mini|Eine Gruppe Paiute um 1880

Als Paiute oder Piute bezeichnet man drei regionale Dialektgruppen bzw. Stammesgruppen nordamerikanischer Ureinwohner im Kulturareal des Großen Beckens, die zwar jeweils Varianten der Numic-Sprachen der uto-aztekischen Sprachfamilie sprachen, historisch jedoch nie eine politische Einheit oder Stammesidentität entwickelten. „Paiute / Piute“ ist somit ein Sammelbegriff für folgende Gruppen, die sich wie die meisten indigenen Völker je nach Dialekt einfach als „Volk“ bzw. „die Menschen“ bezeichneten:

Nördliche PaiuteGinny Bengston: Northern Paiute and Western Shoshone Land Use in Northern Nevada. A Class I Ethnographic/Ethnohistoric Overview. In: Bureau of Land Management, Cultural Series. Nr. 2, 2003. oder Numa / Numu („Volk“, „die Menschen“), früher meist Paviotso (eine leicht abwertende Shoshone-Bezeichnung für Nördliche Paiute Bands in Nevada) oder als Snake Indians (Sammelbegriff für verbündete Nördliche Paiute, Nördliche Shoshone und Bannock) bezeichnet: im Nordosten Kaliforniens, Nordwesten Nevadas, Osten Oregons und Süden Idahos.

Südliche Paiute oder Nuwuvi („Volk“, „die Menschen“): im Norden Arizonas, dem Südosten von Kalifornien, Süden Nevadas sowie Südwesten Utahs.

Mono oder Monache / Monoache („Fliegen-Larven-Esser“, ein Lehnwort der feindlichen Yokuts, die hiermit jedoch die Kucadikadi Band der Nördlichen Paiute bezeichneten): beiderseits der Sierra Nevada im Grenzgebiet von Kalifornien und Nevada, untergliederten sich in zwei regionale Stammes- bzw. Dialektgruppen, wobei die Grenze die Sierra Nevada bildete; zu unterscheiden von der historisch irreführend als „Mono Lake Paiute/Paviotso“ oder „Western Mono“ bezeichneten Kucadikadi Band („Esser von Salzfliegenlarven“, abgel. von Kutsavi – „Salzfliegenlarve“ und Dika'a – „Esser“) der Nördlichen Paiute: Owens Valley Paiute (Östliche Mono) oder Numa („Volk“, „die Menschen“): auf der Ostseite der Sierra Nevada im Owens Valley nahe dem Owens River. Westliche Mono (Mono oder Monache) oder Nyyhmy / Nim („Volk“, „die Menschen“): auf der Westseite der Sierra Nevada im südlichen Vorgebirge nahe dem Mono Lake sowie im Mono Basin.

Namensherkunft Die Herkunft des Wortes „Paiute / Piute“ ist unklar, eine mögliche Interpretation ist die Bedeutung „die Wasser-Ute“ oder „die wahren Ute“. Das Wort „Paiute / Piute“ weist offensichtlich große Ähnlichkeit mit der Eigenbezeichnung der Bannock als Banakwut, Nimi Pan a'kwati oder Pannaitti auf, was als Wasservolk wiedergegeben wird. Die Paiute wurden von den Siedlern verächtlich Diggers genannt (wahrscheinlich, da sie im Boden mit einem Grabstock nach Wurzeln gruben), diese Bezeichnung wird heute als beleidigend von den Paiute zurückgewiesen.

Soziale Organisation Die „Paiute / Piute“ bildeten keine „Stämme“ im eigentlichen Sinn, sondern gliederten sich in mehrere Dutzend Bands (Gruppen), die sich in der Regel in Lokalgruppen (engl. local bands) unterteilten. Die Lokalgruppe wiederum bestand aus mehreren Großfamilien, so dass in einer Band fast jedes Mitglied mit den meisten, wenn nicht mit allen anderen verwandt war. Die Lokalgruppe war auf Grund ihrer Unterscheidbarkeit (anhand eigenem Gruppennamen klare Abgrenzung von anderen Gruppen), ihrer Kleinheit (überschaubare Mitgliederzahl, in der jeder jeden kennt), ihrer Homogenität (sehr große Übereinstimmung bei den Weltanschauungen der Mitglieder) sowie der Selbstversorgung (ökonomisch und sozial weitgehend autark) die soziale Basis und Identifikation für die einzelnen Mitglieder. Besonders im Winter oder zur Organisation einer Jagd, des Sammelns, der Verarbeitung und Haltbarmachung von Beeren und Wildpflanzen sowie aus kulturellen und religiösen Anlässen kamen Lokalgruppen zusammen. Kriegszüge wurden meistens von Lokalgruppen (seltener der ganzen Band) unternommen.

Meist bezeichneten die einzelnen Gruppen sich wie bereits erwähnt je nach Dialekt einfach als „Volk“ bzw. „die Menschen“; jedoch hatte jede Lokalgruppe (und Band) eine eigene Bezeichnung, um sich von benachbarten Gruppen abzugrenzen und ihrer Identität Ausdruck zu geben. Hierbei lassen sich wiederum große Unterschiede unter den „Paiute / Piute“ feststellen; während die Nördlichen Paiute (wie die Bannock und Shoshone) ihre Bands/Lokalgruppen nach den bevorzugten Nahrungsquellen benannten, bezeichneten die Südlichen Paiute und Mono ihre Bands/Lokalgruppen hingegen meist nach geographischen Besonderheiten, Jagdgebieten, Pflanzungen, Bergen oder Flüssen.

So wurden zwar anhand gemeinsamer Sprache, Kultur und Region die Bands bzw. Lokalgruppen allgemein entweder den Nördlichen Paiute, Südlichen Paiute oder Mono zugerechnet, diese entwickelten jedoch auf Grund der Umwelt und Kontakt mit benachbarten Völkern unterschiedliche Kulturen und bekämpften sich teilweise gegenseitig untereinander.

Heute leben noch etwa 5.000 „Paiute / Piute“ in verschiedenen Indianerreservaten.

Sprache, Identität und Bezeichnungen mini|Sarah Winnemucca, paiutische Autorin Sprache Alle heute allgemein als „Paiute / Piute“ bezeichneten drei Stammesgruppen (Nördliche Paiute, Mono und Südliche Paiute) sprachen (sprechen) zwar jeweils Varianten der Numic-Sprachen der Nördlichen uto-aztekischen Sprachen, die jedoch zwei unterschiedlichen Zweigen angehören – Westliches Numic (Nördliche Paiute, Bannock, Mono) und Südliches Numic (Südliche Paiute, Chemehuevi sowie Ute und Kawaiisu).

Obwohl die allgemein übliche Bezeichnung als Nördliche Paiute und Südliche Paiute eine besondere sprachliche und kulturelle Nähe der beiden Stammesgruppen untereinander vermuten lässt, gehören die Einzelsprachen bzw. Dialekte jeweils verschiedenen geographischen Dialektkontinua sowie unterschiedlichen Zweigen der Numic-Sprachen an. Durch große geographische Distanz und Übernahme von Lehnwörtern benachbarter nicht uto-aztekisch-sprachiger Völker (Yokuts, Klamath, Fluss-Yuma) seitens einzelner Gruppen der „Paiute / Piute“ waren auch die Sprachen/Dialekte nicht gegenseitig verständlich.

Das Nördliche Paiute ist ein Dialektkontinuum (mit zwei regionalen Dialekten und Subdialekten: Southern Northern Paiute bzw. Southern/Südlicher Nevada-Dialekt und Northern Northern Paiute – untergliedert in Northern/Nördlicher Nevada-Dialekt, Oregon-Dialekt und Bannock-Dialekt; gesprochen von Gruppen der Nördlichen Paiute und Bannock)Northern Paiute – Orientation – Linguistic Affiliation und das Mono (Nim) (ebenfalls mit zwei regionalen Dialekten sowie Subdialekten: Western/Westliches Mono bzw. Monachi/Monache und Eastern/Östliches Mono bzw. Owens Valley Paiute; gesprochen von Westlichen Mono (Mono/Monache) und Östlichen Mono (Owens Valley Paiute)) bilden zusammen die Westlichen Numic-Sprachen (Westlichen Zweig); das Südliche Paiute hingegen ist eine regionale Dialektvariante des Colorado River Numic (Ute–Southern Paiute), eines Dialektkontinuums (mit drei regionalen Dialekten: Southern/Südlicher Paiute-Dialekt, Chemehuevi-Dialekt und Ute-Dialekt; gesprochen von Gruppen der Südlichen Paiute, Chemehuevi und Ute), das zusammen mit dem Kawaiisu (Tehachapi) (gesprochen von Gruppen der Kawaiisu) die Südlichen Numic-Sprachen (Südlichen Zweig) bildet.innerhalb der verschiedenen geographischen Dialektkontinua des Nördlichen Paiute bzw. Colorado River Numic (Ute–Southern Paiute), deren Dialekte sich von einer Gegend (bzw. Gruppe/Band) zur benachbarten Gegend (bzw. Gruppe/Band) meist nur leicht unterschieden, ist daher immer eine Kommunikation mit den Sprechern in der unmittelbaren Umgebung problemlos möglich – je weiter die Entfernung desto größer wurden die Unterschiede und entsprechend schwieriger die Kommunikation untereinander bzw. miteinander

Identität Die Nördlichen Paiute standen sprachlich den Bannock (ursprünglich eine Gruppe der Nördlichen Paiute) und den Monoinsbesondere zu den Östlichen Mono (Owens Valley Paiute), die viele Lehnwörter des Nördlichen Paiute übernommen hatten - im Gegensatz zu den Westlichen Mono die Lehnwörter der nicht uto-aztekischen Foothills Yokuts übernommen hatten sowie kulturell den Shoshoni (Zentrales Numic)-sprachigen Nördlichen und Westlichen Shoshone (mit denen sie oftmals zweisprachige Nördliche Paiute-Bannock-Shoshone Bands bildeten) näher; die Südlichen Paiute sprachlich den Chemehuevi (ursprünglich eine Gruppe der Südlichen Paiute), Ute und Kawaiisu sowie kulturell den Ute (mit denen sie oftmals zweisprachige Südliche Paiute-Ute Bands bildeten) und den nicht uto-aztekisch-sprachigen Klamath (mit denen sie gemeinsame Fang- und Jagdgründe teilten).

Die Bannock (Banate) (Nimi Pan a'kwati, Bana'kwut bzw. Banake Numu oder Panaiti – Wasser-Volk) – ursprünglich eine Nördliche Paiute Band – zogen auf die Snake River Plain in Idaho, schlossen sich dort den Nördlichen Shoshone an und bildeten oftmals zweisprachige Bannock-Nördliche Shoshone Bands, durch die Übernahme der Pferdekultur der Plains und des gemeinsam genutzten Territoriums assimilierten sich beide Völker gegenseitig, so dass diese kulturell beinahe identisch waren und oft als „Sho-Bans“ bezeichnet werden.

Die Chemehuevi (Nüwüwü – Volk, die Menschen) – ursprünglich eine Südliche Paiute Band – zogen Anfang des 19. Jhd. südwärts zum Colorado River und übernahmen viele Kulturtechniken der dortigen Fluss-Yuma – insbesondere der militärisch mächtigen Mohave.

Daher werden heute die Bannock und Chemehuevi als eigenständige Ethnien betrachtet und nicht zu den „Paiute / Piute“ gezählt.

Es war auf Grund der oftmals getätigten Mischehen im Grenzgebiet der einzelnen Gruppen der Nördlichen Paiute, Mono, Südlichen Paiute mit Ute, Shoshone, Yokuts und Klamath und des Entstehens von zweisprachigen Bands oder Lokalgruppen sowie der gegenseitigen Übernahme von Kulturtechniken für die Europäer nur schwer, die einzelnen Gruppen voneinander zu unterscheiden sowie diese korrekt zu bestimmen; somit wurden oft Sammelbegriffe verwendet (die oftmals nicht korrekt waren und heute noch irreführend sind).

Die Moanunts und Pahvant der Westlichen Ute gingen mit benachbarten Südlichen Paiute Bands oftmals Mischehen ein und übernahmen viele Paiute-Kulturtechniken, so dass sie oft als Pah-Ute oder Paiute-Ute bezeichnet wurden und heute als Ute-Paiute Bands betrachtet werden und sich selbst als Koosharem Band of Paiutes bzw. Kanosh Band of Paiutes des Paiute Indian Tribe of Utah (PITU) bezeichnen und als Südliche Paiute identifizieren. Die Cumumba, San Pitch, Sheberetch, Timpanogos und Uinta-Ats der Nördlichen Ute werden auf Grund vieler Ehen mit Westlichen Shoshone entweder als Ute-Westliche Shoshone Bands oder als ursprünglich Westliche Shoshone Bands betrachtet, ihre Nachfahren identifizieren sich heute als Shoshone und sind größtenteils Teil der Northwestern Band of the Shoshone Nation und zudem des Ute Indian Tribe.

Bezeichnungen Auch auf Grund regionaler und teilweiser kultureller Ähnlichkeiten wurden (werden) gelegentlich die benachbarten Zentrales Numic-sprachigen Völker der Timbisha (Tümpisa Shoshoni) (Nümü Tümpisattsi – Death Valley Volk; wörtlich: Menschen vom Ort der roten Ockerfarbe; vormals Koso oder Panamint), Westlichen Shoshone (Newe – Volk, die Menschen), die Gosiute (Goshute) (Gutsipiuti, Kuttuhsippeh – Volk der trockenen Erde/Wüste, wörtlich: Staub, trockene Asche Volk; sprachlich eine Dialektgruppe der Westlichen Shoshone – jedoch als eigenständige Ethnie betrachtet) und die Nördlichen Shoshone (Neme / Nemme – Volk, die Menschen) sowie die Südliches Numic-sprachigen Völker der Kawaiisu (Nuwa – Volk, die Menschen; auch Tehachapi) und Westlichen Ute als „Paiute / Piute“ bezeichnet. Zudem wurden Nördliche Ute, östliche Gruppen der Nördlichen Paiute, Bannock, Comanche sowie die Timbisha (Tümpisa Shoshoni) (als: Northern Death Valley Shoshone) und Kawaiisu (als: Southern Death Valley Shoshone) oftmals als Shoshone bezeichnet.

Nördliche Paiute Lebensweise