Franz Xaver Josef Conrad von Hötzendorf, ab 1910 Freiherr Conrad von Hötzendorf,Österreichisches Staatsarchiv: ab 1918 Graf Conrad von Hötzendorf,Österreichisches Staatsarchiv: ab 1919 Franz ConradDie Verbürgerlichung des Titels erfolgte aufgrund des „Gesetzes über die Aufhebung des Adels, der weltlichen Ritter- und Damenorden und gewisser Titel und Würden“ der Republik Österreich (Adelsaufhebungsgesetz) vom 3. April 1919 mit Wirkung ab dem 10. April 1919.Conrad unterzeichnete auch während der Monarchie grundsätzlich nur mit diesem Namen. (* 11. November 1852 in Penzing bei Wien; † 25. August 1925 in Mergentheim, Württemberg), war von 1906 bis 1917 Chef des Generalstabes für die gesamte bewaffnete Macht Österreich-Ungarns und als solcher entscheidend an der Auslösung des Ersten Weltkriegs beteiligt. Bereits vor 1914 hatte er mehrmals Präventivkriege der Monarchie gegen Italien und Serbien vorgeschlagen. In der Julikrise, die dem Kriegsausbruch vorausging, setzte er sich mit dieser Forderung durch. mini|Franz Conrad von Hötzendorf (mit Unterschrift: Conrad, FM)

Leben Herkunft und Name mini|An der Ausführung der Pläne zur Unterdrückung des zweiten montenegrinischen Aufstands in der Krivošije 1882 war Conrad von Hötzendorf als damaliger Hauptmann direkt beteiligt. Franz Xaver Conrad stammte aus einer österreichischen Offiziers- und Beamtenfamilie aus Brünn. Sein Urgroßvater Franz Anton Conrad (1738–1827) war Rechnungsrat bei der k. k. Provinzial-Staatsbuchhaltung der Provinz Mähren und Schlesien. Zu seinem 50-jährigen Dienstjubiläum wurde Franz Anton Conrad 1815 mit dem Prädikat von Hötzendorf in den erblichen Adelsstand erhoben.Österreichisches Staatsarchiv: Der Name Hötzendorf wurde aufgrund großmütterlicher Vorfahren aus der Kurpfalz gewählt.Lawrence Sondhaus: Franz Conrad von Hötzendorf. Architect of the Apocalypse. Humanity Press, Boston 2000, ISBN 0-391-04097-9, S. 2. Conrads Vater Franz Xaver Conrad von Hötzendorf (1793–1878), auch Hetzendorf geschrieben, war Leutnant des Chevaulegers Regiments „Freiherr von Vincent“ Nr. 4 und nahm an den Befreiungskriegen gegen Napoleon und an der Völkerschlacht bei Leipzig teil. Beim Wiener Oktoberaufstand 1848 während der Revolution von 1848 stürzte er vom Pferd und musste aufgrund der schweren Verletzungen aus dem Dienst ausscheiden. Dass sein Regiment sich später den ungarischen Revolutionären anschloss, verbitterte Franz Xaver zusätzlich.Lawrence Sondhaus: Franz Conrad von Hötzendorf. Architect of the Apocalypse. Humanity Press, Boston 2000, ISBN 0-391-04097-9, S. 3.

Im Jahr 1851 heiratete Franz Xaver Conrad die 32 Jahre jüngere Barbara Kübler, Tochter des Malers Joseph Kübler. Franz Xaver Josef (ab 1910 Freiherr, 1918/19 bis zur Adelsaufhebung Graf) Conrad von Hötzendorf wurde ein Jahr später geboren, seine Schwester Barbara 1854. Selbst unter seinen engsten Freunden wurde er Conrad gerufen, was zu dem lebenslangen Missverständnis beitrug, dass „Conrad“ sein Vorname sei.Lawrence Sondhaus: Franz Conrad von Hötzendorf. Architect of the Apocalypse. Humanity Press, Boston 2000, ISBN 0-391-04097-9, S. 6.

Ausbildung Conrad erhielt zunächst zweieinhalb Jahre Privatunterricht, unter anderem von seinem Großvater Joseph Kübler, bevor er in die Volksschule eintrat und anschließend auf die Realschule wechselte. Als Schüler entwickelte er reges Interesse für Naturwissenschaften. Naturgesetze waren ihm wichtiger als religiöse Überzeugungen.Lawrence Sondhaus: Franz Conrad von Hötzendorf. Architect of the apocalypse. Humanity Press, Boston 2000, ISBN 0-391-04097-9, S. 3–6 und 15 f. Später entwickelte sich Conrad zu einem vehementen Verfechter des Sozialdarwinismus.Wolfram Dornik: Des Kaisers Falke. Wirken und Nach-Wirken von Franz Conrad von Hötzendorf, mit einer Nachbetrachtung von Hannes Leidinger und Verena Moritz. Studienverlag, Innsbruck 2013, ISBN 978-3-7065-5004-8, S. 45–47. Conrad hatte ein großes Interesse an Sprachen und sprach fließend italienisch, französisch, serbo-kroatisch und tschechisch. In Ungarisch und Rumänisch konnte er sich in Grundzügen verständigen.Conrad von Hötzendorf revisited. In: Harald Heppner (Hrsg.): Der verhängnisvolle Irrtum. Zur Analyse von Fehlleistungen in politisch-militärischen Kontexten (= Historische Forschungen 103, Berlin 2014), S. 83–96.

Conrad besuchte ab Herbst 1863 die Hainburger Kadettenschule, ab Herbst 1867 die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt, wo er Ende August 1871 als Leutnant zum Feldjäger-Bataillon 11 ausgemustert wurde. Im Herbst 1874 bestand Conrad die Aufnahmsprüfung für die Kriegsschule und beendete seine Generalstabsausbildung im Herbst 1876. Am 1. Mai 1877 wurde er Oberleutnant und diente als Stabsoffizier bei der 6. Kavalleriebrigade in Kaschau.

Am 16. August 1878 wurde er dem Generalstab der 4. Infanterietruppendivision zugeteilt und nahm im Verband des 3. Korps am Okkupationsfeldzug in Bosnien und Herzegowina und im September 1879 beim Einmarsch in Sandschak Novi Pazar teil.Wolfram Dornik: Des Kaisers Falke. Wirken und Nach-Wirken von Franz Conrad von Hötzendorf, mit einer Nachbetrachtung von Hannes Leidinger und Verena Moritz. Studienverlag, Innsbruck 2013, ISBN 978-3-7065-5004-8, S. 40–43. Am 1. Mai 1879 wurde er zum Hauptmann im Generalstabskorps befördert. In den Wintermonaten 1882 war Conrad an der Bekämpfung des montenegrinischen Aufstands in der Krivošije in Süddalmatien beteiligt.Lawrence Sondhaus: Franz Conrad von Hötzendorf. Architect of the apocalypse. Verlag Humanity Press, Boston 2000, ISBN 0-391-04097-9, S. 20–24 und 29. Conrad hatte dabei den Auftrag bekommen, die Mobilisierungspläne den einzelnen Divisions-Kommandanten mitzuteilen sowie mit der Mittelkolonne in den Orjen, dem Zentrum der Aufständischen, selbst mit aufzusteigen. Diese Befehle wurden am 8. Februar 1882 aus Herceg Novi durch Conrad an die beteiligten Truppen übermittelt.Anonymus: Der Aufstand in der Herzegowina, Südbosnien und Süddalmatien 1881–1882. Abteilung für Kriegsgeschichte des k. k. Kriegs Archivs, Seidel, Wien 1883. S. 155.

Am 10. April 1886 heiratete Conrad in Lemberg seine Verlobte Vilma (1860–1905), Tochter des Geniedirektors August von Le Beau, wobei er nur mit Mühe die für Offiziere vorgeschriebene Heiratskaution aufbringen konnte. Er bekam mit Vilma vier Söhne, Konrad (Rufname Kurt, 1887–1918), Erwin (1888–1965), Herbert (1891–1914, gefallen bei Rawa-Ruska, bestattet am Friedhof der Theresianischen Militärakademie) und Egon (1896–1965) – alle ergriffen später den Offiziersberuf.Lawrence Sondhaus: Franz Conrad von Hötzendorf. Architect of the apocalypse. Humanity Press, Boston 2000, ISBN 0-391-04097-9, S. 35, 66, 157 und 242.

Militärkarriere Am 29. Oktober 1883 wurde er Stabschef der 11. Infanterietruppendivision in Lemberg und begründete seinen Ruf als großer Innovator, indem er beispielsweise Manöver im Gelände statt Übungen nur am Paradeplatz durchsetzte. 1887 kehrte er mit Familie nach Wien zurück, vorerst ins Büro für operative und besondere Generalstabsarbeiten.Lawrence Sondhaus: Franz Conrad von Hötzendorf. Architect of the apocalypse. Humanity Press, Boston 2000, ISBN 0-391-04097-9, S. 34 ff. Am 1. November 1887 wurde er zum Major befördert und übernahm bis zum September des folgenden Jahres ein Büro für operative Generalstabsarbeiten in Wien. Vom 10. September 1888 bis zum Herbst 1892 war Conrad als Major Taktiklehrer an der k.u.k. Kriegsschule in Wien und wurde dabei am 1. Mai 1890 zum Oberstleutnant befördert. Conrad war ein beliebter Lehrer und viele seiner damaligen Schüler waren ein Vierteljahrhundert später im Weltkrieg hohe, ihm oft ergebene Offiziere.

Im Oktober 1892 ließ er sich als Bataillonskommandant des 93. Infanterieregiments nach Olmütz versetzenLawrence Sondhaus: Franz Conrad von Hötzendorf. Architect of the apocalypse. Humanity Press, Boston 2000, ISBN 0-391-04097-9, S. 37, 40 und 47. und wurde am 1. Mai 1893 zum Oberst befördert. Danach gehörte er der Kommission zur Beurteilung der Stabsoffiziers-Aspiranten an.Peter Broucek, Kurt Peball: Conrad von Hötzendorf, Franz Graf. In: Ders.: Geschichte der österreichischen Militärhistoriographie. Böhlau, Wien/Köln 2000, ISBN 3-412-05700-2, S. 327. Vom 16. Oktober 1895 bis zum 8. April 1899 war Conrad Kommandant des Infanterieregiments „Kaiser“ Nr. 1 in Troppau.

Am 9. April 1899 wurde Conrad zum Kommandanten der 55. Infanteriebrigade in Triest ernannt und am 1. Mai des gleichen Jahres zum Generalmajor befördert. Dort schlug er einen Aufstand italienischer Hafenarbeiter mit Waffengewalt nieder und gewann dabei die Überzeugung, dass die italienischen Ansprüche auf das Trentino und Triest eine Austragung der Gegensätze unausweichlich machten.Wolfram Dornik: Des Kaisers Falke. Wirken und Nach-Wirken von Franz Conrad von Hötzendorf, mit einer Nachbetrachtung von Hannes Leidinger und Verena Moritz. Studienverlag, Innsbruck 2013, ISBN 978-3-7065-5004-8, S. 52–57. mini|Conrad als Feldmarschalleutnant 1906 Am 8. September 1903 übernahm Conrad die Führung der 8. Infanterietruppendivision in Innsbruck und wurde am 1. November zum Feldmarschallleutnant befördert.

Chef des Generalstabes In der Armee als operativer Denker und auch wegen seiner modernen, kriegsnahen Ausbildungsmethoden bekannt, wurde er am 18. November 1906 auf Vorschlag von Erzherzog Thronfolger Franz Ferdinand von Kaiser Franz Joseph I. durch Allerhöchstes Handschreiben zum Chef des Generalstabs für die gesamte bewaffnete Macht ernannt; er wurde dadurch Nachfolger des auf Betreiben des Thronfolgers aus Altersgründen verabschiedeten Feldzeugmeisters Friedrich Freiherr von Beck-Rzikowsky. Der sich auf Grund des Alters des Kaisers der Macht nähernde Thronfolger wollte eigene Vertrauensleute an Schlüsselpositionen platzieren.Günther Kronenbitter: Krieg im Frieden. Die Führung der k.u.k. Armee und die Großmachtpolitik Österreich-Ungarns 1906–1914. Verlag Oldenbourg, München 2003, ISBN 3-486-56700-4, S. 59. Wolfram Dornik: Des Kaisers Falke. Wirken und Nach-Wirken von Franz Conrad von Hötzendorf, mit einer Nachbetrachtung von Hannes Leidinger und Verena Moritz. Studienverlag, Innsbruck 2013, ISBN 978-3-7065-5004-8, S. 58–66.

Conrad war nun der operativ Verantwortliche für den allfälligen Kriegseinsatz des gemeinsamen Heeres, der Kriegsmarine sowie der Landwehren der beiden Staaten der Monarchie (der k.k. Landwehr und des k.u. Honved). Er war ausschließlich dem Kaiser und König als Oberbefehlshaber und dem von ihm aus Altersgründen bestellten Vertreter, bis 1914 Franz Ferdinand, danach dem Armeeoberkommandanten Erzherzog Friedrich, unterstellt.

1910 wurde Conrad in den Freiherrenstand erhoben, doch führte seine Auseinandersetzung mit Außenminister Graf Aehrenthal, der die von Conrad propagierten Präventivkriege ablehnte, am 3. Dezember 1911 zu seiner Entlassung durch den Kaiser. Noch bei einer Audienz am 15. November 1911 hatte der Kaiser Conrad Vorhaltungen gemacht: „Diese fortwährenden Angriffe, besonders die Vorwürfe wegen Italien und des Balkan, die sich immer wiederholen, die richten sich gegen mich, die Politik mache ich, das ist meine Politik! Meine Politik ist eine Politik des Friedens. Dieser Meiner Politik müssen sich alle anbequemen.“Günther Kronenbitter: Krieg im Frieden. Die Führung der k.u.k. Armee und die Großmachtpolitik Österreich-Ungarns 1906–1914. Verlag Oldenbourg, München 2003, ISBN 3-486-56700-4, S. 336. Ein Skandal wegen seiner Affäre mit der verheirateten Gina Reininghaus, seiner späteren zweiten Ehefrau, spielte dabei ebenfalls eine Rolle.Lawrence Sondhaus: Franz Conrad von Hötzendorf. Architekt der Apokalypse. Neuer Wissenschaftlicher Verlag, Wien/Graz 2003, ISBN 3-7083-0116-1, S. 117 ff.