mini|hochkant=1.5|Schloss mit Turm Die Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Bad Homburg vor der Höhe von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Sie lässt sich bis ins Hochmittelalter zurückverfolgen. Die Stadt hieß bis zum Jahr 1912 Homburg vor der Höhe.
Vorgeschichte Archäologische Untersuchungen auf dem Niederstedtener Feld beim Bau der Hochtaunus-Klinik Bad Homburg wiesen eine Siedlung der Rössener Kultur der Jungsteinzeit nach.„Häuser wie ein Schiffsrumpf“, in: Taunuszeitung vom 15. September 2010, Seite 22 Die Besiedelung der Homburger Bucht erfolgte in römischer und fränkischer Zeit. In römischer Zeit verlief eine Verbindungsstraße zwischen dem Kastell Saalburg und Nida durch die spätere Homburger Gemarkung. Das Kastell Saalburg gehörte zu den Schutzanlagen des Obergermanisch-Raetischen Limes, der das Stadtgebiet ebenfalls berührt. Durch den heutigen Stadtteil Gonzenheim führte die zwischen Taunus und Wetterau verlaufende Weinstraße.
Name Der Name der Stadt, Homburg, leitet sich von der Burg Hohenberg ab. Die Siedlung um den Hohenberg im Südwesten, heute das Gebiet der oberen Altstadt, und das doppelt so große Haufendorf im „Tal“ im Nordwesten bildeten die Kerne der Doppelstadt. Die beiden Stadtteile wurden durch eine Binnenmauer getrennt und waren durch die „Güldene Pforte“ verbunden.
Der Namenszusatz vor der Höhe ist urkundlich wahrscheinlich 1399 erstmals belegt. „Die Höhe“ ist der traditionelle Name des Taunus, dessen heutige Bezeichnung sich erst ab dem 18. Jahrhundert durchsetzt.
Mittelalter Ursprung Im Früh- und Hochmittelalter zählte das spätere Homburg zum Niddagau. Die lokale Geschichtsschreibung ging traditionell davon aus, dass die dokumentierte Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe mit einer Erwähnung für das Jahr 782 im Lorscher Codex beginnt, als ein Teil der Kirche zu Dietigheim dem Kloster geschenkt wird. Dort wird eine „Villa Tidenheim“ genannt und mit der als „Dietigheim“ bezeichneten Talsiedlung gleichgesetzt. Auch in Straßennamen kam dies zum Ausdruck. Allerdings ergaben archäologische Ausgrabungen der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main 2002 keine Hinweise auf eine Ansiedlung in der Altstadt zwischen der Zeitenwende und dem 13. nachchristlichen Jahrhundert.„Dietigheim, Hochtaunuskreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/15032> (Stand: 17. April 2018)
Territoriale Zugehörigkeit Bis zum Jahr 1013 war der Bereich des heutigen Bad Homburg Reichsgut, danach war der Pfalzgraf bei Rhein der Lehnsherr von Homburg. Ende des 12. Jahrhunderts erwarb Gottfried I. von Eppstein die Rechte über Homburg und die Comitia zum Stulen von Wortwin von Homburg. Dessen erste urkundliche Erwähnung stammt aus der Zeit um 1178; dort erscheint ein Ortwino de Hohenberch als Zeuge für Eberhard I. von Dornberg.Wenck (1789), S. 111 f., Urkunde LXXX (um 1178). Es wird vermutet, dass er der Erbauer der Burg Homburg war, ihr seinen Namen gab und diese somit als sein Allod an die von Eppstein verkaufen konnte. Die Burg wurde mit Burgmannen besetzt, die teilweise die Burg als Lehen erhielten (Ritterfamilie Brendel von Hoenberg (Homburg) als Dienstmannen). 1487 verkaufte Graf Gottfried IX. von Eppstein Burg, Stadt und Amt an Graf Philipp von Hanau. Homburg war in den Jahren 1294 bis 1330 an die Grafen von Katzenelnbogen und von 1361 bis 1433 an die Grafen von Eppstein, 1433–86 Eppstein-Münzenberg als Lehen vergeben. 1486 verkaufte Gottfried IX. von Eppstein mit Einwilligung des hessischen Landgrafen Schloss und Stadt Homburg samt den zugehörigen Dörfern Seulberg, Oberstedten, Niederstedten, Dornholzhausen und Köppern, der Obermärkerschaft, dem Hofgericht zu Ober-Erlenbach und weiteren Rechten für 19.000 Gulden an Graf Philipp I. (den Jüngeren) von Hanau-Münzenberg, der damit auch seitens des Landgrafen von Hessen belehnt wurde.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900–1806. (= Handbuch der hessischen Geschichte 3; = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63). Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5, S. 211.
Die Hanauer Grafen behielten das Amt aber nicht lange. Im Jahr 1504 standen sich Hessen und Hanau im Landshuter Erbfolgekrieg als Gegner gegenüber, Hessen auf bayerischer, Hanau auf pfälzischer Seite. Landgraf Wilhelm II. beschlagnahmte daraufhin das Amt Homburg. Auf dem Reichstag von Worms kam es 1521 zu einem Vergleich durch die Vermittlung Kaiser Karls V.: Gegen Zahlung einer Summe von 12.000 Gulden verzichteten die Grafen von Hanau auf ihre Ansprüche hinsichtlich Homburg. In den Jahren 1539 bis 1559 war Homburg erneut bei Hanau-Münzenberg, diesmal verpfändet, und 1559 bis 1568 bei Reifenberg.
Burg Im Jahr 1962 wurden bei archäologischen Ausgrabungen unter dem Hirschgangflügel des Bad Homburger Schlosses zwei Brandschichten entdeckt, die nach Interpretation des Ausgräbers Günther Binding auf zwei nacheinander errichtete, aber jeweils abgebrannte Turmburgen hinwiesen. Erneute Grabungen der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main im April 2006 wiesen drei frühe Besiedlungsphasen nach: In der untersten erfassten Kulturschicht, direkt über dem gewachsenen, aus Grünschiefer bestehenden Boden, kamen Pfostenspuren eines Gebäudes zum Vorschein, deren C14-Bestimmung zu einer Datierung um 1180 passen. Die folgende Phase belegt, dass dieses Bauwerk schon nach kurzer Nutzungszeit abgerissen wurde oder abbrannte. Das Gelände wurde sehr rasch planiert und darauf ein Gebäude in Fachwerktechnik errichtet. Es hatte rund hundert Jahre Bestand, ging dann ebenfalls in einem Brand unter und wurde in der dritten Phase durch Stein-Mörtel-Bauten abgelöst. Es handelt sich dabei aller Wahrscheinlichkeit nach um die ab dem 14. Jahrhundert auch schriftlich nachgewiesene Burg der Brendel von Homburg.
Eine weitere Ausgrabung, die das Landesamt für Denkmalpflege Hessen in der an das heutige Schloss angrenzenden Orangeriegasse im November 2010 durchführte, erbrachte Keramiken aus dem 12./13. Jahrhundert. Dies entspricht zeitlich der urkundlich nachgewiesenen, durch Ortwin von Hohenberch (oder: Wortwin, wie er in den Eppsteinschen Lehensverzeichnissen genannt wird) um 1180 errichteten Burg. Ortwin leistete damit einen Beitrag zur Sicherungslinie Frankfurt–Gelnhausen–Büdingen–Ortenberg–Münzenberg–Friedberg–Hohenberch (Bad Homburg vor der Höhe), die Kaiser Friedrich Barbarossa um die Wetterau errichtete.
Die Burg war Allod. Ortwin hatte weiter zwei Lehen vom PfalzgrafenDer erste im Zusammenhang mit der Quelle wichtige, dort aber nicht namentlich genannte Pfalzgraf bei Rhein war Konrad der Staufer (* 1136; † 1195), Halbbruder von Friedrich Barbarossa. inne, die vor ihm Werner von Braunshorn besessen hatte. Eines oder auch beide Lehen (die Quelle ist hier nicht eindeutig) veräußerte er zusammen mit der Burg nach 1197 an Gottfried I. von Eppstein. Dies ergibt sich aus einer Stelle in den Eppsteinschen Lehensverzeichnissen, in welchen der Zusammenhang des Verkaufs geschildert wird.Die Bad Homburger Stadtarchivarin Astrid Krüger interpretierte in einem in den Nassauischen Annalen 2008 erschienenen Aufsatz die angegebene Textstelle in den Eppsteinschen Lehensverzeichnissen dahingehend, dass eigentlich Werner von Braunshorn der Eigentümer der Burg gewesen sei. Eine indirekte Erwiderung darauf, verfasst von dem Bad Homburger Archäologen Rüdiger Kurth, wurde von diesem im Jahrbuch des Hochtaunuskreises 2009 veröffentlicht. Der obige Text orientiert sich im Wesentlichen an den Angaben in der Stadtgeschichte von Friedrich Lotz (siehe Literatur). Er besetzte die Burg mit Burgmannen, die diese teilweise auch als Lehen erhielten, etwa die Ritter Brendel von Hoenberg (Homburg).
Der Schreiber des Eppsteinschen Lehensverzeichnisses berichtet darüber hinaus noch über den Vorbesitzer des einen der beiden genannten Lehen: Friedrich von Hausen. Diese außergewöhnliche Erwähnung, verbunden mit einer Hervorhebung im Original, lässt vermuten, dass es sich bei Friedrich von Hausen um den Minnesänger und Freund Friedrich Barbarossas handelt, der 1190 auf dem Dritten Kreuzzug starb.
Stadt mini|hochkant=0.6|Wappen der Stadt Bad Homburg vor der Höhe Der Befund der Grabung von 2010 legt nahe, dass zugleich mit der Burg eine Siedlung entstand, auf die die heutige Stadt zurückgeht. Zugleich stellt die Erwähnung des Ortwin von Hohenberch in der Eberbacher Zeugenreihe von etwa 1180 den ersten konkreten urkundlichen Beleg für Homburg dar.
In Bad Homburg gab es zwei Kirchen: die St. Georgs-Kirche und die Liebfrauenkirche vor dem Untertor, die Stadtkirche in der oberen Altstadt. Das Patronat gehörte dem Propst von Ilbenstadt. Homburg lag im Erzbistum Mainz. Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat des Propstes von St. Peter in Mainz, Dekanat Eschborn.
Homburg erlangte wahrscheinlich um 1330 Stadt- und Marktrecht, wobei die genaue Form der Verleihung unbekannt ist; eine entsprechende Urkunde liegt nicht vor. Burgherren waren zu dieser Zeit die Brendels. Die Stadt wurde von einer unvollendet gebliebenen Ringmauer umschlossen, durch die die Ober- und die Unterpforte führte. Seit dem 15. Jahrhundert gab es zwei Wochenmärkte, die auch noch heute regelmäßig stattfinden. Vom 14. bis ins 19. Jahrhundert war Landwirtschaft der Haupterwerb der Bürger.
Im Jahr 1335 lebten zehn jüdische Familien in Homburg vor der Höhe.
1436 wurde erstmals ein Stadtrat für die Altstadt erwähnt. Im 16. Jahrhundert bestand er aus 12 Schöffen des Gerichts, welche als Schöffenrat, Großer oder „Älterer Rat“ bezeichnet wurden und das Verwaltungsgremium bildeten, sowie 6 Ratsverwandten, welche als „Kleiner“ oder „Jüngerer Rat“ bezeichnet wurden und den Älteren Rat ergänzten. Die beiden Bürgermeister wurden aus beiden Ratskollegien gewählt. Sie führten das Rechnungswesen. Der von der Landesherrschaft bestellte Schultheiß stand dem Rat vor und unterstand der Aufsicht des Kellers oder Amtmannes.
Historische Namensformen Hohenberch (12. Jahrhundert) Hohenberg (13. Jahrhundert) Hohenberch (13. Jahrhundert) Hoenberg (13. Jahrhundert) Hoenberch (13. Jahrhundert) Hohinberg (13. Jahrhundert) Hohinberch (13. Jahrhundert) Hoinberg (13. Jahrhundert) Hoinberch (13. Jahrhundert) Hoemburg (1268) Homberg (14.–16. Jahrhundert) Homburg (14.–16. Jahrhundert)
Frühe Neuzeit mini|Valentin Wagner: Ansicht Homburg aus dem Norden, 1633 mini|Bad Homburg – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian, 1655 mini|Bruchscher Stadtplan von 1787 Bereits im Jahr 1527 wurde die Reformation eingeführt. Die Stadt wurde lutherisch.
Bei der hessischen Landesteilung nach dem Tod des Landgrafen Philipp I. 1567, fielen Burg, Amt und Stadt Homburg für zehn Jahre an die Grafen von Diez, 1577 an Landgraf Philipp II. von Hessen-Rheinfels und 1583 an Hessen-Darmstadt. Bei einer weiteren Teilung innerhalb von Hessen-Darmstadt wurde 1622 die Nebenlinie Hessen-Homburg mit Friedrich I. begründet.
Im Jahr 1529 wurde eine jüdische Gemeinde in der Judengasse der Neustadt angesiedelt. Bis 1750 stieg die Zahl jüdischer Familien auf zehn an. 1684 und 1734 wurden Judenordnungen erlassen.
Mitte des 16. Jahrhunderts gab es eine Lateinschule und eine Mädchenschule.
Zwischen 1603 und 1656 wurden mindestens 61 Frauen und 14 Männer aus Homburg und den damals zum Amt Homburg gehörenden Orten Seulberg, Köppern, Gonzenheim und Oberstedten während Hexenverfolgungen auf dem Platzenberg hingerichtet.Namen der Opfer der Hexenprozesse/ Hexenverfolgung Bad Homburg (PDF; 141 kB), abgerufen am 9. Mai 2016. Prominentestes Opfer war Ottilia Preußing. 2012 sprach die Stadt Bad Homburg vor der Höhe eine Rehabilitation der Opfer der örtlichen Hexenprozesse aus und stellte im Juli 2017 eine Gedenktafel am alten Rathausturm auf.