mini|Der Friedhof am Perlacher Forst, von Südosten aus der Luft gesehen. Links oben die Justizvollzugsanstalt München. mini|Die zwölfeckige Trauerhalle aus hellem Tuffstein, Höhe 35 Meter mini|Allee im Friedhof am Perlacher Forst
Der Friedhof am Perlacher Forst ist einer von 28 städtischen Friedhöfen"Städtische Friedhöfe München", Muenchen.de. Abgerufen am 18. Juni 2023. der Stadt München – nicht zu verwechseln mit dem Friedhof Perlach. Er befindet sich an der Stadelheimer Straße im Stadtteil Obergiesing ().
Beschreibung Auf dem Friedhof gibt es neben circa 27.000 Grabplätzen zwei Ehrenhaine für KZ-Opfer. Es gibt Kriegsgräber polnischer Soldaten der NSZ und ein Feld mit Gräbern so genannter Displaced Persons aus der Nachkriegszeit, darunter viele ehemalige Zwangsarbeiter.
In der Grabanlage für die Displaced Persons sind 1129 Tote aus zwölf Nationen bestattet. Dort befindet sich ein 1960 vom Münchner Bildhauer Konstantin Frick geschaffenes Mahnmal.Helga Pfoertner: Mit der Geschichte leben. Bd. 1, Literareron, München 2001, ISBN 3-89675-859-4, S. 59–65 ()
Geschichte Der Friedhof wurde vom Stadtbaurat Hermann Leitenstorfer geplant und 1931 für Bestattungen freigegeben. Anfang Juli 1934 wurden auch die während der „Röhm-Affäre“ vom NS-Regime Hingerichteten der Strafanstalt Stadelheim, an die der Friedhof angrenzt, auf dem Friedhof begraben, bevor sie unter strenger Geheimhaltung am 21. Juli 1934 im Krematorium am Münchner Ostfriedhof eingeäschert wurden. Die Grabanlage für die Displaced Persons wurde 1960 angelegt. Dazu wurden auf anderen Münchner Friedhöfen bestattete ehemalige Zwangsarbeiter umgebettet.
Gräber von Persönlichkeiten
Irmtraud von Andrian-Werburg (1943–2019), Historikerin Ludwig Friedrich Barthel (1898–1962), Lyriker und Oberarchivrat Elyesa Bazna (1904–1970), Spion des Reichssicherheitshauptamtes, Deckname „Cicero“ Franz Beckenbauer (1945–2024), Fußballspieler, -trainer und -funktionär Stephan Beckenbauer (1968–2015), Fußballspieler und -trainer Hubert Dolleschel (1876–1938), Erster Vorsitzender des AWO-Ortsvereins München, Initiator des ersten Münchner Lehrlingsheims in Haidhausen Karl Forster (1928–1981), Theologe, Gründungsdirektor der Katholischen Akademie in Bayern, Professor für Pastoraltheologie Berta Haeusler (1892–1961), Modedesignerin Hans Hartwimmer (1902–1944), deutscher Widerstandskämpfer und Mitglied der Hartwimmer-Olschewski-Gruppe Wilhelm von Hebra (1885–1944), österreichischer Monarchist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Wilhelm Hoegner (1887–1980), „Vater“ der Bayerischen Verfassung, bayerischer Ministerpräsident, Ehrenbürger der Landeshauptstadt München Walter Holten (1897–1972), deutscher Schauspieler Werner Jacobs (1909–1999), deutscher Filmregisseur und -editor Peter Paul (1911–1985), deutscher Schauspieler Victor Pichlmayr (1927–2012), deutscher Physik- und Chemiemoderator des Telekolleg Helmut Rothemund (1929–2004), deutscher Politiker und Vorsitzender der Bayern-SPD Toni Trepte (1909–1981), Maler, Grafiker, Bildhauer und Schriftsteller Astrid Varnay (1918–2006), Opernsängerin Adolf Ziegler (1899–1985), deutscher Schauspieler
mini|Grab von Sophie und Hans Scholl und Christoph Probst
Mitglieder und Sympathisanten der Widerstandsgruppe Weiße Rose: Hans Scholl (1918–1943): Grabstätte Sophie Scholl (1921–1943): Grabstätte 73-1-18 Christoph Probst (1919–1943): Grabstätte 73-1-18 Alexander Schmorell (1917–1943): Grabstätte Hans Leipelt (1921–1945): anonymes Grab im Marie-Luise Schultze-Jahn (1918–2010) Harald Dohrn (1885–1945), Sympathisant der Weißen Rose: Grabstätte Hans Quecke (1901–1945), Sympathisant der Weißen Rose: Grabstätte
Aus dem KZ Dachau wurden Urnen von verstorbenen Häftlingen im Ehrenhain bestattet, darunter sieben selig gesprochene polnische Märtyrer aus der Gruppe der 108 seligen polnischen Märtyrer, Opfer des Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg: Ludwik Roch Gietyngier (1904–1941) Stefan Grelewski (1898–1941) Stanisław Kubski (1876–1942) Emil Szramek (1887–1943) Narcyz Turchan (1879–1942) Michał Woźniak (1875–1942) Antoni Zawistowski (1882–1942)
Literatur Lioba Betten, Thomas Multhaup: Die Münchner Friedhöfe – Wegweiser zu Orten der Erinnerung. MünchenVerlag, München 2019, ISBN 978-3-7630-4056-8, S. 66–73. Irene Stuiber: Hingerichtet in München-Stadelheim. Opfer nationalsozialistischer Verfolgung auf dem Friedhof am Perlacher Forst. Kulturreferat der Landeshauptstadt München, 2004, ISBN 3-8334-0733-6 (PDF; 2,2 MB). Erich Scheibmayr: Letzte Heimat. Eigenverlag, München 1985. Erich Scheibmayr: Wer? Wann? Wo?. 3 Teile. Eigenverlag, München 1989, 1997, 2002. KZ-Grab- und Gedenkstätte im Friedhof am Perlacher Forst, Stadt München, in: Constanze Werner: KZ-Friedhöfe und Gedenkstätten in Bayern. Schnell und Steiner: Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-2483-1, S. 43–49 (hier abweichende Jahreszahl 1902 für die Anlage des Friedhofes).
Weblinks
Friedhof am Perlacher Forst auf stadt.muenchen.de Friedhof am Perlacher Forst auf stadtgeschichte-muenchen.de
Einzelnachweise
Perlacher Forst Kategorie:Weiße Rose Kategorie:Baudenkmal in Obergiesing Perlacher Forst Kategorie:Bauwerk in Obergiesing