Die Österreichische Fußballmeisterschaft 1966/67 wurde vom Österreichischen Fußball-Bund ausgerichtet. Als Unterbau zur Nationalliga dienten die Regionalligen Ost (Wien, Niederösterreich, Burgenland), Mitte (Oberösterreich, Steiermark, Kärnten) und West (Salzburg, Tirol, Vorarlberg). Als dritte Leistungsstufe fungierten die jeweiligen Landesligen der Bundesland-Verbände.
Erste Leistungsstufe – Nationalliga Vor der Saison Am 8. Juli beschloss der Bundesvorstand des ÖFB, den Vorschlag der Nationalliga zu billigen und den 1. Wiener Neustädter SC in der obersten Spielklasse zu belassen. Es war zwar noch darum gegangen, dass Aufsteiger SC Wacker Wien bis 20. Juli einen hauptamtlichen Trainer nennen musste, ansonsten hätte doch SV Austria Salzburg die Lizenz erhalten, doch mit Otto Walzhofer konnten die Meidlinger eine dementsprechende Person nennen.„Wiener Neustadt bleibt in der Nationalliga“. In: Kärntner Tageszeitung. Nr. 154, 9. Juli 1966, S. 16, Sp. 2, knapp oberhalb der Mitte-Internetseite „FUSSBALL IN ÖSTERREICH“ zu 1966/67. Ähnlich wie beim FK Austria Wien (siehe bitte Ausführungen im Artikel zu 1965/66) wurde zu Wacker Wien bekannt, dass dieser Klub mit dem Drogeriegroßhändler Willi Gerstenberger einen Patronanzvertrag abgeschlossen hat, demzufolge wird das Dress ein Abzeichen mit Firmenreklame („Creme Lanol“) tragen.Meldungsübersicht „kurz, kürzer“. In: Kärntner Tageszeitung. Nr. 156, 12. Juli 1966, S. 13, Sp. 4, vorletzter Absatz.
Allgemein Die Meisterschaft in der Nationalliga wurde mit 14 Mannschaften bestritten, die während des gesamten Spieljahres je zweimal aufeinander trafen. Rapid konnte in der Spielsaison zum 24. Mal Österreichischer Fußballmeister werden, während der Titelverteidiger Admira auf dem siebenten Platz landete. Der letzte Meisterschaftsgewinn der Hütteldorfer war 1964 gelungen. Die letzten drei Mannschaften der Tabelle mussten absteigen. Dies traf den SC Wacker Wien, 1. Wiener Neustädter SC und den Kapfenberger SV, die somit in der nächsten Spielsaison nicht mehr in der ersten Liga vertreten waren. Diese Mannschaften wurden durch die drei Meister der Regionalligen WSG Radenthein (Mitte), SC Eisenstadt (Ost) und SV Austria Salzburg (West) ersetzt. Als Österreichischer Meister konnte sich die Rapid für den Europacup der Landesmeister 1968 qualifizieren, wo der Verein bis ins Achtelfinale kam. Cupsieger Austria (per Losentscheid) durfte am Europacup der Cupsieger 1968 teilnehmen, schied dort in der ersten Runde aus. Der Wiener Sport-Club vertrat Österreichs Fußball im UEFA-Cup 1968 (Messestädte-Pokal) und scheiterte dort allerdings ebenfalls in Runde 1.
Zurückgenommene 3:0-Strafbeglaubigung Das in der 10. Herbstrunde für Sonntag, 20. November 1966, um 14 Uhr angesetzte Match des Kapfenberger SV gegen SC Schwarz-Weiß Bregenz kam wegen Nichterscheinens der Bregenzer nicht zustande, wurde also abgesagt (eingeteilt war Schiedsrichter Tomandl). Die Vorarlberger waren mit einem Charterflugzeug von München nach Graz geflogen, wobei die Maschine vorerst einen Motorschaden erlitten hatte, dann auch noch wegen zu starken Nebels in Graz ein Landeverbot gegeben war. Für die zuständigen Verbandsgremien war dies ein Präzedenzfall. Bislang galt »höhere Gewalt« als Grund für ein Nichtantreten, z. B. ein Ausfall öffentlicher Verkehrsmittel (Eisenbahnunglück, durch Lawinen oder Hochwasser unterbrochene Strecke, allenfalls noch ein Motordefekt bei einem Autobus). Vor vielen Jahren war – bei einer Anreise mit Privatfahrzeugen und dabei einem Defekt – das Nichtantreten mit 3:0 für die Gastgeber beglaubigt worden. Es kam zu den Fragen, ob die Chartermaschine als »öffentliches Verkehrsmittel« galt, eventuell die Bregenzer fahrlässig gehandelt hätten, als sie erst am Spieltag und nicht schon 24 Stunden vorher unterwegs waren. Am 6. Dezember entschied die zuständige Instanz auf ein 3:0 für das Heimteam, wogegen Bregenz aber Einspruch erhob. Dem wurde dann stattgegeben, die Bregenzer argumentierten u. a. damit, dass in nunmehrigen Zeiten eine Anreise mit dem Flugzeug, vor allem bei der doch größeren Entfernung von Vorarlberg in die Steiermark, nichts mehr Außergewöhnliches sei. Am 26. Februar 1967 kam es zur Nachholung der Partie, welche dann mit dem 1:0-Sieg der Steirer jegliche weitere Diskussionen beendete (und jedenfalls war dieses Resultat dann auch nicht für den Meisterschaftsausgang relevant).
Aufstockungswünsche In einer ÖFB-Bundesvorstandssitzung am 14. April wurde eine Aufstockung abgelehnt. Der Antrag des Steirischen Verbandes (StFV) auf 16 Vereine erhielt nicht die notwendige Unterstützung. Von Seiten des ÖFB hieß es, dass der Mangel an Terminen und das weitgehende Fehlen gedeckter Tribünen für einen Spielbetrieb im Winter keine Erweiterung zulassen, außerdem wolle man die Termine für internationale Begegnungen (Ostern, Weihnachten) beibehalten. Zudem würde bei 16 Nationalligavereinen eine Verwässerung des ohnehin schon bescheidenen Leistungsniveaus eintreten. Zwar gab es stichhaltige Gründe seitens der Verfechter der Aufstockung, doch es herrschte unter ihnen keine Einigkeit.
Meisterschaftsfinale Rapid Wien, nach dem Herbst mit 19 Punkten um einen Zähler hinter Leader FC Wacker Innsbruck, konnte dank des besseren Torverhältnisses (aber auch der besseren Tordifferenz, die damals allerdings noch nicht galt) die Tiroler noch abfangen, wobei die Rapidler in der Schlussrunde am 24. Juni bei SK Admira Wien 3:1, die Innsbrucker das Westderby gegen Schwarz-Weiß Bregenz mit 5:1 gewannen. Allerdings war der Koeffizient beim Torverhältnis nur um 0.7 besser, entscheidend gegen Innsbruck war – nach 3:0-Zwischenführung der Heimmannschaft – der (wie es die Medien beschreiben) »durch Unachtsamkeit eingefangene« Gegentreffer von Heinz Pienz in der 26. Minute, dazu kamen noch zwei Ausschlüsse bei den Tirolern und jener des Bregenz-Schützen Pienz durch Schiedsrichter Erich Linemayr.
Aber auch im Abstieg ist der Drittletzte SC Wacker Wien am schlechteren Torverhältnis gegenüber dem SK Sturm Graz (28:50 gegenüber 32:47) gescheitert; es half da auch das glatte 6:1 über Fixabsteiger Kapfenberger SV nichts mehr.
Statistik Die drei Absteiger lagen bereits nach dem Herbst, allerdings in der Reihenfolge Kapfenberg 8 Punkte vor Wacker Wien und Wiener Neustadt mit je 7 Punkten auf den letzten drei Plätzen, davor waren aber auch Sturm Graz (10) und der GAK (9) noch stark gefährdet.
In der Frühjahrstabelle, in der Rapid mit 22 Punkten vor Innsbruck (20) voranlag, schien Wacker Wien mit 11 Punkten zwar auf Rang 8 auf, doch war dies zu wenig. Die drei Letzten waren Sturm Graz und Wiener Neustadt (je 8) vor Kapfenberg mit nur mehr 3 Zählern.
Bestes Heimteam war Wacker Innsbruck (23) vor Rapid (21) und dem LASK (20), Wacker Wien und Vienna mit je 13 vor Wiener Neustadt (10) und Kapfenberg (9) bildeten das Schluss-Quartett.
Auswärts war Rapid (20) vor Innsbruck (18) und Austria (17) voran – auf der Gegenseite gab es gleich mehrere dürftige Punktezahlen, beginnend auf den Rängen 10 bis 12 mit je 5 Zählern für Austria Klagenfurt, Wiener Neustadt und Wacker Wien; Sturm Graz brachte es auf 4 Zähler – und Kapfenberg hatte nur zwei Unentschieden und damit 2 Punkte aufzuweisen.
Die Zuseherzahlen waren mit 1.150.000 gegenüber dem Vorjahr um 96.000 gestiegen – Rapid hatte mit 155.000 die meisten Besucher vor Innsbruck mit 133.000. Der Gesamtdurchschnitt aller 182 Begegnungen lautete 5.260 Besucher.
Es gab 93 Heim- und 54 Auswärtssiege sowie 35 Unentschieden (davon 13 torlos, und keines war höher als 2:2), was 310:212 Tore zugunsten der Gastgeber bedeutete. Vom Heimvorteil beeinflusst schienen die 68 Elfmeter (davon 56 wegen Foulspiels) zu sein, denn da gab es ein Verhältnis 69:19.
26 Spieler wurden ausgeschlossen (1965/66 waren es 29 – ein weiterer Vergleich: in der an der Anzahl an Vereinen gleich starken höchsten Liga der Schweiz gab es nur sechs Ausschlüsse; in der Deutschen Bundesliga mit 18 Klubs gab es 14), wobei Kapfenberg, der Sport-Club, LASK und die Vienna davon verschont blieben. Die meisten Ausschlüsse hatten Schwarz-Weiß Bregenz und Austria Klagenfurt mit je sechs. Nur 5 der Ausgeschlossenen kamen vom Heimklub.
Es gab 68 Elfmeter (davon 56 wegen rohen oder gefährlichen Spielens).
Zum sechsten Mal wurde die Titelvergabe auf Grund des besseren Torverhältnisses entschieden, gegen den Abstieg war dies zum zweiten Mal – diesmal profitierte Sturm Graz; 1952/53 hatte VfB Union Mödling als Drittletzter mit 19 Punkten mit 35:62 die damalige Staatsliga aus demselben Grund verlassen müssen (der LASK hatte 53:59, der FC Wien 38:61 Tore gehabt).„Wird in Österreich mehr ‚geholzt‘“? In: Kärntner Tageszeitung. Nr. 155, 12. Juli 1967, S. 8, Sp. 2 und 3 unten.
Abschlusstabelle
(M) Österreichischer Meister 1965/66 (C) ÖFB-Cup-Sieger 1965/66 (N) Neuaufsteiger aus den Regionalligen 1965/66
Aufsteiger Regionalliga Ost: SC Eisenstadt Regionalliga Mitte: WSG Radenthein Regionalliga West: SV Austria Salzburg
Torschützenliste
siehe auch Liste der besten Torschützen Österreichs
Meistermannschaft Roman Pichler – Walter Gebhardt, Walter Glechner (C), Erich Fak, Walter Baier, Josef Höltl – Ewald Ullmann, Franz Hasil, Walter Skocik – Anton Fritsch, Leopold Grausam, August Starek, Jørn Bjerregaard, Rudolf Flögel, Walter Seitl, Tomislav Knez, Peter Rehnelt – Trainer: Rudolf Vytlačil
Zweite Leistungsstufe – Regionalligen Regionalliga Ost In der Regionalliga Ost feierte der SC Eisenstadt den Meistertitel.
Abschlusstabelle
(A) Absteiger aus der Nationalliga 1965/66 (N) Neuaufsteiger aus der Landesliga 1965/66
Aufsteiger Landesliga Burgenland: SC Pinkafeld Landesliga Niederösterreich: SC Glasfabrik Brunn/Gebirge Wiener Liga: SC Red Star Wien
Regionalliga Mitte In der Regionalliga Mitte erspielte die WSG Radenthein, die im Vorjahr nur knapp dem Abstieg entgangen war, den Meistertitel. Nebst den witterungsbedingt erforderlichen Nachtragsspielen hatte vor allem der als KAC bekannte Klagenfurter AC auch ein Wiederholungsspiel zum 11. September gegen Vorwärts Steyr zu bestreiten. Das damalige Match hatte 5:2 für die Kärntner geendet, doch war dem Schiedsrichter ein entscheidender Regelfehler unterlaufen, als er bei Steyr dem Ersatztorhüter, der den verletzten Erstkeeper ersetzen sollte, die Teilnahme untersagte. Es gab einen Steyr-Protest, auch einen KAC-Gegenprotest, letztlich am 26. März 1967 das Wiederholungsmatch – und mit dem 4:1 erneut einen KAC-Sieg. Kurios war, dass das Retourspiel Amateure Steyr gegen KAC (3:1) am 19. März, somit eine Woche vor dem Wiederholungsmatch ausgetragen wurde. Nebst dem KAC mit 2 Nachtragsspielen hatten sechs weitere Klubs je eines offen.
In der Herbsttabelle führte Radenthein (8 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen, 37:10, 18 Punkte) vor VÖEST (6/4/2, 33:18, 16) und Vorwärts Steyr (7/1/3, 20:11, 15). Sehr viele Teams waren abstiegsgefährdet, so hatte Amateure Steyr auf Rang 5 erst 12 Punkte – und der Letzte St. Valentin gerade um 3 weniger, also 9. Die übrigen aktuellen Abstiegsplätze wurden außerdem von Wels mit 10 und SVS Linz mit 9 Punkten eingenommen; der KAC schien mit 10 Punkten auf Rang 11 – mit allerdings nur 10 Matches – auf. Nebst dem vorgenannten Wiederholungsspiel gegen Vorwärts Steyr war auch jene gegen Hertha Wels und Amateure Steyr (jeweils auswärts) ausständig. Diese brachten am 19. Februar in Wels ein 2:4 und am 26. Februar in Steyr ein 1:1, so dass die Athletiker, in der Retrospektive gesehen, nach Verlustpunkten auf Rang 6 platziert gewesen wären.