Der Wasgau () ist eine deutsch-französische Mittelgebirgslandschaft im Bundesland Rheinland-Pfalz und der Region Grand Est (bis 2015 Elsass und Lothringen). Er wird vom Südteil des Naturraums Pfälzerwald gebildet und erstreckt sich dabei grenzüberschreitend von der Queich im Norden bis zur Zaberner Steige (französisch Col de Saverne) im Süden. In Frankreich wird der dortige Teil des Gebiets auch als „Nordvogesen“ (französisch Vosges du Nord) bezeichnet.
Der höchste Berg des gesamten Wasgaus ist mit der Grand Wintersberg bei Niederbronn-les-Bains im nördlichen Elsass. Dahinter folgt der mit nur geringfügig niedrigere Rehberg bei Annweiler in der Südpfalz, der damit die höchste Erhebung im deutschen Teil des Gebirgsraums ist.
Der Wasgau gehört zum südlichen Teil des grenzüberschreitenden Biosphärenreservats Pfälzerwald-Vosges du Nord.
Geographie Lage Der Wasgau erstreckt sich von einer Linie Pirmasens–Landau im Norden, die ab Wilgartswiesen mit dem Lauf der Queich zusammenfällt, bis zur Zaberner Steige bzw. einer Linie Pfalzburg (französisch Phalsbourg)–Zabern (frz. Saverne) im Süden. Seine östliche Begrenzung von Albersweiler im Queichtal über Bad Bergzabern, Weißenburg (frz. Wissembourg) im Elsass, Bad Niederbronn (frz. Niederbronn-les-Bains) und Ingweiler (frz. Ingwiller) nach Zabern ist der Westrand der Rheinebene. Im Westen geht das Gebirge fließend in den Landschaftsraum der Westricher Hochfläche über; ab dort überdecken die jüngeren Gesteinsschichten des Muschelkalks den im Wasgau vorherrschenden Buntsandstein. Diese natürliche Grenzlinie verläuft etwa von Pirmasens über Eppenbrunn, Bitsch (frz. Bitche) und Lemberg in Lothringen (frz. Lorraine) nach Süden und erreicht schließlich bei Pfalzburg das Bruchfeld der schmalen Zaberner Steige; diese trennt den Wasgau von den sich südlich anschließenden tatsächlichen Nord-Vogesen im geographischen Sinn, wobei dieser Übergang eher gleitend und die Trennlinie nicht sehr ausgeprägt ist.
Eine zentrale Teillandschaft des Wasgaus ist das Dahn-Annweilerer-Wasgauer Felsenland, das vom Queichtal bei Annweiler im Nordosten bis etwa zum Falkensteinerbach und zur Nördlichen Zinsel (frz. Zinsel du Nord) bei Bärenthal (frz. Baerenthal) und Philippsburg (frz. Philippsbourg) im Südwesten reicht.
Struktur mini|Kleingliedrige Struktur des Wasgaus: Blick von der Hohenburg nach Norden
Die Erhebungen des Wasgaus unterscheiden sich von denen des nördlich angrenzenden Mittleren Pfälzerwalds durch den charakteristisch stärker gegliederten Verlauf, die häufigen Kegelberge sowie die deutlich abgerundeten Kuppen. Zwischen den Bergen fallen teilweise ausgedehnte Verebnungsflächen auf.
Entwässert wird der Wasgau überwiegend nach Osten durch linke Nebenflüsse des Rheins, nämlich die Queich, die Lauter (am Oberlauf Wieslauter genannt) und den Saarbach, der sich als Sauer im Nordelsass fortsetzt. Dort folgt die Moder, deren Einzugsgebiet über ihren rechten Zufluss Zorn noch über die Zaberner Steige hinaus nach Süden reicht.
mini|links|Triftwehr der Wieslauter an einer ehemaligen Klause nördlich von Dahn mini|Hanauer Weiher, im Hintergrund Burg Waldeck
Natürliche Stillgewässer gibt es im Wasgau nicht; doch vor allem im Bereich des Saarbachs haben Wooge aus dem Mittelalter überdauert. Dies sind kleine Stauseen, die künstlich angelegt wurden, um darin Fische zu züchten oder um ihr Wasser zum Betrieb von Mühlen bzw. Hammerwerken zu nutzen. Vor allem auch das Wasser der Nördlichen Zinsel (französisch Zinsel du Nord) bei Bärenthal (französisch Baerenthal) im Bitscher Land (französisch Pays de Bitche) wurde im 18. und 19. Jahrhundert zur Eisenverarbeitung in Eisenhütten und Hochöfen verwendet. Hierzu legte man zwischen Mutterhausen (französisch Mouterhouse) und Bärenthal mehrere größere und kleinere Weiher an, die nach Stilllegung der letzten Eisenhütte im Jahre 1923 heute vorwiegend dem Tourismus dienen. Auch der einige Kilometer östlich von Bitsch bei Egelshardt (französisch Eguelshardt) gelegene Hanauer Weiher (französisch Étang de Hanau) ist ein bedeutendes Tourismuszentrum mit Bademöglichkeiten, Bootsverleih und Campingplatz.
Zum Zwecke der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts praktizierten Holztrift entstanden Klausen, beispielsweise an der Wieslauter. Sie konnten nach vorübergehender Flutung Scheitholz aufnehmen, das nach Öffnen eines Wehrs vom Wasser bachabwärts transportiert wurde.
Berge Allgemein mini|links|Rehberg () als höchster Berg im deutschen Teil des Wasgaus mini|Blick von der Wegelnburg über das Dahner Felsenland
Aufgrund ihres kleingliedrigen Reliefs ist die Mittelgebirgslandschaft des Wasgaus durch erhebliche Formenvielfalt mit eher isoliert stehenden Einzelgipfeln – vor allem Kegelberge – oder einzelnen Höhenrücken gekennzeichnet, die eine durchschnittliche Höhe von 400 bis erreichen. Die höchsten Erhebungen befinden sich im nördlichen und zentralen Wasgau (z. B. Wegelnburg, , Mohnenberg, ), und dabei vor allem in der Nähe des Grabenrandes (z. B. Großer Wintersberg, , Rehberg ). Das Buntsandsteinpaket in Richtung Westen und Süden sinkt von etwa (Wasenkoepfel, , Großer Eyberg, ) bis zur Zaberner Steige auf durchschnittlich etwa 350 bis ab. Typisch sind ferner eine Vielzahl verschiedenartig geformter Felsformationen, die hauptsächlich aus Gesteinen des Unteren Buntsandsteins, den Trifels- und Rehbergschichten, bestehen und auf vielen Bergen des Wasgaus zu finden sind (siehe hierzu Abschnitt Geologie und Abschnitt Felsformationen). Dabei unterscheidet Geiger in seiner Typologie der Berg- und Felsformen des Wasgaus die folgenden sechs Formen: Bergklötze mit Felsnase, Tischfels, Felsplatte; Kegelrückenberg mit Felsnase, Felsplatte; Bergrücken mit Felsmauer; Bergkegel mit Felsklotz; Bergkegel mit Felsturm; Bergkuppe. Daneben tragen eine Reihe von Berggipfeln Aussichtstürme (z. B. Großer Wintersberg, Rehberg, Stäffelsberg, Wasenkoepfel), die dem Touristen häufig ein 360-Grad-Panorama bieten.
Genaue Übersicht Die Kategorienstruktur der Liste orientiert sich am Konzept zur naturräumlichen Gliederung des Wasgaus. Dabei wurden die wesentlichen Erhebungen des Gebirges den entsprechenden Teillandschaften zugewiesen und jeweils der Höhe nach geordnet. Westlicher Wasgau Höhe(m) Wasgauer Felsenland Höhe(m) Östlicher Wasgau Höhe(m) Südlicher Wasgau Höhe(m) Großer Eyberg 513,0 Großer Wintersberg(französisch Grand Wintersberg) 581 Hohe Derst 560,5 Wasenkoepfel 526 Großer Mückenkopf 484,9 Rehberg 576,8 Mohnenberg 547 Immenkopf 494 Hohe List 475,8 Schlossberg 570,9 Bobenthaler Knopf 533,9 Arnsberg 479 Erlenkopf 472,1 Hohenburg(französisch Hohenbourg) 551 Brissetischer Kopf(französisch Brissetish Kopf) 529 Michaelsberg(französisch Mont Saint-Michel) 437 Hoher Kopf 467,4 Schwobberg 495 Schletterberg 521 Hochkopf 429 Braunsberg 463 Maimont 515 Dürrenberg 521 Holländerberg 423 Großer Stephansberg 456 Wasserstein 512 Krummer Ellenbogen 515 (Hoch) Ebersberg 423 Hoher Warsberg 451 Engenteich 496 Mittelkopf 515 Dürrberg(kopf) 421 Kleiner Biesenberg 451 Jüngstberg 491 Treutelsberg 503,7 Hochfirst 421
Geologie Entstehung und Lagerung der Gesteinsschichten mini|Trifels-Schichten an einem Felsenriff: Jungfernsprung bei Dahn
Der Wasgau wird als Teil des Pfälzerwalds durch Gesteinsschichten des Buntsandsteins und in geringerem Maße auch des Zechsteins geprägt, die im ausgehenden Perm (vor 256–251 Millionen Jahren) und zu Beginn der Trias (vor 251–243 Millionen Jahren) unter vorwiegend wüstenhaften Klimabedingungen abgelagert wurden. Es entstanden Sedimentabfolgen mit einer Mächtigkeit von etwa 500 Metern, die eine unterschiedliche Festigkeit, Dichte und Färbung besitzen und aus häufig stark verfestigten, kieselig gebundenen mittel- und grobkörnigen Sandsteinen, zum Teil aber auch aus feinkörnigen Sandsteinen mit toniger Bindung und Schiefertonen bestehen. Gegliedert werden diese Gesteine in unterschiedliche Schichten, wobei im Bereich des Buntsandsteins zwischen dem Unteren, Mittleren und Oberen Buntsandstein unterschieden wird.
Diese Gesteinsschichten erfuhren im Paläogen (vor 65–23,8 Millionen Jahren) während der Bildung des Oberrheingrabens tektonisch bedingte Umlagerungen, die für das heutige Landschaftsbild des Wasgaus von entscheidender Bedeutung sind. Dabei wurden die Grabenränder angehoben und die Schichten des Buntsandsteins, zum Teil auch ältere Gesteine (Zechstein, Rotliegend) nach Abtragung des Deckgebirges freigelegt. Es kam zu Schrägstellung, Aufwölbung (Verschiebung und Verbiegung) und zum Zerbrechen (Bildung von Verwerfungen) der verschiedenen Gesteinsschichten.
Entwicklung des heutigen Reliefs mini|hochkant|Gipfelregion des Rehbergs: Gesteinsformationen der Rehbergschichten mini|links|Kleinräumige Verwitterung in den Rehberg-Schichten am Beispiel des Teufelstisches
Aufgrund der von Südwest nach Nordost verlaufenden Sattel-Mulden-Struktur des linksrheinischen Gebirges waren diese Aufwölbungen in den nördlichen und zentralen Teilen des Wasgaus, das heißt im Bereich des Südpfälzer Sattels besonders ausgeprägt, so dass dort die Deckschichten stärker abgetragen wurden. Da die Formationen des Zechsteins, zum Beispiel die Annweilerer- und Speyerbach-Schichten, eher aus feinkörnigeren Sandsteinen mit toniger Bindung und Schiefertonen bestehen und deshalb eine weichere Konsistenz besitzen, konnte dieses Material besser ausgeräumt und ältere Gesteine des Zechsteins und Gesteine des Rotliegend freigelegt werden. Dadurch bildeten sich Verebnungsflächen und breite Täler, wie sie besonders für den nordöstlichen Wasgau, zum Beispiel bei Gossers- und Völkersweiler, ferner bei Hauenstein, Busenberg oder Fischbach bei Dahn charakteristisch sind. Gleichzeitig blieben Teile des Unteren Buntsandsteins, die sogenannten Trifels- und Rehbergschichten, erhalten, da sie größtenteils aus härterem Quarzsandstein bestehen und deshalb gegenüber Verwitterung und Abtragung besonders widerstandsfähig sind. Es entwickelte sich durch Erosion im Neogen (vor 23,8 bis 2,8 Millionen Jahren) und vor allem im Quartär (vor 2,8–0,01 Millionen Jahren) das kleingliedrige Relief des Wasgaus, das durch vielfältige, häufig kegelförmige und isoliert stehende Bergformen mit bizarren Felsgebilden gekennzeichnet ist (Wasgauer Felsenland). Dieses Felsenland erstreckt sich von Annweiler im Nordosten bis etwa zum Falkensteiner Bach bei Philippsburg im Südwesten und bildet das eigentliche Kerngebiet des Wasgaus.
mini|hochkant|Mittlerer Buntsandstein mit Karlstalschichten und Oberer Felszone: Altschlossfelsen bei Eppenbrunn