Der Panzerkampfwagen III (auch PzKpfw III oder Panzer III) war ein mittlerer deutscher Panzer im Zweiten Weltkrieg. Als Standardmodell für die künftigen Panzerdivisionen vorgesehen, war er mit einer panzerbrechenden Kanone für die Panzerbekämpfung ausgerüstet, während der bauähnliche Panzer IV als Unterstützungsfahrzeug dienen sollte. Der von Daimler-Benz entwickelte Panzer III, der in den Jahren 1941 und 1942 der wichtigste deutsche Panzerkampfwagen war, bewährte sich in der ersten Kriegshälfte gut, danach nahm jedoch mit dem Erscheinen leistungsfähigerer gegnerischer Panzer sein Kampfwert aufgrund der eingeschränkten Ausbaufähigkeit schnell ab. Von 1936 bis 1943 wurden 5700 Exemplare hergestellt, wobei das Fahrgestell als Grundlage für das wesentlich erfolgreichere Sturmgeschütz III bis zum Kriegsende produziert wurde.
Geschichte mini|Heinz Guderian (rechts) konnte sich mit seiner Forderung nach einer 5-cm-Kanone anfangs nicht durchsetzen
Zur endgültigen Ausstattung der zukünftigen Panzerverbände hatte der spätere Generaloberst Heinz Guderian, der die Panzerwaffe zur selbstständigen Truppengattung entwickelte, zwei Panzerkampfwagen vorgesehen. Einen Wagen, der mit seiner panzerbrechenden Kanone die feindlichen Panzer ausschalten sollte, sowie ein mit einem größeren Kaliber ausgestattetes Unterstützungsfahrzeug. Aus diesen Überlegungen heraus entstanden der Panzerkampfwagen III und der Panzerkampfwagen IV, wobei der Panzer III für die drei leichten Kompanien und der Panzer IV für die vierte Kompanie eines Panzer-Bataillons vorgesehen war.
Über die Bewaffnung des projektierten Panzer III gab es grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten. Guderian und die Inspektion der Kraftfahrtruppen forderten eine durchschlagskräftige 5-cm-Kampfwagenkanone (KwK), während das Heereswaffenamt und die Inspektion der Artillerie die schon von der Infanterie genutzte 3,7-cm-Kanone aus Gründen der Vereinheitlichung als ausreichend betrachteten und sich schließlich auch durchsetzen konnten. Zumindest konnte Guderian erreichen, dass der Turmdrehkranz groß genug dimensioniert wurde, um den nachträglichen Einbau einer stärkeren Kanone zu ermöglichen; ein Umstand, der sich später noch als notwendig erweisen sollte.W. Spielberger, F. Wiener: Die deutschen Panzerkampfwagen III und IV mit ihren Abarten 1935–1945. J. F. Lehmann, München 1968, S. 11(a), S. 17(b), S. 19 u. 14(c), S. 26(d), S. 28(e), S. 158(f), S. 29 u. 39 f.(g), S. 40 ff.(h).
Die weiteren Anforderungen an das Kampffahrzeug waren ein die Tragfähigkeit der Straßenbrücken berücksichtigendes Maximalgewicht von 24 Tonnen, eine Besatzung von fünf Mann und der Einbau einer Funkanlage, die eine interne Verständigung sowie eine Kommunikation mit anderen Panzern und der Führungsebene ermöglichen sollte.
Entwicklung Aus Gründen der Geheimhaltung – der Versailler Vertrag war noch Reichsgesetz und verbot schwere Waffen wie Panzer – erhielt das Projekt die Tarnbezeichnung „Zugführerwagen“ (ZW). Im Jahre 1935 vergab das Heereswaffenamt Entwicklungsaufträge an Krupp, MAN, Rheinmetall und Daimler-Benz. Wegen ihrer US-amerikanischen Mutterfirmen wurden Ford und Opel nicht in das Programm einbezogen, obwohl sie zur damaligen Zeit die beiden größten Automobilfirmen waren und über die größte Erfahrung im Großserienbau verfügten, was den Schluss nahelegt, dass zu diesem Zeitpunkt keine Massenproduktion des Panzers geplant war.Ferdinand Maria von Senger und Etterlin: Die deutschen Panzer 1926–1945. Bonn 1998, ISBN 3-7637-5988-3, S. 40(a), S. 45(b), S. 44(c), S. 48(d), S. 42(e), S. 45(f). Nach eingehender Untersuchung der Prototypen bei der Versuchsstelle für Kraftfahrt wurde Daimler-Benz 1936 mit der weiteren Entwicklung und Herstellung beauftragt.
Kleinserien Ausf. A–D Ausführung A mini|Alle Vorserienmodelle (hier Ausf. D) hatten eine innenliegende Walzenblende und zwei MG neben der Kanone
Ende 1936 lieferte Daimler-Benz die ersten zehn Panzer der „Ausführung A“ unter der Tarnbezeichnung 1/ZW aus, die 1937 in den Truppenversuch kamen. Mit einer Rundumpanzerung von 15 mm hatte das Fahrzeug ein Gesamtgewicht von 15,4 t und war mit einem Maybach-Zwölfzylinder-Ottomotor mit 250 PS und einem Fünfgang-Getriebe motorisiert. Zusätzlich zur Hauptbewaffnung mit einer 3,7-cm-Kanone waren zwei achsparallele Maschinengewehre angebracht; ein drittes MG wurde vom Funker bedient. Einen großen Unterschied zu den späteren Ausführungen stellte das Laufwerk dar, das aus fünf großen, an Schraubenfedern aufgehängten Doppellaufrädern bestand.
Ausführung B Die 1937/38 ausgelieferten zehn Fahrzeuge der „Ausführung B“ (Typ 2/ZW) hatten ein verändertes Laufwerk, das aus acht kleinen Laufrollen bestand, die zu je zwei Paaren in einer Doppelschwinge zusammengefasst waren, wobei vier Laufrollen mittels einer Blattfeder abgedämpft wurden. Des Weiteren wurde die Zahl der Stützrollen von zwei auf drei erhöht, was bis zum Produktionsende beibehalten wurde. Von den fünfzehn bestellten Ausf. B wurden nur zehn als komplette Panzer fertiggestellt, die anderen fünf Fahrgestelle wurden zur Entwicklung des Sturmgeschütz III abgegeben. Als Ausgleich wurden 1940 fünf weitere Ausf. D hergestellt.Thomas L. Jentz, Hillary L. Doyle: Panzer Tracts 3-1 – Panzerkampfwagen Ausf. A, B, C and D. 2006, ISBN 0-9771643-4-9.
Ausführung C Bei den ebenfalls 1937/38 hergestellten 15 Panzern der „Ausführung C“ (Typ 3a/ZW) gab es nur eine Laufwerksänderung. Die vordere und hintere Doppelschwinge mit ihren zwei Laufrollen wurde durch je eine Blattfeder und die mittleren vier Laufrollen durch eine größere Blattfeder abgedämpft.
Ausführung D Die im Jahre 1938 ausgelieferten 25 Exemplare der „Ausführung D“ (Typ 3b/ZW) bildeten den Abschluss der Kleinserienproduktion. Die Veränderung im Laufwerk bestand lediglich in den nun schräg liegenden äußeren Blattfedern. Der Motor blieb unverändert, jedoch wurde ein neues 6-Gang-Getriebe verwendet. Durch die Verstärkung der Rundumpanzerung auf 30 mm stieg das Gesamtgewicht auf 19,8 Tonnen. Im Jahr 1940 wurden fünf weitere Fahrgestelle der Ausf. D gebaut und mit den fünf eingelagerten Aufbauten und Türmen der Ausf. B komplettiert.
Alle Fahrzeuge der Kleinserien wurden an die Panzereinheiten ausgeliefert und kamen während des ersten deutschen Feldzug, dem Angriffskrieg gegen Polen, zum Einsatz. Nach Abschluss des Feldzuges wurden sie – bis auf einige D-Modelle, die noch in Norwegen zum Einsatz kamen – an rückwärtige Einheiten, Ersatz- und Ausbildungsverbände, abgegeben.G. Forty: Die deutsche Panzerwaffe im Zweiten Weltkrieg. Augsburg 1998, S. 62(a, b und c), S. 67(d), S. 71(e), S. 66(f).
Serienreife / Organisation der Serienproduktion mini|Übersicht über die Laufwerke aller Ausführungen
Nachdem am 27. September 1939 der nun offiziell bezeichnete „Panzerkampfwagen III (3,7 cm) (Sd.Kfz. 141)“ für einführungs- und beschaffungsreif erklärt worden war, lief die Serienproduktion an. Zu dieser Zeit machte sich noch immer die geringe Leistungsfähigkeit der deutschen Maschinenbauindustrie bemerkbar, die nicht in der Lage war, hohe Stückzahlen der einzelnen Serien zu produzieren. Dies lag unter anderem daran, dass bei der Herstellung qualitativ hochwertiger Handwerksfertigung Priorität vor rationeller Massenfertigung eingeräumt wurde. Eine durchstrukturierte Fließbandfertigung mit Haupt- und Nebentaktstraßen hat es bei der Herstellung des Panzer III nie gegeben.Eine solche Produktion hat es – abgesehen vom Nibelungenwerk sowie einigen Zulieferbetrieben – nirgends in der deutschen Panzerkampfwagenproduktion gegeben → Hartmut Knittel: Panzerfertigung im Zweiten Weltkrieg. Mittler, Herford/Bonn 1988, ISBN 3-8132-0291-7, S. 130 (handwerksmäßige Fertigung: S. 49). Folgende Unternehmen waren an der Herstellung des Panzers beteiligt: Daimler-Benz (Werk Berlin-Marienfelde) MAN (Werk Nürnberg) Henschel (Kassel) Famo (Breslau) MIAG (Werk Braunschweig) Wegmann (Kassel) MNH (Hannover) Alkett (Werk Berlin-Spandau)
mini|Am Anfang der Produktion kam es mitunter zu seltenen Kombinationen wie dieser Ausf. E mit einem Turm der Ausf. D
Von den aufgeführten Unternehmen stellte Alkett mit über 50 Prozent die meisten Fahrzeuge her, obwohl andere dieser Firmen bedeutend größere Rüstungsproduzenten waren. Bei vielen war jedoch die Panzerproduktion nur eine Sparte von vielen, wie beispielsweise bei Daimler-Benz oder Henschel. So betrug im Jahre 1940 bei MIAG die Panzerfertigung nur 22 % oder bei MAN nur 10 % der gesamten Fertigungskapazität.H. Knittel: Panzerfertigung im Zweiten Weltkrieg. Herford/Bonn 1988, S. 38 (MAN), S. 41 (MIAG). Dieser Aspekt war bezeichnend für die noch unkoordinierte Rüstungsorganisation, denn wie bei fast allen deutschen Panzerkampfwagen gab es auch beim Panzer III keine Konzentration auf nur wenige oder gar einen Hersteller. Neben lizenzrechtlichen Problemen ergab sich dadurch die Situation, dass bei jeder der häufigen Konstruktionsänderungen das Heereswaffenamt rund 30 Zeichnungssätze an die verschiedenen Montage- und Zulieferfirmen übermitteln musste, wobei es infolge der unterschiedlichen Produktionsprozesse häufig zu einer nicht übereinstimmenden Normung bei der Abnahme kam. Um bei einigen Herstellern „Produktionslücken“ zu überbrücken, bekamen diese Aufträge für den Bau des Panzer III, obwohl sie noch andere Panzerkampfwagen in der Fertigung hatten, was in der Folge zu einer Zersplitterung der Produktionskapazitäten führte. Darüber hinaus beanspruchte das Heereswaffenamt die alleinige Kontrolle über die Entwicklung, Konstruktion, Beschaffung und Abnahme des Panzer III, was für die Hersteller naturgemäß einen schweren Eingriff in die Firmenbelange darstellte und zu gegenseitigen Vorwürfen zwischen dem HWA und den Unternehmen führte. Eine Koordination der Panzer-III-Fertigung erfolgte – wenn überhaupt – nur über das bürokratisch schwerfällige Heereswaffenamt, dessen Führungsanspruch so weit ging, etwa im Falle der Wannenherstellung einen Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten Firmen zu untersagen.H. Knittel: Panzerfertigung im Zweiten Weltkrieg. Herford/Bonn 1988, S. 22–27.
Die Endmontage eines Panzer III dauerte 1800 Stunden.H. Knittel: Panzerfertigung im Zweiten Weltkrieg. Herford/Bonn 1988, S. 130 | Hierbei handelte es sich aber meistens um einen theoretischen Wert, der selbst bei einem betriebswirtschaftlichen Idealzustand nur selten erreicht wurde und oft auch doppelt so hoch oder noch höher gelegen haben kann → S. 90. Der Preis eines Panzers betrug ohne Waffen knapp 100.000 Reichsmark. Der Rohstoffbedarf belief sich – ohne Waffen, Optik und Funk – auf folgende Mengen:Preis einer Ausf. M: 96.183 RM → F.M. von Senger und Etterlin: Die deutschen Panzer 1926–1945. Bonn 1998, S. 45 | Rohstoffbedarf: S. 60. Eisen: 39.000 kg Kautschuk: 125 kg Aluminium: 90 kg Blei: 72 kg Kupfer: 60 kg Zink: 49 kg Zinn: 1,4 kg
Eine der wichtigsten Zulieferfirmen war die Deutsche Edelstahlwerke AG, die bis 1942 jeweils 1900 Wannen und Türme an die Montagefirmen lieferte. Im Verlauf des Krieges wurden für den Panzer III ab Juli 1941 weitere Fertigungsstätten hinzugezogen. Es handelte sich dabei um Produktionsanlagen von Krupp, Hanomag, Auto Union, NSU sowie das Wiener Werk von Fross-Büssing, das Werk Kolín von Tatra und das Hainicher Werk von Framo. Im August 1943 wurde die Produktion endgültig eingestellt und die Kapazitäten für den Bau von Sturmgeschützen freigegeben.
Produktionszahlen des Panzerkampfwagen III (Neubau)Thomas L.Jentz, Hillary Louis Doyle: Panzer Tracts No.23 – Panzer Production from 1933 to 1945. Ausführung A B C D E F G H J L M N Baujahr 1937 1937 1937/38 1938, 1940 1939 1939–1941 1940/41 1940/41 1941/42 1941/42 1942/43 1942/43 Stückzahl 10 10 15 25 + 5 96 450 594 286 1521 1470 517 614
Technische Beschreibung