mini|Hermann Alois Mayer im Jahr 1910 mini|Mayer im Jahr 1924 Hermann Alois Mayer (* 6. Februar 1871 in Biberach an der Riß; † 1927) war ein deutscher Geschäftsmann, Gesundheitsforscher, Naturheilkundler, Erfinder, Philosoph und Schriftsteller im Umfeld der Lebensreform-Bewegung.

Leben Privatleben Er war das uneheliche Kind von Adelheide Mayer (* 1847), die am 28. August 1876 den Tischler Johann Baptist Luz (* 1846) heiratete, und hatte mit Josef August Mayer (* 1869; † 1951) einen älteren Bruder. Dieser betrieb später – nachweislich zwischen 1910 und 1919 – in Biberach die Holzwarenfabrik Gebr. Mayer. Über seine eigene Ausbildung ist heutzutage nichts mehr bekannt.

Am 25. Februar 1892 heiratete Hermann Alois Mayer in Hamburg Bertha Helene Fürhoff (* 1872). Das Paar hatte die gemeinsamen Kinder Herbert, Heinrich Adolf und Olga. Um 1893 / 1894 wohnte er in der Grindelallee 78 im Stadtteil Rotherbaum und zog später an den Krayenkamp 4 im Stadtteil Neustadt. Zwischen 1905 und 1921 lebte er im Othmarscher Kirchenweg 105 im Stadtteil Othmarschen der damals noch selbständigen Stadt Altona, ehe er im selben Viertel in die Flottbeker Chaussee 195 umzog. Dort war er bis nachweislich 1925 gemeldet.Altonaer Adressbuch 1925, Zweiter Abschnitt: Einwohner- und Firmenverzeichnis der Stadt Altona. H. W. Köbner & Co. GmbH, Altona, 124. Jahrgang, Seite II/108.

Hermann Alois Mayer verstarb in der ersten Jahreshälfte 1927Durch Gesellschafterbeschluss vom 29. Januar 1927 wurde die Vertretungsbefugnis der bisherigen Gründungs-Geschäftsführer der Herbakalaja GmbH – unter ihnen Mayer – beendet. („Eintragungen in das Handelsregister“. In: Hamburger Nachrichten, 136. Jahrgang, № 113, 9. März 1927, Seite 7.) In einer Zeitungsannonce vom 4. Juli 1927 („Den Patienten zur Kenntnis!“. In: Altonaer Nachrichten, 75. Jahrgang, № 153, 4. Juli 1927, Seite 3.) wird Hermann Alois Mayer als „kürzlich verstorben“ bezeichnet. Es darf also davon ausgegangen werden, dass er zwischen diesen beiden Daten verstarb. im Alter von 56 Jahren.

Berufsleben Unternehmerische Tätigkeit Um 1893 und 1894 war Mayer in Hamburg als Bade- und Krankenwärter angestellt.Hamburger Adress-Buch für 1893, Dritter Abschnitt: Alphabetisches Verzeichnis der Einwohner der Stadt Hamburg, der Vorstadt und der Vororte, mit Angabe ihres Standes und ihrer Wohnungen. Hermann’s Erben, Hamburg, Seite III/338. Seine dortigen Erfahrungen in der Patientenpflege und Therapie von Erkrankungen sollten sein späteres Berufsleben prägen.

Ab 1900 wurde er in den Telefonbüchern als „Naturheilkundiger“ geführt und 1901 erfolgte die erstmalige Erwähnung eines Platz- und Versandgeschäftes für Special-Kräuterthee, das er am Krayenkamp 4 sowie in Altona leitete. Im Folgejahr hatte er sein Geschäft auf die Reeperbahn 144 ausgedehnt und betrieb dort die Liqueur- und Heilkräuter-Fabrik. 1903 spaltete man den Betrieb auf und W. Fürhoff – ein angeheirateter Verwandter Mayers – führte die Filiale an der Reeperbahn eigenständig weiter.Die Verbindungen zwischen Fürhoffs Betrieb und Mayers Unternehmen sind unklar. Ersterer firmierte im Laufe der Jahre unter zahlreichen verschiedenen Namen, beispielsweise 1) Heilkräuter-Fabrik, 2) Heil- und Likör-Kräuter. Import, Export, 3) Lager medicinischer Kräuter, aetherischer Oele und kosmetischer Artikel, Vegetabilien. mini|Logo der H. A. Mayer & Co. (1910). Am 25. September 1907 gründete Mayer zusammen mit dem Hamburger Ernst Carl Rudolf Meyer„Eintragungen in das Handelsregister“. In: Hamburger Nachrichten, 116. Jahrgang, № 685, 29. September 1907, Seite 12. die Firma H. A. Mayer & Co. als offene Handelsgesellschaft, ansässig am Krayenkamp 4.Preisliste der H. A. Mayer & Co. Unbekanntes Datum [vermutlich 1910er Jahre], J. L. Romen, Emmerich am Rhein, Seite 27. Dieses Unternehmen produzierte und vertrieb – auch per Versandhandel – pflanzliche Arzneimittel und Tinkturen, Nähr- und Nahrungsergänzungsmittel, Sauerstoffpräparate, Fleischersatzprodukte, Tees sowie weitere kosmetische und pharmazeutische Artikel. Mit Wirkung vom 6. April 1909 übernahm Mayer die alleinige Geschäftsführung.„Eintragungen in das Handelsregister“. In: Hamburgischer Correspondent und Neue Hamburgische Börsen-Halle, 179. Jahrgang, № 181, 9. April 1909, 1. Beilage, Seite 4. Er bot in der Folge auch naturheilkundliche Beratungen während Sprechzeiten an und wurde unter dem Spitznamen „Kräuter-Mayer“ bekannt. Im Fertigungsprozess des Fruchtmehls wurden die Früchte mittels des sogenannten „Mayer’schen Verfahrens“ in „eigens für diesen Zweck konstruierten Maschinen und Apparaten“ für das Mahlen vorbereitetPreisliste der H. A. Mayer & Co. Unbekanntes Datum [vermutlich 1910er Jahre], J. L. Romen, Emmerich am Rhein, Seite 6. – um was für eine Technik es sich dabei genau handelte, ist unbekannt. Hinsichtlich seiner ernährungswissenschaftlichen Überzeugungen berief sich Mayer unter anderem auf Ilja Metschnikows Forschungen zu Probiotika.Preisliste der H. A. Mayer & Co. Unbekanntes Datum [vermutlich 1910er Jahre], J. L. Romen, Emmerich am Rhein, Seite 2. Noch vor 1910 gingen sowohl die Ricon-Nährmittel-Industrie als auch die Oponeo-Fruchtmehl-Werke in dem Betrieb auf. Zum 24. September 1912 wurde das Unternehmen in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt. Den Gesellschaftsvertrag schlossen Mayer und Carl Heinrich Fritz Wilhelm Riepe, wobei ersterem 25.000 Mark und letzterem 15.000 Mark als voll eingezahlte Stammeinlage angerechnet wurden.„Eintragungen in das Handelsregister“. In: Hamburgischer Correspondent und Neue Hamburgische Börsen-Halle, 182. Jahrgang, № 532, 18. Oktober 1912, 3. Beilage, Seite 2. Anfang April 1914 zog sich Mayer aus der Geschäftsführung zurück und übergab selbige an Riepe und Carl Emil Conrad Wilhelm Ohlendorf.

Er blieb der Branche aber auch nach dem Rückzug verbunden. So führte er beispielsweise um 1919 als Gesellschafter die P. E. C. Pharmazeutische Export-Companie H. A. Mayer & Just in Dresden.„Der Warenmarkt“. In: Chemiker-Zeitung, Band 43, 1919, Seite 623. 1921 leitete er die Vegetabilien-Großhandlung in der Altonaer Bergstraße 228 und besaß im Jahr darauf ein Geschäft für Heilkräuter in der Flottbeker Chaussee 14, ebenfalls in Altona.Altonaer Adressbuch 1922, Zweiter Abschnitt: Einwohner- und Firmenverzeichnis der Stadt Altona. H. W. Köbner & Co. GmbH, Altona, 121. Jahrgang, Seite II/110. mini|Logo der Herbakalaja GmbH (um 1924). Das Monogramm enthält die Anfangsbuchstaben der Nachnamen der Gründer Mayer, Bauer und Brosterhues. Ab 1924 vertrieb er Präparate für die von ihm entwickelte „Herbakalaja-Heilweise“. Das Kunstwort setzt sich aus zwei linguistischen Ursprüngen zusammen: : ‚Kraut‘ / ‚Pflanze‘ und arabisch القلية, DMG al-qalya: ‚Pottasche‘ / ‚Alkalien‘. Mayer bewarb seine neue Kur als „Vereinigung der alten Kräuterheilkunde mit der modernen Biochemie“.Hermann Alois Mayer: Diskrete Leiden. Verlag hygienischer Wegweiser, Hamburg, 1930, Seite 33. Zu diesem Zweck schlossen er sowie die beiden Hamburger Johann Bernard Brosterhues und Wilhelm Bauer – alle brachten zu gleichen Teilen Stammeinlagen ein – am 10. November des Jahres einen Gesellschaftsvertrag zur Gründung der Herbakalaja GmbH.„Eintragungen in das Handelsregister“. In: Hamburger Nachrichten, 133. Jahrgang, № 593, 19. Dezember 1924, Seite 6. Deren Eintragung ins Handelsregister mit 6000 RM Stammkapital erfolgte am 16. Dezember 1924 und sie hatte ihren Sitz in der Hufnerstraße 120 (Stadtteil Barmbek-Nord). Etwa zeitgleich entstand in Berlin, in der Linkstraße 11 (Ortsteil Tiergarten), mit der Herbakalaja Heilmittel-Vertriebs-GmbH (später Herbakalaja Vertriebs-GmbH) eine Zweigniederlassung, die den alleinigen Generalvertrieb der Produkte für „Groß-Berlin“ und die Provinz Brandenburg übernahm. Am 12. Juni 1925 wurde der entsprechende Gesellschaftsvertrag geschlossen und am 9. Juli 1925 wurde diese Filiale auch offiziell ins Handelsregister eingetragen; sie besaß ein Stammkapital von 5000 RM und Geschäftsführer war Johann Buthmann.„Anzeiger“. In: Berliner Börsen-Zeitung, 71. Jahrgang, № 322, 13. Juli 1925, Seite 9. Mayers Tochter Olga arbeitete nachweislich im November 1926 im Herbekalaja-InstitutDelia Arndt-Steinitz: „Die ‚Weltfrauenloge‘“. In: Berliner Tageblatt, 55. Jahrgang, № 527, 7. November 1926, Seite 49. in Berlin und im selben Jahr produzierte die Hamburger Gupa-Film GmbH einen 41-minütigen Dokumentarfilm über das neuartige Heilkonzept.Steckbrief zum Dokumentarfilm Herbakalaja. Abgerufen auf filmportal.de am 21. September 2018. Am 19. Januar 1927 strahlte der Hörfunk in Berlin über die Frequenzen 483,9 m und 566 m eine zwanzigminütige Sendung Mayers mit dem Titel „Die Arzneipflanzen im Dienst der Heilkunst“ aus.„Die heutigen Rundfunkprogramme“. In: Berliner Tageblatt, 56. Jahrgang, № 30, 19. Januar 1927, Seite 11.

Schriftsteller für Theaterwerke mini|Ankündigung für die Uraufführung von Die Macht des Schicksals, die am 2. Juli 1902 in der Neuen Hamburger Zeitung erschien. Er verfasste einige kleinere Dramen und lyrische Texte. Sein „romantisches Schauspiel in 7 Bildern“ Die Macht des Schicksals kam am 5. Juli 1902 im St. Georger Tivoli-Theater im Hamburger Besenbinderhof zur Uraufführung. Der General-Anzeiger für Hamburg-Altona sowie die Neue Hamburger Zeitung druckten in den folgenden Tagen eine wortgleiche Rezension. Darin wurde geurteilt, dass das Stück „ein gut Theil ehrliches Wollen und Können“ verrate und „einen hübschen Erfolg“ erzielt habe. Weiterhin führte der Kritiker aus, Mayer liebe es, mit „starken Effekten zu arbeiten“ – trotzdem sei die „Zeichnung der Figuren charakteristisch und überzeugend gelungen.“ Insbesondere lobte er die Rolle der Hauptfigur und erwähnte, sie sei „mit großer Feinheit, die eigentlich in keinem Verhältnis zu den Effekten steht, gezeichnet.“Rezension zur Uraufführung von Die Macht des Schicksals im St. Georg-Tivoli-Theater. In: General-Anzeiger für Hamburg-Altona, 15. Jahrgang, № 158, 9. Juli 1902, 2. Beilage, Seite 1. Die Berliner Zeitschrift Der Mensch (Die Lebensreform), das offizielle Organ des Deutschen Bundes für Lebensreform, kam zu einer ähnlich positiven Bewertung: „Die Schilderung der ganzen Bildung und Geschichte des Individuums ist mit einer Gedankenfülle verbunden, die in hohem Grade anregend und durch die von scharfer Beobachtung zeugenden, vom Pulsschlage des Selbsterlebten durchbebten Darstellung häufig dramatisch ergreifend wirkt. Seelisches Leben und innere Wandlung der kraftvollen und erhebenden Lebensweisheit der Hauptpersonen stellt der Dichter unter der Einwirkung der großen und starken Lebensvorgänge anschaulich und mit dem zwingenden Eindruck logischer Entwicklung und naturgesetzlicher Notwendigkeit dar. Die sorgfältig geglättete, ebenmäßig durchgebildete Sprache zeugt von einem großen Reichtum epischer Entfaltung und verbindet sich in glücklichster Weise mit dem Inhalt der Dichtung.“Hermann Alois Mayer: Hygiene und Kräuterheilkunde. Neukultur-Verlag, Altona, 1910, Seite 239.

Mayers Stück Die Dämonen von 1907 – eine „dramatische Dichtung in vier Akten“ – wurde mit den Worten einer angeblichen Rezension unbekannter Herkunft beworben: „Ein Werk, das weit aus der Flut der Durchschnittsdichtungen hervorragt und worin sich unverkennbar ein starkes Talent ausspricht. […] Der edlen Sprache und dem erhabenen, tiefsinnigen Inhalt gegenüber sind die hier und da vorkommenden Unebenheiten im Versmaß belanglos. Nachdenklichen Schöngeistern sei das Werk zur Lektüre im Familienkreis empfohlen.“„Briefkasten – Leipzig“. In: Kladderadatsch, 63. Jahrgang, № 12, 20. März 1910, Beiblatt, Seite 3. Abgerufen auf digi.ub.uni-heidelberg.de (digitalisierte, historische Bestände der Universitätsbibliothek Heidelberg) am 10. Oktober 2016. Auszüge aus dem Werk wurden im gleichen Jahr in der von Martin Müller herausgegebenen Anthologie Moderner Musentempel publiziert. Drei Jahre nach der Veröffentlichung besprachen die Autoren der satirischen Wochenzeitschrift Kladderadatsch das Stück allerdings spöttisch-abwertend.