mini|Martin-Gallus-Kirche mini|Faberstraße mini|Hochwasser der Elbe im Januar 2011, überspülter Elberadweg
Fermersleben ist ein südlich gelegener Stadtteil von Magdeburg, der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt. Der Stadtteil ist 337,99 Hektar groß und hat 3.627 Einwohner (Stand 31. Dezember 2024).
Geografie Im Osten bildet die Elbe die natürliche Grenze des Stadtteils; die Trennlinie zum nördlich gelegenen Stadtteil Buckau verläuft entlang des Schanzenweges. Hinter dem westlichsten Gleis des in Fermersleben ausgedehnten Schienennetzes des Rangierbahnhofs an der Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig beginnt der Stadtteil Hopfengarten. Im Süden grenzt mit der Hermannstraße Salbke an. Während das Fermerslebener Elbufer Höhen um 45 Meter aufweist, steigt das Gelände nach Westen bis auf 58 Meter über dem Meeresspiegel an. Zwischen dem Elbufer und der Bebauungszone liegen die beiden Salbker Seen I und II. In der Vergangenheit lag in der Elbe vor Fermersleben die Insel Katzenwerder. Östlich der Ortslage verläuft die Sülze, in die der kleine Wasserlauf Itschenpitte mündet. Der Buckauer Friedhof mit einer Größe von etwa 7,6 Hektar liegt ebenfalls auf Fermerslebener Gebiet, an der Nordostgrenze zu Buckau. Das bebaute Gebiet bedeckt nur eine Fläche von etwa 0,6 km², also nur etwa 18 Prozent der Stadtteilfläche.
Es wird angenommen, dass sich in der Umgebung von Fermersleben die Dörfer Pretalize und Trumsitze befanden, die noch im Mittelalter zu Wüstungen wurden.
Infrastruktur Fermersleben ist eine reine Wohnsiedlung ohne industrielle Ansiedlungen und mit nur wenigen Gewerbebetrieben, liegt aber im Einzugsbereich der westlich und südlich nahegelegenen Gewerbeparks. Dagegen sind mit dem Naherholungsgebiet Salbker Seen und dem Sportkomplex am nördlichen Ende der Straße Alt Fermersleben Freizeitangebote gegeben. Die Art der Wohnbebauung ist unterschiedlich und reicht vom alten Dorfkern um die Mansfelder Straße über die Siedlung Fermersleben aus den 1920/1930er Jahren bis zur 1998 entstandenen Wohnanlage Alt Fermersleben. Der Stadtteil ist über Straßenbahn- und Buslinien an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. An der Elbe befindet sich der Sportboothafen Fermersleben. Entlang des Elbufers führt der westelbische Elberadweg.
Im Stadtteil bestehen sieben Kleingartenvereine (Stand 2013).Aufstellung des Verbandes der Gartenfreunde Magdeburg
Geschichte Vorzeit Auf dem Gebiet des heutigen Fermersleben wurde bereits in der frühen Jungsteinzeit (um 2000 v. Chr.) gesiedelt, dies haben Ausgrabungsfunde im südlichen Bereich des Stadtteils bewiesen. Im Bereich der Hermannstraße wurden Siedlungsreste aus der frühjungsteinzeitlichen sogenannten Gaterslebener Gruppe festgestellt. In der Zinckestraße wurden Gräber aus der späten Eisenzeit (um 200 v. Chr.) gefunden. Nördlich des Unterhorstwegs fanden sich Scherben slawischen und frühdeutschen Ursprungs die auf die Zeit des 9. oder 10. Jahrhunderts datiert wurden. Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Geographisches Institut, Arbeitsgruppe Heimatforschung (Hrsg.): Magdeburg und seine Umgebung. Akademie-Verlag, Berlin 1972, S. 114. (Werte unserer Heimat, Bd. 19).
Mittelalter Das Dorf Fermersleben, in der ersten urkundlichen Erwähnung, der Schenkungsurkunde von König Otto I. für das Magdeburger Moritzkloster vom 21. Oktober 937 „Fridumaresleba“Friedrich Israël und Walter Möllenberg: Urkundenbuch des Erzstifts Magdeburg Teil 1 (937–1192). Magdeburg 1937, S. 2 f. genannt, ist seinem Namen nach von deutschen Siedlern gegründet worden. Sein Name bedeutet so viel wie Ort des Fridumar. Das Dorf gehörte zum Nordthüringgau. Im Zusammenhang mit der Gründung des Erzbistums Magdeburg kam Fermersleben 968 in den Besitz des Klosters Berge, das nachweislich 1105 eine Fähre im Ort betrieb. Der Ort dürfte damals direkt an der Elbe gelegen haben, die erst später ihr Bett weiter nach Osten verlagerte. Vermutlich bis in das 10. Jahrhundert war die heute durch die Kreuzhorst fließende alte Elbe der Hauptstrom. Dieser Elbarm floss im weiteren Verlauf direkt an Fermersleben vorbei. Noch bis in das 18. Jahrhundert führte dieser Elbarm Wasser, zuletzt jedoch nur noch bei Hochwasser. Dann nutzte die Sülze, die bis dahin bei Salbke in die Elbe mündete, das alte Flussbett, so dass sich deren Mündung nach Buckau verlagerte.
Zentrum der mittelalterlichen Besiedlung war der Bereich der heutigen Mansfelder Straße, wo auch eine Wehrkirche errichtet wurde. Das Dorf bestand wohl nur aus einer Gasse nördlich der Kirche. Erst der spätere Ausbau des Dorfes erfolgte entlang der Straße Magdeburg-Calbe (Saale)-Leipzig. Im Hochmittelalter gab es im Dorf zwei Sattelhöfe in Klosterbesitz. Durch Hungersnot und Pest in den Jahren 1316 und 1349 verlor Fermersleben ein Drittel seiner Einwohner.
Am 22. Juli 1480 kam es zu einem Vertragsschluss zwischen den Bauern von Buckau und Fermersleben und dem Abt Andreas des Klosters Berge. Die Bauern hatten unberechtigt drei Morgen Acker im Bereich der Brücke über die Sülze oberhalb des sogenannten Judenkevers nördlich des Galgenbergs bei Buckau genutzt, die eigentlich der Buckauer Sankt-Gertrauden-Kirche gehörten. Als Galgenberg wurde das südlich von Buckau gelegene Gebiet der heutigen Schönebecker Straße 82 bezeichnet. Die Bauern gaben den Acker zurück, das Kloster verpflichtete sich, jährlich der Kirche zum Bau einen Gulden aus seinem in der Nähe der Kirche gelegenen Ziegelhof zu geben.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 9
Neuzeit mini|hochkant|Moritz von Sachsen
Während des Schmalkaldischen Krieges (1546–1551) schlugen die Belagerer der Stadt Magdeburg unter Kurfürst Moritz von Sachsen und Herzog Georg zu Mecklenburg am 4. Oktober 1550 nahe Fermersleben ihr Feldlager auf und verschanzten sich. Während der anschließenden Kampfhandlungen wurden auch Teile von Fermersleben, so etwa die Kirche, zerstört. Es kam auch zu Plünderungen und Brandschatzungen. Am 17. November brachen die Belagerer ihr Feldlager ab und verlegten es auf das Harsdorfer Feld bei Diesdorf.F. A. Wolter: Geschichte der Stadt Magdeburg. Magdeburg 1901, ISBN 3-89557-052-4, S. 125. Fermersleben und die Ereignisse um das Lager fanden Erwähnung im Lied Ein Lied von der Stadt Magdeburg, was sich zur Zeit irer Belagerung zugetragen hat, welches nach der Melodie von Es gehet ein frischer Sommer daher gesungen wurde.R. von Liliencron: Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert. 4. Band, Verlag von F.C.W. Vogel, Leipzig 1869, S. 504 f.
Erst 1559 waren die Zerstörungen an den Höfen zumindest ausgebessert und die Zahl der Haushalte wieder auf 20 angestiegen. Der Abt des Klosters Berge entschied 1565 die Fermersleber Kirche nicht wieder aufzubauen, so dass die Fermersleber zum Gottesdienst zum Kloster Berge gehen mussten. Auch die kirchlichen Äcker in Fermersleben wurden direkt dem Kloster angegliedert. Im gleichen Jahr wurde in Fermersleben die Reformation eingeführt. Die erste evangelische Predigt erfolgte am 9. September 1565. Bereits 1570 bauten sich die Fermersleber dann jedoch eine neue Kirche. Ende des 16. Jahrhunderts verlangten die Fermersleber vom Kloster Berge auch die Herausgabe der zuvor dem Kloster zugeschlagenen Ackerflächen. 1598/99 wurde auch Fermersleben erneut von der Pest heimgesucht. Ab dem 16. Jahrhundert unterstand das Dorf der Magdeburger Möllenvogtei.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf wieder stark in Mitleidenschaft gezogen. Während der Belagerung Magdeburgs 1631 lagerten die kaiserlichen Truppen Tillys im südlichen Teil des Wolfswerders auf Fermersleber Gemarkung. Es bestand auch eine Schanze von der aus bei der Einnahme der magdeburgischen Schanze Trutz Tilly das Feuer auf die aus der Kreuzhorst fliehenden Magdeburger über die Elbe hinweg eröffnet wurde. Fermersleben wurde schwer geplündert und gebrandschatzt. Nach der Erstürmung Magdeburgs wurden Gefangene im Lager Tillys bei Fermersleben festgehalten, um Lösegeld zu erzielen. Darunter befand sich auch der Baumeister Andreas Rudolph und der ehemalige Magdeburger Bürgermeister Stephan Olvenstedt. Insgesamt könnten etwa 400 Bürger Magdeburgs im Lager interniert gewesen sein. Die Lebensbedingungen im Lager waren sehr schlecht. Am 14. Mai 1631 brach im Lager ein Feuer aus, wobei es für möglich gehalten wird, dass die Gefangenen selbst das Feuer legten. Im entstandenen Tumult gelang vielen die Flucht, darunter auch dem in Magdeburg gefangen genommenen schwedischen Gesandten Johann Stalmann.Carl Friedrich Pauli: Geschichte von Magdeburg. In: Allgemeine preußische Staats-Geschichte. 5. Band, Verlag und Druck Christoph Peter Franckens, Halle 1764, S. 575.
Für das Jahr 1684 sind als Bauermeister und Kirchväter des Dorfs Baltzer Förster, Hans Gommert und Joachim Uterwedde erwähnt.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 36
In dieser Zeit spielt auch die 1814 von Karl Wilhelm Salice-Contessa verfasste Erzählung Vergib uns unsre Schuld in der Fermersleben als Begräbnisort handelnder Personen genannt wird.Karl Wilhelm Salice: C.W. Contessas Schriften.Herausgeber Ernst von Houwald. 5. Band, Georg Joachim Göschen, Leipzig 1826, S. 158.
Während 1647 im südlich gelegenen Westerhüsen bereits wieder Landwirtschaft betrieben wurde, heißt es über Fermersleben, da stand weder Stumpf noch Stiel.Friedrich Großhennig: Ortschronik von Westerhüsen im Stadtbezirk Magdeburg-SO. Manuskript im Stadtarchiv Magdeburg, Signatur 80/1035n, II. Teil, S. 23. Auch die Kirche wurde erneut zerstört und 1657 wieder aufgebaut. 1681/82 trat wiederum die Pest auf, die viele Menschenleben kostete und dazu führte, dass viele Felder unbestellt blieben. Zwischen dem 1. November 1681 und dem 24. April 1682 starben in Fermersleben 42 Menschen an der Pest, darunter auch der Kantor.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 34 f. Die Zahl der Haushalte hatte sich bis 1683 jedoch über das Vorkriegsniveau auf 25 erhöht.
Die Möllenvogtei berichtete am 22. September 1714 von einem ungewöhnlich großen Fund von Diebesware in einem Fermersleber Bauernhaus. In 100 Kornsäcken und 4 "Laden" wurden bei einer Hausdurchsuchung am 22. August 1714 Geld, Gold, Silber sowie Kirchen- und Haushaltsgerätschaften gefunden.Friedrich Christian Benedict Ave-Lallemant: Das Deutsche Gaunerthum. Erster Teil, F.A. Brockhaus, Leipzig 1858, S. 223.
Im Jahr 1719 kam es in Fermersleben zu einem Großbrand, der zehn Höfe und die Fermersleber Schule zerstörte. 1780 wurden 242 Einwohner gezählt. Es wurde in der Hauptsache Landwirtschaft betrieben, wobei man der Magdeburger Möllenvogtei als Vertreterin des Domkapitels abgabenpflichtig war. Am 24. Juli 1798 kam es zu einem neuerlichen Großbrand in Fermersleben, dem ein Acker-, zwei Halbspänner- und sechs Kossathenhöfe zum Opfer fielen.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, S. 61.