Bischofshofen (umgangssprachlich abgekürzt „B’hofen“) ist eine Stadt mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk St. Johann im Pongau im Bundesland Salzburg in Österreich und liegt etwa 50 km südlich der Landeshauptstadt Salzburg.
Geografie Die Stadt liegt in der Salzburger Region Salzachpongau an der Salzach und ist umgeben von den Bergen Hochkönig (Berchtesgadener Alpen) im Westen, dem Tennengebirge im Nordosten, und dem Hochgründeck (Fritztaler Berge) im Südosten. Erstere beide gehören zu den Salzburger Kalkhochalpen, letzter zu den Salzburger Schieferalpen. Die Talung bildet den Nordbereich des Bischofshofen-St.-Johanner Beckens.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst die Katastralgemeinden Bischofshofen (Talraum und linke Talseite), Buchberg (rechte Talseite), Haidberg (unteres Mühlbachtal) und Winkl (im Fritztal).
Das Gemeindegebiet umfasst folgende neun Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Bischofshofen, die Stadt (Hauptort) – im Salzachtal () Mitterberghütten – (bis 1929 Außerfelden) ein Dorf im Salzachtal südlich der Stadt an der Mühlbachmündung () Laideregg – ein Dorf am Hochkönigfuß (linke Salzachseite) westlich der Stadt () Gainfeld – ein Tal bei Laideregg zum Hochkönig () Haidberg – der Talanfang des Mühlbachtal, das den Hochkönig Richtung Dienten südlich passiert () Buchberg – die rechte Talseite der Salzach am Hochgründeck () Kreuzberg – der Rücken nordöstlich der Stadt, zwischen Salzachtal und Fritztal, das Richtung Ennspongau führt () Winkl – die linke Fritztalseite am Hochgründeckstock () Alpfahrt – die taleinwärtige linke Fritztalseite, mit Anteilen am Tennengebirgssüdfuß ()
Zählsprengel sind sieben für die Stadt (Bischofshofen-Zentrum-S[üd], -N[ord], Umgebung-Süd, -Nord, -Nordost, -West und Salzburger Straße-Nord), sowie Mitterberghütten und Bischofshofen-Umgebung für den Rest der Gemeinde.
Bis Ende 2002 gehörte die Gemeinde zum Gerichtsbezirk Werfen, seit 2003 ist sie Teil des Gerichtsbezirks Sankt Johann im Pongau.
Nachbargemeinden
Geschichte mini|hochkant|Liebfrauenkirche Ortsname Der heutige Name der Gemeinde stammt aus dem Hochmittelalter. Erste Erwähnungen eines hier befindlichen Ortes ab dem 8. Jahrhundert nennen ein Pongauui und Pongowe (= Pongau), auch in Schreibvarianten, was sich später als Bezeichnung auf die Region übertrug. Weitere Belege dieser Ortslage beziehen sich auf die 711/712 gegründete Maximilianszelle („ad sanctum Maximilianam“ = bei Sankt Maximilian). Erst 1151 wird von „de Hoven“ (= von den Höfen) gesprochen, und 1290/91 wird erstmals mit der Ortsbezeichnung „Houen episcopi Chyemensis“ (= Höfe des Chiemseer Bischofs) auf einen Bischof Bezug genommen.Alle Belege lt. Franz Hörburger: Salzburger Ortsnamenbuch, bearbeitet von Ingo Reiffenstein und Leopold Ziller, hrsg. von der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg 1982, S. 103f. Der Wortteil -hof bedeutet eingefriedeter Bereich, umzäuntes Gebiet, geschützter Besitz.Franz Hörburger: Salzburger Ortsnamenbuch, bearbeitet von Ingo Reiffenstein und Leopold Ziller, hrsg. von der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg 1982, S. 101. Vgl. dazu auch Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, erarbeitet unter der Leitung von Wolfgang Pfeifer, 7. Auflage, dtv, München 2007, ISBN 3-423-32511-9. Mit dem Dativ Plural -hofen ist das Vorhandensein von mehreren zusammengehörenden Gebäuden oder Grundstücken belegt. Bischofshofen weist sich damit ursprünglich als ein aus mehreren Gebäuden oder Grundstücken bestehender Besitz des Chiemseer Bischofs aus. Das Bistum Chiemsee war zur Zeit der erstmaligen Benennung des Ortes in dieser Form eine dem Salzburger Erzbischof unterstehende Diözese. Die erstmalige Nennung in deutscher Sprache als Bischofhof erfolgte 1405 in einem Urbar des Bistums.
Vor- und Frühgeschichte Der zentrale Pongau um Bischofshofen war als Teil der Grauwackenzone mit seiner Mitterbergregion die mächtigste Kupfererzlagerstätte der Ostalpen.So lt. Dort auch aktuelle Details zur Mitterbergregion. Sporadische neolithische Kupfererzgewinnung sowie Keramikscherbenfunde (Fundstellen am Götschenberg und bei der Ruine Bachsfall) reichen bis ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurück. Von ca. 1400 bis ca. 1000 v. Chr. folgte intensiver Kupferbergbau, der sich in der Eisenzeit stark abnehmend bis in die Römerzeit fortsetzt. Hölzer eines ergrabenen Nasswerkbaukastens am Troiboden (Gemeinde Mühlbach am Hochkönig auf 1560 m Höhe) werden dendrochronologisch auf 1377/76 v. Chr. datiert. 280 Grubenholzstämme aus den Schächten reichen vom 14. Jh. v. Chr. bis in die Römerzeit. (Der Kupferabbau wurde 1827 am Bischofshofener Buchberg und in der Nachbargemeinde Mühlbach am Hochkönig „neu“ entdeckt, jedoch aufgrund niedriger Welthandelspreise in Bischofshofen 1959, in Mühlbach 1977 wieder eingestellt. Zuvor war schon zumindest ab 1615 bis ins 18. Jahrhundert Eisen abgebaut worden.)
Urnengrabfunde vom Götschenberg sowie von der Ruine Bachsfall gehen auf die Hallstattzeit zurück.
Antike Für die Zeit Noricums von 15 v. bis 488 n. Chr. sprechen die Funde für einen vicus (kleines Dorf) im heutigen Bischofshofen. In der Liebfrauenkirche fand man Reste eines römischen Bauwerks sowie einen Grabstein für eine 30-jährige Tochter eines Ädilen (Verwaltungsbeamten) aus Iuvavum (heutiges Salzburg) und dessen Frau Dignila. Der Stein befindet sich seit 1810 im Kunsthistorischen Museum in Wien.
Bei Grabungen des Bundesdenkmalamts 2017 wurden eine keltische Münze aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. und nahe zur Hanglage einige früh- bis hochmittelalterliche Gräber vom 8. bis 13. Jahrhundert gefunden.Bundesdenkmalamt: Fundberichte aus Österreich 2017. 2019. (Demzufolge hat es dort schon eine sehr frühe Vorgängerkirche der gotischen Frauenkirche gegeben, deren Fundamentreste man bisher mit etwa 1000 n. Chr. angenommen hat.)
Wie Meilensteine aus dem 3. und 4. Jahrhundert belegen, führte die Römerstraße von Iuvavum nach Imurium im heutigen Lungau über Hüttau und berührten das heutige Bischofshofen nicht.
Mittelalter Zur Geschichte Bischofshofens im Mittelalter siehe auch Cella Maximiliana, Herren von Pongau (Adelsgeschlecht).
Die 711/12 erfolgte Gründung der Maximilianszelle (Cella Maximiliana) durch die damaligen Grundeigentümer und Stifterfamilie Albina ist die Keimzelle des heutigen Bischofshofen. Die Zelle wurde vom Salzburger Kloster St. Peter mit einigen Mönchen zur Missionierung der Slawen beschickt. Um 720–725 wurde die Zelle von solchen zerstört, danach wiederaufgebaut, neuerlich 820 zerstört und erneut wiedererrichtet. Um 1139 wurde die Zelle zu einem kleinen Augustiner-Chorherrenstift, das dann um 1216 in den Besitz der Bischöfe von Chiemsee überging, die alsbald das Kloster aufließen. Die Zelle wird in den Kastenturm umgewandelt. Ab dieser Zeit wird der Ort als Bischofhof und ähnlich bezeichnet und die bisherige Bezeichnung Pongowe, Pongo/Pongau aufgegeben.
Im Spätmittelalter gehörten fast 50 Prozent der Güter dem Salzburger Erzbistum (Grundherrschaft), die von Grundholden, bzw. kirchlichen Eigenleuten bewirtschaftet wurden. Die Bischofshofener Kirchengüter sind mit bei den ältesten genannten im Land und bildeten die Keimzelle der späteren Salzburger Landwerdung. Ab 1292 sind auch alle Pfarrer des Ortes namentlich bekannt.
Die weltliche Herrschaft hatten möglicherweise ab dem 11., jedoch zumindest im 12. und 13. Jahrhundert die Herren von Pongowe/Pongau inne, eines der ältesten und bedeutendsten Salzburger Ministerialengeschlechter. Von ihnen sind rund zwanzig Namen urkundlich überliefert. Einem Ruediger de hoven/pongau hatte die Burg Plankenau im nahen St. Johann gehört. Heinricus de stempo (Heinrich der Stempe), um 1140 mit drei Kindern bezeugt, dürfte seine Palisaden-Holzburg noch am Götschenberg gehabt haben. Er hatte jedenfalls auch ein Lehen in Thumersbach am Zeller See im Pinzgau. Daher wird die Herkunft der Pongauer aus dem Pinzgau vermutet, zumal auch die Nachfahren der Pongauer, die Goldegger, ebenfalls Besitzungen im Pinzgau hatten. Die Rastatter (Radstädter), die zeitgleich mit den Pongauern erwähnt werden, waren zum Teil ritterliche Gefolgsleute der Pongauer.
Bischofshofen erhielt, obwohl nur ein Dorf, im 14. Jahrhundert das Markt- und Marktzollrecht (forum et mercatus).
Die Besitzer der ältesten Güter in den Verzeichnissen von 1330 und 1350 tragen durchwegs germanische Vornamen: Heinrich de Flechsberg (Flachberg), Meingotz an dem Puchberg, Eisenbert, Altmann, Godewin, Percht und andere. Derartige Güterbezeichnungen sind heute teils noch als Flurnamen erhalten.
Neuzeit Schon 1458 und besonders 1462 hatte es im Innergebirg (Pongau, Pinzgau, Brixental), auch im Verbund mit der Stadt Radstadt, Bauernaufstände gegen neue Steuern des kirchlichen Landesfürsten (Weihesteuer und Aufgelder) gegeben. Durch hohen Steuerdruck und zunehmender zu ernährender Bevölkerung bedrängt, erfassten 1525/26 die Salzburger Bauernkriege auch Bischofshofen. Die benachbarte Burg Hohenwerfen wurde von Bauern und Bergknappen besetzt, die Festung Hohensalzburg drei Monate lang belagert. Die Bauern unterliegen aber bei Zell am See und Radstadt durch Hilfstruppen des Schwäbischen Bundes.
1564 setzen Bauern in Bischofshofen den Protestanten Constantin Schlafhauser als Pfarrer ein und kam es zu Unruhen. Es folgte die Hinrichtung der aufständischen Bauern Wilhelm Egger (1565) und Hans Steiner. Von 1570 bis 1811 galt für die Nachkommen der Aufständischen der Blutwidderdienst, die Abgabe eines Widders, bedeckt mit einem roten wollenen Tuch.
1732 begann im Erzstift Salzburg die Vertreibung der Evangelischen. Über 4000 Personen allein aus den Gerichten Bischofshofen und Werfen mussten das Land verlassen. Dabei stellten viele ihren Glauben vor ihre Heimat und wurden die meisten in Ostpreußen aufgenommen (Salzburger Exulanten). Im Ort Bischofshofen selber wichen zwar nur zehn Familien, aber viele Menschen am Land. Neue Ansiedler wurden dann vom Rupertiwinkel und aus weiter entfernten Gegenden geholt. Die dann oft viele Jahre leerstehenden oder von manchen neuen Zuzüglern mangelhaft bewirtschafteten Höfe stellten, neben dem ohnehin harten Schicksal vieler vertriebener Einheimischer, eine große ökonomische Schwächung für den Pongau und das Land dar.
1775 forderte die schwere Überschwemmung des Gainfeldbaches im Dorfzentrum 16 Todesopfer.
19. Jahrhundert bis heute 1803 erfolgte in napoleonischer Zeit die Säkularisation der Kirchengüter. Das Erzstift Salzburg wurde kurzfristig in ein deutsches Kurfürstentum umgewandelt. 1805 wurde Salzburg zusammen mit Berchtesgaden dem neuen Kaisertum Österreich zugeschlagen, 1810 jedoch wieder an das Königreich Bayern angegliedert. Seit 1816 ist das Salzburg bei Österreich. Von den Napoleonischen Kriegen und den Freiheitskämpfen (um 1809, Schützenkommandant Josef Struber) erholte sich das Land lange nicht und Bischofshofen galt zum Beispiel 1869 als in ärmlichen Verhältnissen.
Seit 1850 gibt es mit den damals neu geschaffenen politischen Gemeinden eine (eingeschränkt) gewählte Gemeindevertretung.
Der Bahnbau um 1875, die Option in Südtirol mit dem Bau einer Südtiroler-Siedlung um 1940, die Kriegsvertriebenen und die Industrialisierung brachten eine hohe Zuwanderung. 1882 wurde die Kupferverhüttung von Mühlbach nach Außerfelden (heute Mitterberghütten) verlegt, die seit 1977 aber nicht mehr existiert.
Erst durch den Bau der Giselabahn nach Wörgl in Tirol und der Kronprinz-Rudolf-Bahn Richtung Graz im Jahr 1875, der Tauernbahn 1908, den Kupferbergbau in Mühlbach und der Industrialisierung wuchs Bischofshofen zu einem wirtschaftlichen Mittelpunkt im Pongau und zu einem frühen Salzburger Zentrum der Sozialdemokratie heran und wurde in der Folge am 9. Februar 1900 zur Marktgemeinde erhoben.