mini|Martin-Gallus-Kirche, Südostansicht, 2006 Die Martin-Gallus-Kirche ist ein evangelischer Sakralbau im Magdeburger Stadtteil Fermersleben.
Namenspatron Entgegen üblicher Gepflogenheit trägt die Martin-Gallus-Kirche nicht den Namen eines Apostels oder Heiligen. Im Jahr 1928 stellte der Gemeindekirchenrat von Fermersleben beim Evangelischen Konsistorium den Antrag, die Kirche nach dem Rektor der Kloster-Berge-Schule und ersten evangelischen Prediger in Fermersleben, Martin Hahn, latinisiert Gallus († 1581), benennen zu dürfen.
Architektur und Geschichte mini|Nordostansicht Auch in ihrem Erscheinungsbild hebt sich die Kirche von den anderen Magdeburger Kirchenbauten ab, denn ihr Kirchenschiff wurde in Fachwerkbauweise errichtet. Der querrechteckige aus Bruchsteinen gemauerte Westturm stammt noch von der Vorgängerkirche und geht wahrscheinlich auf das 12. Jahrhundert zurück.Denkmalverzeichnis, Magdeburg, Seite 407Kathrin Jäger: Architektur und Städtebau, Seite 282Heinz Gerling, Denkmale, Seite 73.Hans-Joachim Krenzke, Kirchen in Magdeburg, Seite 137 Er trägt ein Satteldach und ist an allen Seiten mit gotisch geformten Schallöffnungen versehen. Nach anderen Annahmen entstand die erste Kirche in Fermersleben erst zwischen 1380 und 1390.Ute Schmidt-Kraft: Siedlung Fermersleben, Landeshauptstadt Magdeburg 1995, Seite 14 und war in Fachwerkbauweise ausgeführt.Wilhelm Bischoff: 2010, abgerufen am 22. April 2014 Die Kirche gehörte als Filialkirche zur Buckauer Gemeinde. Angaben zum Aussehen eines Vorgängerbaus liegen nicht vor. Man nimmt an, dass es sich um eine kleine Holzkirche handelte, die als Filialkirche eher den Charakter einer Kapelle hatte. Ein Patronatsname ist nicht überliefert. Als erster namentlich bekannter Pfarrer für Buckau und wohl auch Fermersleben ist (Alexander) Sander überliefert, der in einer Urkunde über den Ankauf eines Grundstücks eines jüdischen Friedhofs in Buckau am 10. Februar 1383 erwähnt wird.C.A. Schmidt: Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 214
Am 23. April 1543 wandten sich die Bauermeister und die Gemeinde von Fermersleben und Buckau an den Rat der Stadt Magdeburg mit der Bitte, dass sich Magdeburg beim auch weiterhin katholischen Abt des Klosters Berge dafür einsetzen solle, dass in den Dörfern die Reformation eingeführt werde. Eine Reaktion Magdeburgs hierauf ist nicht überliefert. Die Einführung der Reformation erfolgte jedoch zunächst nicht.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 13
Wohl während des Schmalkaldischen Kriegs 1550/51 wurde das Kirchenschiff bei einem Brand zerstört. Da auch die Buckauer Kirche zerstört war, mussten die Fermersleber zum Gottesdienst bis zum Kloster Berge laufen. Seit 1561 war Peter Ulner Abt des Klosters Berge. Er beschloss, die zerstörten Kirchen nicht aufzubauen und die Einwohner dauerhaft zu Gemeindemitgliedern der Pfarrkirche des Klosters zu machen. Der in Halle (Saale) residierende Erzbischof Sigismund erteilte am 30. November 1563 hierzu seine Zustimmung und übertrug alle Rechte der Fermersleber Kirche auf die Kirche des Klosters Berge.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 18 f. Die Fermersleber klagten jedoch bereits während einer Kirchenvisitation im Jahr 1563 über die große Entfernung. Darüber hinaus wurde angegeben, dass die Bewohner von Fermersleben statt zum Kloster Berge zur Sankt-Ambrosius-Kirche in Sudenburg gingen. Wieso sie diesen noch weiteren Weg auf sich nahmen, ist unklar; möglicherweise gab es Vorbehalte gegen die Klosterkirche.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 18 f. Bereits 1570 wurde das Kirchenschiff der Fermersleber Kirche von den Fermerslebern jedoch neu aufgebaut. Der Turm war erhalten geblieben. Eine andere Quelle datiert den Turm erst auf das Jahr 1716,Cremer, Dehio, Seite 599 wobei sie sich möglicherweise lediglich auf eine in der Vergangenheit auf dem Turm befindliche Wetterfahne bezieht, die die Jahreszahl 1716 trug.
Seit 1563 war Martin Gallus seelsorgerisch für Buckau und Fermersleben zuständig. Ulner führte 1565 im Kloster Berge die Reformation ein. Gallus wurde der erste evangelische Prediger Fermerslebens. Die erste evangelische Predigt in Fermersleben wurde am 9. September 1565 gehalten. Nach dem seit 1570 wieder Gottesdienste in der wiedererrichteten Kirche stattfanden, wurde er zum Gottesdienst jeweils mit Pferd und Wagen vom Kloster Berge abgeholt und danach zurückgebracht. 1573 ergab sich eine Auseinandersetzung über die Ausstattung der Pfarrei. Der Möllenvoigt Georg Klehe forderte für die Fermersleber Kirche vom Kloster Berge die Übertragung einiger Hufen Acker, die bereits von Fermerslebenern bewirtschaftet wurden. Abt Ullner lehnte dies ab und legte dar, dass die fraglichen Äcker zur Buckauer Kirche gehörten. Er wandte sich an den Administrator Joachim Friedrich mit der Bitte um Schutz der Interessen des Klosters und der Nichtabtrennung der Fermersleber Kirche vom Kloster Berge. Tatsächlich blieb der Acker und zunächst auch die Kirche bei Buckau. Noch viel später im Jahr 1669 wird die Größe des Buckauer Kirchenackers in der Gemarkung Fermersleben mit 4,5 Hufen angegeben.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 23 f. Gallus blieb bis 1578 Pfarrer für Fermersleben. Ihm folgte Heinrich Homel (Homelius) nach, dem in Nachfolge nach Gallus das Rektorenamt und damit auch die Zuständigkeit für Fermersleben übertragen worden war.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 23 Im Jahr 1582 wurde für Fermersleben und Buckau auch ein Küster namens Cubir eingestellt, der auch als Lehrer tätig war. Cubir wandte sich am 20. Januar 1592 an den Abt des Klosters und beklagte, dass ein Bauer Liebert Bruning die Gemeinde gegen ihn aufwiegele und die Wahl eines anderen Küsters fordere. Cubir bat, zumindest Küster in Fermersleben bleiben zu dürfen.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 23 Am 18. Oktober 1587 wurde dem Pfarrer der Westerhüsener Kirche, Johannes Starcke, Fermersleben als Filialkirche zugeteilt.Allerlei aus elf Jahrhunderten in Westerhüser Gemeindeblätter, vermutlich 1942 Obwohl dies eigentlich auf Lebenszeit erfolgt war, wurde bereits 1592 Thomas Erxleben Nachfolger des weiterhin in Westerhüsen tätigen Starkes. Erxleben ließ in Buckau ein neues Pfarrhaus bauen, wofür Fermersleber Bauern Spanndienste leisteten.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 26 Am 27. März 1611 führte die Gemeinde Fermersleben gegenüber dem Abt Beschwerde darüber, dass Erxleben nach einem Ausbruch der Pest seine Gemeinde im Stich ließ und sich in das Kloster flüchtete. Er habe nur hin und wieder einen Vertreter geschickt. Die Gemeinde forderte den Abt auf, zu veranlassen, dass Erxleben sein Amt wieder aufnimmt.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 25 Tatsächlich endete Erxlebens Amtszeit noch im Jahr 1611.
Während des Dreißigjährigen Kriegs, vermutlich 1631, wurde die Kirche erneut zerstört. Die Fermersleber besuchten den Gottesdienst der Salbker Kirche. Auf Betreiben des Salbker Pfarrers Andreas Dodeling wurde Fermersleben als Filial Salbke zugeordnet. Dodeling hatte den Abt des Klosters darum gebeten. Nach dem Tod Dodelings im Jahr 1655 bemühte sich sowohl sein Nachfolger Sommer, als auch der Prediger des Klosters, Johann Zimmermann um die Fermersleber. Der Administrator stellte diese Entscheidung in das Ermessen der Fermersleber, die sich dafür entschieden, wieder Filial Buckaus zu werden. Ab diesem Zeitpunkt waren die Klosterprediger des Klosters Berge jeweils auch für Fermersleben und Buckau zuständig.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 29
Nachdem Pfarrer Zimmermann 1657 an die Magdeburger Heiliggeistkirche gegangen war, wurde Henning Dankwart sein Nachfolger. Auf ihn gehen die ältesten noch erhaltenen Kirchenregister für Fermersleben und Buckau zurück.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 31 mini|Innenraum nach Osten Der heutige barocke Saalbau stammt nach der Inschrift über dem nördlichen Portal aus dem Jahre 1657. Das Innere des Kirchenschiffs wird von einer flachen Decke überspannt. Der Kanzelaltar entstand 1697. Die Fenster sind zum Teil als kleine Segmentbogenfenster noch im Stil der Spätrenaissance ausgeführt. Die größeren rechteckigen Fenster sind etwas jüngeren Datums.
Der im Osten angefügte Altarraum ist dreiseitig ausgeführt. Das Dach des Kirchenschiffs, bis in die 1980er Jahre noch mit Holzschindeln gedeckt, ist heute ein spitzgiebliges Ziegeldach.
Mehrere für Fermersleben zuständige Pfarrer waren auch als Conventuale und somit wohl als Lehrer am Kloster Berge tätig. Dies gilt für den aus Dinkelsbühl stammenden Johannes Freymüller († 1584), den aus Eikendorf stammenden Thomas Erxleben, den Magdeburger Georg Müller, den aus Hillersleben stammenden Johannes Orling († 1625), die aus Magdeburg stammenden Henning Dankwart († 1664) und Johannes Sivert († 1680) und den aus Genthin stammenden Johannes Hahn († 1708).Annemarie Friedrich: Aus dem Schulwesen der Region Magdeburg in drei Jahrhunderten, Teil 2, Die Alumnen und Conventualen des Klosters Berge bei Magdeburg in Familienforschung Heute, Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Genealogie Magdeburg, Heft 7, Magdeburg 1993, Seite 28 ff.
Pfarrer Dankwart starb 1664. Sein Nachfolger wurde Christoph Koch, der jedoch bereits 1668 eine Stelle als Prediger an der Magdeburger Sankt-Jakobi-Kirche übernahm. Am 5. Sonntag nach Trinitatis hielt der Prokurator des Klosters Berge, Johann Sivert, eine Probepredigt in Fermersleben. Er wurde dann vom Abt am 24. Juni 1668 bestellt. Im Jahr 1670 erhielt Fermersleben wieder einen Kantor. Pfarrer Sivert blieb bis 1680 im Amt. Der Abt bestimmte als Nachfolger den Prokurator und Senior des Konvents, Kilian Pötzlinger. Die Bestellung für Buckau erfolgte am 25. April 1680. Am 15. Mai 1680 wurde er der Gemeinde Fermersleben vorgestellt. Er hielt eine Probepredigt in der Wohnung des Bauermeisters. Der Gemeinde Fermersleben wurde Gelegenheit gegeben, Einwendungen vorzubringen. Die Fermersleber sahen sich nicht in der Lage, den Pfarrer jeden Sonntag vom Kloster Berge abzuholen. Darüber hinaus forderten sie eine regelmäßige Gottesdienstzeit und Besuche auch in der Zeit einer Pest. Die Bestellung für Fermersleben erfolgte am 30. Juni 1680.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, Seite 35