, wenn ein Gefährdungspotenzial dadurch belegt werden kann, dass die Rasse nur noch lokal verbreitet oder die Züchterstruktur problematisch ist oder der Verlauf des Bestandsrückgangs auf eine besondere Gefährdung hindeutet. Nicht gefährdete Rassen (NG)

Rassen, deren effektive Populationsgröße ausreichend groß ist und/oder die keiner dringenden Erhaltungsmaßnahmen bedürfen, sind als nicht gefährdet einzustufen. Auch für sie wird jedoch ein Bestandsmonitoring durchgeführt, da diese Maßnahme für alle Rassen in Deutschland, ungeachtet ihrer Gefährdungskategorie, vorgesehen ist. Abweichungen von der rechnerisch höher geschätzten Gefährdung können gegeben sein, wenn eine oder die Rasse weltweit so stark verbreitet ist, dass eine Gefährdung nicht gegeben scheint.

Pferde Rasse Abbildung Gefährdungin Deutschland und Österreich Bestandin Deutschland und Österreich Altösterreichisches Warmblut ÖNGENE: gefährdet,oengene.at A: 4 Hengste / 9 Stuten Arenberg-Nordkirchener Pony GEH: extrem gefährdet D: 4 Hengste / 18 Stuten (Stand 2007) Deutsche Reitpferde (Rassegruppe der Populationen): Bayerisches Warmblut Deutsches Pferd Deutsches Sportpferd Hannoveraner Holsteiner Mecklenburger Warmblut Oldenburger (incl. Internat. Oldenburger Springpferd) Rheinisches Warmblut Trakehner Westfale Württemberger Warmblut Zweibrücker Warmblut 150px NG (lt. TGRDEU, 2023) Gesamt: 2.330 Hengste / 50.593 Stuten (2023)tgrdeu.genres.de Ne=9484 D: 84 Hengste / 2.521 Stuten (2013) D: 208 Hengste / 692 Stuten (2023) D: 440 Hengste / 9.675 Stuten (2023) D: 501 Hengste / 13.771 Stuten (2023) D: 206 Hengste / 5.172 Stuten (2023) D: 45 Hengste / 698 Stuten (2023) D: 440 Hengste / 11.640 Stuten (2023) D: 501 Hengste / 452 Stuten (2023) D: 121 Hengste / 2.284 Stuten (2023) D: 369 Hengste / 6.209 Stuten (2023) D: 77 Hengste / 2.875 Stuten (2013) D: 152 Hengste / 957 Stuten (2013) Deutsches Reitpony 150px NG (lt. TGRDEU, 2023) D: 757 Hengste / 5.981 Stuten (2023) Ne=2492 Dülmener Wildpferd 150px ERH (lt. TGRDEU, 2023)GEH: extrem gefährdet D: 8 Hengste / 38 Stuten (2023) Ne=45 Huzule 150px ÖNGENE: gefährdetoengene.at D: 2 Hengste / 20 Stuten (2023)A: 4 Hengste / 39 Stuten (Herdbuch 2016) Lehmkuhlener Pony PERH (lt. TGRDEU, 2023) GEH: extrem gefährdet D: 8 Hengste / 14 Stuten (2023) Leutstettener PERH (lt. TGRDEU, 2023)GEH: extrem gefährdet D: 1 Hengst / 15 Stuten (2023) Ne=4 Lipizzaner 150px ÖNGENE: gefährdetoengene.at D: 9 Hengste / 26 Stuten (2023)A: ca. 200, weltweit ca. 4000 Noriker 150px ÖNGENE: gefährdetoengene.at D: 8 Hengste / 54 Stuten (2023)A: 188 Hengste / 4565 Stuten (Herdbuch 2016) Pfalz-Ardenner Kaltblut 150px PERH (lt. TGRDEU, 2023) D: 7 Hengste / 26 Stuten (2023) Ne=13 Rheinisch-Deutsches Kaltblut 150px BEO (lt. TGRDEU, 2023)GEH: gefährdet D: 127 Hengste / 1.010 Stuten (2023) Ne=529 Rottaler Pferd 150px PERH (lt. TGRDEU, 2013)GEH: extrem gefährdet D: 1 Hengst / 32 Stuten (2023) Ne=24 Schleswiger Kaltblut 150px ERH (lt. TGRDEU, 2023)GEH: stark gefährdet D: 17 Hengste / 138 Stuten (2023) Ne=81 Schwarzwälder Kaltblut 150px BEO (lt. TGRDEU, 2023)GEH: gefährdet D: 90 Hengste / 1011 Stuten (2023) Ne=292 Schwere Warmblüter (Rassegruppe der Populationen): Alt-Württemberger Ostfriese/Alt-Oldenburger Sächsisch-Thüringisches Schweres Warmblut 150px BEO (lt. TGRDEU, 2023)GEH: extrem gefährdet – gefährdet Gesamt: 93 Hengste / 1.191 Stuten (2013) Ne=345 D: 11 Hengste / 56 Stuten (2023) D: 34 Hengste / 215 Stuten (2023) D: 57 Hengste / 1.063 Stuten (2023) Senner Pferd 150px PERH (lt. TGRDEU, 2023)GEH: extrem gefährdet D: 3 Hengste / 26 Stuten (2023) Ne=19,5 Shagya-Araber 150px ÖNGENE: gefährdetoengene.at A: 114 Zuchttiere (Stand 2016) Süddeutsches Kaltblut 150px BEO (lt. TGRDEU, 2023) D: 155 Hengste / 1.803 Stuten (2023) Ne=484 Traber 150px NG (lt. TRGDEU, 2023) D: 150 Hengste / 271 Stuten (2023) Ne=527

Rinder