Rahden (niederdeutsch Roh’n) ist eine Stadt im äußersten Norden von Nordrhein-Westfalen zwischen Bielefeld, Bremen, Hannover und Osnabrück. Sie gehört zum Kreis Minden-Lübbecke in Ostwestfalen-Lippe im Regierungsbezirk Detmold.

Rahden wurde erstmals im Jahr 1033 erwähnt und war Sitz des von 1816 bis 1831 existierenden Kreises Rahden.

Geografie Geografische Lage Rahden liegt im Nordosten Nordrhein-Westfalens und im Norden des Kreises Minden-Lübbecke. Im Norden des Stadtgebiets liegt der NRW-Nordpunkt – der nördlichste Punkt des Landes. Naturräumlich liegt das Stadtgebiet in der Norddeutschen Tiefebene bzw. in der Dümmer-Geestniederung. Markante Erhebungen gibt es kaum. Der höchste „Berg“ ist das Hohe Feld in der Kernstadt mit rund . Das Stadtgebiet liegt mehrheitlich zwischen minimal und . Naturräumlich liegt das Gebiet ferner zum Teil in der Rahden-Diepenauer Geest und im Norden bereits in einem Teilraum der Diepholzer Moorniederung. Hier reicht Rahden bis fast an das Oppenweher Moor. Kulturräumlich gehört das Stadtgebiet zum Mindener Land.

Die meisten Gewässer im Gemeindegebiet sind Entwässerungskanäle, die das Gebiet in regelmäßigen Abständen entwässern. Sie wurden künstlich angelegt und bilden oft kein klassisches Flusssystem aus Haupt- und Nebenflüssen, das sich aus der Fließrichtung ergibt. Einer dieser Gräben ist der Tielger Bruchgraben, der von Oppenweher Moor kommend in die von Süden kommende Große Aue entwässert. Der Wesernebenfluss Große Aue durchfließt das Stadtgebiet von Süden kommend Richtung Nordosten. Von Westen her kommend vereinigt sich der Große Dieckfluss auf dem Stadtgebiet mit der Großen Aue. Die östliche Stadtgrenze zu Niedersachsen bilden der Weberbach und in Verlängerung der Große Aue-Nebenfluss Wickriede.

Die nächstgelegenen Großstädte sind Bielefeld (40 Kilometer südwestlich gelegen), Osnabrück (45 Kilometer westlich), Bremen (71 Kilometer nordöstlich) und Hannover (75 Kilometer südöstlich).

Geologie mini|Geothermische Karte von Rahden mini|Großer Stein von Tonnenheide Das Gebiet ist geologisch relativ einheitlich aufgebaut. Die meisten Teile bestehen aus Gesteinen aus dem Quartär. Einzelne Hügel sind aus Schichten der obersten Kreide aufgebaut. Teilweise wurden in der Eiszeit Findlinge in das Gebiet eingetragen, so zum Beispiel der „Große Stein“ von Tonnenheide. Die Böden bestehen ganz überwiegend aus Geestböden. Sie sind sandig und nur wenig fruchtbar. In den Moorniederungen im Norden ist das Gebiet meist nur extensiv nutzbar.

Rahden eignet sich weitgehend gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonden und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Der niedrigste Punkt des rund 137 Quadratkilometer großen Stadtgebiets liegt bei rund im Nordwesten der Gemeinde. In der Kernstadt erreicht das Gelände eine Höhe von . Die maximale Nordsüdausdehnung beträgt rund 16 Kilometer, die maximale West-Ost-Distanz beträgt rund 11 Kilometer.

Rahden ist eine im Kreis- und Landesvergleich äußerst waldarme, dünn besiedelte und relativ stark von landschaftlicher Nutzung geprägte Gemeinde. Einziges größeres Waldgebiet ist der Osterwald bei Tonnenheide, ehemals Teil des Truppenübungsplatzes Wickriede im Südwesten. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die genauen Flächenanteile der Nutzungsarten:

Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Siedlungs-und Verkehrsfläche Wasser-fläche sonstigeNutzung Fläche in ha 10.857 733 1706 426 13 Anteil an Gesamtfläche 79 % 5,3 % 12,4 % 3,1 % 0,1 %

Quelle: Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRWLandesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW: Kommunalprofil Rahden, Stadt, abgerufen am 18. März 2024

Nachbargemeinden Die Nachbarkommunen von Rahden sind:

im Norden die Gemeinde Wagenfeld im Osten der Flecken Diepenau im Süden die Stadt Espelkamp im Westen die Gemeinde Stemwede

Stadtgliederung Seit der Gebietsreform 1973 gehören gemäß § 3 der Hauptsatzung folgende Ortschaften zur Stadt:

Ortschaft Einwohner Stadtgliederung Rahden 4466 150px|zentriert|Stadtgliederung von Rahden Kleinendorf 4311 Varl 1547 Sielhorst 734 Preußisch Ströhen 1894 Wehe 1680 Tonnenheide 1613

Stand: Januar 2015

Klima mini|Klimadiagramm von Rahden-Varl Das Klima in Rahden wird durch die Lage im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas und durch seine Lage in der Norddeutschen Tiefebene bestimmt. Das Gebiet liegt überwiegend im Bereich des subatlantischen Seeklimas, weist aber temporäre kontinentale Einflüsse auf. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild, die Sommer mäßig-warm, die Niederschläge sind relativ gleichmäßig verteilt. Es überwiegen westliche und südwestliche Winde, die Niederschläge mit sich führen.

Die Niederschlagsmenge liegt im langjährigen Mittel bei 688 mm. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei rund 9,3 °C. Damit gehört die Stadt zu den trockensten und wärmsten Gebieten Ostwestfalens.klimadiagramme.de: Das Klima in Rahden-Varl Am 20. August 2009, dem wärmsten Tag dieses Jahres in Deutschland, wurde an der Wetterstation in Rahden-Varl mit 37,8 °C die höchste deutsche Jahrestemperatur erreicht.

Geschichte Frühgeschichte Bodenfunde zeigen, dass das heutige Stadtgebiet bereits vor 10.000 bis 12.000 Jahren in der mittleren Steinzeit auf der Rahdener Geest besiedelt war. Die Geest lag als erhöhte Bodenschwelle inmitten sumpfiger Niederungen und feuchter Gebiete und bot sich damit als Siedlungsort an. Reste von Großsteingräbern in Varl („Hohe Steine“) und das Hünengrab im Steinkämper Feld bezeugen diese früheste Besiedlung des heutigen Stadtgebiets. Weiterhin deuten Hügelgräber in Wehe (erhalten) und Tonnenheide (Bodendenkmal) mit umfangreichen Grabbeigaben wie Ascheurnen, Bronzeschmuck und einem Schwert auf eine Besiedlung in der Bronzezeit hin.

Unter bischöflicher Herrschaft Die erste Erwähnung Rahdens datiert aus dem Jahr 1033. In einer Urkunde Kaiser Konrads II. bestätigt der Kaiser eine Hufe in Rodun als Besitz des Stifts St. Martini in Minden. Der Name Rodun leitet sich wohl von den Rodungen der Wälder ab. Schon früh steht das Gebiet um Rahden damit, wie das gesamte Mindener Land, unter dem Einfluss des Bistums Minden bzw. dessen säkularer Herrschaft Hochstift Minden.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstand in Kleinendorf durch die Bischöfe von Minden eine Burg. An dieser strategisch wichtigen Furt über die Große Aue sicherte die Burg Rahden mehrere sich hier kreuzende Handelswege. Die Wasserburg war zunächst Sitz der bischöflichen Drosten des Amtes Rahden und später der brandenburgisch-preußischen Amtmänner und Beamten der königlichen Domänenverwaltung.

1353 stiftete Bischof Gerhard I. von Schauenburg die St.-Johannis-Kirche. Sie wurde Ausgangspunkt der Siedlung und des heutigen Hauptortes Rahden. Die Kirche auf dem Sandbrink ist ein Nachfolger einer alten Klus (Kapelle), die im Bereich des heutigen Westerfelds gestanden haben muss. 1572 wurden der Markt von Rahden und die Orte Kleinendorf, Varl, Sielhorst, Preußisch Ströhen, Wehe und Tonnenheide erstmals genannt.

Rahden in Minden-Ravensberg 1648 fiel das Hochstift Minden nach dem Westfälischen Frieden als säkularisiertes Fürstentum Minden an Brandenburg-Preußen. Die Burg Rahden blieb Sitz eines Amtmannes. Das Amt Rahden umfasste den nordwestlichen Teil des Fürstentums, darunter der Flecken (Ort) Rahden und die Bauerschaft Großendorf. Das entspricht in etwa den heutigen Kommunen Stemwede und Rahden. 1719 wurden die Fürstentümer Minden und die Grafschaft Ravensberg unter formaler Beibehaltung ihrer Integrität zum Verwaltungsgebiet Minden-Ravensberg zusammengefasst.

Ab 1772 trug u. a. der Bau des Neuen Kanals – einem Seitenkanal der Großen Aue – dazu bei, dass die überwiegend sumpfig-nassen und überwiegend sandigen Böden landwirtschaftlich in größerem Umfang nutzbar wurden. Der Bau der Entwässerungsanlagen entlang der Aue, dem Großen Dieckfluss und der Wickriede dauerte rund hundert Jahre. Mit Beginn dieser Maßnahmen wurden durch die preußischen Landreformen im Rahdener Gebiet die gemeinen Marken geteilt.

Im Winter 1878/79 brannte die Burg (das sogenannte „Schloss“) letztmals ab. Ein Teil der verbliebenen Außenmauern bildet die heutige Ruine.

Die napoleonische Zeit 1806 fiel das Gebiet um Rahden an Napoleon Bonaparte und wurde 1807 Teil des französischen Vasallenstaates Königreich Westphalen. Rahden wurde Sitz des Kantons Rahden, der zunächst zum Distrikt Minden des Departements der Weser gehörte. Von 1811 bis 1813 gehörte Rahden unmittelbar zum Kaiserreichs Frankreich und war dort Sitz der Mairie Rahden im Kanton Rahden, der nun zum Arrondissement Minden des Departements der Oberen Ems gehörte.

Rahden in der preußischen Provinz Westfalen

Nach der Rückeroberung durch Preußen gehörte Rahden von 1813 bis zur Gründung der preußischen Provinz Westfalen zum Zivilgouvernement zwischen Weser und Rhein. Bereits 1816 hatte Preußen nach Rückeroberung seiner Westgebiete seine Verwaltungsstrukturen grundlegend modernisiert. 1816 wurde Rahden Hauptort des neuen Kreises Rahden, der im Wesentlichen dem westlichen Teil des ehemaligen Fürstentums Minden entsprach. Bereits 1832 wurde der leicht vergrößerte Kreis Rahden zum Kreis Lübbecke umgewandelt und der Kreissitz ins größere Lübbecke verlegt. Das 1843 eingerichtete neue Amt Rahden bestand aus den Gemeinden Großendorf (mit dem Flecken Rahden), Kleinendorf, Sielhorst (ab 1849), Ströhen, Tonnenheide (ab 1858), Varl und Wehe.

Während der Märzrevolution 1848 kam es zu „Tumulten“ in Rahden und Levern, so dass der Landrat Militär anforderte, das aber mangels Truppen dort nicht zum Einsatz kam.Reinhold Spönemann: Tumulte in Rahden und Levern während der Märztage 1848. Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, Jahrgang 48 (1976), S. 91–93. Am 1. April 1910 wurde die Gemeinde Großendorf in die Gemeinden Rahden und Espelkamp aufgespalten.

Die Preußen förderten in Minden-Ravensberg die Flachsverarbeitung, und so erblühte auch in Rahden im 18. Jahrhundert die Textilverarbeitung in proto-industrialistischerer Arbeitsteilung. Im Rahdener Gebiet standen über tausend Webstühle, die den Löwendleinen verarbeiteten. Durch die Rahdener Legge liefen zeitweise 500.000 „Ellen-Leinen“. Dennoch setzte die Industrialisierung in Rahden zunächst nicht durchdringend ein, so dass die ärmere bäuerliche Bevölkerung als „Rahdener Kiepenkerle“ im Winter in ganz Minden-Ravensberg ihre handgemachten Waren, wie Holzschnitzereien, anboten.

Im 19. Jahrhundert wurden diese Formen bäuerlicher Hausarbeit durch die zunehmend aufkommenden Industrieprodukte verdrängt. Auch die nun weitgehend vollständig industriell organisierte Textilproduktion fand zunehmend in den industriellen Zentren Minden-Ravensbergs statt und litt unter erheblicher Konkurrenz durch die stärker technologisierten ausländischen Spinnereien und Webereien. In der Mitte des 19. Jahrhunderts sahen sich viele Rahdener dadurch dazu gezwungen, unter anderem nach Amerika auszuwandern oder sich als Hollandgänger zu verdingen.

Mit dem Bau der Ravensberger Bahn 1899 von Bünde nach Bassum wird Rahden an die Hauptstrecken der Köln-Mindener Eisenbahn angebunden, 1910 folgt die Strecke nach Uchte. Dadurch wurde in Rahden die Grundlage für eine weitere industrielle Expansion geschaffen. Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte Rahden sich zu einer „Eisenbahnerstadt“.

20. Jahrhundert

Während der Novemberpogrome 1938 wurde am 10. November 1938 wurde die frisch renovierte Synagoge in Rahden in Brand gesetzt. Zahlreicher Einwohner und der Feuerwehr schauten zu als das Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrannte. Die Wohnungen jüdischer Familien wurden verwüstet und geplündert. Bis Ende Juli 1942 wurden alle Rahdener mosaischen Glaubens deportiert.Jüdisches Leben in Rahden: Jüdisches Leben in Rahden, abgerufen am 12. September 2026