Der Panzerkampfwagen II (auch PzKpfw II, Panzer II oder Sd.Kfz 121) war ein leichter Panzer der Wehrmacht, der Mitte der 1930er Jahre von MAN entwickelt worden war. Das 1934 eigentlich nur als Übergangslösung konzipierte Fahrzeug stellte zu Beginn des Zweiten Weltkrieges das Rückgrat der Panzerdivisionen des Heeres dar. Als Kampffahrzeug aufgrund der leichten Panzerung und 2-cm-Hauptbewaffnung nur eingeschränkt verwendbar, wurde der Typ bis 1943 nach und nach ausgemustert, jedoch war sein Chassis als Grundlage für zahlreiche Selbstfahrlafetten bis zum Kriegsende in Gebrauch. Von 1935 bis Ende 1942 wurden rund 1900 Panzer II hergestellt.

Entwicklung Hintergrund Das Allgemeine Wehramt (AHA), welches für die Ausrüstung der deutschen Streitkräfte zuständig war und die langfristigen Ausrüstungsziele durch Produktionsaufträge an die Industrie verfolgte, stellte zu Beginn der 1930er-Jahre fest, dass die Entwicklung und Produktion der für die Ausstattung der künftigen Panzerverbände vorgesehenen zwei Haupttypen Zugführerwagen, der spätere Panzer III, und Begleitwagen, der spätere Panzer IV, länger als angenommen dauern würde. Daraufhin wurde vom AHA am 21. Januar 1934 das Heereswaffenamt (HWA) angewiesen, neben dem entwickelten „Kleintraktor“/MG-Kampfwagen, den Panzer I, einen „verstärkten Kleintraktor 6 to“, mit der Tarnbezeichnung Landwirtschaftlicher Schlepper 100 (La.S.100) mit einem stärkeren Motor (100 PS) und einer stärkeren Bewaffnung, dem 2-cm-M.G. C/30 und einem Maschinengewehr 34, entwickeln zu lassen.Jentz, Doyle: PzKpfw II a/1 to C – PT 2-1 2008 S.2-1-2 Die zuständige Fachabteilung des HWA, WaPrüf 6, entschied sich dafür, den zuvor eingeschlagenen Weg weiterzugehen und auf den Erfahrungen von Krupp aufzubauen, so dass für die Entwicklung des Fahrgestells wiederum Krupp gewählt wurde. Hierzu gab es am 24. Februar 1934 ein Treffen von Vertretern des AHA, des HWA und einem Herrn Hagelloch von Krupp, bei dem Krupp zusagte, bis Ende März Zeichnungen eines Konzeptes zu liefern. Beim Aufbau wurde wiederum, wie beim Panzer I, Daimler-Benz mit der Entwicklung betraut. Krupp stellte die Lieferung eines kompletten Prototyps mit Aufbau und Turm für Ende des Jahres 1934 in Aussicht, wenn das HWA unmittelbar einen Auftrag erteile.Jentz, Doyle: PzKpfw II a/1 to C – PT 2-1 2008 S.2-1-1

Frühe Entwicklungsphase Das Waffenamt entschied sich, mehrere Firmen am Projekt zu beteiligen. So wurden die Firmen Henschel und MAN ebenfalls über das Projekt informiert. Im Sommer 1934 gab es verschiedene Besprechungen und es wurden von Mitarbeitern des HWA die Entwicklungsabteilungen der Unternehmen über die Zielsetzung und Erfordernisse des Projektes informiert. Wichtig war dem Heereswaffenamt eine kurzfristige Lieferung und der bestmögliche Entwurf in dieser kurzen Zeit, so dass man durch die Entwicklungsaufträge an die unterschiedlichen Firmen auf verschiedene Lösungen hoffte, aus denen man die besten Entwurfsbestandteile kombinierten wollte. Es wurden an folgende Unternehmen Entwicklungsaufträge vergeben: Krupp, Essen – Besprechung zur Dringlichkeit der Entwicklung am 12. Juli 1934 MAN, Nürnberg – Telefonnotiz zur Beauftragung vom 18. Juni 1934 Henschel, Kassel – Auftrag erhalten am 5. Juli 1934

Aus den Berichten der WaPrüf 6 geht hervor, dass im Februar 1935 ein erstes Versuchsfahrgestell komplettiert wurde. Während des Sommers 1935 wurden zwei Versuchsfahrgestelle von Krupp und zwei von Henschel (Juli/August) erprobt. Aufgrund der folgenden Ereignisse muss auch MAN zumindest ein Versuchsfahrgestell zur Erprobung gegeben haben. Dieses Fahrzeug ist als komplettes Fahrzeug mit Aufbau auch fotografisch belegt.Jentz, Doyle: PzKpfw II a/1 to C – PT 2-1 2008 S.2-1-3,2-1-4

Nach der Erprobung in der Versuchsstelle für Kraftfahrt in Kummersdorf wurde der MAN-Entwurf gewählt und MAN als maßgebliche Firma für das Fahrgestell bestimmt. Das Fahrzeug erhielt nun die Bezeichnung Panzerkampfwagen II (2 cm) (Sd.Kfz. 121). Für den Nachbau wurden hauptsächlich Famo in Breslau, Wegmann in Kassel und MIAG in Braunschweig bestimmt.

Kleinserien Bei einer Besprechung im April 1934 nahmen Verantwortliche des Heereswaffenamtes und des Wehramtes dazu Stellung, warum für die Panzerkampfwagen II nicht bereits nach der Entwicklung große Aufträge erteilt wurden. Man betrachtete auch nach der Prototypenerprobung den Panzertyp noch als experimentelles Modell und wollte es über die kleinen Serien kontinuierlich weiterentwickeln, so sollten die Erkenntnisse aus der 0-Serie in die zweite Serie einfließen und die aus der ersten Serie in die dritte Serie und so weiter. Den beiden Ämtern war klar, dass es sich beim Panzer I und Panzer II nicht um die von der neuen Panzertruppe gewünschten Typen handelte, doch wurde die Fertigung der leichten Panzertypen als für den Aufbau und die Motivation einer künftigen leistungsfähigen Rüstungsindustrie gesehen. Auch war die Produktion erforderlich, um Ingenieure und Facharbeiter auszubilden und beschäftigt zu halten, damit diese künftig für die Fertigung der größeren Panzertypen zur Verfügung standen.Jentz, Doyle: PzKpfw II a/1 to C – PT 2-1 2008 S.2-1-25

Ausführung a/1, a/2 und a/3 (1./La.S.100) Die ersten Fahrzeuge der Kleinserien waren die Ausführungen „a“, von denen drei kleine Serien zu je 25 Fahrzeugen gefertigt wurden. Die Abstammung vom Panzerkampfwagen I und die Nähe zu den konventionellen am Carden-Loyd-Fahrwerk orientierten Fahrwerkslösungen sind bei diesen Fahrzeugen offensichtlich. Kleine Laufrollen-Paare, die jeweils über eine Federung verfügen und durch einen Querträger nach außen verstärkt sind. In der Ausführung a/1 wurden bei den ersten zehn Fahrzeugen eine gummierte Umlenkrolle, kleinere Lauf- und Stützrollen für die Kgs-67-280/90-Kette verwendet. Die Kette wurde später gegen eine Kgs-67- 300/90, die 2 cm breiter war, ausgetauscht, was auch einen Austausch der Lauf- und Stützrollen mit sich brachte. Die Fahrzeuge wogen 7,2 Tonnen, hatten einen Sechszylinder-Ottomotor von Maybach mit 130 PS und noch ein Vorgelegegetriebe ohne Untersetzung. Bei den im selben Jahr (1935) produzierten 25 Stück der Ausführung a/2 wurden Verbesserungen im Motorraum und an der Kühlanlage vorgenommen. Die letzte Variante dieser Kleinserien waren 25 Stück der Ausführung a/3, bei denen Änderungen im Bereich der Kühlung, Ketten und Aufhängung vorgenommen wurden. Die Fahrzeuge wurden von Mai 1936 bis Februar 1937 von MAN und Daimler-Benz gefertigt.

Ausführung b (2./La.S.100 und Teil 2./La.S.100 (Restauftrag)) Da die Motorleistung als nicht ausreichend erachtet wurde, kam bei der Ausführung b ein 140-PS-Maybach-Motor zum Einbau. Die 100 Fahrzeuge dieser Serie hatten ein neues Untersetzungsgetriebe und die endgültigen Gleisketten der Panzer-II-Baureihe. Das Gewicht erhöhte sich auf 7,9 Tonnen.

Ausführung c (3./La.S.100 (Neuauftrag)) Die 1937 erschienene Ausführung c hatte mit fünf an Viertelfedern aufgehängten Laufrollen das endgültige Panzer-II-Laufwerk. Mit den 75 Fahrzeugen dieser Ausführung endete die Entwicklung und die Serienproduktion wurde aufgenommen.

Serienproduktion Den Auftakt der Serienproduktion bildete 1937 die von MAN hergestellte Ausführung A mit dem ersten Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer 23001, darauf folgten die nur geringfügig veränderten Ausführungen B und C. Später wurde der Entwurf stärker an die Erfordernisse der Panzertruppe angepasst und die Erfahrungen flossen in die Ausführung F ein. Insgesamt wurden 1467 auf dem Entwurf La.S.100 basierende 2-cm-Kampfpanzer gebaut, wobei neben den bereits genannten fünf Herstellern noch Ursus, Alkett und Henschel beteiligt waren.

Ausführung A (4./La.S.100) Produktion von 210 Fahrzeugen

Mit der Ausführung A wurde das Schaltgetriebe SSG 46 als Serienausstattung übernommen. Die Bodenventile wurden verlegt und vergrößert, der Kühler erhielt einen Ablauf und die Feuerschutzwand eine Wartungsluke. Betreffend der Kraftstoffversorgung und Motorschmierung wurden der Durchmesser der Kraftstoffleitung auf 8 mm geändert und Kraftstoffpumpe, Ölfilter sowie Ölkühler neu platziert. Hinzu kam eine vereinfachte Schmierung des Lenkgetriebe. Das elektrische System wurde entstört, da es Probleme mit dem Empfang von Ultrakurzwellen-Signalen für die Funkanlage gab.Jentz/Doyle: Panzerkampfwagen II Ausf. a/1,a/2,a/3,b,c,A,B and C PT No. 2-1 2008 S.2-1-44

Äußerliches Merkmal war die Änderung der Schutzklappe bei der Fahrersehluke von einer flachen Platte zu einer V-förmigen Klappe mit Sehschlitz auf der Vorderkante. Neu war auch der Sehschlitz in der Klappe für den Funker in der Oberwanne.

Im Verlauf der Serie wurden die später bei vielen Fahrzeugen üblichen geschossabweisenden Schutzleisten auf der Abdeckplatte der Oberwanne eingeführt. Am Ende der Serie kam eine Zugstrebe unterhalb der Anhängerkupplung dazu, welche die Spannungskräfte die auf die freitragende Wanne wirkten, reduzieren und damit Rissbildungen verhindern sollte.

Ausführung B (5./ und 6./La.S.100) Produktion von 384 Fahrzeugen, wobei 58 Fahrzeuge mit dem zusätzlichen Vertrag 6./La.S.100 gefertigt wurden.

Die Fertigung der Ausführung B begann ohne Änderungen zur späten Ausführung A. Während der Fertigung wurden folgende Verbesserungen eingeführt: Geschossabweisende vertikale Leisten vor den seitlichen Sehklappen im Aufbau, spät in der Serie neue Sehklappen mit 50-mm-Schutzglas hinter dem Sehschlitz zum Schutz vor Geschossen und Splittern, erkennbar an zwei konischen Bolzen über und unter der Sehklappe. Letztlich wurde eine vergrößerte Sehklappe ohne Bolzen für zusatzgepanzerte Fahrzeuge eingeführt.Jentz/Doyle: Panzerkampfwagen II Ausf. a/1,a/2,a/3,b,c,A,B and C PT No. 2-1 2008 S.2-1-50

Die Zugstrebe unterhalb der Anhängerkupplung wurde auch bei einigen Fahrzeugen der Ausführung B verwendet und diente auch hier dazu, die Spannungskräfte auf die freitragende Wanne zu reduzieren, und damit Rissbildungen verhindern sollte.

Am 12. Februar 1938 kam die Anweisung des Wa Prü 6, dass der Fliegerauslegearm bei allen Fahrzeugen vom Typ La.S. 100 entfallen dürfte, montierte Auslegearme dürften bleiben.

Ausführung C (7./La.S.100) Produktion von 364 Fahrzeugen

Die Verzögerung der Serienfertigung des Panzerkampfwagen III wurde für die Fertigung zusätzlicher Panzerkampfwagen II genutzt. Bei Beginn der Serie 7./La.S.100 waren die mit Schutzglas versehenen Sehklappen serienmäßig hinter der Luke an der Innenseite der Panzerwand stehend befestigt. Durch die Einführung des Turm-Ziel-Fernrohr 4 (T.Z.F. 4) wurde die Zieloptik auf eine Reichweite von 1.200 m verbessert.Jentz/Doyle: Panzerkampfwagen II Ausf. a/1,a/2,a/3,b,c,A,B and C PT No. 2-1 2008 S.2-1-56mini|Panzer II Ausf. C im Canadian War Museum in Ottawa, Ontario.

Ausführung F (9./LaS 100) mini|Eine „Ausf. F“ mit verstärkter Panzerung und Blindvisier Produktion von etwa 389 Fahrzeugen bei URSUS und 120 Fahrzeugen bei FAMO.Jentz: Panzerkampfwagen II D,E and F - PT No.2-3 2010 S.2-3-28 (Zuordnung zu Werken teilweise geschätzt / Totalabnahme des Monats bestätigt)

Schon zu Beginn des Jahres 1939 war die 9. Serie des La.S.100 mit einer Menge von 404 Fahrzeugen bei Alkett bestellt worden. Es war geplant, dass die ersten Fahrzeuge dieser Serie im Mai 1940 fertig gestellt werden sollten. Am 7. März teilet die Wa J Rue mit, dass die neue Serie zwei grundlegende Änderungen erfahren sollte. Die Frontpanzerung sollte aufgrund der Kampferfahrungen verstärkt werden und die Panzerkommandanten sollten durch die Verwendung von Winkelspiegeloptiken in der neuen Serie besser geschützt werden.Jentz: Panzerkampfwagen II D,E and F - PT No.2-3 2010 S.2-3-26 Wieder zurückgehend auf das Chassis der Ausführungen A-C wurden die Änderungen bis Juni 1940 als „Ausführung F“ zu einem neuen Entwurf ausgearbeitet, bei welchem die Frontpanzerung der Wanne auf 35 mm, die Frontpanzerung des Turmes auf 30 mm und die Seitenpanzerung auf 20 mm verstärkt wurden.