mini|Gotthilf Ludwig Möckel, um 1875 Gotthilf Ludwig Möckel, auch Ludwig Möckel (* 22. Juli 1838 in Zwickau; † 26. Oktober 1915 in Doberan) war ein deutscher Architekt. Er entwarf in Sachsen und Mecklenburg eine Vielzahl von Kirchenbauten im Stil der Neugotik. Seine bedeutendste Arbeit in Mecklenburg war die Restaurierung des Doberaner Münsters.
Familie und Ausbildung Familie Gotthilf Ludwig Möckel war das erste Kind des Zwickauer Kupferschmiedemeisters Gotthilf Heinrich Möckel (1786–1847) und dessen zweiter Ehefrau Caroline Rosine Möckel geb. Blumer (1797–1874). Er heiratete am 25. Juni 1866 in Zwickau Emilie Amalie Christiane (genannt Emmy) Schlegel (1844–1926), eine Tochter des Göttinger Ziegeleibesitzers und Senators Carl Schlegel (1819–1890). Aus der Ehe gingen fünf Söhne und zwei Töchter hervor: Erwin (1867–1929), Johannes (1868–1936), Elsa (1870–1926), Erich (1871–1926), Hermann (1874–1948), Käthe (1878–1954) und Ludwig (1881–1934).Karl-Heinz Barth: Gotthilf Ludwig Möckel (1838–1915). Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Architektur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Parthas-Verlag, Berlin 2001, S. 38.
Ausbildung Nach dem Besuch der Bürgerschule in Zwickau von 1844 bis 1852 studierte er von 1852 bis 1853 an der Königlichen Gewerbeschule in Chemnitz, anschließend absolvierte er bis 1856 eine Maurerlehre in Zwickau. Gleichzeitig studierte er an der Königlichen Baugewerkschule Chemnitz. Er arbeitete von 1856 bis 1858 als Maurergeselle und später als Bauführer. Nachdem er von 1858 bis 1859 als Zeichner im Oberingenieurbüro der Obererzgebirgischen Staatsbahn in Chemnitz und im Architekturbüro von Edwin Oppler in Hannover tätig gewesen war, besuchte er 1861/1862 als Gasthörer das Polytechnikum Hannover, an dem die Baukunst der Gotik, besonders des norddeutschen mittelalterlichen Ziegelbaus, wissenschaftlich erforscht und gelehrt wurde. Dies prägte Möckel, so dass er später hauptsächlich Bauten im Stil der neogotischen Backsteinarchitektur entwarf. Erste selbständige Arbeiten leistete er beim Bau der „Königlichen Landesirrenanstalt zu Göttingen“ als Bautechniker und Assistent von Architekt Julius Rasch. Ende 1865 beantragte Möckel bei der Dresdener Prüfungskommission für Bauhandwerker die Zulassung zur Prüfung. Da ihn seine Bautätigkeit sehr in Anspruch nahm, legte er erst 1867 in Dresden die Prüfung zum Bauhandwerker ab.
Wirken Zwickau und Dresden mini|Johanneskirche in Dresden-Johannstadt (Foto 1889 von Hermann Krone) 1866 zog es Möckel zurück in seine Heimatstadt Zwickau. Dort arbeitete er bis 1875 als freier Architekt. Während dieser Zeit entwarf er vor allem neogotische Wohnhäuser und Villen in Ziegelsichtmauerwerk. Mit diesen Bauten setzte Möckel im Stadtbild von Zwickau neue Akzente. Den Höhepunkt seiner dortigen Tätigkeit bildete der Bau der Lukaskirche in Planitz. 1875 zog Möckel berufsbedingt nach Dresden. Dort wirkte er bis 1885 als freier Architekt und entwarf hauptsächlich Kirchen- und Schlossbauten. Unter anderem entwarf er die Dresdner Johanneskirche, die als sein Hauptwerk gilt, und restaurierte die Löbauer St.-Nikolai-Kirche. In Anerkennung seiner Leistungen wurde er am 3. März 1881 von der Akademie der Bildenden Künste Dresden zum Ehrenmitglied ernannt.
Möckel schloss sich in dieser Zeit zwei berufsständischen Vereinen an. Nachdem Architekt Julius Rasch ihn für eine Mitgliedschaft empfahl, wurde er 1865 in den Architekten- und Ingenieur-Verein Hannover aufgenommen.Angelegenheiten des Vereins. In: Zeitschrift des Architecten- und Ingenieur-Vereins für das Königreich Hannover, Band 11 (1865), Heft 1–4, S. 132. 1873 folgte die Aufnahme in den Leipziger Zweigverein des Sächsischen Ingenieur- und Architektenvereins.
(Bad) Doberan mini|hochkant|Ständehaus Rostock (Foto 2018) Im Sommer 1877 war Möckel in Doberan, um sich an den Maßnahmen zur Bestandserhaltung des achteckigen Beinhauses an der Nordostseite des Münsters zu beteiligen. Dabei kam es zu einer Begegnung mit dem späteren Großherzog Friedrich Franz III. Dieser kannte aus seiner Dresdener Gymnasialzeit die Elbmetropole und interessierte sich für das Schaffen des dort tätigen Möckel. Sie wechselten Briefe, in denen Friedrich Franz die relativ vertraute Anrede „Mein lieber Möckel“ benutzte. Dabei entstand die Idee zur Wiederherstellung von weiteren Teilen des Doberaner Klosters, zum späteren Bau eines Jagdschlosses und zum Bau der katholischen Kapelle in Heiligendamm.Andreas Hentschel: Stilfester Meister der neuen Gotik. In: SVZ / Mecklenburg-Magazin vom 22. Juli 2013. 1883 erfolgte der Auftrag zur Restaurierung des Doberaner Münsters durch die Großherzogliche Kammer für Kirchenangelegenheiten von Mecklenburg-Schwerin an den stilfesten Baumeister. Bis 1896 dauerten die umfangreichen Restaurierungsarbeiten, die seine dauernde Anwesenheit erforderten, sodass er ab 1885 seinen ständigen Wohnsitz in Doberan nahm. Dazu ließ er in bester Lage 1887 bis 1888 eine repräsentative Villa im neogotischen Stil errichten, das Möckelhaus.
Am 11. November 1886 wurde Möckel bautechnischer Beirat für Kirchenbausachen in der Großherzoglichen Kammer und damit Leiter des mecklenburg-schwerinschen Kirchenbauwesens.Regierungsblatt für Mecklenburg-Schwerin, Jahrgang 1885/1886, S. 295. Für seine Verdienste im Staatsdienst wurde ihm am 19. März 1897Regierungsblatt für Mecklenburg-Schwerin, Jahrgang 1897, S. 63. der Charakter eines Geheimen Baurats und am 3. Oktober 1900Regierungsblatt für Mecklenburg-Schwerin, Jahrgang 1900, S. 291. der eines Geheimen Hofbaurats verliehen. Er blieb bis zu seiner Pensionierung am 30. September 1915 für das Kirchenbauwesen zuständig.Friedrich Preßler: Staatliche Bauverwaltung im Mecklenburg. (unveröffentlicht) 2011, S. 20.
Möckel war aber neben seinen Aufgaben als mecklenburgischer Baubeamter weiterhin auch freiberuflich tätig, außer staatlichen Gebäuden (z. B. dem Rostocker Ständehaus und dem Jagdschloss Gelbensande) wurden nach seinen Entwürfen auch private Bauten wie Wohn- und Geschäftshäuser oder Villen ausgeführt. Er unterstützte zudem den Schweriner Museumsdirektor Hofrat Friedrich Schlie, der wie Möckel ein Mitglied der Großherzoglichen Commission für die Erhaltung der Denkmäler war, bei der Herausgabe des umfangreichen Denkmalinventars Die Kunst- und Geschichtsdenkmäler des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin.Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Großherzogthums Mecklenburg-Schwerin. 5 Bände, Schwerin 1896–1902.
Im Alter von 77 Jahren beantragte der schwer erkrankte Möckel seine Versetzung in den Ruhestand, wenige Wochen später verstarb er. Nachdem seine Bauwerke bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts scharf kritisiert wurden, werden heute insbesondere seine Wiederherstellungen zahlreicher mittelalterlicher Baudenkmäler als eine frühe Form der Denkmalpflege gewürdigt.
Bauten und Entwürfe mini|hochkant|Fassadenauschnitt des Gymnasiums in Bad Doberan (2006) mini|hochkant|Jagdschloss Gelbensande (2006) mini|hochkant|Statue Möckels an der Villa Möckel in Dresden Ein Werkverzeichnis für Gotthilf Ludwig Möckel zählt 131 Bau- und Planungsprojekte auf, darunter 86 Kirchen (Neubauten oder Restaurierungen):Karl-Heinz Barth: Gotthilf Ludwig Möckel (1838–1915). Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Architektur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Parthas-Verlag, Berlin 2001, S. 232 f. 1869: Johannisbad in Zwickau 1871: Villa Dautzenberg in Zwickau 1872–1874: innere Restaurierung der Dorfkirche in Lohmen bei Dobbertin in MecklenburgHorst Ende: Erster Auftrag Dorfkirche Lohmen. In: MKZ, Nr. 43/2015, S. 9. 1873: Entwurf für das Altarwerk der Dorfkirche SietowAuftrag vom Dobbertiner Klosterhauptmann Joachim Graf von Bernstorff während der Restaurierung der Patronatskirche zu Lohmen 1872–1875: Umbau der Katharinenkirche in Buchholz 1873–1876: Lukaskirche in Zwickau-Planitz 1874–1878: Johanneskirche in Dresden-Johannstadt (zerstört) 1876–1877 Westportal und Innenausstattung der St.-Johannis Marktkirche Bad Schandau 1876–1880: Erlöserkirche in Dresden-Striesen (zerstört) 1877–1878: Villa Möckel in Dresden-Südvorstadt 1877: Entwurf für die katholische Kapelle in Heiligendamm 1877–1878: Westanbau der Katharinenkirche in Kesselsdorf 1878: Kirche in Luppa bei Radibor 1878–1880: Friedhof mit Friedhofskapelle in Dresden-Striesen 1881: Kirche in Prietitz bei Elstra 1881: Umbau der Kirche in Briesnitz bei Dresden 1881–1882: Dorfkirche Großdobritz 1881–1883: Kirche Berthelsdorf (Erzgebirge) 1881–1884: evangelische Christuskirche in Bodenbach (Böhmen) (heute Decin) 1882–1884: Markuskirche in Leipzig-Reudnitz (1978 gesprengt) 1883: Umbau der Kirche in Schwarzbach bei Königsfeld 1883–1884: Umbau der St.-Jacobi-Kirche in Neustadt in Sachsen 1882–1884: Erweiterung und Ausstattung von Schloss Schönfeld 1886–1887: Jagdschloss Gelbensande 1886–1888: Sanierung der Kapelle Althof 1887–1888: eigenes Wohnhaus (gen. Möckelhaus) in Bad Doberan 1887–1888: Bauausführung der katholischen Kapelle in Heiligendamm (nach seinem Entwurf von 1877, s. o.) 1888: Herrenhaus Melkof bei Vellahn 1888–1891: Kirche in Polchow 1887–1889: Friderico-Francisceum 1889–1893: Ständehaus in Rostock 1890–1891: Dorfkirche in Groß Methling 1890–1892: Dorfkirche in Muchow 1891 Kapelle in Jürgenshagen 1891–1892: Zollamt in Warnemünde 1892: Versöhnungskirche in Berlin (1985 gesprengt) 1892: Erweiterungsbauten der Ausflugsgaststätte Mahn & Ohlerich’s Keller in Rostock 1892–1894: Samariterkirche in Berlin-Friedrichshain 1892–1895: neugotische Innenausstattung der Dorfkirche Volkenshagen bei Rostock 1893: neogotisches Herrenhaus in Spoitgendorf bei Güstrow 1895–1896: Neugestaltung des Innenraums der Stadtkirche in Sternberg 1895–1897: Kirche in Gnevsdorf 1896: Erlöserkirche in Potsdam 1896–1898: Neugestaltung des Innenraumes der Stadtkirche in Tessin bei Rostock 1896–1899: Lutherkirche in Danzig-Langfuhr (erhalten, heute Kirche der römisch-katholischen Parafia Matki Odkupiciela w Gdansku) 1896–1899: Trinitatiskirche in Hainichen 1897: Neugestaltung der Schlosskapelle von Schloss Plön 1897: Schloss in Groß-Lüsewitz bei Rostock 1897–1898: Umgestaltung des Inneren der St.-Georgen-Kirche in Parchim 1899–1901: Landesblindenheim in Königs Wusterhausen 1901–1904 Dorfkirche Russow 1904: Evangelische Kirche Heiligendamm 1904: Gutshaus Polchow in Alt Polchow 1904–1906: Stadtkirche in Grabow 1906: evangelische Johanniskirche in Smyrna, Osmanisches Reich (heute Izmir, Türkei; beim großen Stadtbrand 1922 zerstört) 1906–1908: Lukaskirche im Seeheilbad Graal-Müritz 1909: Christuskirche in Rostock (1971 gesprengt) 1909: Samariterbrunnen in Hainichen
Auszeichnungen 1878: Ritterkreuz 1. Klasse des königlich sächsischen Albrechts-OrdensStaatshandbuch für den Freistaat Sachsen auf die Jahre 1888 und 1889. Druck und Kommissionsverlag von C. Heinrich, Dresden 1889, S. 46. 1887: Ritterkreuz des mecklenburgischen GreifenordensRegierungsblatt für Mecklenburg-Schwerin, Jahrgang 1887, S. 184. 1893: mecklenburgische Große Goldene Medaille für Kunst und WissenschaftRegierungsblatt für Mecklenburg-Schwerin, Jahrgang 1893, S. 190. 1894: preußischer Roter Adlerorden 4. KlasseKarl-Heinz Barth: Gotthilf Ludwig Möckel (1838–1915). Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Architektur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Parthas, Berlin 2001, S. 195, S. 165. 1897: Gedächtnismedaille Großherzog Friedrich Franz III. 1900: Silberne Medaille der Bauausstellung Dresden 1900Die Preisverleihung der Dresdener Bauausstellung 1900. In: Deutsche Bauzeitung, 34. Jahrgang 1900, S. 524. 1900: mecklenburgisches Ritterkreuz des Hausordens der Wendischen KroneRegierungsblatt für Mecklenburg-Schwerin, Jahrgang 1900, S. 299. 1901: preußischer Roter Adlerorden 3. Klasse 1915: mecklenburgisches Komturkreuz des Hausordens der Wendischen KroneRegierungsblatt für Mecklenburg-Schwerin, Jahrgang 1915, S. 579.
Wohnhaus in Bad Doberan