mini|400px|Globale territoriale Situation um 750 Das 8. Jahrhundert begann am 1. Januar 701 und endete am 31. Dezember 800. Die Weltbevölkerung in diesem Jahrhundert wird auf 200 bis 300 Millionen Menschen geschätzt. In Europa übernahmen die Karolinger die Macht im Frankenreich und beherrschten am Ende des Jahrhunderts große Teile des Kontinents. Das byzantinische Reich blieb trotz zahlreicher Angriffe stabil. Im Zuge der im vorherigen Jahrhundert begonnenen islamischen Expansion fielen weitere Gebiete, wie die Iberische Halbinsel und große Teile Zentralasiens, unter muslimische Herrschaft. Zur Jahrhundertmitte übernahm die Abbasiden-Dynastie, die die Dominanz der Araber in der muslimischen Welt beendete, das Amt des Kalifen. China erreichte unter den Tang eine große wirtschaftliche und kulturelle Blüte, bis Mitte des Jahrhunderts eine Periode des Umbruchs begann.

Europa In Europa ist dieses Jahrhundert Teil des Frühmittelalters (ca. 500–1050).

Frankenreich mini|hochkant=1.5|Die Ausdehnung des Frankenreichs 481 bis 814

Politische Entwicklung mini|Typische Ausstattung eines karolingischen Panzerreiters des 8. Jahrhunderts. Europa wurde im 8. Jahrhundert durch den Aufstieg des Fränkischen Reiches und der Karolinger geprägt. Bis zum Jahr 714 regierte Pippin der Mittlere als Hausmeier das Frankenreich. Er unterstand weitgehend nur noch formal den merowingischen Königen, die einen großen Teil ihrer faktischen Macht eingebüßt hatten. Nach seinem Tod setzte sich sein Sohn Karl Martell als sein Nachfolger durch, der den Karolingern die Führungsposition endgültig sicherte. Im Gegensatz zu ihm strebte dessen Sohn und Nachfolger, Pippin der Jüngere, die Königswürde an. Nach der Absetzung des letzten merowingischen Königs, ließ er sich selbst als König ausrufen. Pippins Erbe, Karl der Große, dehnte die Grenzen des Frankenreiches durch regelmäßig durchgeführte Kriegszüge, gegen die Langobarden, die Awaren und die Sachsen, stark aus und beherrschte schließlich West- und Zentraleuropa und einen großen Teil der Italienischen Halbinsel.

Zu Beginn des Jahrhunderts hatten lokale Herrscher im Frankenreich einen hohen Grad an Selbständigkeit. So regierten Herzöge über einige Reichsteile mit weitreichenden Befugnissen. Die Karolinger waren bestrebt, die Macht der lokalen Regenten zu ihren Gunsten zu verringern. Dazu entmachteten sie schrittweise alle Herzöge. Ferner etablierte insbesondere Karl der Große eine auf ihn ausgerichtete lokale Herrschaftsstruktur, die Grafschaftsverfassung genannt wird. Grafen waren vom König eingesetzte und ihm rechenschaftspflichtige Amtsträger. Teilweise gehörte ihnen das Land, über das sie Herrschaftsrechte hatten, teilweise bekamen sie es vom König zur Verfügung gestellt. In den von ihm eroberten Gebieten setzte Karl Grafen ein, die sowohl ihm gewogene Adelige der eroberten Völker als auch Adelige aus den fränkischen Kerngebieten waren. Neben den weltlichen Adeligen waren auch Bischöfe und Äbte, auf deren Einsetzung die Karolinger wesentlichen Einfluss hatten, in das System der Grafschaftsverfassung eingebunden. Diese nahmen sowohl geistliche als auch weltliche Aufgaben wahr. Ihre weltlichen Aufgaben hatten einen ähnlichen Umfang wie die der Grafen, was bei Karl dem Großen auch die aktive Teilnahme an Kriegszügen einschloss. Zur Kontrolle reiste Karl regelmäßig durch sein Reich (Reisekönigtum). Zusätzlich setzte er Königsboten ein.

Die Ernennung zum König war bei den Karolingern an das Einverständnis der Mächtigen des Volkes gebunden. Dennoch spielte auch der Gedanke der Erblichkeit des Königtums eine große Rolle. Um den Wechsel der Königsdynastie von der Familie der Merowinger zur Familie der Karolinger zu rechtfertigen, ließ Pippin der Jüngere die Zustimmung des Papstes zu diesem Schritt einholen. Die Königssalbung Pippins war ein weiterer Schritt zur Legitimation seiner Königswürde und sollte dieser einen religiösen Charakter verleihen. Die Karolinger verstanden das Königtum als ein im Auftrag Gottes geführtes Amt. Ihr Reich sollte deshalb ein christliches Reich sein. Schon Karl Martell förderte die christliche Missionierung, was seine Nachfolger vor dem Hintergrund der Idee eines christlichen Reiches fortsetzten. Die Karolinger setzten dabei auf angelsächsische Missionare, die eng mit dem Papst verbunden waren. Während Karl Martell eine militärische Unterstützung des Papstes ablehnte, unterstützte Pippin den Papst militärisch, nachdem dieser sein Königtum legitimiert hatte. Fortan sahen sich die fränkischen Könige als Schutzmacht des Papsttums, was auch die Päpste so sahen. Im Jahr 800 wurde Karl der Große dann durch den Papst zum west-römischen Kaiser gekrönt. Die Kaiserkrone gewährte ihm einen höheren Rang, aber keinen Zuwachs an Rechten. Die Krönung begründete das (west)-europäische Kaisertum des Mittelalters. Es verstand sich als ideeller Nachfolger des Kaisertums des römischen Reiches und war damit ein Konkurrent des byzantinischen Kaisertums. Im 9. Jahrhundert lösten die beiden Kaiser dieses Zweikaiserproblem, indem sie sich gegenseitig das tragen unterschiedlicher Kaisertitel einräumten.

Eine Institution der Karolinger war die Erbteilung, wobei das Erbe nach dem Tod des Königs unter den Söhnen geteilt wurde. So teilte sich Pippin die Herrschaft zunächst mit seinem Bruder Karlmann, der nach einigen Jahren ins Kloster ging. Karl der Große teilte sich die Herrschaft zunächst mit seinem ebenfalls Karlmann genannten Bruder, der drei Jahre nach Herrschaftsantritt starb.

Gesellschaft, Wirtschaft und Recht Nach dem Bevölkerungsrückgang der vergangenen Jahrhunderte stieg die Bevölkerung in West- und Mitteleuropa wieder an. Dennoch beeinflussten Kriege, durch Unwetter verursachte Hungersnöte und Seuchen immer noch die Lebenserwartung der Menschen, doch die justinianische Pest verschwand Mitte des Jahrhunderts endgültig. Die Kindersterblichkeit war hoch und die Lebenserwartung lag nach überstandener Kindheit bei 44 bis 47 Jahren. Die Menschen ernährten sich überwiegend von Getreideprodukten, ferner von Milchprodukten und Gemüse.

Die Gesellschaft war stark agrarisch geprägt. Der weitaus größte Teil der Menschen wohnte in kleinen Dörfern auf dem Land. Die meisten Städte, die auf römische Gründungen zurückgingen, lagen in West- und Südeuropa. Im Zuge der fränkischen Expansion entwickelten sich auch östlich des Rheins um Klostergründungen und Bischofssitze Vorläufer städtischer Siedlungen.

Die Gesellschaft gliederte sich in Freie und Unfreie, wobei der jeweilige Status erblich war. Aus den Freien hob sich der Adel heraus, der durch Ämter privilegiert war. Freie waren rechtlich unabhängig, schuldeten dem König jedoch Kriegsdienste. Die Unfreien waren von einem Herren abhängig, der ihnen Schutz zu gewähren hatte, jedoch in vielen Lebensbereichen über sie bestimmen konnte. Die Rechte und Pflichten des Unfreien und seines Herren waren jedoch im Einzelfall sehr verschieden.

Reichtum begründete sich im Wesentlichen auf Landbesitz. Der Grund und Boden gehörte meistens Großgrundbesitzern, wie Königen, Adeligen, Bischöfen oder Klöstern. Diesen bewirtschafteten sie zum Teil mit Hilfe ihrer Unfreien selbst, andere Teile verpachteten sie an unfreie und freie Pächter. Schuldeten die freien Bauern dem Grundherren lediglich Abgaben, mussten die unfreien Pächter zusätzlich Dienstleistungen für den Herren, die Frondienste, erbringen.

Viele Kriegsdienste und immer aufwendigere Waffen und Rüstungen, die sie selber stellen mussten, waren für die Freien eine zunehmende Belastung. So hielten es zahlreiche Freie für wirtschaftlich günstiger unfreie Pächter eines Grundherrn zu werden, um von den Kriegslasten befreit zu werden. So ist eine Abnahme der nicht adeligen Freien in diesem Jahrhundert festzustellen.

Die wirtschaftlichen Quellen des Königs gründeten sich auf den Besitz der Krone, der nur einen Teil des Reichsgebietes ausmachte, und den Königsschatz.

Das fränkische Reich umfasste viele unterschiedliche Volksgruppen. Für die Angehörigen vieler Völker, wie der Sachsen, der Thüringer und der Alemannen, galt das eigene Volksrecht. Die Volksrechte ließ Karl der Große aufschreiben und teilweise anpassen.

Der Vereinheitlichung der Verhältnisse im Frankenreich und die erleichterten Herrschaftsausübung diente die Münzreform Karls des Großen. Hatte Pippin der Jüngere schon das Recht zur Ausgabe von Münzen, das Münzregal, als alleiniges Königsrecht durchgesetzt, so führte Karl den Denar als einheitliche Silbermünze im Frankenreich ein und legte fest, wie viele Münzen aus einem Pfund Silber geprägt werden durften., Rainer Leng auf der Website des Instituts für Geschichte der Universität Würzburg Geld wurde vor allem im Fernhandel eingesetzt, während auf lokaler Ebene der Tauschhandel dominierte.

Italienische Halbinsel In den vorherigen Jahrhunderten hatten die Langobarden große Teile der Italienischen Halbinsel vom byzantinischen Reich erobert, das zu Beginn des Jahrhunderts noch einen Landstreifen quer durch Mittelitalien, einschließlich Rom, und Gebiete im Süden der Italienischen Halbinsel beherrschte. Die Langobarden wurden durch Könige regiert, wobei Herzöge unter dem König die Herrschaft über Teilreiche ausübten. Im Laufe des Jahrhunderts brachten die Könige auch das selbständige langobardische Herzogtum Benevent unter ihre Kontrolle. Durch die Ausdehnung der Macht der Langobarden fühlten sich die Päpste, die die weltliche Herrschaft über Rom ausübten, zusätzlich bedrängt. Byzanz konnte und wollte ihnen keine Hilfe gewähren, zumal seit dem vorherigen Jahrhundert religiöse Meinungsverschiedenheiten bestanden. Nach weiteren Eroberungen byzantinischen Gebietes durch die Langobarden zur Jahrhundertmitte, rief der Papst den Frankenkönig, Pippin den Jüngeren, der sich als Schutzherr des Papsttums verstand, zu Hilfe. Dieser eroberte wesentliche Gebiete zurück und übertrug diese dem Papst. Diese Pippinsche Schenkung machte den Papst, der schon zu Beginn des Jahrhunderts eine Landzuweisung bekam, endgültig zum weltlichen Herrscher über einen größeren Flächenstaat. Dieser Kirchenstaat umfasste bis ins 19. Jahrhundert größere Territorien Mittelitaliens. Als der Papst in den 770er Jahren seine weltliche Herrschaft wiederum durch die Langobarden bedroht sah, rief er Karl den Großen zur Hilfe. Karl eroberte das ganze Langobardenreich und setzte sich als dessen König ein. Nur das südlich von Rom gelegene langobardische Herzogtum Benevent blieb selbständig.

Iberische Halbinsel mini|Vormalige Moschee von Córdoba