Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ist eine Landesbehörde im Geschäftsbereich des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF) mit Sitz am Campus Weihenstephan in Freising. Sie ist eine diesem Staatsministerium unmittelbar nachgeordnete Behörde und versteht sich als das Wissens- und Dienstleistungszentrum für die Landwirtschaft in Bayern, was sie unter dem Slogan „forschen, fördern, bilden“ zusammenfasst.
Die LfL unterhält mehrere Standorte in ganz Bayern. Neben ihrem Hauptsitz in Freising hat die Behörde unter anderem Standorte in Grub-Poing, München und Ruhstorf a.d.Rott.
Geschichte Die Landesanstalt für Landwirtschaft wurde zum 1. Januar 2003 errichtet. In ihr gingen sechs bis dahin eigenständige Landesanstalten und drei Versuchsgüterverwaltungen (Achselschwang, Freising und Grub) auf. Die sechs Vorgänger-Landesanstalten waren die Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau, die Landesanstalt für Tierzucht, die Landesanstalt für Ernährung, die Landesanstalt für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur, die Landesanstalt für Landtechnik sowie die Landesanstalt für Fischerei. Die LfL wurde zum Zeitpunkt ihrer Gründung in zehn Institute und fünf Abteilungen unterteilt.
Zum 1. Januar 2004 erfolgte die Eingliederung von fünf Lehr- und Versuchsanstalten für Tierhaltung (Almesbach, Kringell, Schwarzenau, Spitalhof und Achselschwang), zwei Lehr- und Versuchsanstalten für Milchwirtschaft sowie dem Haupt- und Landgestüt Schwaiganger. Diese wurden zunächst in der Abteilung „Lehr-, Versuchs- und Fachzentren“ (LVFZ) zusammengefasst. Aus sieben der Lehr-, Versuchs- und Fachzentren gingen zum 1. Januar 2020 die Bayerischen Staatsgüter (BaySG), ein Staatsbetrieb mit 25 Standorten, hervor.
Erster Präsident der Landesanstalt war Hans Schön. Nach seinem Tod 2004 wurde Jakob Opperer ab August 2005 der zweite Präsident, der die Landesanstalt aufbaute und weiterentwickelte. Seit 1. November 2020 steht Stephan Sedlmayer an der Spitze der LfL.
Aufgaben mini|alt=Foto einer Orientierungstafel mit insgesamt 20 Liegenschaften der Landesanstalt, die einzelnen Abteilungen und Instituten der LfL zugeordnet sind.|Orientierungstafel für die Gebäude der LfL (Lange Point) Die Landesanstalt ist auf den Gebieten der Agrarökologie, des Pflanzenbaus, des Pflanzenschutzes, der Tierzucht, der Tierernährung, der Fischerei, der Landtechnik und Tierhaltung, der Ernährung und der Agrarökonomie tätig. Sie betreibt in diesen Bereichen anwendungsorientierte Forschung, ferner obliegen ihr die Durchführung von Versuchen und Modellvorhaben sowie Bestandsaufnahmen und Langzeitbeobachtungen. Ihr Tätigkeitsfeld umfasst die Erarbeitung von fachlichen Grundlagen für agrarpolitische Entscheidungen sowie die Erstellung von fachlichen Grundlagen und Standards für die Landwirtschaftsverwaltung und -beratung. Ein weiterer Aufgabenbereich liegt in der beruflichen Bildung in einzelnen landwirtschaftlichen Berufen.
Der Landesanstalt obliegen ferner Vollzugsaufgaben im landwirtschaftlichen Fachrecht sowie die Koordinierung und Steuerung der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Vollzug des Rechts der pflanzlichen und tierischen Erzeugung und der Milchquotenregelung.
Im Rahmen ihrer Aufgaben arbeitet die Landesanstalt mit vergleichbaren Einrichtungen, Universitäten, Fachhochschulen, Behörden und Institutionen sowie Verbänden, Organisationen und Unternehmen der Wirtschaft zusammen und wirkt in nationalen und internationalen Gremien mit.
Der Bayerische Oberste Rechnungshof kritisierte 2015 die Hopfenzüchtung und -forschung durch die Landesanstalt. Diese liegen ganz überwiegend im Interesse der Brau- und Hopfenwirtschaft und seien keine originäre staatliche Aufgabe. Zumindest solle sich die Brau- und Hopfenwirtschaft angemessen an den Kosten der Hopfenzüchtung und -forschung beteiligen.ORH-Bericht 2015: Hopfenzüchtung und -forschung durch den Staat, abgerufen am 31. März 2015.
Dienstleistungen und Beratungen
Wissenstransfer aus der Forschung in die Praxis forschen, fördern, bilden Die LfL ist in der angewandten Forschung aktiv, konkret vernetzt die LfL die verschiedenen Forschungsdisziplinen (Boden, Pflanze, Tier, Markt sowie Ökologie und Ökonomie) und erarbeitet fachübergreifendes Wissen. Die Forschungsergebnisse der LfL münden in praxistaugliche Lösungen und Strategien, es erfolgt eine enge Abstimmung mit Praktikern, Verbänden, anderen Forschungseinrichtungen und Behörden. Aus dieser Zusammenarbeit bietet die LfL für ihre Zielgruppen lösungsorientierte Anwendungen und EDV-Programme, Monitoring, Prognosen und Warndienste, Ergebnisse von Sortenversuchen und detaillierte Informationen. Monitoring und Warndienst Die Empfehlungen des amtlichen Pflanzenschutzwarndienstes in Bayern basieren auf Monitoringprogrammen, die das Auftreten von Krankheiten und Schädlingen erfassen und auf Prognosemodellen, die deren Infektionsrisiko oder Ausbreitung berechnen. Hinweise zum regionalen Auftreten von Krankheiten und Schädlingen, Tipps zu Pflanzenbau und Pflanzenschutz sowie den lokalen Ansprechpartner für produktionstechnische Fragen erhält man bei den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (mit dem Fachzentrum Pflanzenbau) in der Nähe. AgrarMeteorologie Bayern Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft bietet mit dem Agrarmeteorologischen Messnetz aktuelle Wetterdaten für Bayern sowie Prognosen und Monitoring-Programme für die Landwirtschaft, den Wein- und Gartenbau sowie die Bienenzucht. Darüber hinaus findet der Besucher dort einen Bewässerungsservice und eine Wettervorhersage. Sortenversuche und -beratung Die Forschung zu Züchtung und Qualität von Pflanzen ist eine zentrale Aufgabe der LfL. Wir unterstützen Landwirte und Berater mit einer Sortenberatung fast aller Kulturen. Eigens durchgeführte Versuche sind die Basis. Notifizierung Laborunternehmen, die im Bereich von Klärschlamm und Bioabfall Analysen durchführen, müssen ein Notifizierungsverfahren durchlaufen. Das Verfahren umfasst alle Schritte von der Probenahme über die Durchführung der Analysen bis zur Erstellung der Ergebnisberichte. AQU ist die Notifizierungsstelle nach Abfallrecht für Bayern. Interaktive Anwendungen Die LfL stellt den Landwirten und der Landwirtschafts-Beratung sowie allen Bürgerinnen und Bürgern eine Reihe kostenloser EDV-Programme, Kalkulationsdaten und Hintergrundinformationen zur Kalkulation der Wirtschaftlichkeit landwirtschaftlicher Produktionsverfahren zur Verfügung.
Organisation Leitung mini|alt=Foto eines Gebäudes mit Glasfassade|Sitz des Präsidenten im Institutsgebäude Lange Point 12 in Freising Die Landesanstalt wird von einem Präsidenten geleitet und nach außen vertreten. Unterstützt wird er von zwei Vizepräsidenten und dem Präsidialbüro. Der Vizepräsident Ressourcen (Michael Elsinger) koordiniert die Planung, Bereitstellung, Überwachung und Nachweisführung von Stellen und Haushaltsmitteln der Landesanstalt und übernimmt die Vertretung des Präsidenten. Die Vizepräsidentin Wissen (Annette Freibauer) koordiniert die inhaltliche Schwerpunktsetzung der Landesanstalt und überwacht deren Einhaltung.
Zum Präsidium gehören neben dem Präsidenten und den Vizepräsidenten auch zwei weitere Mitglieder, die aus den Reihen der Institutsleitungen bzw. der Leitung des KErn ins Präsidium berufen werden.
Institute Die Landesanstalt gliedert sich in mehrere fachlich eigenständige Institute.
Institut für Agrarökologie und Biologischen Landbau (IAB) mini|alt=Foto eines Gebäudes mit Glasfassade. Im Vordergrund eine Tafel mit der Aufschrift „Lange Point 12“|Lange Point 12, Institutsgebäude mit Tafel Das Institut für Agrarökologie und Biologischen Landbau (IAB) ist in den Bereichen Agrarökologie, Biologischer Landbau, Bodenkultur, Pflanzenernährung und Landschaftspflege tätig. Es erforscht dabei unter anderem Methoden zur standortgerechten Landbewirtschaftung und Pflege der Kulturlandschaft. Dem Institut obliegen zudem Hoheitsaufgaben im Bereich des Bodenschutzes und der Düngung. Der Hauptsitz von IAB ist in Freising.
Das Institut für Agrarökologie und Biologischen Landbau ist in vier Arbeitsbereiche untergliedert: IAB 1 – Bodenschutz und Bodenfruchtbarkeit IAB 2 – Düngung, Nährstoffflüsse und Gewässerschutz IAB 3 – Kompetenzzentrum Ökolandbau IAB 4 – Kulturlandschaft und Biodiversität
Institut für Agrarökonomie (IBA) Das Institut für Agrarökonomie (IBA) ist mit der Erarbeitung, Aufbereitung und Darstellung von ökonomischem Entscheidungswissen in der Land- und Ernährungswirtschaft betraut. Die Hauptstandorte des Instituts liegen an der Menzinger Str. 54 in München sowie in Ruhstorf an der Rott.
Das Institut für Agrarökonomie ist in fünf Arbeitsbereiche untergliedert: IBA 1 – Umweltökonomik und Agrarstruktur IBA 2 – Diversifizierung IBA 3 – Betriebswirtschaftliche Grundlagen IBA 4 – Ökonomik tierischer und pflanzlicher Erzeugnisse IBA 5 – Analyse und Bewertung von Agrarmärkten
Institut für Fischerei (IFI) Das Institut für Fischerei (IFI) betreibt Forschung und Ausbildung im Fischereiwesen. Im Rahmen dessen führt das Institut unter anderem die staatliche Fischerprüfung in Bayern durch. Es soll zudem wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Strategien zur Fischproduktion entwickeln. Die IFI-Standorte sind Starnberg, Nonnenhorn und Höchstadt an der Aisch.
Das Institut für Fischerei ist in fünf Arbeitsbereiche untergliedert: IFI 1 – Fluss- und Seenfischerei IFI 2 – Karpfenteichwirtschaft IFI 3 – Forellenteichwirtschaft IFI 4 – Intensive Aquakultur IFI 5 – Aus- und Fortbildung
Institut für Landtechnik (ILT) mini|Bulldog vor alten Landtechnikgebäuden – Symbol der Mechanisierung mini|Gebäude der alten Landtechnik an der Vöttinger Straße Das Institut für Landtechnik (ILT) forscht in den Bereichen der Automatisierung, Mechanisierung und Digitalisierung im Bereich der Landwirtschaft. Zu den Schwerpunkten gehören die Agrarsystemtechnik und die Umwelttechnik. Das Institut hat seine Standorte an der Vöttinger Straße in Freising und in Ruhstorf an der Rott.
Das Institut für Landtechnik ist in vier Arbeitsbereiche untergliedert:
ILT 1 – Verfahrenstechnik im Pflanzenbau ILT 2 – Umwelttechnik in der Landnutzung ILT 3 – Technische Arbeitsgruppe – Mechatronik ILT 4 – Digitalisierung
Bis Juni 2025 hieß das Institut noch „Institut für Landtechnik und Tierhaltung“. Das frühere ILT-Arbeitsgebiet Tierhaltung ging im Juli 2025 im Institut für Tierhaltung und Futterwirtschaft (ITF) auf.
Institut für Pflanzenschutz (IPS) Das Institut für Pflanzenschutz der LfL ist das Kompetenzzentrum für den Pflanzenschutz in Bayern und für den Vollzug des Pflanzenschutzgesetzes zuständig. Die Leitung des Instituts für Pflanzenschutz (IPS) befindet sich im Gebäude „Lange Point 10“, im Nordteil des Campus Freising-Weihenstephan.
Leitung: Jakob Maier
An der „Kreuzbreite 2“ in Freising sitzt ein Teil des Instituts für Pflanzenschutz: Arbeitsgruppe Grundsatzfragen Pflanzenschutz (IPS 1a), Amtliche Mittelprüfung (IPS 1c), Anwendungstechnik, amtliche Geräteprüfung (IPS 1d). An der „Kreuzbreite 4“ in Freising sitzen ein Teil des Arbeitsbereiches Allgemeiner Pflanzenschutz (IPS 1), ein Teil des Arbeitsbereiches Spezieller Pflanzenschutz (IPS 3), sowie die Arbeitsgruppe Krankheiten, Schädlinge im Gartenbau (IPS 3d). An der „Langen Point 10“ in Freising sitzen die Leitung und die übrigen Arbeitsbereiche des Instituts für Pflanzenschutz (IPS 2a, IPS 2b, IPS 2c, IPS 2d, 2e, 3a, 3b, 3c, 4a, 4b, 4c)
Ferner gibt es noch den Standort „Grub-Poing“ („Prof.-Zorn-Straße 19“ in 85586 Grub-Poing). Dort befinden sich die Arbeitsgruppe „Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers“ (ALB) (IPS 4d) und die Versuchsstation Grub.
Weitere Mitglieder der Arbeitsgruppe Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers sitzen an Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung (IPZ)