En Hod (; auch oft in der Schreibung Ein Hod) ist ein Künstlerdorf im Norden Israels, 15 Kilometer südlich von Haifa an den Hängen des Karmelgebirges gelegen, das 1953/54 gegründet wurde. Die meisten der ursprünglichen palästinensischen Bewohner von En Hod, das vor den Vertreibungen von 1948 Ayn Hawd hieß und seit dem 12. Jahrhundert durchgehend besiedelt war, wurden in Flüchtlingslager in Jordanien und Dschenin im Westjordanland (1950–1988 ebenfalls Teil Jordaniens, seit 1967 unter israelischer Besetzung) vertrieben. Eine Gruppe der palästinensischen Dorfbewohner floh in die Berge, wo sie etwa 1,5 Kilometer von ihrem alten Dorf entfernt ʿAyn Hawd al-Ǧadida gründeten, das neue ʿAyn Hawd, das lange zu den nicht anerkannten Ortschaften Israels gehörte, bevor es in den 1990er-Jahren von den israelischen Behörden legalisiert wurde.

Dorfgeschichte bis 1948 Der Ort ʿAyn Hawd verfügt über eine ins 12. Jahrhundert zurückreichende Geschichte.Muhammad Abu Al-Hayja', Rachel Leah Jones: ʿAyn Hawd and the “Unrecognized Villages” Das Dorf war eines der Al-Hija-Dörfer, die von Verwandten von Emir Hussam al-Din Abu al-Hija gegründet wurden. Abu al-Hija () war ein Kurde und Kommandant der kurdischen Streitkräfte, die in den 1180er Jahren an Sultan Saladins Eroberung des Königreichs Jerusalem teilnahmen. Er war berühmt für seine Tapferkeit und befehligte die Garnison von Akkon zur Zeit der Belagerung von Akkon (1189–1191).Meron Benvenisti: Sacred Landscape

Für das Jahr 1596 sind für das zum Osmanischen Reich gehörende Dorf 44 Personen und Steuerzahlungen belegt.Walid Khalidi (Editor): All that remains Das Dorf war ausschließlich von Muslimen bewohnt, verfügte über eine Moschee, und seit 1888 über eine Schule für Jungen. Die Bewohner betrieben Viehzucht und Ackerbau, wobei vorherrschend der Anbau von Getreide und Oliven war. Außerdem war das Dorf für seine Johannisbrotbäume bekannt. links|mini|ʿAyn Hawd in den 1850er Jahren, gezeichnet von Charles van de Velde rechts|mini|Karte von ʿAyn Hawd und Umgebung in den 1870er Jahren 1851 bereiste der niederländische Kartograph und Landschaftsmaler Charles van de Velde Palästina und besuchte dabei auch, von Atlit her kommend, ʿAyn Hawd (bei ihm ʿAin-Haud). Zur Geschichte des Dorfes brachte er eine weitere Deutung ins Spiel: Er vermutete, dass es sich bei ihm um „En-Hadda, das Erbteil von Issachar“, gehandelt haben könnte, was er aber nicht weiter ausführte. Van de Velde verbrachte einen Abend im Haus von Scheich Soleiman und erlebte die durchweg muslimischen Dorfbewohner in großer Besorgnis über ihre Einberufung zur Osmanischen Armee. Laut Scheich Soleiman hatte ein ehemaliger Sultan den Dorfbewohnern in einer Urkunde die Freistellung von der Wehrpflicht zugesagt, was nun aber nicht mehr gelten sollte.Charles van de Velde: Narrative of a journey through Syria and Palestine, S. 314–316

Über die Anzahl der Bewohner von ʿAyn Hawd machte van de Velde keine Angaben, doch scheint deren Zahl bis ins 19. Jahrhundert hinein nahezu unverändert geblieben sein. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg sie nach einer um 1887 erstellten Bevölkerungsstatistik auf 195 Einwohnern anPalestine Exploration Fund: Quarterly Statement For 1887, London. p. 180 (pdf-S. 206) und wuchs im 20. Jahrhundert kontinuierlich weiter: auf 350 Bewohner im Jahre 1922; 459 im Jahre 1931, 650 im Jahre 1945 und schließlich auf 754 im Jahre 1948, die in 133 Häusern lebten.PalestineRemembered.com: ʿAyn Hawd (siehe Weblinks)

Seit dem Abend des 11. April 1948 waren ʿAyn Hawd und das Nachbardorf ʿAyn Ġazal Ziel israelischer Angriffe. Zu einer ersten Erstürmung durch die israelischer Armee kam es Ende Mai 1948, nachdem sich Dorfbewohner an bewaffneten Angriffen auf jüdische Fahrzeuge auf der Landesstraße Haifa-Tel Aviv beteiligt hatten. Die Armee zogen sich jedoch wieder zurück, und das Dorf konnte dann erneut von arabischen Milizionären und Zivilisten besetzt werden.Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Im Juli leiteten die Armee das Ende des Kleinen Dreiecks, gebildet von den Dörfern Kafr Lam, Sarafand, ʿAyn Hawd und al-Mazar, ein. Sie griffen vom 17. bis 19. Juli die halbverlassenen Dörfer an und besetzten sie erneut. Ihre Räumung sollte das einzige Hindernis beseitigen, das den israelischen Verkehr auf der unterhalb liegenden, 1937 eröffneten Küstenstraße (, klassifiziert als Haupt-Landesstraße ) blockierte.

Nach dem israelischen Historiker Benny Morris hatten die Bewohner der kleinen Ortschaften in den Wochen zuvor immer wieder geschwankt zwischen dem Durchhaltewillen bis zu einem arabischen Sieg über die IDF und einem auf eine gewisse De-facto-Koexistenz zielenden Friedenswillen. Und obwohl auch die Israelis der Meinung waren, dass diese Dörfer keine wirkliche militärische Gefahr darstellen würden, wurde ʿAyn Hawd und den anderen Dörfern am 17. Juli 1948 das Ultimatum gestellt: sich zu ergeben oder die Dörfer zu räumen. Da die Bewohner sich weigerten, wurden die „Dörfer in den folgenden Tagen immer wieder beschossen und bombardiert. Viele Einwohner starben und die Moral war Berichten zufolge ‚niedrig‘.“Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem, S. 439. „During the following days, the villages were intermittently shelled and bombed. Many inhabitants fled and morale was reportedly ‘low’.“ Am 24. Juli starteten die israelische Armee abermals eine Operation gegen die Dörfer des Kleinen Dreiecks. Sie setzten Jagdbomber, Infanterie und leichte Artillerie ein und erreichten am Morgen des 26. Juli ihr Ziel. Es gab zahlreiche Tote und Gefangene, auch unter den in den Dörfern verbliebenen Milizionären, von denen sich aber die meisten in östlichere Gebiete absetzen konnten.

Obwohl ʿAyn Hawd eines der Dörfer im Kleinen Dreieck war, gibt es bei Morris keine Hinweise darauf, inwieweit die Bewohner von ʿAyn Hawd das Schicksal ihrer Nachbarn, deren Häuser gesprengt und sie selber in Flüchtlingslager im Westjordanland und in Transjordanien, vor allem in das Flüchtlingslager Dschenin, vertrieben worden warenBei Morris ist ausführlich von den Gräueltaten der israelischen Armee im sogenannten Kleinen Dreieck die Rede, die auch zu einer Untersuchung durch die UNO führten, aber ʿAyn Hawd wird in diesem Zusammenhang nicht erwähnt., teilen mussten. In einem späteren Artikel hieß es, die Bewohner von ʿAyn Hawd seien in die Nähe von Haifa geflohen. Nachdem die Feindseligkeiten beendet waren, wäre ihnen aber nicht erlaubt worden, nach Hause zurückzukehren, weshalb die meisten ins Ausland gegangen wärenThe New Humanitarian: An IDP village sees light at the end of the tunnel, womit vermutlich die an Israel angrenzenden Länder und die dortigen Flüchtlingslager gemeint waren. Die Zahl der Vertriebenen schwankt zwischen 650 und 950 Menschen. Eine Gruppe aber widersetzte sich der Vertreibung und floh in die Berge und begann etwa 1,5 Kilometer von dem im Gegensatz zu den anderen Dörfern von den Israelis nicht zerstörten ʿAyn Hawd entfernt den Aufbau eines neuen arabischen Dorfes – illegal, obwohl auf ehemals dem Dorf gehörendem Gelände.

Das alte ʿAyn Hawd ist Heimat der fiktiven palästinensischen Familie, die im Roman Während die Welt schlief von Susan Abulhawa zentrale Rolle einnimmt. Im ersten Teil des Buches, Al Nakba – Das Unglück beschreibt die Autorin das Schicksal des Dorfes bis zur Vertreibung seiner Bewohner im Jahre 1948.

ʿAyn Hawd war eines der 418 palästinensischen Dörfer, die im Palästinakrieg von 1948 zerstört und/oder entvölkert wurden, und es steht mit seiner Geschichte auch für das, was Benny Morris The Birth of the Palestinian Refugee Problem bezeichnete. Durch die Israelische Siedlungspolitik in den Jahrzehnten nach dem Sechstagekrieg ist jenes bis heute ungelöst und sorgt für anhaltende Spannungen im israelisch-palästinensischen Verhältnis.

Von ʿAyn Hawd zum Künstlerdorf En Hod mini|Das Janco-Dada-Museum

Nach der Vertreibung der palästinensischen Bewohner begann im Juli 1949 die Neubesiedlung durch jüdische Einwanderer aus Tunesien und Algerien, die hier einen Moschav gründen sollten. Die Gruppe der Neusiedler bestand aus 70 Familien und wuchs bis Oktober 1949 auf 92 Familien an. Jede Familie erhielt einen Zuschuss für die Reparatur ihrer neu bezogenen Heime sowie für die Gründung einer kleinen Farm, zwei Kühe und ein Grundstück für den Anbau von Feldfrüchten.

Der Moschav existierte in ʿAyn Hawd jedoch nur kurze Zeit, da die Moschav-Bewegung der Meinung war, dass die Form des arabischen Dorfes nicht geeignet sei für die von ihr angestrebte Siedlungsform. Es folgte eine Umsiedlung in die Ebene zwischen dem Karmelgebirge und dem Mittelmeer, sechs Kilometer südlich von ʿAyn Hawd. Hier entstand ein neuer und bis heute bestehender Moschav, der den Namen Tsrufa erhielt. () Die Gründung von Tsrufa erfolgte auf dem Land des ehemaligen palästinensischen Dorfes Jaba, dessen Bevölkerung bei den gleichen Kampfhandlungen vertrieben worden war wie die Bewohner ʿAyn Hawd's.

Nach dem Wegzug der tunesischen und algerischen Siedler wurde 1950 auf einem Teil des alten Dorfgeländes der Kibbuz Nir Etzion gegründet. () Die neuen Bewohner waren jüdische Flüchtlinge aus Kfar ʿEtzion und weiteren Siedlungen des sogenannten Gusch Etzion.Homepage von Nir ʿEtzion

Die Häuser von ʿAyn Hawd standen derweil leer, und es drohte ihnen – ähnlich den Nachbardörfern ʿAyn Ghazal und Jaba – der Abriss. 1953 überzeugte der rumänisch-israelische Künstler Marcel Janco die Armee, Ein Hod nicht dem Erdboden gleichzumachen, wie sie es mit den zahlreichen nahegelegenen palästinensischen Städten getan hatte, die sie fünf Jahre zuvor ethnisch gesäubert hatte. Er hatte der bereits eine erfolgreiche Kampagne gegen die Zerstörung der Häuser von Alt-Jaffa geführt.Meron Benvenisti: Sacred Landscape. „The authorities were preparing to demolish its houses, as they had done in the neighboring villages of Ein Ghazal and Jaba, but painter and architect Marcel Yanco, who had already conducted a successful campaign against the destruction of the houses of Old Jaffa.“ Er schlug die Gründung einer Künstlerkolonie vor, um den Tourismus anzukurbeln und zur zionistischen Kultur beizutragen. Heute sind die rustikalen Steinhäuser, die einst Palästinensern gehörten, malerische Künstlerateliers, während die Dorfmoschee in eine luftige Bar namens Bonanza umgewandelt wurde.Rachel Leah Jones: ʿAyn Hawd and the “Unrecognized Villages” 1983 wurde das „Janco-Dada-Museum“ mit dem Schwerpunkt auf Dadaismus gegründet.jancodada.co.il: (englisch)

Die ebenfalls zum Dorf gehörende Central Artists Gallery, gehört zu den größten Galerien in Israel. Die Galerie versteht sich als Teil der künstlerischen Aktivitäten im Dorf.Central Artists Gallery

En Hod hat Stand Einwohner. Laut Statistik sind 596 von ihnen Juden und 2 Araber.