mini|290px|Luftbild der Universität Klagenfurt und des Lakeside Science & Technology Parks, 2019 Die Universität Klagenfurt (auch Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, AAU) ist eine staatliche Universität in Klagenfurt am Wörthersee im österreichischen Bundesland Kärnten. Gegründet 1970 als Hochschule für Bildungswissenschaften, wurde sie 1975 und 1993 zur Universität Klagenfurt umgegründet. In den THE World University Rankings 2026 zählt sie zu den besten 800 Universitäten weltweit (ex aequo mit der TU Graz). In den THE Young University Rankings 2021 lag sie, als bislang beste globale Platzierung, auf Rang 48 der jungen Universitäten der Welt. Neben der Freien Universität Bozen-Bolzano (Italien) und der Universität Fribourg (Schweiz) gehört sie zu den drei südlichsten Universitäten im deutschsprachigen Raum. Im Jahr 2023 stand sie auf der Liste der „World’s Most Beautiful Campuses“.
Die Universität ist seit 2023 gegliedert in die Fakultäten für Kultur- und Bildungswissenschaften, Sozialwissenschaften, Technische Wissenschaften und Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Seit 1. Dezember 2024 amtiert Ada Pellert als Rektorin. Dem Senat sitzt Ulrike Krieg-Holz, dem Universitätsrat Werner Wutscher vor. Von den 13.323 Studierenden sind 2.915 International Studierende, die aus insgesamt 100 Ländern kommen. Die Universität bietet 23 Bachelorstudien, 31 Masterstudien, 14 Lehramts-Unterrichtsfächer sowie 5 Doktoratsstudien an.
Zur Universität gehören die Ingeborg-Bachmann-Bibliothek, das Karl-Popper-Archiv und das Robert-Musil-Institut für Literaturforschung.
Geschichte mini|Haupteingang der Universität Klagenfurt, 2019 mini|Foyer der Universität Klagenfurt, 2018
Früher Vorläufer Bereits im Jahr 1552 wurde in Klagenfurt ein Collegium sapientiae et pietatis als protestantische Gelehrtenschule gegründet. Es war damit eines der ältesten Gymnasien Österreichs; das heutige Europagymnasium betrachtet sich als dessen Nachfolger. Für das Collegium wurde 1586 die sogenannte Burg erbaut; Rektor war von 1593 bis 1601 der Polyhistor Hieronymus Megiser. Damit verfügt Klagenfurt über frühe hochschulische Geschichte, der die Gegenreformation anno 1604 ein jähes Ende setzte. Traditionsbewusst wird die Gelehrtenschule als frühneuzeitlicher Vorläufer der Universität gesehen. Im Jahr 1604 wurde das Collegium dem Jesuitenorden übergeben, der es in ein hochschulisches Jesuitenkolleg umwandelte, das bis 1773 bestand.Paul Kheppiz: Clagenfurterische Chronik, ediert von Dieter Jandl. Klagenfurt 2008. , S. 41–42.
1960er- und 1970er-Jahre: Gründung und Entwicklung zur Hochschule In den 1960er-Jahren nahm die Idee einer Universität in Kärnten konkrete Gestalt an. 1964 wurde der bis heute als Förderverein bestehende Kärntner Universitätsbund konstituiert, initiiert von Persönlichkeiten wie dem Klagenfurter Vizebürgermeister Hans Romauch.Anmerkung: Romauch gilt als wesentlicher Protagonist der Universitätsgründung, nach ihm ist der Hörsaal A (Auditorium maximum) benannt; siehe die Testimonials zum Kärntner Universitätsbund. Anstelle des ursprünglichen Vorhabens einer Wirtschaftshochschule in Klagenfurt wurde 1968 die „Hochschule für Bildungswissenschaften in Klagenfurt“ projektiert. Am 21. Jänner 1970 erließ der österreichische Nationalrat das Bundesgesetz über deren Gründung.Gründungsgesetz (siehe S. 655ff. des Bundesgesetzblatts) Bereits im Jahr darauf wurde das erste Universitätsgebäude, das sogenannte Vorstufengebäude nach Plänen von Roland Rainer (1910–2004), veröffentlicht; es steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Die neu gegründete Hochschule wurde einer Universität gleichgestellt und verfügte daher bereits damals über ein Promotionsrecht. 1972 fand die erste Promotion statt.
Zwischen 1973 und 1978 wurden zahlreiche Diplom-, Lehramts- und Doktoratsstudien eingerichtet; darunter die Fächer Philosophie, Pädagogik, Geschichte, Germanistik, Anglistik und Amerikanistik, Romanistik, Slawistik, Mathematik, Geographie und Sprachwissenschaften. Der reguläre Studienbetrieb wurde 1973 aufgenommen, das heutige Hauptgebäude der Universität zwischen 1974 und 1977 errichtet. Das Universitätsorganisationsgesetz 1975 brachte die Beförderung von der Hochschule zur Universität für Bildungswissenschaften. 1977 wurde die erste Sponsion durchgeführt.
1980er- bis 2000er-Jahre: Ausbau und Umbenennungen In den folgenden Jahrzehnten erweiterte sich die Universität um Studienrichtungen. Ab 1983 wurden Studienrichtungen wie Angewandte Betriebswirtschaft und Angewandte Informatik eingerichtet. 1993 folgte die Umbenennung in Universität Klagenfurt, verbunden mit der Etablierung der Fakultät für Kulturwissenschaften sowie der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Informatik.
Mit der Jahrtausendwende wurden auch neue bauliche Erweiterungen geschaffen, darunter der Südtrakt im Jahr 2000. Durch die Implementierung des Universitätsgesetzes 2002 wurde das 1978/79 begründete interuniversitäre IFF-Institut per 1. Jänner 2004 zur dritten Fakultät der Universität Klagenfurt, und zwar zur Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (Klagenfurt, Wien, Graz). Mit 1. Oktober 2004 wurde der Name der Universität Klagenfurt, unter dem Rektorat von Günther Hödl, zur Alpen-Adria-Universität Klagenfurt erweitert, wobei der Beiname „Alpen-Adria-“ einen optionalen Zusatz (Cognomen) und keine formale Umbenennung darstellt.
2007 teilte sich die seit 1994 bestehende Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Informatik in die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und in die Fakultät für Technische Wissenschaften. Im Jahr 2008 wurde die Alpen-Adria-School of Management, Organizational Development and Technology (M/O/T) gegründet. 2009 wurde das neue Servicegebäude (heute Osttrakt), finanziert von der Kärntner Sparkasse und der Wiener Städtischen Versicherung, eröffnet.
Jüngere Geschichte seit 2010 mini|hochkant|Helikopterdrohne Ingenuity auf dem Mars Als Wissenschafts- und Doktoratskolleg für Nachwuchswissenschaftler und internationale Fellows wurde 2015 das Karl Popper Kolleg eingerichtet. Im selben Jahr führte die Universität bei ihren akademischen Feiern sogenannte Commencement Speeches nach angelsächsischem Vorbild ein. Zu den bisherigen Rednern zählten Sabine Herlitschka, Josef Winkler, August-Wilhelm Scheer, Johanna Rachinger, Josef Aschbacher, Judith Kohlenberger, Christoph Grabenwarter und Aron Stiehl.
Zwischen 2016 und 2018 wurden der Zentral- und der Nordtrakt der Universität um 26 Mio. Euro umfassend saniert. Im Jahr 2016 wurde die Universität gemeinsam mit dem Unternehmen Bitmovin in der Kategorie „Spin-off Universität“ mit dem Österreichischen Gründerpreis Phönix ausgezeichnet. Nach umfassenden Vorarbeiten wurde an der Universität Klagenfurt Anfang 2019 das neue „Digital Age Research Center (D!ARC)“ mit dem interdisziplinären Schwerpunkt „Humans in the Digital Age“ (HDA) eingerichtet, einschließlich eines ERC Grants im Bereich Cybersecurity.
Die Universität Klagenfurt kam damit im Jahr 2019 auf die Shortlist des unter Schirmherrschaft der UNESCO vergebenen Prix Versailles – Campuses, gemeinsam mit Gebäuden der University of Chicago in Hongkong, des Barnard College in New York City, der Stanford University, der School of Planning and Architecture in Vijayawada und des Skolkovo Institute of Science and Technology in Moskau, das als Gewinner hervorging. Im Jahr 2023 wurde sie daraufhin in die Liste der „World’s Most Beautiful Campuses“ aufgenommen.
Das institutionelle 50-Jahr-Jubiläum der Universität wurde am 21. Jänner 2020, dem Gründungstag, unter dem Rektorat von Oliver Vitouch begangen. Im Rahmen des Festakts erfolgte die Eröffnung der gemeinsam mit der ÖAW veranstalteten Vortragsreihe Utopia! – Ist die Welt aus den Fugen? Beiträge zur Kunst der Aufklärung durch einen Festvortrag von Barbara Stollberg-Rilinger, die Eröffnung des Christian Doppler Labors ATHENA und die Verleihung eines Ehrendoktorats an Rae Langton. Andere zum Jubiläum der Universität geplante Veranstaltungen wurden aufgrund der COVID-19-Pandemie virtualisiert oder verschoben, wobei das Historikersymposion Selbstbestimmung als Utopie? Volksabstimmungen 1920 im europäischen Vergleich zum 100-Jahr-Jubiläum der Kärntner Volksabstimmung mit Jörn Leonhard, Oliver Jens Schmitt et al. in Präsenz stattfand.Symposium Selbstbestimmung als Utopie? am 7. Oktober 2020, abgerufen am 29. Dezember 2020. Der ORF sendete am 22. November 2020 die TV-Dokumentation Der Mensch im digitalen Zeitalter – 50 Jahre Universität Klagenfurt.
Im Herbst 2021 nachgeholt wurde die Ausstellung ARTEFICIA: Die Kunst der Ehrendoctores, die (teils einmalige) Exponate der künstlerischen Ehrendoktoren Manfred Bockelmann, Michael Guttenbrunner, Maja Haderlap, Peter Handke, Maria Lassnig, Valentin Oman, Wolfgang Puschnig, Peter Turrini und Josef Winkler zeigt.
Forscher der Universität Klagenfurt lieferten führende Beiträge zum Navigationssystem der Helikopterdrohne Ingenuity, die Teil der NASA-Mission Mars 2020 war. Nach Ankunft auf dem Mars am 18. Februar 2021 absolvierte Ingenuity am 19. April 2021 ihren dortigen Jungfernflug. Mit ihrem letzten Einsatz am 19. Januar 2024 kam sie auf insgesamt 72 Flüge und übertraf damit die Erwartungen.
Seit Mai 2024 gehört die Universität Klagenfurt dem Exzellenzcluster „Bilateral AI“ des FWF an, gemeinsam mit JKU Linz (Lead), ISTA, TU Graz, TU Wien und WU Wien.
Am 16. Dezember 2025 wurde bekannt, dass 91 Millionen Euro in den Ausbau der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt investiert werden, davon sind 78 Millionen Bundesmittel. Das zukunftsweisende Neubauprojekt 22nd Century Center (22CC) wurde vom norwegisch/US-amerikanischen Architekturbüro Snøhetta geplant. Die Arbeiten an den 7.480 Quadratmetern (Seminar- und Büroräume, Student Learning Center, Betriebskindergarten) sollen im Jahr 2027 beginnen und bis zum Studienjahr 2029/2030 abgeschlossen werden.
Organisation mini|Universität Klagenfurt: Innenhof zwischen Haupt- und Institutsgebäude, 2018 Fakultäten, Fakultätszentren und Institute Die Universität gliedert sich derzeit in die folgenden vier Fakultäten: Fakultät (Stand: Wintersemester 25/26) Gründungsjahr Institute Fakultät für Kultur- und Bildungswissenschaften (KuBi) 1993 11 Fakultät für Sozialwissenschaften (SoWi) 2023 4 Fakultät für Technische Wissenschaften (TeWi) 2007 9 Fakultät für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (W&R) 1984 8 Die Fakultät für Kultur- und Bildungswissenschaften (KuBi) umfasst elf Institute aus dem Bereich der Geistes-, Kultur- und Bildungswissenschaften sowie ein Fakultätszentrum. Ihr gemeinsames Bestreben gilt der interdisziplinären Zusammenarbeit, der Förderung der Mehrsprachigkeit und der interkulturellen Bildung. Besondere Bedeutung kommt den Studienangeboten im Bereich der Lehrerbildung zu. Im Jahr 2020 wurde am Institut für Erziehungswissenschaft der UNESCO-Lehrstuhl „Global Citizenship Education – Culture of Diversity and Peace“ eingerichtet.
Institut für Anglistik und Amerikanistik Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung Institut für Germanistik Robert-Musil-Institut für Literaturforschung – Kärntner Literaturarchiv Institut für Geschichte Institut für Kulturanalyse Institut für Philosophie Institut für Romanistik Institut für Slawistik Institut für Sportwissenschaft Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung Fakultätszentrum für Gebärdensprache und Hörbehindertenkommunikation
Die 2023 neu gegründete Fakultät für Sozialwissenschaften (SoWi) versammelt Kerndisziplinen der Sozialwissenschaften, und zugleich zwei der studierendenstärksten Fächer der Universität. Verbindendes Element ist die Frage nach einem guten (Zusammen-)Leben der Menschen in Gegenwart und Zukunft. Die Fakultät unterhält eine strategische Kooperation mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Institut für Geographie und Regionalforschung Institut für Gesellschaft, Wissen und Politik Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft Institut für Psychologie