Das Postwesen im Königreich Westphalen hatte maßgeblichen Einfluss auf die deutsche Postgeschichte.

Historischer Kontext mini|Karte des Königreichs (1808) In der Schlacht von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 wurde Preußen vernichtend geschlagen. Durch den Frieden von Tilsit am 9. Juli 1807 verlor Preußen daraufhin das Kurfürstentum Hannover wieder. (Napoleon hatte das Kurfürstentum Hannover Ende Mai 1803 besetzen lassen und am 12. Dezember 1805 im Vertrag von Schönbrunn gegen das preußische Kleve, Neuenburg (Neuchâtel) und Ansbach-Bayreuth eingetauscht. Ein rechtsgültiger Vertrag über den Tausch wurde nie abgeschlossen.) Napoleon hatte nicht nur Hannover und den größten Teil Preußens besetzt, sondern auch das Herzogtum Braunschweig und Kurhessen, beides Staaten, die sich geweigert hatten, dem Rheinbund beizutreten. Aus Teilen dieser besetzten Gebiete bildete Napoleon das Königreich Westphalen. Er machte seinen Bruder Jérôme zum König und rief das Königreich am 7. Dezember 1807 aus.

Das Postwesen Die kurze Zeit des Bestehens des Königreichs Westphalen war für die Entwicklung der Post in Deutschland von großer Bedeutung. Napoleon holte Fachleute in seine besetzten Gebiete, um seine Vorstellungen eines modernen Postwesens zu verwirklichen. In Deutschland hatte sich die Post, anders als in Frankreich, nicht als einheitliches Ganzes entwickeln können. Die Interessen der deutschen Landesherren, der Könige, Herzöge und Kurfürsten, die auf ihre Posthoheit pochten, hatten dazu geführt, dass die von den Thurn und Taxis betriebene Kaiserliche Reichspost am Ende des 18. Jahrhunderts die Kontrolle über viele Gebiete verlor. Am Vorabend der Französischen Revolution deckte die Kaiserliche Reichspost ein Gebiet von 220000 km² ab, in dem 11,3 Millionen Menschen lebten. Gleichzeitig bestanden aber weitere 12 landesfürstliche Postinstitutionen im Reich, deren Gebiete zusammengenommen 450000 km² mit 16,7 Millionen Seelen umfassten. Dabei konkurrierten die verschiedenen Postanstalten selbst befreundeter Fürsten miteinander um Kontrolle des Postverkehrs. Zum Beispiel hatte wenige Jahre vor der Schlacht bei Jena und Auerstedt die preußische Post den über Magdeburg führenden Postkurs von Leipzig nach Hamburg von Stendal und Osterburg direkt nach Salzwedel über die Dörfer Detzerwarthe und Späningen umgeleitet, um den Weg um 24 Stunden zu verkürzen. Damit hoffte Preußen die Leipziger Kaufleute zu veranlassen, eher die preußische als die Braunschweiger Post in ihrem umfangreichen Briefverkehr mit Hamburg zu benutzen. Todorov, Nicola-Peter, L’administration du royaume de Westphalie de 1807 à 1813. Le département de l’Elbe, Editions universitaires européennes, Saarbrücken 2010, S. 447.

Postalisch blieb bis zur Neuorganisation erst einmal alles beim Alten. Die General-Post-Direktion in Hannover, wie die Post-Direktion in Braunschweig arbeiteten ebenso weiter wie die Oberpost-Direktion in Kassel. Von Hannover aus wurden auch die nicht zum Königreich Westphalen gehörenden Gebiete der alten Landesteile weiter verwaltet. In der Organisationsphase versuchten die oft aus der Schicht des grundbesitzenden Adels stammenden Präfekten und Unterpräfekten Einfluss auf die Festlegung der Postkurse zu nehmen. Beispielsweise versuchte der Unterpräfekt von Stendal, der Graf von der Schulenburg zu Bodendorf eine Postverbindung dicht an seinem Gut Bodendorf vorbeiführen zu lassen. Eine derartige Einflussnahme war auch schon vorher zu preußischer Zeit üblich gewesen. So beschuldigten zum Beispiel die Rogätzer den ehemaligen preußischen Minister und vormaligen Magdeburger Kammerpräsidenten, von der Schulenburg zu Kehnert den neuen Postkurs von Magdeburg nach Havelberg über Tangermünde durch einen Umweg über den Ort Kehnert an der Elbe aus persönlichem Interesse absichtlich verlängert zu haben. Die Einflussnahme lokaler Amtsträger auf die Postorganisation des Königreichs Westphalen scheint aber relativ gering gewesen zu sein. Die Neuordnung des Postwesens und die damit verbundene Kontrolle wesentlicher Informationsflüsse veranlassten offenbar den König Jérôme, den Aufbau der Postverwaltung Franzosen zu überlassen. Die westphälische Post unterstand dem Finanzministerium. In der Organisationsphase des Königreichs war der ehemalige Präfekt des Departements Seine Inférieure Beugnot provisorischer Finanzminister. Nach seinem Abgang in das Großherzogtum Berg wurde der ehemalige Präsident der Magdeburger Kriegs- und Domänenkammer, von Bülow, Finanzminister, der Hardenberg nahestand. Ihm unterstand die Generaldirektion der Post, der etwas mehr als 20 Personen angehörten. Die vergleichbaren Behörden im Kaiserreich Frankreich und im Königreich Preußen beschäftigten 400 bzw. 110 Personen. Zum Generaldirektor wurde der Franzose Alexis Jean François Pothau, zum Generalsekretär Jean Pierre Alliey ernannt, der sich besonders darum bemühte wichtige Stellen mit Franzosen zu besetzen. Von den 21 im März 1808 angestellten Mitgliedern der Generaldirektion waren 14, also zwei Drittel, Franzosen. Obwohl die mit Jérôme ins Land gekommenen Franzosen auch in anderen Bereichen in den höheren Verwaltungsrängen überrepräsentiert waren, war keine andere Generaldirektion so stark unter ihrer Kontrolle. Insgesamt war ihr Anteil im Postdienst wie in der gesamten westphälischen Verwaltung gering. Laut dem Postregister wurden während der Existenz des Königreichs 797 Personen angestellt, von denen 47 (also knapp 6 %) französischer Herkunft waren. Nicht alle waren bei der Gründung des Königreichs ins Land gekommen, manche waren Nachfahren von Hugenotten oder zur Zeit Friedrichs II. eingewandert. Der Franzosen scheint aber der Aufstieg leichter gewesen zu sein. 139 Personen hatten mehr als einen Posten inne, also nur 17 %, von den Franzosen besetzten aber mehr als die Hälfte mehr als einen Posten.Nicola-Peter Todorov: L’administration du royaume de Westphalie de 1807 à 1813. Le département de l’Elbe, Editions universitaires européennes, Saarbrücken 2010, S. 452 f.

Aus den zusammengewürfelten Landesteilen eine geschlossene Einheit mit einer einheitlichen Postorganisation zu bilden, war keine leichte Aufgabe. Das französische Postrecht konnte nicht ohne weiteres eingeführt werden. In Frankreich war das Fahrpostwesen (Paket- und Personenpost) privater Initiative überlassen, während es in Deutschland Sache der staatlichen Post war.

In das Gebiet der westphälischen Postverwaltung waren eingebunden: Anhalt-Dessau mit Dessau, Gröbzig, Radegast, Sandersleben und Zerbst; Anhalt-Cöthen mit Cöthen, Güsten und Roslau; Anhalt-Bernburg mit Ballenstedt, Bernburg, Coswig, Harzgerode und Hoym: Lippe-Detmold mit Alverdissen, Bösingfeld, Detmold, Lemgo und Salzuflen; Schaumburg-Lippe mit Bückeburg, Hagenburg und Stadthagen; das Fürstentum Waldeck mit Arolsen, Corbach und Pyrmont; das Herzogtum Lauenburg mit Büchen, Hamfeld, Lauenburg, Mölln und Ratzeburg; Mecklenburg-Schwerin mit Boizenburg und Lübten; Sachsen-Meiningen mit Meiningen und Salzungen; das Herzogtum Hessen der Orte Stadtberge; sowie Postanstalten in den freien Städten Bremen, Hamburg, Hamburg-Bergedorf und Lübeck.

Hinzu kamen die wichtigen Verbindungen mit dem Ausland. Das Königreich nahm Verhandlungen über den Postaustausch und Transit mit Preußen (Juli 1808), dem Großherzogtum Berg, Sachsen (Dezember 1808), Bayern (September 1808) usw. auf und schloss Postverträge (mit Preußen am 9. April 1809). Von besonderer Wichtigkeit war naturgemäß der Vertrag mit Berg, da die meiste Post nach und aus Frankreich durch das Großherzogtum zu leiten war.

Die Organisation der Posten regelte ein königliches Dekret vom 11. Februar 1808. Die bereits bestehenden Pferdeposten wurden beibehaltenRudi Fischer: 800 Jahre Calvörde – Eine Chronik bis 1991, Auszüge aus der Chronik der Post.. In größeren Orten unterhielt ein vom Finanzminister eingesetzter Direktor ein Briefpostbüro während der Posthalter das Fuhrwesen besorgte. In kleinen Orten wurde die Brief- und Pferdepost von einem Postmeister betrieben welcher, ebenfalls vom Finanzminister, in sein Amt berufen wurde. An Orten ohne Postanschluss war mit einem geeigneten Ortsbewohner ein Kontrakt auf der Grundlage des Postreglements abgeschlossen worden.

Die Portofreiheit war zum Schaden der Postkasse sehr großzügig geregelt. Die Portofreiheit erstreckte sich ausschließlich auf Briefe und Briefpakete im Inlandsverkehr. Bei Sendungen ins Ausland war das fremde Porto zu zahlen.

Ein Dekret vom 31. Oktober 1808 brachte den ersten einheitlichen Tarif, er trat am 1. Januar 1809 in Kraft trat. Länger als ein Jahr hatten die Postbüros unter der Bezeichnung „Königlich Westphälische Postbureaus“ nach den alten Postgesetzen weiter gearbeitet.

Die neuen Tarife waren so hoch, dass spöttisch bemerkt wurde, darin könne die Post allerdings in Deutschland nicht übertroffen werden. Die schlecht unterhaltene Verwaltung, die große Zahl der Beamten und die enorme Höhe der Gebühren verhinderten einen Gewinn aus der Post. Die Verluste an Postsachen veranlasste die Verwaltung, jeder Post eine militärische Eskorte beizugeben.

Die wichtigsten Vorschriften seien hier kurz angeführt: Alle Briefe waren vom 1. Januar 1809 an in Franken und Centimen zu berechnen. Das Porto der Briefe und Brief-Pakete in den Tarifen war nach den kürzesten Entfernungen und ihrer Schwere nach angezeigt. Die Entfernungen waren nach den Postkarten von Büro zu Büro auszumessen, so wie die Couriere solchen zu passieren hatten.

mini|Tarif vom 1. Januar 1809

Poststempel mini|Stempelformen und Siegel der Westphälischen Post Im General-Circular (44) vom 23. September 1808, der Kgl. Westphälischen Post wird die Einführung von Stempeln verkündet. Die Postanstalten werden nach und nach vier Stempel und Siegel erhalten.. Das Siegel, der ordinäre und Franco-Stempel bedürfen keiner Erklärung... Die Taxe der frankierten Briefe wird jederzeit auf der Rückseite bemerkt,... Der Stempel „Charge“ wird auf die beschwerten oder rekommandierten Briefe zur Seite der Aufschrift aufgesetzt, die Taxe auf der Rückseite bemerkt und zur Seite des Stempels Charge der Franco-Stempel beigedruckt. ... Der Stempel „Déboursé“ (Auslagen) wird auf der Rückseite dieser an ein anderes Bureau geschickte Briefe oder Pakete gedruckt; dieselbe Verfahrensart findet auch bei den chagierten (beschwerten Briefen) statt; man bedient sich dieses Stempels, so oft Briefe oder Pakete zurückgeschickt werden.

Viele Postämter erhielten damit erstmals Poststempel. Eine der vielen positiven Änderungen, die der französische Einfluss auf die Post in Deutschland brachte.

Die Anweisung, über die Verwendung von Stempeln, war offensichtlich nicht präzise genug, schon wenige Tage später, am 24. Oktober 1808 erläutert das General-Circular (45) das Verfahren. Oft wird unterlassen die Stempel auf die Briefe zu drücken. Wird der Stempel „Franco“ über den Namen des Bureaus gestochen. Es zeigt solches an, dass der Brief aus dem Bureau bis an den Bestimmungsort frankiert worden ist, sei es nach Örtern im Königreich oder überhaupt nach solchen Örtern, deren Taxen bekannt sind, und bis dahin man frankieren kann; allein da dies bei den deutschen Postämtern zu Irrtümern verleiten könnte, so sind diese Frankostempel sofort der General-Direktion zurückzuschicken, und ist das Franco von der Hand auf die Briefe zu schreiben”. Stempel „Déboursés“ Wird ein durchgehender Brief genannt. Wenn ein solcher Brief mit keinem Porto belegt ist, so muss der Direktor dieses zweiten Bureaus den Stempel „Déboursés“ nicht darauf drücken, weil er für diesen Brief kein Porto zu berechnen hat. Portofreiheit eines Departements oder eines Distrikts darf auch in dem Falle nicht mit Porto belegt werden, wenn derselbe, durch einen Teil eines anderen Departements oder Distrikt gehen muss. Man muss einzig und allein auf den Ort des Abgangs und auf den Bestimmungsort des Briefes Rücksicht nehmen.