mini|Blick vom Hainzenberg in das Zillertal bei Zell am Ziller Das Zillertal ist ein Nord-Süd verlaufendes 32 km langes Seitental des Inntals im österreichischen Bundesland Tirol. Es ist das breiteste der südlichen Seitentäler, relativ flach und nur mit einem sehr geringen Höhenunterschied. Der Talboden war bis Mitte des vorigen Jahrhunderts auf halber Breite durch regelmäßige Überschwemmungen des Zillers versumpft. Die Kernzonen der Orte des Tales befinden sich deshalb auf Schwemmkegeln von Seitenbächen. Die größten Gemeinden im Tal sind Fügen und Mayrhofen, Verwaltungszentrum ist Zell am Ziller. Das Tal ist durch die Zillertalstraße und die Zillertalbahn erschlossen. Haupterwerbsquellen im Tal sind der Tourismus und Dienstleistungen. Das Zillertal und seine Seitentäler verfügen über vier große Schigebiete. Im Sommer sind vor allem die hochgelegenen Seitentäler mit unberührter Natur das Ziel von Wanderern, Kletterern und Gleitschirmfliegern.
Geografie Lage und Beschreibung Das Zillertal zweigt etwa 40 km östlich von Innsbruck, nahe Jenbach, vom Inntal ab. Es hat seinen Namen von dem Fluss Ziller, der es von Süd nach Nord durchläuft und bei Strass im Zillertal in den Inn mündet. Im engeren Sinn reicht das Tal von Strass bis Mayrhofen. Es ist das breiteste der südlichen Seitentäler des Inn und im Gegensatz zu anderen Seitentälern relativ flach mit einem sehr geringen Höhenunterschied ohne Talstufe. Der Höhenunterschied beträgt von der Zillermündung bei Strass im Zillertal bis nach Mayrhofen nur 100 m auf einer Strecke von 32 km. Somit ähnelt der Charakter des Tals jenem des Inntals. Der Talboden weist bis Mayrhofen zahlreiche von den Seitenbächen verursachte Schwemmkegel auf. Auf diesen Schwemmkegeln haben sich die Ortschaften entwickelt, da sie durch die etwas erhöhte Lage von den regelmäßigen Überschwemmungen des Zillers verschont wurden. Der Talboden war bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts auf halber Breite versumpft. Erst im Zuge der Zillerregulierung und des Baus der Speicherseen wurde der Großteil des Tals trockengelegt und urbar gemacht.
Bei Mayrhofen teilt sich das Tal und geht in das Tuxertal, das Zemmtal, das Stilluptal, den Zillergrund und den Zamser Grund über. Alle diese Täler sind im Gegensatz zum Zillertal Hochtäler, meist sehr eng und von hohen Bergen flankiert. Vom nördlichen Tal zweigen bereits bei Stumm (Tirol) der unbesiedelte Märzengrund und der Finsinggrund mit der Tourismussiedlung Hochfügen-Hochzillertal, bei Zell am Ziller das Gerlostal zum Gerlospass in den Salzburger Oberpinzgau ab.
Das Tal trennt die Tuxer Alpen im Westen von den Kitzbüheler Alpen im Osten. Im Süden, an der Grenze zu Südtirol, liegen die Zillertaler Alpen mit dem Zillertaler Hauptkamm. Nördlich davon und auf der orographisch rechten Seite des Tuxertals zieht sich der Tuxer Kamm (auch Tuxer Hauptkamm) hin. Auf seiner linken Seite (weiter nördlich) findet sich der Hauptkamm der Tuxer Alpen, wo die weichen Gesteine der Quarzphyllit- und Grauwackenzone überwiegen. Der Naturpark Zillertaler Alpen nimmt rund 35 % des Ziller-Einzugsgebietes ein.
Zwischen Aschau im Zillertal und Zell am Ziller verengt sich das Tal auf etwa die halbe Breite (vorderes und hinteres Zillertal).
Siedlungen Die alten Ortskerne liegen zumeist auf den Schwemmkegeln der Seitenbäche. Mittlerweile wird auch der Talboden für Siedlungen und insbesondere Industrie und Gewerbe genutzt. Streusiedlungen und Einzelhöfe ziehen sich weit die Hänge hinauf und gehen in die Almregion über.
Im Zillertal und seinen Seitentälern liegen 25 Gemeinden, die zum Bezirk Schwaz gehören und zusammen den Planungsverband Zillertal mit Einwohnern (Stand ) und einer Fläche von 1097,2 km² bilden. Etwa 10 % der Fläche sind Dauersiedlungsraum. Bis auf Strass und Schlitters am Talausgang gehören alle Gemeinden des Tals zum Gerichtsbezirk Zell am Ziller. Die größten Gemeinden sind Fügen ( Einwohner) und Mayrhofen ( Einwohner). Wirtschafts-, Verwaltungs- und Schulzentrum des Tals ist Zell am Ziller mit dem Sitz des Bezirksgerichtes und zahlreichen öffentlichen Einrichtungen.
Klima Das Zillertal weist ein inneralpines Talklima auf und liegt im Übergangsbereich vom trockenen Klima der Ötztaler und Stubaier Alpen zum feuchteren der Zillertaler Alpen und Hohen Tauern. Typisch sind eine starke Temperaturamplitude, viel Sonne im Winter, schwache Winde und kaum Nebel. Der mittlere Jahresniederschlag in Zell am Ziller beträgt 1070 mm, in Mayrhofen 1044 mm.Klimadaten von Österreich 1971–2000. In: zamg.ac.at. Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. Abgerufen am 11. Oktober 2016.
Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen mini|Die Berliner Hütte, im Hintergrund Hornkees und Waxeggkees
Der Naturpark Zillertaler Alpen liegt in den südlichen Zillertaler Alpen. Zusammen mit dem Nationalpark Hohe Tauern, dem Naturpark Rieserferner-Ahrn und dem NSG Valsertal bildet der Naturpark Zillertaler Alpen den größten Schutzgebietsverbund der Alpen mit 2700 km². Vorgestellt wird er im Naturparkhaus in Ginzling.
Er umfasst über 422 km² und erstreckt sich von der Reichenbachspitze im Osten bis zum Olperer im Westen und von den Bergen nördlich von Mayrhofen bis zum Südtiroler Pfitscher und Ahrntal. Er umfasst zehn verschiedene Seitentäler, spart aber sowohl das Zemmtal als auch den Zillergrund aus wirtschaftlichen Gründen aus. In diesen beiden Tälern liegen große Stauseen, die zur Stromgewinnung dienen. 2016 wurde der Naturpark um 43 km2 erweitert, das Erweiterungsgebiet ist fast alles unbewohntes Gebiet am Tuxer Hauptkamm.
Bemerkenswert ist, dass sich der Naturpark über eine große Bandbreite an unterschiedlichen Höhen erstreckt: Der niedrigste Punkt liegt bei Ginzling im Zemmtal auf ca. 1.000 m Höhe und erstreckt sich bis 3.509 m Höhe beim Hochfeiler. Dadurch ist auch die Fauna und Flora im Naturpark sehr reichhaltig und bietet unterschiedliche Natur- und Kulturlandschaften. Das zeigt sich bei den Orchideen und der Bergmähder in der Gemeinde Brandberg.
Geformt wurde die Landschaft von Gletschern, daher sind einige Täler weite Trogtäler, die Eingänge in die Täler dagegen aber zum Teil wilde Klammen und Schluchten. Der Landschaftsteil Glocke bei Finkenberg ist dafür ein gutes Beispiel: es ist eine 60 m tief eingeschnittene Klamm mit großer botanischer Vielfalt und einem besonderen Schluchtwald. Im Zemmgrund gibt es das Schwarzensteinmoor, eine von eiszeitlichen Gletschern gebildete Hohlform auf 2150 m.
In der Naturpark-Region befinden sich ca. 80 Gletscher. Diese bedecken eine Fläche von ca. 40 km². Die Gletscherflächen sind im schnellen Rückgang begriffen und verlieren durch den Klimawandel pro Jahr an Länge und Fläche. Insbesondere der Hornkees, der am Ende des Zemmgrundes, ein südliches Seitental des Zillertals, liegt, musste massive Einbußen hinnehmen. Die Zunge des Hornkees ist alleine im Jahr 2019/2020 um 104 Meter zurückgegangen. Das ist der stärkste Längenverlust eines Gletschers in ganz Österreich.
Verkehr mini|Die Dampflokomotive Nr. 5 der Zillertalbahn
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Zillertal über die Zillertalbahn zu erreichen, die vom Bahnhof Jenbach (an der Unterinntalbahn gelegen) bis nach Mayrhofen führt und seit 2009 einen dichten Taktverkehr anbietet. Auch Güterverkehr wird auf dieser Schmalspurstrecke, die derzeit selektiv zweigleisig ausgebaut wird, abgewickelt. In die Seitentäler und als Ergänzung zum Bahnverkehr wird ein Linienbusverkehr angeboten.
Für den Straßenverkehr ist das Tal über die Zillertalstraße (B 169), die Anschluss an die Inntalautobahn bietet, erschlossen. Diese verläuft zumeist abseits der Orte und von Ried bis Zell am Ziller weitgehend kreuzungsfrei. Von Ried bis Ramsau verläuft parallel auf der anderen Zillerseite die Zillertaler Dörferstraße (L 300), die die Ortskerne erschließt. Bei Zell am Ziller zweigt die Gerlosstraße (B 165) ab, die über den Gerlospass eine Verbindung ins Oberpinzgau darstellt. Die Zillertaler Höhenstraße ist eine kurvenreiche, mautpflichtige Aussichtsstraße; weitere Mautstraßen führen im Sommer ins Zillergründl und zum Schlegeisspeicher.
Zusammen mit dem Ahrntal auf Südtiroler Seite war das Zillertal immer wieder als Teil einer alpenquerenden Verkehrsverbindung vorgesehen. So gab es Anfang des 20. Jahrhunderts Pläne für eine Straßenverbindung über das Pfitscher JochWeiterentwicklung des Verkehrswesens, Zillertal.net. Abgerufen am 14. März 2019. oder für eine Zillertal-Ahrntal-Bahn mit einem 19 km langen Tunnel unter dem Schwarzenstein. 1978 wurde in Italien mit dem Bau der Alemagna-Autobahn (Autostrada A27) begonnen, die heute von Süden kommend bei Ponte nelle Alpi endet und nach italienischen Plänen weiter über Toblach und durch das Zillertal bis München führen sollte.Ruhegebiet, Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen. Abgerufen am 14. März 2019. Gründe für diese Planungen waren die Entlastung der Brennerstrecke und die Verkürzung der Strecke Venedig–München insbesondere für den Güterverkehr.
Demografie
Die Bevölkerung im Tal ist kontinuierlich gestiegen und hat sich von 1961 bis 2024 nahezu verdoppelt. Der Anstieg war relativ gleichmäßig und entsprach im Wesentlichen dem Anstieg in ganz Tirol. Der größte Anstieg wurde von 1961 bis 1971 verzeichnet. In diesem Jahrzehnt ist die Bevölkerung um 4.359 Personen angestiegen, wobei der größte Anstieg über Geburten und nur zu einem geringen Anteil über Wanderungen zustande kam (4.127 durch Geburten, 273 durch Wanderung). Dies hat sich geändert, von 2011 bis 2021 war der Bevölkerungsanstieg ebenfalls am meisten über Geburten, allerdings dicht gefolgt von Wanderungen (1.350 durch Geburten, 943 durch Wanderungen). Der Wanderungssaldo, also Zu- und Abwanderungen, war zumeist ausgeglichen, d. h. die Anzahl der Zuwanderer und die Anzahl der Abwanderer war meist ähnlich. Die Anzahl der Geburten lang über der Anzahl der Sterbefälle.
Die Altersstruktur der Bevölkerung entspricht ziemlich genau der Altersstruktur in ganz Tirol. Im Jahr 2024 waren 15,7 % der Bevölkerung jünger als 15 Jahre, 66,4 % zwischen 15 und 64 Jahre alt, während der Anteil der Senioren, die 65 oder älter waren, bei 18 % lag. Im Bezug zur höchsten abgeschlossenen Ausbildung gibt es einen leichten Unterschied zu ganz Tirol: der Anteil der höchsten Bildungsabschlüsse war deutlich niedriger. So hatten im Zillertal 5,3 % einen Hochschulabschluss, in ganz Tirol dagegen 12,8 %.
Die Mehrheit der Bevölkerung gehört der katholischen Kirche an, die auch im kulturellen Leben eine zentrale Rolle spielt. Der östliche Teil des Zillertals mit den Gemeinden Gerlos, Zell am Ziller, Hart, Brandberg, Stumm und Mayrhofen, gehört zur Erzdiözese Salzburg, während der westliche Teil mit den Gemeinden Fügen und Tux der Diözese Innsbruck zugeteilt ist, die den westlichen und mittleren Teil von Nordtirol bis zum Fluss Ziller sowie Osttirol umfasst.
Mit der erzwungenen Auswanderung der protestantischen Gläubigen, die Zillertaler Inklinanten aus dem Zillertal 1837, kam jedes öffentliche evangelische kirchliche Leben im Zillertal zum Erliegen. Heute sind evangelische Glaubensgemeinden im Zillertal in Mayrhofen mit eher pietistischer Ausrichtung, Jenbach und Schwaz angesiedelt. Geschichte Schon in der Steinzeit nutzten Sammler und Jäger den hochalpinen Raum zur Jagd, später auch Hirten für ihr Vieh. Der Übergang über das Pfitscher Joch von dort in den Zamser Grund und in das Zillertal wurde bereits vor 9.000 Jahren benutzt, um Tauschhandel von südlich der Alpen zu Gebieten nördlich der Alpen zu ermöglichen. Später wurde dieser Übergang ein beliebter Schmugglerweg für alle möglichen Waren.