mini|hochkant|Walter Gropius, Foto von Louis Held, um 1919 rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.8|Unterschrift Walter Gropius mini|hochkant|Walter Gropius auf Besuch in Deutschland anlässlich der Einweihung der Hochschule für Gestaltung Ulm, 1. Oktober 1955 Walter Adolf Georg Gropius (* 18. Mai 1883 in Berlin; † 5. Juli 1969 in Boston, Massachusetts) war ein deutscher (seit 1944 US-amerikanischer) Architekt und Gründer des Bauhauses. Neben Ludwig Mies van der Rohe, Frank Lloyd Wright und Le Corbusier gilt er als ein Pionier der internationalen modernistischen Architektur.

Familie Walter Gropius gehörte zur Familie Gropius. Er war ein Großneffe des Architekten Martin Gropius, eines Schülers Karl Friedrich Schinkels, mit dem Walter Gropius’ Großvater, Carl Gropius, als Junggeselle in Berlin eine Wohnung teilte. Walters Eltern waren der Geheime Baurat Walter Gropius und Manon Scharnweber, die Tochter des preußischen Politikers Georg Scharnweber.

1910 lernte er Alma Mahler, die Frau des Komponisten Gustav Mahler, kennen und begann eine außereheliche Beziehung mit ihr. 1915 – vier Jahre nach Gustav Mahlers Tod – heirateten sie. Ihrer gemeinsamen Tochter Manon (1916–1935) wurde nach ihrem frühen Tod durch Alban Bergs Violinkonzert Dem Andenken eines Engels ein musikalisches, durch Franz Werfel ein literarisches Denkmal gesetzt. Die Ehe wurde 1920 geschieden.

1918/1919 lernte Gropius Lily Hildebrandt kennen, mit der er eine Affäre begann. Aus der Liebesbeziehung wurde eine Freundschaft, als er 1922 der Journalistin Ise Frank begegnete, die er 1923 heiratete. Die Freundschaft zu Lily Hildebrandt hielt bis zu seinem Tod. Ise Gropius (1897–1983) verfasste wohl einen Großteil von Gropius’ TextenUlrike Müller: Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design. München: Sandmann 2009, ISBN 978-3-938045-36-7.. Mit ihr adoptierte er Beate Forberg, genannt Ati, die Tochter der verstorbenen Schwester von Ise. Walters Schwester Manon Burchard, geborene Gropius, ist die Urgroßmutter der deutschen Schauspielerinnen Marie Burchard und Bettina Burchard und des Kunsthistorikers Wolf Burchard.

Zwischen 1919 und 1932 hielt sich die Familie oft in ihrer Villa in der Strandallee in Timmendorfer Strand auf.

Walter Gropius starb im Alter von 86 Jahren am 5. Juli 1969 in Boston, Massachusetts. Wegen einer Drüsenerkrankung war er im Monat zuvor ins Krankenhaus eingeliefert und operiert worden. Nach kurzzeitiger Besserung verlor er das Bewusstsein und starb im Schlaf.Seite 311 in: Isaacs, Reginald (1991). Walter Gropius: An illustrated Biography of the Creator of the Bauhaus (First English-language ed.). Berlin: Bulfinch Press. ISBN 978-0-8212-1753-5. Er fand seine letzte Ruhe nicht auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Potsdam, wohin sein 1911 verstorbener Vater Walter Gropius senior 1938/1939 umgebettet worden war, sondern er wurde in Boston eingeäschert und seine Asche wurde verstreut. „scattered“ - siehe https://de.findagrave.com/memorial/424/walter-gropius

Berufliche Laufbahn mini|hochkant=0.8|Sechs Assistenten von Behrens am Arbeitsplatz: (von li.) Mies van der Rohe, Meyer, Hertwig, Weyrather (dahinter), Krämer, Gropius (mit Plan) (1908)C. Arthur Croyle: (PDF; 9,3 MB) Culicidae Press, 2011, ISBN 978-0-557-72969-2, S. 102. mini|Das neu erbaute Fagus-Werk in Alfeld von Walter Gropius und Adolf Meyer in einer Aufnahme von Edmund Lill (1911–1912) mini|„Denkmal der Märzgefallenen“ in Weimar (1922) mini|Meisterhäuser in Dessau (1925–1926) mini|Das Bauhaus-Gebäude in Dessau (1925–1926) mini|Modell des Arbeitszimmers von Walter Gropius im Bauhaus Dessau alt=|mini|Walter Gropius, Städtisches Arbeitsamt Dessau (1928–1929) mini|alt=|Maxwell Fry & Walter Gropius, Impington Village College. Impington, Cambridgeshire (1937) mini|Das Wohnhaus der Familie in Lincoln, Massachusetts (1938) mini|hochkant|PanAm-Gebäude (heute: MetLife) in New York (1960–1963)

Im Jahr 1903 begann Gropius ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule München, das er ab 1906 an der Technischen Hochschule Berlin fortsetzte, 1908 aber ohne Diplom abbrach.Welf Grombacher: Vater des modernen Bauens. Artikel in der Märkischen Oderzeitung, Frankfurter Stadtbote, 17./18. Mai 2008, S. 8. 1907. Nach eigenem Bekunden war er insbesondere mit den zeichnerischen Anforderungen überfordert und war schon früh auf die Unterstützung durch Helfer angewiesen.Nerdinger, Winfried: Der Architekt Walter Gropius : Zeichnungen, Pläne, Fotos, Werkverzeichnis. Berlin 1985, S. 29 Im selben Jahr trat er durch Vermittlung von Karl Ernst Osthaus in das Büro von Peter Behrens ein, in dem neben ihm auch andere später berühmt gewordene Architekten gearbeitet hatten, unter anderem Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier. Bei Behrens wurde er zunächst mit der Bauleitung in den Projekten Haus Cuno und Haus Schröder in Hagen betraut, deren Aufträge Osthaus in das Büro gebracht hatte. Seine weitere Rolle im Büro Behrens bezeichnete Gropius rückblickend in einem Brief an Herta Hesse vom 8. Mai 1969 als „Faktotum“,Herta Hesse-Frielinghaus (Hrsg.): K.E. Osthaus, Leben und Werk. Recklinghausen 1971, S. 459. was laut Nerdinger wiederum bestätige, dass er aufgrund seiner „Unfähigkeit, auch nur das Einfachste auf Papier zu bringen“ mit anderen Aufgaben betraut war als mit Zeichnen. Nach zweijähriger Mitarbeit bei Behrens machte sich Gropius 1910 als Industriedesigner und Architekt selbständig, blieb aber zeitlebens auf die Unterstützung zeichnerisch begabter Mitarbeiter angewiesen.Nerdinger, Winfried: Der Architekt Walter Gropius : Zeichnungen, Pläne, Fotos, Werkverzeichnis. Berlin 1985, S. 29–32 Im selben Jahr kam er durch Karl Ernst Osthaus zum Deutschen Werkbund.

Für das von Osthaus mit der Unterstützung des Werkbunds gegründete Deutsche Museum für Kunst in Handel und Gewerbe organisierte er 1912 eine Sammlung vorbildlicher Entwürfe für Fabrikwaren.vgl. Joan Campbell: Der Deutsche Werkbund, 1907–1934. München 1989, S. 50. Als Formgestalter entwarf er Inneneinrichtungen, Tapeten, Serienmöbel, Autokarossen und eine Diesellokomotive.

Seine erste bedeutende architektonische Arbeit war die „künstlerische Baugestaltung der Schuhleistenfabrik Fagus-Werk in Alfeld an der Leine auf der Grundlage der fertigen (und teilweise bereits realisierten) Pläne von Eduard Werner“ (Vertrag vom 13. Mai 1911)Bernd Polster: Walter Gropius. Der Architekt seines Ruhms, S. 160 ff.. Dies geschah in der bewährten Zusammenarbeit mit Adolf Meyer. Dieser Fabrikbau gilt mit seiner Stahl- und Glasarchitektur als richtungsweisendes Werk der später sogenannten „Modernen Architektur“, die in den 1920er Jahren unter der Bezeichnung „Neues Bauen“ oder „Neue Sachlichkeit“ zum allgemeinen Begriff wurde. Das Fagus-Werk wurde im Juni 2011 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Für die Ausstellung des Deutschen Werkbundes 1914 in Köln baute Gropius mit Meyer zusammen eine Musterfabrik, die sich später ebenfalls als bedeutender Beitrag zur modernen Architektur erweisen sollte. Die Besonderheit dieses Baus waren rund verglaste Treppentürme, die als neues gestalterisches Motiv später, in den 1920er-Jahren, bei Erich Mendelsohn in seinen Warenhäusern häufige Verwendung fanden.

Während des Ersten Weltkrieges diente Gropius als Unteroffizier der Reserve. Er wurde während seines vierjährigen Einsatzes an der Westfront schwer verwundet und bekam das Eiserne Kreuz verliehen.

Während der Novemberrevolution 1918 engagierte sich Gropius im Arbeitsrat für Kunst, einer an die Rätedemokratie angelehnten Vereinigung revolutionärer Künstler. Die Gruppe ging vom „Primat der Architektur“ aus, forderte die Niederreißung aller Kriegerdenkmäler und sah Kunst als Mittel zur Revolutionierung der Gesellschaft. Gropius gehörte seit März 1919 mit Adolf Behne und César Klein zu ihrer dreiköpfigen Leitungsschicht. Die Gruppe löste sich 1921 auf.Marcel Bois: Kunst und Architektur für eine neue Gesellschaft. Russische Avantgarde, Arbeitsrat für Kunst und Wiener Siedlerbewegung in der Zwischenkriegszeit. In: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Heft III/2017, S. 12–34, insbes. S. 23.

Bekannter wurde Gropius’ Engagement in einer anderen künstlerischen Bewegung – er wurde zum Begründer des Bauhauses. Gropius wurde 1919 auf Vorschlag Henry van de Veldes als dessen Nachfolger zum Direktor der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar (Thüringen) ernannt und gab der neuen Schule den Namen „Staatliches Bauhaus in Weimar“. Er hatte das Amt des Direktors inne – zunächst bis zur Auflösung der Schule am 26. Dezember 1924 in Weimar, und nach der Verlegung des Bauhauses in Dessau (heute Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt). Sein Nachfolger wurde 1928 der Schweizer Architekt Hannes Meyer, der 1930 wieder ausschied und sein Betätigungsfeld für die nächsten sechs Jahre in die Sowjetunion verlegte. Ludwig Mies van der Rohe führte das Bauhaus bis zur Schließung nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933.

Ab 1926 beschäftigte Gropius sich intensiv mit dem Massenwohnbau als Lösung der städtebaulichen und sozialen Probleme und trat für die Rationalisierung des Baugewerbes ein. Dabei konnte er unter anderem auf Vorarbeiten von Martin Wagner zurückgreifen, der schon 1918 erste Anregungen zur „Übernahme der amerikanischen Rationalisierungsmethoden auf das deutsche Bauwesen“Nerdinger, Winfried: Der Architekt Walter Gropius : Zeichnungen, Pläne, Fotos, Werkverzeichnis. Berlin 1985, S. 12. veröffentlicht hatte. Mit der Siedlung „Am Lindenbaum“ (1929/1930) war Gropius auch einer der Architekten am Projekt Neues Frankfurt. Er entwarf zahlreiche Wohnbauprojekte wie die Siedlung Dessau-Törten (1926–1931) mit Leopold Fischer, Dammerstock (1928/1929), Wohnblocks in der Siemensstadt in Berlin (1929/1930) und das Projekt Wannsee-Uferbebauung, ebenfalls in Berlin (1930/1931).

Walter Gropius war im Jahr 1927 zusammen mit Erwin Piscator Mitbegründer des Projektes eines Totaltheaters, das die Aufhebung der räumlichen Trennung zwischen Schauspielern und Zuschauern zum Ziel hatte. Ab 1928 war er als selbständiger Architekt in Berlin tätig. Kurzzeitig arbeitete Marianne Brandt 1929 als Innenarchitektin in seinem Büro. 1930 organisierte er mit anderen „Bauhäuslern“ die staatlich geförderte Werkbundausstellung zum Thema „Die Wohnung“ in Paris.Deutscher Werkbund NW: . Von 1929 bis 1933 arbeitete Walter Gropius mit Hanns Dustmann zusammen.

Nachdem die Nationalsozialisten das Bauhaus 1934 als „Kirche des Marxismus“ angegriffen hatten, emigrierte Gropius nach London. Dort arbeitete er in Partnerschaft mit Maxwell Fry und wohnte wie Marcel Breuer, László Moholy-Nagy, Arthur Korn und Agatha Christie in den Isokon Flats von Wells Coates. 1937 ging er in die USA nach Cambridge, wo er als Professor für Architektur an der „Graduate School of Design“ der Harvard University tätig war. 1938 zog er in sein neu errichtetes Wohnhaus in Lincoln, Massachusetts, das heute unter der Bezeichnung Gropius House als National Historic Landmark im National Register of Historic Places eingetragen und der Öffentlichkeit als Museum zugänglich ist.

Von 1941 bis 1948 arbeitete Gropius eng mit Konrad Wachsmann zusammen, der durch das Haus Dr. Estrich und das Einsteinhaus Caputh seine Karriere als freier Architekt begonnen hatte. Sie entwickelten und produzierten unter anderem das bekannte General-Panel-System.

1946 gründete Gropius die Gruppe The Architects Collaborative, Inc. (TAC) als Vereinigung junger Architekten, die für ihn zugleich ein Manifest seines Glaubens an die Bedeutung der Teamarbeit werden sollte. Ein Werk dieses Teams ist das Graduate Center der Harvard University in Cambridge (1949/1950). Sein Buch Architektur – Wege zu einer optischen Kultur ist ein Plädoyer für Kreativität und Teamarbeit im Dienste der Gesellschaft.