Alfter ist eine Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis im Süden Nordrhein-Westfalens, am westlichen Stadtrand von Bonn. Es ist die einwohnerstärkste Gemeinde in Nordrhein-Westfalen ohne Stadtrecht.
Geographie Lage Die Gemeinde Alfter liegt unmittelbar westlich der Bundesstadt Bonn am südlichen Rand des Vorgebirges. Sie grenzt im Norden an die Stadt Bornheim, im Osten an die Stadt Bonn, im Süden an die Städte Meckenheim und Rheinbach und im Westen an die Gemeinde Swisttal.
Alfter umfasst eine Fläche von etwa 35 km², davon 18 km² landwirtschaftliche Nutzfläche und 8 km² Wald.
Die höchste Erhebung liegt nahe dem Dickbaumskreuz () in der Ortschaft Witterschlick mit , der niedrigste Punkt liegt in der Flur Am neuen Weiher () mit . Durch Alfter fließen der Alfterer Bornheimer Bach und der Hardtbach mit zahlreichen Zuflüssen.
Gemeindegliederung mini|Rathaus der Gemeinde Alfter mini|Blick auf Alfter (2016)
Die Gemeinde besteht aus folgenden fünf Ortschaften:
Flächein km²Einwohner 1939 1970 2014 2016 2019Alfter mit Birrekoven und Olsdorf11,94 3.437 5.302 8.411 8.934 8.663Gielsdorf4,10 629 974 1.868 1.966 1.903Oedekoven4,34 694 2.657 5.340 5.754 5.441Impekoven mit Nettekoven und Ramelshoven4,32 377 1.159 2.155 2.323 2.130Witterschlick mit Volmershoven und Heidgen10,06 2.133 4.419 5.729 6.129 5.946 Insgesamt 34,76 7.270 14.511 23.503 25.106 24.083
Alfter
Die Ortschaft Alfter wird erstmals 1067 urkundlich erwähnt. Bis 1969 war Alfter eine selbständige Gemeinde mit den Orten Birrekoven und Olsdorf. Zeitweise gehörte auch Roisdorf zur Herrlichkeit Alfter im kurkölnischen Amt Brühl. Seit 1969 ist Alfter nördlichste Ortschaft der Gemeinde Alfter. Mit 8663 Einwohnern ist sie die größte Ortschaft der Gemeinde.
mini|Schloss
Die Burg Alfter stammte (spätestens) aus dem 12. Jahrhundert (erstmals erwähnt 1117, Herren de Halechtre). Ab 1188 war mit dem Anwesen das kurkölnische Erbmarschallamt verbunden. Im 15. Jahrhundert kam sie in den Besitz der Familie Salm-Reifferscheidt-Dyck. Nachdem die Burg 1468 durch Brand zerstört worden war, erhielt das Schloss Alfter im 18. Jahrhundert seine heutige Gestalt. In nächster Nähe zum Schloss steht die katholische Kirche Sankt Matthäus sowie ein Gebäude, das nach der Grundschule seit 1992 die öffentliche Bücherei St. Matthäus beherbergt, und ein Fachwerkhaus, dessen Geschichte bis in das 17. Jahrhundert zurückgeht.
Inzwischen mit Alfter zusammengewachsen sind die kleineren Ortschaften Birrekoven und Olsdorf, die beide nie selbständig waren. Birrekoven liegt im Südwesten Alfters nahe Gielsdorf. Zu Olsdorf gehört der oberhalb auf der Olsdorfer Heide gelegene Johannishof. Dieser ist heute Sitz der Alanus-Hochschule.
Gielsdorf
Der am Vorgebirgshang gelegene Ort mit 1903 Einwohnern war ursprünglich von der Landwirtschaft geprägt, bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch vom Weinbau. In der Ebene an der Grenze zu Bonn findet man noch heute Gemüseanbaubetriebe. Der in der Vergangenheit für das Vorgebirge charakteristische Obstbau ist nahezu ganz untergegangen. Insbesondere die ehemaligen Weinberghanglagen Gielsdorfs wurden in großem Umfang bebaut.
Im Ortskern finden sich neben der katholischen Pfarrkirche St. Jakobus einige schöne Fachwerkhöfe. Hierzu zählt unter anderem der ehemalige Hof des Kurfürsten, auf dem dessen Statthalter lebte. An der Stelle des Statthalterhofes befand sich früher die Burg Gielsdorf, ein kölnisches Lehen der Grafen von Sayn. Unterhalb der Kirche liegt der Zehnthof als ursprüngliche Besitzung des Bonner Stiftes St. Cassius. Dieser ist seit Jahrhunderten im Adelsbesitz unter anderem der Familien von Groote, von Siersdorf und von Geyr.
Oedekoven mini|Oedekoven, Fachwerkhaus in der Staffelsgasse
Die bis 1969 selbständige Gemeinde Oedekoven ist mit 5441 Einwohnern die drittgrößte Ortschaft der Gemeinde Alfter. Der ursprünglich landwirtschaftlich geprägte Ort ist in erster Linie Wohnort in unmittelbarer Nähe zur Stadt Bonn.
Impekoven
Impekoven ist eine Ortschaft der Gemeinde Alfter mit 2130 Einwohnern. Bis zur kommunalen Neugliederung im Jahre 1969 war Impekoven eine eigenständige Gemeinde. Letzter Bürgermeister war Karl Schumann. Impekoven ist Standort der katholischen Kirche St. Mariä Heimsuchung, erbaut von dem bekannten Architekten Gottfried Böhm. Seit 2000 ist Impekoven durch zahlreiche Neubaugebiete gewachsen.
Zu Impekoven gehören die Orte Ramelshoven und Nettekoven. Ramelshoven entstand aus dem Weiler der Burg Ramelshoven; im unteren Teil von Impekoven ist ein Gewerbegebiet beheimatet.
Witterschlick
Die Ortschaft Witterschlick liegt im südlichen Teil der Gemeinde und ist mit 5946 Einwohnern die zweitgrößte Ortschaft. Witterschlick wurde bereits in der Vergangenheit nach der Entdeckung von Tonvorkommen in der Umgebung industrialisiert.
Volmershoven-Heidgen
Volmershoven-Heidgen ist der südlichste Ort der Gemeinde Alfter. Dieser Ort wird verwaltungstechnisch zur Ortschaft Witterschlick gezählt. Volmershoven-Heidgen hat aber immer sein eigenes Vereins- und Kulturleben behalten.
Geschichte mini|FO. Alfter, Elbgermanisches Gefäß (r. o.) aus der Zeit um 10 n. Chr.
Funde belegen, dass die Gegend um Alfter seit der Jungsteinzeit besiedelt ist. Ebenso war das Gebiet in fränkischer und römischer Zeit besiedelt. Seit der Römerzeit waren die Orte des Vorgebirgshanges ein wichtiges Weinanbaugebiet. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde vornehmlich Spätburgunder angebaut. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Alfter stammt aus dem Jahr 1067, die von Impekoven aus 1171 und die von Gielsdorf aus den Jahren 801 bis 814.
Landesherrlich war das heutige Gebiet der Gemeinde Alfter Teil des Kurfürstentums Köln. Der Ort Alfter gehörte zur Herrlichkeit Alfter (mit Birrekoven, Olsdorf und Roisdorf), die im Besitz der Grafen von Salm-Reifferscheid war,Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 58 ff. Gielsdorf gehörte zum Dingstuhl Gielsdorf, Oedekoven zum Dingstuhl Duisdorf, Witterschlick zum Dingstuhl Godesberg. Nach der Inbesitznahme des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen (1794) und der Einführung neuer Verwaltungsstrukturen (1798) wurden die Ortschaften der „Mairie Oedekoven“ zugeordnet, die zum Kanton „Bonn externe“ im Rhein-Mosel-Département gehörte. Roisdorf kam zur „Mairie Waldorf“. Unmittelbar an der nördlichen Grenze von Alfter verlief damals die Grenze zum Rur-Département. Nach den auf dem Wiener Kongress (1815) getroffenen Vereinbarungen kam die Region zum Königreich Preußen, die Mairie wurde in die Bürgermeisterei Oedekoven im Landkreis Bonn überführt, zu der auch die Bonner Stadtteile Buschdorf und Lessenich/Meßdorf gehörten.
Die Bürgermeisterei Oedekoven (ab 1927 „Amt Oedekoven“) ging 1937 im Amt Duisdorf auf. Die Gemeinde Alfter entstand am 1. August 1969 im Zuge der kommunalen Gebietsreform aus den ehemals selbständigen Gemeinden Alfter, Gielsdorf, Impekoven, Oedekoven und Witterschlick. 1973/74 erhielt die neugebildete Gemeinde Alfter ein neues Rathaus, das nach Entwürfen der Planungsgruppe Stieldorf an einem leichten Osthang als dreiflügelige, verglaste Bauanlage in Stahlbetonskelettbauweise entstand. Zum Zeitpunkt der Errichtung befand es sich auf unbebautem Gelände östlich von Oedekoven.Ingeborg Flagge: Architektur in Bonn nach 1945: Bauten in der Bundeshauptstadt und ihrer Umgebung. Verlag Ludwig Röhrscheid, Bonn 1984, ISBN 3-7928-0479-4, S. 63.Wilfried Täubner: Planungsgruppe Stieldorf. Bauten und Projekte. Köln 1974.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1998 20.326 1999 20.623 2000 20.907 2001 21.350 2002 21.567 2003 21.684 Jahr Einwohner 2004 22.125 2005 22.569 2007 22.868 2008 22.807 2009 22.895 2010 22.820 Jahr Einwohner 2011 22.988 2015 23.435 2016 23.531 2017 23.527 2018 23.622 mini|400px|Einwohnerentwicklung von Alfter von 1998 bis 2017
Religion Bis in das 19. Jahrhundert hinein gehörte die Bevölkerung fast ausschließlich zur römisch-katholischen Kirche. Lediglich im Ort Alfter gab es eine kleine jüdische Gemeinde.
Ursprünglich gab es nur die katholischen Pfarreien Alfter und Witterschlick. Im 20. Jahrhundert wurden auch Gielsdorf (1920) und Oedekoven selbständige Pfarreien. Gielsdorf und Oedekoven hatten zuvor der Pfarrei Lessenich angehört. Inzwischen bilden die Pfarreien St. Matthäus (Alfter), St. Lambertus (Witterschlick), St. Jakobus (Gielsdorf), St. Mariä Himmelfahrt (Oedekoven) mit St. Mariä Heimsuchung (Impekoven) und St. Mariä Hilf (Volmershoven-Heidgen) die Pfarreiengemeinschaft Alfter.
Seit 2007 besteht die Evangelische Kirchengemeinde am Kottenforst mit der Jesus-Christus-Kirche in Witterschlick, die bereits 1962 erbaut wurde. Alfter ist der 3. Pfarrbezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Vorgebirge im Kirchenkreis Bonn der Evangelischen Kirche im Rheinland, zu der auch Bornheim und Hemmerich gehören. Die Ortschaft Alfter verfügt seit 1996 über die Evangelische Kirche am Herrenwingert.
In Witterschlick besteht eine muslimische Gemeinde, der DITIB Türkisch Islamische Kultur Verein e. V.ditib.de: Unsere Gemeinden, abgerufen am 23. Dezember 2021.
+ Religionszugehörigkeit (Stand: 2022) Kirche Anzahl % Römisch-katholische Kirche 10.056 42,4 Evangelische Kirche 4.189 17,7 Sonstige, keine, ohne Angabe 9.449 39,9
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat ist die kommunale Volksvertretung der Gemeinde Alfter. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre. Die letzte Wahl fand am 14. September 2025 statt.
Bürgermeister und Ortsvorsteher In der Stichwahl vom 28. September 2025 um das Amt des Bürgermeisters hat Christian Lanzrath (SPD) mit 55,82 % gegen Peter Frizen (CDU) gewonnen. Er hat die Amtsgeschäfte zum 1. November 2025 übernommen.
2009 wurde Rolf Schumacher als hauptamtlicher Bürgermeister gewählt und 2014 sowie 2020 im Amt bestätigt. Erste stellvertretende Bürgermeisterin ist Joslyn Reingen (CDU), zweite stellvertretende Bürgermeisterin ist Jeanette Schroerlücke (Grüne).
Folgende Ortsvorsteher wurden am 5. November 2025 vom Gemeinderat gewählt: Ortschaft Ortsvorsteher Alfter Norbert Lehna (CDU) Gielsdorf Elke Thomer (CDU) Impekoven Ilse Niemeyer (CDU) Oedekoven Daniel Faßbender (CDU) Witterschlick Anja Frenkel (CDU)
Liste der Bürgermeister und Gemeindedirektoren Bürgermeister: Heinrich Arenz (CDU), 1969–1989 Bärbel Steinkemper (CDU), 1989–1997 ehrenamtlich, 1997–2009 hauptamtlich Rolf Schumacher (CDU), vom 21. Oktober 2009 bis 31. Oktober 2025 Christian Lanzrath (SPD), seit 1. November 2025
Gemeindedirektoren: Johannes Janssen (CDU), 1969–1970 Beauftragter für die Aufgaben des Gemeindedirektors, 1970–1976 Gemeindedirektor Norbert Linnenborn (CDU), 1976–1989 Bodo Kerstin (FDP), 1989–1997 Nach dem Ausscheiden Kerstins aus dem Amt wurde das Amt des Gemeindedirektors in Alfter abgeschafft. An die Stelle trat die hauptamtliche Bürgermeisterin.
mini|hochkant|Wappen der Herren von Alfter bei Anton Fahne Wappen
Gemeindepartnerschaften Alfter unterhält eine Partnerschaft mit dem französischen Châteauneuf-sur-Charente im Département Charente.
Die Partnerschaft zwischen Alfter und dem brandenburgischen Beelitz, die am 3. Oktober 1990 besiegelt worden war, wird aktuell nicht gelebt.
Zwischen der ukrainischen Stadt Sokal und Alfter besteht seit 2024 eine Solidaritätspartnerschaft.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Denkmal mini|hochkant|Gedenkstele am Rathaus Neben dem Alfterer Rathaus in Oedekoven erinnert ein Gedenkstein an 19 Babys und Kleinkinder von Zwangsarbeiterinnen, die in der Ausländerkinder-Pflegestätte der Nationalsozialisten in Alfter ab Mai 1944 durch Vernachlässigung starben.
Kunst
Die Kunst in Alfter ist durch die Alanus Hochschule geprägt. Überall im Ort finden sich Exponate, insbesondere im Ortszentrum Schloss/Hertersplatz/Herrenwingert, im Broich-Park und vor allem am Johannishof (Campus I).
Erlebniswege Kunst- und Kulturlandschaftspfad Streuobst Kulturerlebnisweg Alfter Kulturerlebnisweg Witterschlick