mini|hochkant=1.8|Ehemalige Wohngebiete der Östlichen Abenaki

Die Östlichen Abenaki sind die östliche Dialekt- und Stammesgruppe der Abenaki, die sich aufgrund ihres Dialektes von der westlichen Stammesgruppe, den Westlichen Abenaki, unterschieden. Sie waren ursprünglich im äußersten Nordosten der USA sowie den angrenzenden Gebieten Kanadas beheimatet und sprachen zusammen mit den eng verwandten Penobscot Östliches Abenaki (auch Abenaki-Penobscot), eine östliche Algonkin-Sprache. Sie bildeten einst mit vier anderen benachbarten Algonkin-Stämmen der Region zusammen die Wabanaki-Konföderation, die als Reaktion auf die Irokesen-Liga gebildet wurde. Heute leben noch einige tausend Abenaki im Bundesstaat Maine und den angrenzenden Regionen Kanadas.

Stämme der Östlichen Abenaki Arosaguntacook Kennebec (ab dem 18. Jhd. Norridgewock genannt) Pigwacket Penobscot (oft als eigenständiger Stamm angesehen) und eine Anzahl kleinerer Stämme, wie Amaseconti, Arsicantegou, Kwapahag, Ossipee, Rocameca und Wewenoc.

mini|Abenaki-Paar aus Bécancour (18. Jahrhundert)

Sprache und Name Die Abenaki sprechen Ost-Algonkin, das sich von der Sprache der Micmac im Norden und dem Idiom der Neuengland-Algonkin im Süden unterscheidet. Es gibt außerdem einen Unterschied im Dialekt der Östlichen zu den Westlichen Abenaki. Der Name der Östlichen Abenaki stammt von ihrer Selbstbezeichnung Wapanahki und bedeutet Volk des Sonnenaufgangs oder die Östlichen. Als Wabanaki wurden Angehörige der Konföderation bezeichnet, zu der auch die Westlichen Abenaki, Maliseet-Passamaquoddy und Micmac gehörten. Der Name Abnaki erscheint manchmal in der Literatur und darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Varianten in Schreibweise und Aussprache. Die Franzosen nannten die Östlichen Abenaki häufig Loups (deutsch „Wölfe“). Die Penobscot sind Angehörige der einzigen Abteilung der Abenaki, die in ihrer Heimat überlebt hat.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Vol. 15. Northeast. Kapitel: Eastern Abenaki, Seite 137ff. Smithsonian Institution Press, Washington D.C. 1978, ISBN 0-16-004575-4.

Wohngebiet Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erstreckte sich das Wohngebiet der Östlichen Abenaki über die heutigen US-Bundesstaaten Maine und New Hampshire sowie über Teile der angrenzenden kanadischen Provinz Neubraunschweig. Die Ureinwohner bezeichneten ihr Wohngebiet mit dem Namen von Flüssen und die Grenzen liefen entlang von Höhenzügen, die diese Flussläufe voneinander trennen. Als die ersten Europäer in ihr Land kamen, hatten die Ureinwohner keine Vorstellung von Grundbesitz, die mit europäischen Ansichten verglichen werden könnte. Oft waren die Grenzen nicht klar definiert und liefen ineinander über. Die Abenaki bezeichneten sich selbst als Bewohner von Flussläufen. So waren im Laufe der Zeit neue Gruppen an den kleineren Nebenflüssen der großen Ströme, wie Penobscot River, Kennebec River und Androscoggin River, entstanden, die bis hinunter zur lokalen Familiengruppe gingen. Es kam zu einer verwirrenden Menge von Stammesnamen, die in den alten Quellen erwähnt werden und die Zuordnung der einzelnen Stämme erschweren.

Die Westlichen Abenaki lebten zumeist im heutigen New Hampshire. Samuel de Champlain bemerkte interessante kulturelle Unterschiede zwischen ihnen und den Östlichen Abenaki. Er nannte die Westlichen Abenaki und ihre südliche Nachbarn Armouchiquois. In früheren Zeiten kam es oft zu derartigen Verwechslungen. So hat er die Maliseet-Passamaquoddy nicht genau von den Östlichen Abenaki unterscheiden können. Zuerst begegnete er den Maliseet-Passamaquoddy und erkannte sie korrekt als Étchemin, aber danach benutzte er den gleichen Ausdruck bequemerweise ebenfalls für die Östlichen Abenaki. Spätere Schriftsteller übernahmen den Fehler und einige heutige Autoren schließen irrtümlich daraus, dass das gesamte Gebiet um 1605 von den Vorfahren der Maliseet-Passamaquoddy besiedelt war.

Die Penobscot profitierten als Erste vom Pelzhandel mit den Franzosen und mit dem Erwerb europäischer Güter und Waffen begannen sie, Anfang des 17. Jahrhunderts die benachbarten Stämme zu dominieren. Ihrem obersten Sagamore Bashabes gelang es, die Östlichen Abenaki in einer Allianz zu verbünden. Sein Name erscheint in einer von Samuel Purchas 1625 veröffentlichten anonymen Beschreibung und er war einer von 23 Penobscot-Sagamores. Purchas berichtet weiter vom Land der Abenaki, in dem es Dörfer auf Mount Desert Island und an den Flüssen Penobscot, Orland, Bagaduce, Muscongus, Damariscotta, Sheepscot, Kennebec, Androscoggin, Presumpscot und dem oberen Saco River gab. Einige Flüsse, wie der Orland River, sind kleinere Küstengewässer, die zum Kennebec- und Penobscot-Einzugsgebiet gehören.

Die Feindschaft zu den Mi'kmaq auf der anderen Seite der Bucht bestand schon seit geraumer Zeit, wurde aber durch den Pelzhandel mit den Franzosen verschärft. Die Mi'kmaq wurden von damaligen Schriftstellern Tarrantiner genannt und andere Autoren haben den Namen irrtümlich auch auf die Östlichen Abenaki übertragen.

Lebensweise und Kultur zu Beginn des 17. Jahrhunderts Jagen und Sammeln Laut Samuel de Champlain und John Smith betrieben die Ureinwohner im nördlichen Neuengland Gartenbau, allerdings nur bis zum Saco River in Maine. Das Land der Abenaki war in Küstennähe von Weißkiefern, Hemlocktannen und Laubbaumwald bedeckt und wechselte zum Landesinneren hin zu Tannen- und Fichtenwald. Das Klima war für die damals verfügbaren Feldfrüchte wenig geeignet, bis der Pelzhandel das Überwintern in großen Dörfern ermöglichte und notfalls den Kauf von zusätzlicher Nahrung in Jahren der Missernte ermöglichte.

Der jährliche Zyklus der Östlichen Abenaki begann im Frühling mit dem Verlassen der Winterdörfer und der Wanderung zum Meer. Den Frühling verbrachte man an der Küste und fing Heringe, Lachse, Alsen, Aale, Stinte und andere Fische mit Haken, Speeren, Reusen und Netzen. Einige Fische wurden mit Harpunen gejagt, besonders Störe, die man bei Nacht durch Fackeln an die Oberfläche lockte. Hummer und Krabben wurden in flachem Wasser vom Kanu aus mit Speeren erlegt. Essbare Muscheln sammelte man zu bestimmten Jahreszeiten in großen Mengen und galten als Hauptnahrungsmittel. Im Frühling und Sommer wurde die Kost durch verschiedene Beeren, Kirschen, Weintrauben und andere wildwachsende Früchte ergänzt, wie die Erdbirne (Apios americana), eine harte, kartoffelähnliche Knolle, die wie diese zubereitet und gegessen wurde. Im Frühling zapften die Abenaki Ahorn-Bäume an, um den wohlschmeckenden Saft zu gewinnen, der nach Einführung metallener Töpfe auch zu Ahornsirup und Zucker verarbeitet wurde.

In den Sommermonaten machten die Abenaki an der Küste Jagd auf Seehunde, Delfine und verschiedene Wasservögel. Im Herbst erfolgte der Umzug ins Landesinnere und man verbrachte die kalte Jahreszeit in Winterlagern, später auch in größeren Dörfern. Von hier aus gingen sie auf die Jagd und erlegten Elch, Hirsch, Karibu und Bär mittels Speeren und Pfeil und Bogen, während Biber, Bisamratten, Otter und andere pelztragende Tiere in Fallen gefangen wurden. Die Winter waren hart und schneereich und die Jagd erforderte große Beweglichkeit, die man mit Schneeschuhen und Schlitten erreichte.

Ausrüstung und Werkzeug Zur Ausrüstung eines Abenaki-Jägers gehörten Pfeil und Bogen, eine lange Lanze, ein Messer und eine Jagdtasche mit einem Feuerzeug, das aus Schwefelkies und runden Steinen mit rauer Oberfläche bestand. Kanus waren ein wichtiges Transportmittel, wurden aus Birkenrinde hergestellt und waren so geräumig, um eine fünf- bis sechsköpfige Familie mit ihren Hunden und ihrer gesamten Habe aufzunehmen. Es gab große, zusammenfaltbare Rindenbehälter, die wie die Kanus mit zähen, dünnen Zedernwurzeln vernäht und mit weißen oder gefärbten Stachelschweinborsten verziert wurden. Essgeschirr, Löffel und Schalen schnitzten die Abenaki aus Holz, Körbe fertigten sie aus Eschenspänen an und runde oder konische Krüge töpferten sie aus Ton. Pfeifen zum Rauchen wurden aus Ton und Stein hergestellt, doch viele der kleinen Gebrauchsgegenstände wurden bald durch europäische Handelswaren ersetzt.

Das krumme Messer der Abenaki hat sich offenbar aus einem Biberschneidezahn entwickelt, doch um 1610 war es schon mit einer metallenen Klinge versehen. Hunde hielt man als Haustiere und benutzte sie zum Aufspüren von Wild, weniger zum Ziehen oder Tragen von Lasten, wie es von anderen Stämmen praktiziert wurde. Nach altem Brauch verschenkte man das erste erlegte Wild der Jagdsaison, das geschah auch mit der ersten Jagdbeute eines Knaben. mini|200px|Abenaki-Wigwam

Häuser Es gab zwei verschiedene Haustypen bei den Östlichen Abenaki: Sie waren entweder halbrund mit einem kreisförmigen oder pyramidenförmig mit einem rechteckigen Grundriss. Sie hatten einen Mittelpfosten, der von einer Steinplatte vor dem nahen Feuer geschützt wurde, und waren mit Birkenrinde bedeckt. Das Haus hatte zwei Türen, von denen eine stets offen blieb, damit der Rauch durch den Luftzug am Scheitelpunkt des Hauses entweichen konnte. Sie waren so gut isoliert, dass sie im Winter warm blieben und im Sommer als Schwitzhütten dienten.

Ehe und Familie Die Familie der Braut erhielt von der Familie des frischgebackenen Ehemanns einen Brautpreis, dessen Höhe von der Attraktivität der Braut und dem Status ihres Vaters abhängig war. Vielehe war auf die Sagamore beschränkt. Das hatte einen praktischen Grund, denn ein Mann mit mehreren Frauen und vielen Kindern war zum Beispiel eher in der Lage, große Feste zu organisieren.

Bei der Geburt ihres Kindes verließ die Frau den Wigwam, kniete sich nieder und einige ältere Frauen leisteten ihr Hilfestellung. In den Wintermonaten war die Kindersterblichkeit hoch, weil man die Neugeborenen nicht ausreichend gegen die bittere Kälte schützen konnte.

Führung Indianische Führer waren niemals absolute Herrscher, sondern konnten ihr Amt nur durch besondere Leistungen, Mut, kluge Entscheidungen und Fürsorge für ihre Stammesmitglieder erwerben und behaupten. Die Häuptlingswürde übertrug man also gewöhnlich einem angesehenen Mann, der die notwendigen Qualifikationen besaß. Es gab eine patrilineare Tendenz für die Weitergabe des Führungsamtes, obwohl es grundsätzlich nicht erblich war. Ein Sagamore hatte normalerweise eine vielköpfige Familie und war bemüht, diese durch die Heirat so vieler Frauen zu vergrößern, wie er angemessen versorgen konnte. Zu Verwandten und anderen Familien baute er persönliche Beziehungen auf, um seinen Einfluss zu erweitern. Es gab Sagamore, die zugleich auch Schamanen waren, und damit ihre Ausstrahlung und ihren Einfluss erheblich vergrößern konnten. Bashabes war ein außergewöhnliches Beispiel für einen Führer, dessen Autorität sich über alle Östlichen Abenaki ausgedehnt hatte und erst nach seinem Tode konnten die örtlichen Sagamore wieder frei entscheiden. Ernennungen auf Lebenszeit wurden 1866 durch jährliche Wahlen abgeschafft.

mini|200px|Abenaki in historischer Tracht

Kleidung Männer und Frauen der Abenaki kleideten sich ähnlich in fransenverziertes Hirschleder und Tierfelle, die mit dem Fell nach außen oder innen getragen wurden. Biberfelle nahm man für Lendenschurze und bei kaltem Wetter trug man lange Ärmel und Leggings. Beide Geschlechter trugen Mokassins aus Leder, gingen normalerweise ohne Kopfbedeckung und bemalten sich das Gesicht und den Körper. Sagamore trugen manchmal Kronen aus roten Hirschborsten oder weiß gefiederten Vogelbälgen.

Heilkunst Kranke schickte man in die Schwitzhütte, um das Leiden zu kurieren. Schamanen verabreichten verschiedene Abführmittel, Tee und Salben. Andere Krankheiten erforderten magische Heilmittel und der Schamane versuchte, die Krankheit fortzublasen oder zu tanzen. Auf einem Felsen in der Nähe von Solon in Maine kann man noch heute magische Zeichen entdecken,