Stade Français Paris ist eine Rugby-Union-Mannschaft aus dem 16. Arrondissement der französischen Hauptstadt Paris. Rugby ist mit Abstand die bedeutendste der 22 Abteilungen des Sportvereins Stade Français.
Die Rugbymannschaft spielt in der obersten französischen Liga Top 14. Die Heimspiele werden üblicherweise im Stade Jean Bouin ausgetragen. Bei Spielen mit besonders großem Zuschauerinteresse weicht Stade Français ins Stade de France im Pariser Vorort Saint-Denis aus.
Stade Français nahm an der ersten französischen Meisterschaft 1892 teil und feierte um die Jahrhundertwende zahlreiche Erfolge. Später spielte die Mannschaft während mehr als 50 Jahren in den unteren Ligen. Der Medienunternehmer Max Guazzini übernahm Stade Français 1992, fusionierte den Verein 1995 mit dem Club Athlétique des Sports Généraux und brachte die Rugbymannschaft wieder zurück an die Spitze. Insgesamt wurde Stade Français Paris 14 Mal französischer Meister, zuletzt in der Saison 2014/15.
Geschichte mini|Spieler von Stade Français (April 2005) Der Verein wurde am 13. Dezember 1883 im Café Le Procope im Pariser Stadtteil Saint-Germain-des-Près von Studenten des Lycée Saint-Louis gegründet. Zu Beginn konzentrierte sich der Verein auf den Laufsport, doch bald begann man sich auch für Rugby zu interessieren, beeinflusst durch britische Lehrer und Studenten des Lycée. Stade Français war zunächst wie fast alle anderen Sportvereine jener Zeit aristokratisch geprägt, doch schon nach wenigen Jahren öffnete man sich auch gegenüber anderen Bevölkerungsschichten.
Im Mai 1891 traf Stade Français im allerersten Spiel zwischen zwei französischen Mannschaften auf den Racing Club de France und gewann 3:0. Diese beiden Pariser Vereine waren die einzigen, die an der ersten Meisterschaft teilnahmen. Am 20. März 1892 standen sie sich im ersten Meisterschaftsspiel gegenüber, welches Stade Français 3:4 verlor. Schiedsrichter der Partie war Pierre de Coubertin, der zwei Jahre später die modernen Olympischen Spiele begründete.
Im darauf folgenden Jahr gelang mit einem Sieg von 7:3 die Revanche und Stade Français gewann seinen ersten Meistertitel. Bis 1899 stand die Mannschaft in jedem Meisterschaftsfinale und ging in den Jahren 1894, 1895, 1897 und 1898 als Sieger vom Platz. Trotz der Bezeichnung als „französische Meisterschaft“ waren vor 1899 nur Mannschaften aus Paris für die Teilnahme berechtigt. Von 1901 bis 1908 stand Stade Français weitere sieben Mal im Finale und siegte in den Jahren 1901, 1905 und 1908. Diese Dominanz endete vor dem Ersten Weltkrieg und Stade Français rutschte ins Mittelfeld ab. Erst 1927 gelang wieder der Einzug ins Finale, das jedoch mit 9:19 gegen Stade Toulousain verloren ging. In den 1930er Jahren stieg Stade Français ab und verbrachte über fünf Jahrzehnte in der Bedeutungslosigkeit der unteren Amateurligen.
Max Guazzini, Besitzer der Radiostation NRJ, hatte den Wunsch hochklassiges Rugby zurück nach Paris zu bringen und die Dominanz des Südwestens zu brechen. Er übernahm den Verein im Jahr 1992, als die Rugbymannschaft in der dritten Liga spielte. Guazzini investierte große Geldsummen und verpflichtete zahlreiche Topspieler, die Stade Français zurück auf die Straße des Erfolgs bringen sollten. 1995 erfolgte die Fusion mit dem Club Athlétique des Sports Généraux, um deren Rugbymannschaft zu integrieren und so eine stadtinterne Konkurrenz zu verringern. 1997 schaffte Stade Français den Wiederaufstieg in die höchste französische Liga Top 14.
Am 16. Mai 1998 erreichte die eben erst aufgestiegene Mannschaft das Finale, schlug USA Perpignan deutlich mit 34:7 und gewann nach einer Unterbrechung von 90 Jahren seinen neunten französischen Meistertitel (dies war auch das erste Mal, dass das Finale im Stade de France stattfand). Bernard Laporte, der Baumeister dieses Erfolgs, verließ 1999 den Verein und war bis 2007 Trainer der französischen Nationalmannschaft. Guazzinis Traum war wahr geworden: Innerhalb von nur fünf Jahren war Stade Français vom Drittligaverein zum Meister geworden. Das Zuschauerinteresse war allerdings noch gering und erreichte erst mit etwas Verzögerung ein meisterliches Niveau. Der zehnte Meistertitel folgte im Jahr 2000.
Am 19. Mai 2001 war Stade Français erstmals im Finale des europäischen Pokalwettbewerbs Heineken Cup, verlor aber im ausverkauften Pariser Parc des Princes mit 30:34 gegen die Leicester Tigers. In den Jahren 2003 und 2004 errang Stade Français den elften bzw. zwölften Meistertitel. Am 22. Mai 2005 stand Stade Français erneut im Finale des Heineken Cup, diesmal im Murrayfield Stadium in Edinburgh. Die Mannschaft verlor 12:18 nach Verlängerung gegen Stade Toulousain. Noch knapper fiel die Entscheidung im Meisterschaftsfinale gegen Biarritz Olympique aus. Die Pariser mussten sich der baskischen Mannschaft 34:37 geschlagen geben, ebenfalls nach Verlängerung. Am 9. Juni 2007 gewann die Mannschaft ihren 13. Meistertitel, im Finale wurde ASM Clermont Auvergne mit 23:18 besiegt. Acht Jahre später wiederholte man den Erfolg gegen den gleichen Gegner.
2017 gelang Stade Français auch der erste Titelgewinn auf europäischer Ebene, als man nach verlorenen Endspielen in den Jahren 2011 und 2013 Gloucester Rugby im Finale des European Challenge Cup besiegen konnte. Seit dem 22. September 2019 ist der schweizerische Unternehmer Hans-Peter Wild Präsident des Vereins, nachdem er den Verein bereits 2017 für einen symbolischen Preis gekauft hatte.Pressemitteilung von Stade Français, 18. September 2019
Name, Logo und Vereinsfarben mini|Stade Français – Biarritz Olympique (Heineken Cup, 23. April 2005) In den 1880er Jahren orientierten sich viele der neu entstandenen Sportvereine an britischen Vorbildern und gaben sich englische Namen (Racing, Standard, Sporting oder Daring). Den Begriff Stade wählten die Studenten in Erinnerung an das antike Griechenland, denn Sport wurde in einem Stade (dt. Stadion) betrieben. Der Begriff Français (dt. französisch) kam erst ein wenig später hinzu. Man nimmt an, dass er von englischen Spielern eingeführt wurde, die gegen die sog. Stadistes spielten. Dadurch grenzten sie die französische Mannschaft von den übrigen Pariser Rugbyvereinen ab, deren Mitglieder fast ausschließlich in Frankreich lebende Briten waren.
Bis kurz nach der Jahrtausendwende nutzte Stade Français die französischen Nationalfarben Blau, Rot und Weiß. Der Grund dafür ist vermutlich auf den patriotischen Revanchismus nach dem verlorenen Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zurückzuführen. Blau und Rot sind allerdings auch die Farben der Stadt Paris. Das bis vor einigen Jahren blau-rote Mannschaftsemblem mit seinen beiden weißen Initialen S und F wurde allerdings mittlerweile farblich an die neue Corporate Identity angepasst.
Vereinspräsident Max Guazzini wollte für Stade Français eine unverwechselbare Identität schaffen. Zunächst führte er ein Emblem mit drei rosa Pfeilen ein und ließ jedes Jahr das Design der Trikots geringfügig ändern. Im Jahr 2005 ging er noch einen Schritt weiter und schockte die sehr auf Männlichkeit bedachte Rugbywelt mit der Einführung von rosa Trikots für Auswärtsspiele (Rosa ist eine der seltensten von Sportvereinen verwendeten Farben). Die Inspiration dazu lieferten ihm die rosa Auswärtstrikots des italienischen Fußballvereins Juventus Turin in dessen Jubiläumsjahr. Stade Français absolvierte sein erstes Auswärtsspiel mit der neuen, ungewöhnlichen und kontroversen Farbe im September 2005 gegen USA Perpignan. Am 15. April 2006 wollten die Pariser auch gegen Stade Toulousain in diesen Trikots antreten, doch der Schiedsrichter lehnte dies mit der Begründung ab, das Rosa sei dem Rot der gegnerischen Mannschaft zu ähnlich, obwohl nur ein Seitenstreifen des Trikot in dieser Farbe ist.
In der Saison 2005/06 verkaufte der Verein über 20.000 rosa Trikots an Fans. Auch wurden vor den Spielen gegen Stade Toulousain und Biarritz Olympique mehr als 10.000 rosa Flaggen auf den Stadionsitzen verteilt. Das Auswärtstrikot der Saison 2006/07 war zudem eine Kreation des japanischen Designers Kenzō Takada. Ein neues marineblaues Heimtrikot sorgte ebenfalls für Aufsehen, da es mit rosafarbenen Fleur-de-Lis und grünen Blitzen verziert war. Dieses Trikot wurde der Mannschaft erst wenige Minuten vor Beginn eines Spiels gegen Aviron Bayonnais am 9. September 2006 präsentiert.
Stadien Heimstadion des Vereins ist das Stade Jean-Bouin im 16. Arrondissement mit einer Kapazität von 20.000 Zuschauern. Max Guazzini entschied, das Viertelfinalspiel im Heineken Cup gegen die Newcastle Falcons im April 2005 in den bedeutend größeren Parc des Princes zu verlegen, der nur wenige hundert Meter entfernt ist. Er sorgte für ein volles Stadion, indem er die Eintrittspreise sehr tief ansetzte und gezielt Werbung in Schulen und bei Jugendorganisationen machte. Der englische Rugbysuperstar Jonny Wilkinson erschien zudem für Promotionszwecke zu einem Empfang im Pariser Rathaus, obwohl er im Spiel selbst gar nicht eingesetzt wurde.
Guazzini wollte den Parc des Princes auch für die beiden wichtigsten Spiele des Jahres 2005 mieten, gegen Stade Toulousain und die Leicester Tigers. Doch der Hauptnutzer des Stadions, der Fußballverein Paris Saint-Germain, lehnte dies wegen möglicher „Beschädigung des Rasens“ ab.Bericht von Sport Network, 24. Oktober 2005 Dass der Verein daraufhin das fast doppelt so große Stade de France mietete, galt allgemein als höchst riskantes Unterfangen. Es zahlte sich jedoch aus, denn das Stadion war am 15. Oktober 2005 beim Spiel gegen Stade Toulousain mit offiziell 79.502 Zuschauern bis fast auf den letzten Platz gefüllt. Dies bedeutete einen neuen französischen Zuschauerrekord bei einem Meisterschaftsspiel in irgendeiner Sportart. Damit wurde auch der Rekord der Ligue 1 im Fußball bei weitem übertroffen (57.714 zahlende Zuschauer sahen in der Saison 1998/99 die Begegnung zwischen Olympique Marseille und Olympique Lyon).
Am 4. März 2006 kamen zum Spiel gegen Biarritz Olympique sogar 79.604 Zuschauer ins Stade de France. Die Begegnung im Heineken Cup gegen die Leicester Tigers hingegen konnte aus terminlichen Gründen nicht wie geplant im Stade de France ausgetragen werden. Schließlich fand das Spiel im Stade Charléty in Paris statt. Am 14. Oktober 2006 wurde der Zuschauerrekord zum dritten Mal gebrochen, als man beim Spiel gegen Biarritz 79.619 Zuschauer zählte. Inzwischen hatte Paris Saint-Germain seine Meinung geändert und Stade Français konnte den Parc des Princes für das Spiel gegen die Sale Sharks aus England im Dezember 2006 mieten, das mit 44.100 Zuschauern ausverkauft war.
Fans mini|Fans im Parc des Princes Als Max Guazzini 1992 den Verein übernahm, gab es nur sehr wenige Fans, da Stade Français über ein halbes Jahrhundert lang praktisch in der Bedeutungslosigkeit versunken war. Rugby musste deshalb wieder im Bewusstsein der Einwohner von Paris verankert werden. In der Saison 1996/97, vor dem Wiederaufstieg in die höchste Liga, bot Guazzini bei einigen Begegnungen freien Eintritt an. So strömten selbst bei Spielen gegen unbedeutende Vereine wie den FC Lourdes über 7.000 Zuschauer ins Stadion.
Nach dem Aufstieg erhielten sämtliche weiblichen Zuschauer während einiger Zeit freien Eintritt zu allen Spielen. Guazzini meinte dazu: „Mir ist es lieber, 7.000 Leute in unserem Stadion glücklich zu machen als vor 200 zahlenden Gästen zu spielen, die nur eine Handvoll Francs einbringen. 20 Prozent aller Rugbyspieler in unserem Land stammen aus der Region Paris, unser Stadion sollte nicht leer sein.“ Der Anteil der Frauen unter den Zuschauern ist überdurchschnittlich hoch und steigt weiter.