mini|hochkant=0.9|Flagge der Kaiserlichen Marine Deutschlands von 1903 bis 1919

Die deutschen U-Boote, welche oft die allgemein gebräuchliche Bezeichnung („SM“ für „Seiner Majestät“, siehe Seiner Majestät Schiff) vor dem Bootsnamen führten, waren in der Abteilung Inspektion des Torpedowesens ein Teil der Kaiserlichen Marine des Deutschen Kaiserreichs bis zur Auflösung aller U-Boot-Entwicklungen und dem Einstellen des U-Boot-Baus nach Abschluss des Versailler Friedensvertrages am 28. Juni 1919.

Geschichte Ab dem 19. Jahrhundert beschäftigte man sich in Deutschland mit dem U-Bootbau. Diese Entwicklung begann 1850 mit der von Wilhelm Bauer gebauten Brandtaucher und führte 1867/68 zur Initiative des in Dresden geborenen Lehrers Friedrich Otto Vogel, dessen Projekt des Vogel-Bootes aufgrund technischer Mängel und finanzieller Mittel nicht zustande kam. 1897 wurde das Versuchsboot 333 auf der Howaldtwerft in Kiel gebaut und ausgiebig erprobt, bis dann 1902 bei der Germaniawerft in Kiel unter strenger Geheimhaltung und ohne Auftrag der Marine nach den Plänen von Raimundo Lorenzo d’Equevilley-Montjustin mit dem Bau des ersten Prototyps, der Forelle begonnen wurde. Ebenso wurden drei etwas größere U-Boote der Karp-Klasse für die russische Marine gebaut.

Planung Lange Zeit konnte man sich bei der Inspektion des Torpedowesens des Reichsmarineamtes nicht dazu durchringen, eine eigene U-Boot-Waffe aufzubauen. Gründe dafür waren, dass man den Kampfwert und eine zufriedenstellende technische Umsetzung bezweifelte. Außerdem wollte man aufgrund der Unfallgefahr keine Benzinmotoren einsetzen. In anderen Marinen, besonders in England, war es auf U-Booten zu zahlreichen Unfällen durch das leicht entflammbare und flüchtige Benzin gekommen. Erst nach erfolgreichen Versuchen mit dem Versuchs-U-Boot Forelle und ersten Erfolgen ausländischer Marinen bei U-Boot-Einsätzen wurde am 4. April 1904 der Auftrag zum Bau eines U-Bootes für die Seestreitkräfte von Admiral Alfred von Tirpitz an den Marineingenieur Gustav Berling erteilt. 1905 übernahm dieser die Planung für das erste deutsche U-Boot U 1 und richtete ein Konstruktionsbüro für den U-Bootbau ein. Im Marine-Etat des Jahres 1905 wurden daraufhin 1,5 Millionen Mark für den Unterseebootbau freigegeben.

Auf Anraten von Gustav Berling wurde am 1. Juli 1907 Hans Techel Chef der U-Boot-Entwicklung bei der Germaniawerft. Er konstruierte bis zum Ende des Ersten Weltkrieges über 170 U-Boote.

Leitung, Aufbau und Gliederung der U-Bootwaffe Der Leiter der Torpedoinspektion des Reichsmarineamtes von 1906 bis 1910 war Konter- bzw. Vizeadmiral Hugo Zeye. Unter welchem U 1 unter dem Kommando Kapitänleutnants Erich von Boehm-Bezing am 14. Dezember 1906 in Dienst gestellt wurde. Dies war die offizielle Geburt der deutschen U-Bootwaffe. Von 1910 bis 1912 wurde die Abteilung von Konteradmiral Wilhelm von Lans geführt. Unter dessen Leitung eine Unterseebootsflottille, eine Unterseebootsabteilung sowie eine Unterseebootsschule gegründet wurden. Von 1912 bis 1913 war Konteradmiral Reinhard Koch für die Leitung zuständig.

Im Jahr 1909 wurde das Spezialschiff Vulkan der Torpedoinspektion unterstellt und am 10. Oktober 1910 auf ihm die oben genannte Unterseebootschule der Kaiserlichen Marine sowie eine U-Bootkompanie eingerichtet. Die U-Bootkompanie wurde am 18. März 1911 zu einer eigenen U-Bootabteilung welcher im November 1911 das Torpedoboot D 5 unterstellt wurde. 1912 kam das Torpedoboot S 99 sowie ab Herbst der kleine Kreuzer Hamburg hinzu. Ebenso wurde am 1. Oktober 1909 die U-Boot-Abnahmekommission (UAK) zur Abnahme von U-Booten gegründet.

Die I. U-Bootflottille, welche vier U-Bootshalbflottillen enthielt, wurde am 7. Januar 1913 gegründet und der kleine Kreuzer Stettin als Hilfsschiff unterstellt. Die U-Boote waren auf Helgoland, in Brunsbüttel sowie in Wilhelmshaven stationiert.

Am 13. Dezember 1913 erging per kaiserlichem Erlass die Gründung der U-Bootinspektion in Kiel da die bisherige Inspektion des Torpedowesens mit der immer weiter ansteigenden Zahl der U-Boote überfordert war. Ihr waren alle U-Boote, Hilfseinheiten, Ausbildungsbetriebe sowie die Entwicklung der U-Bootwaffe in technischer, konzeptioneller und strategischer Hinsicht unterstellt.

Die Bildung einer II. U-Bootflottille wurde am 23. Mai 1914 angeordnet und am 1. Juni 1914 gegründet. Sie enthielt zwei U-Bootshalbflottillen, welche in Emden, Wilhelmshaven und auf Borkum stationiert waren.

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden 28 U-Boote fertig und in Dienst gestellt und als ab 1914 der Bestand weiter zunahm, wurden die Unterseebootsflottillen jeweils in zwei Unterseeboots-Halbflottillen unterteilt.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges, wurde am 21. August 1914 Korvettenkapitän/Kommodore Bauer als I. Führer der U-Boote (FdU) der Hochseestreitkräfte der I. U-Bootflottille ernannt und blieb es bis 4. Juni 1917. Im folgte ab 5. Juni 1917 Kapitänleutnant/Kommodore Michelsen, welcher die neu geschaffene Stelle des Befehlshabers der U-Boote (BdU) bis November 1918 erfüllte. Infolge der Bildung größerer U-Boot-Flotten wurde daraufhin die U-Bootwaffe neu eingeteilt. Der II. Führer der II. U-Bootflottille für den Bereich Flandern mit Stationierungen in Zeebrügge, Brügge und Ostende vom 1. Oktober 1917 bis Oktober 1918 war Kapitänleutnant Karl Bartenbach der III. FdU für den Bereich der III. U-Bootflottille im Mittelmeer mit Stationen in Pola und Cattaro war Kapitänleutnant/Kommodore Theodor Püllen, welcher sich mit Kapitänleutnant Kurt Graßhoff in der Führungsrolle, aufgrund von Krankheit, abwechselte. Für den Bereich der Ostseestreitkräfte der IV. U-Bootflottille mit Stationen in Kiel, Danzig und Libau waren die Kapitänleutnants Adam und Schött verantwortlich. Diese U-Bootflottille war in eine 5. U-Boothalbflottille, eine V. U-Bootflottille und eine U-Flottille Kurland unterteilt. Die Langstrecken-U-Boote der V. U-Bootflottille wurden direkt dem Admiralstab unter Ostsee-Oberbefehlshaber Großadmiral Prinz Heinrich von Preußen unterstellt. Als am 10. Dezember 1917 Die Kampfhandlungen in der Ostsee beendet waren, wurde diese U-Bootflottille aufgelöst und den übrigen Flottillen zugewiesen oder der U-Bootschule zur Verfügung gestellt. Bei der VI. U-Bootflottille, der Mittelmeer-Division, mit Stationen in Konstantinopel und Sewastopol handelte es sich ab Mai 1915 um U-Boote der U-Halbflottille aus Pola und der U-Bootflottile des Mittelmeeres. Diese wurde vom November 1917 bis April 1918 von Kapitänleutnant Krueger und vom April 1918 bis November 1918 von Kapitänleutnant Adam befehligt.

Erster Weltkrieg In den Jahren 1906 bis 1918 wurden insgesamt 374 U-Boote für die Kaiserliche Marine gebaut hiervon waren 143 Flotten-U-Boote, 136 UB-U-Boote und 95 UC-U-Boote. Diese Einheiten führten während des Ersten Weltkrieges insgesamt 3.274 Operationen aus, bei denen sie 6.394 Handelsschiffe mit einer Gesamttonnage von 11.948.702 BRT und 100 Kriegsschiffe mit einer Gesamttonnage von 366.249 BRT vernichteten. Hierbei gingen 178 U-Boote verloren bei denen 4.744 Menschen der Besatzungen starben.

Zu Beginn des Krieges standen 28 U-Boote zur Verfügung. U 2 lag in der Werft und U 1 und U 4 waren zu Schulungszwecken eingebunden. Also waren es nur noch 25 von denen nur 12 Einheiten aufgrund von Werftarbeiten, Ausbildung und Fronterprobung für den Dienst bereit waren. Der Zulauf von U 29 bis U 41 verzögerte sich bis Februar 1915. Während des Krieges wurden weitere 800 U-Boote bestellt.

Anfänglich waren die U-Boote nur als Hilfskräfte der Hochseeflotte geplant. Die Skepsis der neuen Waffengattung gegenüber war noch hoch. Hauptsächlich wurden Patrouillenfahrten und Fernaufklärungen durchgeführt. Ebenso wurde darüber nachgedacht, einen kleineren U-Boot-Typ zu konstruieren, welcher schneller zu fertigen war und bei welchem die Engpässe bei der Lieferung passender Dieselmotoren umgangen werden konnten. Es waren zuerst rein elektrisch angetriebene U-Boote geplant. Diese Pläne wurden allerdings wieder fallen gelassen.

Am 8. August 1914, auf Patrouillenfahrt mit neun weiteren U-Booten in nordschottischen Gewässern, feuerte U 15 den ersten Torpedo auf ein britisches Schiff, die Monarch ab, versenkte es aber nicht. Der erste Versenkungserfolg gelang Kapitänleutnant Otto Hersing am 5. September 1914 beim kleinen britischen Kreuzer Pathfinder mit U 21. Die U-Boot-Flotte war daraufhin mit dem Führen eines Handelskriegs nach Prisenordnung beschäftigt. Dieser hatte ab 1915 Priorität. Als die Briten im November 1914 die gesamte Nordsee zum Kriegsgebiet erklärten und eine Blockade gegen das deutsche Reich verhängten befahl die deutsche Marineleitung gegnerische Schiffe ohne Warnung zu versenken und eröffnete damit den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Dies zog scharfe Proteste neutraler Staaten nach sich und nach der Versenkung des britischen Passagierdampfers Lusitania durch U 20 wurde dieser wieder eingestellt. Als sich die Versorgungslage im Deutschen Reich verschlimmerte, wurde dieser am 1. Februar 1917 wieder aufgenommen.

Die wichtigsten Operationsgebiete waren die Nordsee, der Atlantik, die Ostsee und das Mittelmeer. Im Mittelmeer wurden die Stützpunkte der österreichischen Marine an der Adria sowie der osmanischen Marine an den Dardanellen genutzt. Ab Mitte 1917 war auch der Mittelatlantik sowie die Ostküste der USA Kriegsgebiet als die neuen U-Kreuzer, mit ihrer hohen Reichweite, In Dienst gestellt wurden. Um U-Boote in Häfen zu schützen, wurden ab 1917 die ersten U-Boot-Bunker wie in Brügge gebaut. Diese dienten später der Organisation Todt als Vorbild.

Die U-Boote U 1 bis U 41 waren Boote, welche als so genannte Vorkriegsboote vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges bestellt und teilweise danach In Dienst gestellt wurden.

Die Flotten-U-Boote U 43 bis U 70 wurden als Ms-BooteBodo Herzog: Deutsche U-Boote 1906–1966. Erlangen: Karl Müller Verlag, 1993, ISBN 3-88199-687-7, S. 48. bezeichnet. Namensgebend war der Mobilmachungsplan nach dem eine Reihe von U-Bootbestellungen für den Kriegsfall vorgesehen war. Die 1913 von Österreich-Ungarn bestellten U-Boote U 66 bis U 70 wurden nach Verhandlungen nicht mehr ausgeliefert und gingen von Juli bis September 1915 in den Dienst der kaiserlichen Marine.

Die U-Boote des Typs U 135 – U 138 und des ähnlichen Typ U 213 – U 228 wurden als Große Ms-Boote oder U-Kreuzer-(U 139 bis U 142)-Vorläufer bezeichnet. Von ihnen konnten jedoch nur noch U 135 und U 136 vor Kriegsende in Dienst gestellt werden.

Typen Petrolboote Aufgrund der allgemeinen Wehrpflicht wurde großer Wert auf Betriebssicherheit gelegt. Die ersten U-Boote U 1 bis U 16 waren Zweihüllenboote mit Petroleummotoren der Firma Körting als Hauptantrieb bei Überwasserfahrt. Sie wurden daher Petroleumboote (kurz Petrolboote genannt). Petroleum war weit sicherer als Benzin. Dieselmotoren mit gefordertem Leistungsgewicht standen damals noch nicht zur Verfügung. Die Nutzung der Petroleummotoren war jedoch mit einer starken Rauchfahne verbunden. Für die Unterwasserfahrt wurden verschiedene Elektromotoren von verschiedenen Herstellern verwendet z. B von den Siemens-Schuckertwerken oder AEG.

Das von Gustav Berling entwickelte U-Boot U 1 wurde bei vielen erfolgreichen Tests erprobt und führte zu weiteren U-Boot-Bestellungen. So liefen 17 weitere Boote von Juni 1908 bis November 1912 der jungen deutschen Marine zu. Die Leistungssteigerung der Petroleummotoren fiel von U-Boot-Typ zu U-Boot-Typ vergleichsweise schwach im Vergleich zur stark anwachsenden Tonnage aus.

Bei U 2, dem Nachfolgeboot, welches auf der Kaiserlichen Werft in Danzig gebaut wurde, betrug die Leistung schon 441 kW (600 PS), fast doppelt so viel wie bei U 1.

1909 knapp ein Jahr später wurden mit U 3 und U 4 weitere U-Boote in Dienst gestellt. Deren Maschinen waren dieselben wie bei U 2. Diese U-Boote hatten erstmals ein Artilleriegeschütz an Deck montiert.