Der Skisprung-Weltcup 2006/07 (offizieller Sponsorname: e-on Ruhrgas FIS Weltcup Skispringen 2006/07) war eine vom Weltskiverband FIS zwischen dem 24. November 2006 und dem 25. März 2007 an 18 verschiedenen Orten in Europa ausgetragene Wettkampfserie im Skispringen. Ursprünglich war die Durchführung von 27 Einzel- und zwei Teamwettbewerben geplant. Sechs der Einzelwettbewerbe mussten absagt oder abgebrochen werden. Davon wurden drei ersatzlos gestrichen und drei weitere zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt, sodass 24 Einzelwettbewerbe in die Wertung eingingen. Den Sieg in der Gesamtwertung konnte der Pole Adam Małysz erringen, auf dem zweiten und dritten Platz folgten der Norweger Anders Jacobsen und der Schweizer Simon Ammann. Der Titelverteidiger Jakub Janda aus Tschechien belegte den 22. Platz. Die Nationenwertung gewann zum dritten Mal in Folge Österreich, vor den Teams aus Norwegen und der Schweiz.
Reglement-Änderungen Für die Skisprungsaison 2006/2007 wurden einige Reglement-Änderungen vorgenommen: Erstens trägt seit dieser Saison der Führende des Gesamtweltcups das Rote Trikot anstelle des bisher üblichen Gelben Trikots. Zweitens nehmen seit dieser Saison statt sechs Skispringern nur drei an der Siegerehrung teil. Und drittens müssen die Sprunganzüge im Halsbereich enger geschnitten sein. Dadurch soll der dynamische Auftrieb des Anzugs verringert werden und so ein athletischer Sprungstil gefördert werden. Außerdem wird der Beste, nicht über die Regel der besten 15 vorqualifizierte Springer als sogenannter Man of the Day ausgezeichnet. Er erhält eine Prämie und nimmt ebenfalls an der Siegerehrung teil. Einige dieser Neuerungen wurden bereits beim Sommer Grand Prix 2006 getestet.
Saison-Verlauf Wind und Wetterkapriolen zum Auftakt Die ersten Springen des Weltcups waren von instabilen Wetterverhältnissen geprägt. Beim Auftaktspringen auf der Rukatunturi-Schanze im finnischen Kuusamo konnte nur ein Wertungsdurchgang abgehalten werden, der von drehenden Winden und beständigem Schneefall, der die Anlaufspur ausbremste, stark beeinträchtigt wurde. Dies führte zu Verzerrungen im Klassement – das Springen wurde daraufhin in den Medien einstimmig als „Chaosspringen“ bezeichnetChaos-Springen wurde abgesagt. Das Springen am zweiten Tag wurde während des ersten Durchgangs wegen gefährlich drehender Winde abgebrochen.
Die für die folgende Woche geplanten Springen in Trondheim mussten wegen des dort herrschenden Schneemangels nach Lillehammer verlegt werden. Nur am Samstag war ein geordnetes Springen möglich, das mit dem ersten Schweizer Doppelsieg der Weltcupgeschichte durch Simon Ammann und Andreas Küttel endete. Am Sonntag wurde der Wettbewerb durch Nebel und Regen beeinflusst. Der Deutsche Michael Neumayer, der in Kuusamo den fünften Platz belegt hatte, verletzte sich im Training und musste die Saison bereits zu diesem frühen Zeitpunkt beenden.
Die Wettbewerbe fünf und sechs, die im tschechischen Harrachov hätten stattfinden sollen, mussten ebenfalls wegen Schneemangels ersatzlos abgesagt werden. Erst am vierten Weltcupwochenende in Engelberg waren zwei reguläre Springen bei schönem Wetter möglich, nachdem es in der Woche zuvor endlich auch in den Alpen geschneit hatte. Während dieser ersten Phase machten sportlich zwei Debütanten im Weltcup auf sich aufmerksam, der erst 16-jährige Österreicher Gregor Schlierenzauer und der 21-jährige Norweger Anders Jacobsen. Bis auf den Schweizer Ammann, der seit dem ersten Springen von Lillehammer das Rote Trikot des Weltcupführenden trug, konnte keiner der Etablierten mit diesen beiden Neulingen mithalten, die beide je einen Wettbewerb auf der Gross-Titlis-Schanze für sich entscheiden konnten.
Bei den Springen zwischen Kuusamo und Engelberg dominierte das österreichische Team, das am Vorabend der Vierschanzentournee nach fünf tatsächlich gewerteten Weltcups sechs Springer unter den Top 15 des Gesamtweltcups hatte und deshalb einen zusätzlichen Startplatz zugesprochen bekam. Das deutsche Team hingegen zeigte bis dahin nur mäßige Leistungen, weshalb, vor allem nach den Springen in Engelberg, Bundestrainer Peter Rohwein stark kritisiert wurde.
Die Vierschanzentournee miniatur|Andreas Küttel freute sich in Oberstdorf über den zweiten Platz Bei der 55. Vierschanzentournee (offizieller Sponsorname: 55. Internationale Jack Wolfskin Vierschanzentournee) wurden Schlierenzauer und Jacobsen im Vorfeld als die großen Favoriten gehandelt. Beim Tournee-Auftaktspringen in Oberstdorf schaffte es Schlierenzauer, dem Druck durch die Öffentlichkeit standzuhalten und gewann das Springen mit souveränem Vorsprung, Jacobsen wurde Vierter. Das österreichische Team konnte auch bei diesem Springen überzeugen und sechs Springer unter den besten 15 platzieren. Der deutsche Georg Späth war bereits vor dem Springen, nach einer schlechten Leistung in der Qualifikation, für die gesamte Tournee aus dem Kader genommen worden. Michael Uhrmann und vor allem der nach langer Verletzungspause ins Team zurückgekehrte Jörg Ritzerfeld gelangen im ersten Durchgang gute Sprünge, beide konnten ihre Leistungen im Finale jedoch nicht wiederholen. Im Ergebnis waren es ein zwölfter und ein fünfzehnter Platz für das deutsche Team.
Das zweite Tournee-Springen in Garmisch-Partenkirchen war wie viele Springen in dieser Saison von widrigen Wetterbedingungen geprägt. Bei der Qualifikation konnten sich nur drei deutsche Athleten qualifizieren, aber Martin Schmitt erzielte sowohl in der Qualifikation als auch in den Trainingsdurchgängen so weite Sprünge, dass ihm einige optimistische Fans einen Sprung unter die drei Besten zutrauten. Der ständig drehende Wind und der anhaltende Regen führten zu einem Antauen der Anlaufspur und ließen das Neujahrsspringen zu einem Lotteriespiel werden. Beispielsweise wurde der Japaner Noriaki Kasai, der in Oberstdorf nicht einmal qualifiziert war, von einem plötzlich aufkommenden Aufwind auf 128 Meter hinabgetragen, während sein Gegner im K.O.-Duell, der Österreicher Andreas Widhölzl mit Rückenwind zu kämpfen hatte. Auch der Finne Matti Hautamäki und der Norweger Bjørn Einar Romøren erhielten bei eigentlich nur mäßigen Sprüngen Unterstützung durch den Aufwind und konnten sich vorne platzieren. Mit Rückenwind schaffte Schmitt einen Sprung auf 122 Meter, der ihm am Ende einen achten Platz einbrachte – vor dem gemeinsam mit dem Österreicher Andreas Kofler auf Rang neun liegenden Uhrmann. Die immer weicher werdende Anlaufspur und der stärker werdende Wind führten zu einer Absage des zweiten Wertungsdurchgangs. Profiteur dieser Entwicklung war der zu diesem Zeitpunkt führende Küttel, der dadurch vorzeitig zum Sieger erklärt wurde. Der bereits in Oberstdorf zweitplatzierte Küttel konnte sich damit, gemeinsam mit dem drei Punkte vor ihm liegenden Schlierenzauer, in der Tournee-Gesamtwertung absetzen, sodass zur Halbzeit der Tournee alles nach einem Duell der beiden um den Gesamtsieg aussah.
Bei der Qualifikation zum Springen auf der Bergiselschanze in Innsbruck konnte Schmitt nicht an seine Sprünge von Garmisch-Partenkirchen anknüpfen und erreichte lediglich einen Platz im Mittelfeld, den ersten Platz belegte sein Teamkollege Uhrmann mit einer Weite von 125 Metern. Auch alle anderen deutschen Starter, darunter auch der für Späth im Team nachgerückte Felix Schoft überstanden die Qualifikation. Vom zusätzlich mit einer nationalen Gruppe antretenden österreichischen Team qualifizierten sich 13 von 14 Startern. Der Wettkampf wirbelte die Gesamtwertung der Tournee durcheinander. Die beiden bisher führenden Schlierenzauer und Küttel lagen nach dem ersten Durchgang nur auf Rang neun und zwölf. Auch der zuletzt vom Bakken gegangene Uhrmann enttäuschte und erreichte als 29. das Finale nur knapp. Während dieser sich im zweiten Durchgang aber noch bis auf den zehnten Platz vorkämpfen konnte, gelang den beiden Favoriten nur eine leichte Verbesserung. Schlierenzauer fiel dadurch in der Gesamtwertung auf den siebenten Rang zurück, Küttel konnte einen dritten Platz halten, punktgleich mit seinem Landsmann Ammann. Die Führung konnte Jacobsen, der Sieger des Bergiselspringens, übernehmen, recht überraschend gefolgt von dem Finnen Arttu Lappi.
So ergab sich eine spannende Ausgangslage vor dem Abschlussspringen in Bischofshofen, das in diesem Jahr nicht wie traditionell üblich am Dreikönigstag, sondern einen Tag später veranstaltet wurde, da die Fernsehsender aufgrund des Sonntagstermins auf höhere Einschaltquoten spekulierten. Die Qualifikation verlief unspektakulär und alle angetretenen Springer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz schafften den Sprung in den Wettbewerb. Im ersten Durchgang gewannen 13 von 14 angetretenen Österreichern ihr Duell, wodurch erstmals 13 Österreicher in einem Wettbewerb in die Punkteränge sprangen. Schlierenzauer gelang es, sich an die Spitze zu setzen, doch seine Weite reichte nur aus, um dem hinter ihm zweitplatzierten Jacobsen drei Punkte in der Gesamtwertung abzunehmen – zu wenig um ihn ernsthaft unter Druck zu setzen, da Jacobsen vor dem Springen 20 Punkte Vorsprung hatte. Die anderen Verfolger konnten mit ihren Sprüngen ebenfalls nicht an den Norweger herankommen. Auch im zweiten Durchgang konnte keiner der Kontrahenten aufschließen, Küttel fiel auf den fünften, Lappi sogar auf den sechsten Platz der Tournee zurück. Am Ende blieb der Tagessieg für Schlierenzauer, während Jacobsen die Tournee gewinnen konnte. Damit ist er nach Risto Laakkonen und Toni Nieminen erst der dritte Springer, der bei seinem Debüt den Sieg der Vierschanzentournee errang.
Vikersund und Zakopane Beim Skifliegen in Vikersund pausierten viele Springer, darunter auch prominente Vertreter wie Schlierenzauer, Martin Höllwarth und Jakub Janda, um sich von der Tournee zu erholen. Auch dieser Wettbewerb wurde von wechselhaften Windverhältnissen beeinflusst. So musste die für Freitag geplante Qualifikation nach wenigen Springern abgebrochen werden, weshalb alle der 42 angetretenen Springer im Wettkampf starteten. Der Wettbewerb wurde vor einem durch Jacobsens Sieg bei der Tournee euphorisierten Publikum ausgetragen, sodass im Auslauf eine ausgezeichnete Stimmung herrschte. Zu Beginn des ersten Durchgangs herrschte starker Rückenwind, weshalb nach 17 Springern mit verlängertem Anlauf neu gestartet werden musste. Da danach der Rückenwind nachließ und gegen Ende des Wettbewerbs zu leichtem Aufwind drehte, hatten die letzten Springer sehr günstige Bedingungen. Davon benachteiligt wurden vor allem die Athleten, die kurz nach der Anlaufverlängerung noch bei starkem Rückenwind gesprungenen waren. So konnten beispielsweise der Amerikaner Alan Alborn oder Schmitt, der im Probedurchgang noch den elftweitesten Sprung gezeigt hatte, trotz solider Sprünge nicht das Finale erreichen. Am meisten konnte von dieser Entwicklung Widhölzl profitieren, der mit einem Flug auf 212,5 Meter den ersten Durchgang für sich entscheiden konnte. Der zweite Durchgang fand bei konstantem Rückenwind statt. Jacobsen verbesserte sich mit einem 193-Meter-Flug vom dritten auf den ersten Platz und konnte damit seine Führung im Gesamt-Weltcup ausbauen. Das Fliegen am Sonntag musste wegen starken Windes komplett abgesagt werden.