Bad Sooden-Allendorf ist eine Stadt im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis. Die Kernstadt ist ein historischer Doppelort rechts und links der Werra, der seit dem Mittelalter über viele Jahrhunderte seine Bedeutung und seinen Reichtum aus der Salzgewinnung aus Solequellen bezog. Im 19. Jahrhundert wurde die Salzgewinnung aufgegeben und die Stadt wandelte sich zum Kurort. Die Altstadt von Allendorf stellt sich als Fachwerkstadt von besonderer Geschlossenheit dar, während Bad Sooden vor allem durch die Kuranlagen und die baulichen Zeugnisse des ehemaligen Salzwerks wie dem Gradierwerk geprägt ist.
Geographie mini|Blick vom Hohestein auf Bad Sooden-Allendorf mini|Blick aus dem Soodener Bergland über den großen Bruchteich auf Bad Sooden-Allendorf mini|Blick über Bad Sooden-Allendorf
Geographische Lage Bad Sooden-Allendorf befindet sich direkt an der Grenze zu Thüringen und etwa in der Mitte Deutschlands. Es liegt an der Werra nordwestlich des Höhenzugs Gobert und in der Nähe des südwestlich gelegenen Hohen Meißners. Südöstlich steht nahe dem Stadtteil Kleinvach oberhalb des Flusses das Schloss Rothestein.
Nachbargemeinden Bad Sooden-Allendorf grenzt im Norden an die Gemeinden Lindewerra, Wahlhausen und Asbach-Sickenberg, im Osten an die Gemeinden Wiesenfeld und Volkerode (alle im thüringischen Landkreis Eichsfeld), im Süden an die Gemeinde Meinhard, die Stadt Eschwege und die Gemeinde Berkatal, im Westen an die Stadt Großalmerode, sowie im Nordwesten an die Stadt Witzenhausen (alle im Werra-Meißner-Kreis).
Stadtgliederung Die Stadt besteht neben der Kernstadt Bad Sooden-Allendorf aus den Stadtteilen Ahrenberg, Dudenrode, Ellershausen, Hilgershausen, Kammerbach, Kleinvach, Oberrieden, Orferode und Weiden. Die Kernstadt selbst besteht aus Sooden und Allendorf, wobei sich Sooden auf der westlichen Seite der Bahnlinie befindet.
Geschichte mini|Allendorf – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 mini|Fußgängerzone in Bad Sooden-Allendorf mini|Eingangsbereich des Kultur- und Kongresszentrums
Gründung und Name Den ersten Hinweis auf den Standort liefert der römische Geschichtsschreiber Tacitus (58–120 n. Chr.). Chatten und Hermunduren sollen sich demnach an einem Grenzfluss um Salzquellen gestritten haben. Es wird vermutet, dass es sich bei dem Grenzfluss um die Werra und bei den Salzquellen um die des heutigen Sooden handelte.
Ende des 8. Jahrhunderts belegt eine Schenkungsurkunde des Frankenkönigs Karls des Großen, vermutlich aus der Zeit zwischen 776 und 779, die Existenz einer Siedlung an dieser Stelle. Mit diesem Dokument übertrug Karl den Ort Westera und die Salzquellen, Salzpfannen, Salzarbeiter, Markt, Tribut und Zoll dem Kloster Fulda. Der Name der Siedlung bezieht sich auf die Lage an der westlichen Grenze von Thüringen, die damals etwa auf der Wasserscheide zwischen Fulda und Werra verlief. Zur etwa gleichen Zeit wurde die heute bezeichnete Wallanlage Römerlager, eine Wallburg, südöstlich von Sooden über dem Werraknie erbaut, vermutlich zur Sicherung von Westera.
Im 13. Jahrhundert verschwand der alte Name Westera. Im Jahre 1218 wurde der Ort in einer Urkunde des Landgrafen von Thüringen, Ludwig IV., Aldendorf genannt,Siehe Otto Posse (Hrsg.): Urkunden der Markgrafen von Meissen und Landgrafen von Thüringen. Band 1, 1, 3: 1196–1234. Leipzig 1898, Nr. 257, S. 188 f. (codex.isgv.de). woraus später Allendorf wurde. Wahrscheinlich war mit dieser Namensänderung die Verleihung von Markt- und Stadtrechten verbunden, sodass 1218 heute als Stadtgründungsjahr gilt. Für den Ursprung der Bezeichnung „Allendorf“ gibt es mehrere Theorien. Nach Reccius geht sie auf die neue Stadt „ze dem alten Dorfe“ – Stadt neben dem alten Dorf – zurück. Mit dem „alten Dorf“ ist die Vorgängersiedlung Westera gemeint.
Die dann mit einem Mauerring umgrenzte eigentliche Stadt lag rechts der Werra, hier lebten die wohlhabenden Bürger, von denen viele als „Pfänner“ Inhaber der Saline auf der anderen Werraseite waren. Der links der Werra liegende Ortsteil mit den Solequellen, der Saline und Häusern der Salinenangehörigen wurde bereits vorher als Sothen (von Soth = Brunnen), später Sooden, bezeichnet. Über lange Zeit in Mittelalter und Neuzeit hieß der Doppelort „Allendorf in den Soden“.
Teilung und Wiedervereinigung Im Spätmittelalter und beginnender Neuzeit schwand allgemein die Eigenständigkeit der Städte zugunsten der Macht der Landesfürsten. So mussten die Allendorfer Bürger die Saline Sooden an den Landgrafen von Hessen mit Verträgen („Lokationen“) von 1538, 1540, 1554 und schließlich von 1586 „auf ewig“ verpachten. Die Stadt verlor dadurch allmählich ihren Einfluss auf den Ortsteil Sooden und dieser verselbständigte sich im Laufe der Zeit unter der faktischen Hoheit des Landgrafen. Ab wann Sooden tatsächlich als rechtlich eigenständige Gemeinde anzusehen war, lässt sich nicht genau sagen, aber ab 1808 hatte Sooden einen eigenen Gemeindevorsteher und war spätestens jetzt zur eigenständigen Gemeinde geworden. Bis 1929 existierten die beiden Orte kommunalrechtlich getrennt. Die Grenze zwischen beiden Orten war dabei teilweise strittig, aber im Wesentlichen umfasste Sooden nur den unmittelbaren Bereich des Salzwerks mit zugehörigen Wohnbauten und lag wie eine Insel in der zu Allendorf gehörenden umgebenden Gemarkung.
Ab dem Spätmittelalter war Allendorf Hauptort des hessischen Amtes Allendorf, bis dieses 1821 im neugebildeten Kreis Witzenhausen (heute Teil des Werra-Meißner-Kreises) aufging.
Am 1. Juli 1929 wurden die Stadt Allendorf und die Gemeinde Sooden durch Verfügung des Preußischen Staatsministeriums unter dem heutigen Namen zu Bad Sooden-Allendorf wiedervereinigt. Dabei wurde der amtliche Namenszusatz „Bad“ nach Reccius ausdrücklich dem Zusammenschluss der beiden Orte verliehen.
Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges Im Dreißigjährigen Krieg zogen ab 1623 Truppen unter den Generälen Johann T’Serclaes von Tilly, Wallenstein, Jean de Merode und Gottfried Heinrich zu Pappenheim durch die Stadt. Jedes Mal kassierten sie Besatzungskosten und verkauften Schutzbriefe, damit die Stadt nicht angezündet würde. Als im April 1637 die kroatischen Regimenter Geleen und Isolani einfielen, waren die Kassen von Stadt und Bürgern soweit leer, dass kein Schutzgeld mehr gezahlt werden konnte und die Truppen die Stadt am 27. April anzündeten. Die Stadt brannte einschließlich Rathaus und Hochzeitshaus nahezu vollständig nieder, in der St.-Crucis-Kirche stürzten die gotischen Rippengewölbe des Langhauses ein, das Innere des Turmes brannte aus. Nur der alte aus Stein gebaute Rathof blieb als eine der wenigen Ausnahmen stehen und ist bis heute erhalten.
Die Kirchenbücher verzeichnen zwar keine Sterbefälle durch den Brand, doch noch in der zweiten Jahreshälfte 1637 starben 141 Menschen und im folgenden Jahr 1638 noch einmal etwa genauso viel. Die vorher übliche Sterbezahl lag bei unter 50 pro Jahr. Die Brandschatzungen waren nicht auf das Töten von Menschen ausgerichtet und offenbar gelang es Vielen zu fliehen. Nach der Zerstörung der Stadt lebten viele Menschen notdürftig in Kellern und Verschlägen unter katastrophalen Verhältnissen, die zusammen mit der Pest zu der hohen Sterberate führten.
Der Schaden für die Stadt war immens. Sie fand nicht mehr zu dem ursprünglichen Wohlstand zurück. Zunächst war zwischen Rat und Bürgern sogar strittig, ob die Stadt überhaupt wiederaufgebaut werden sollte. 1639 wurde schließlich vom Rat Bauholz aus dem Stadtwald freigegeben und der Wiederaufbau begann zögerlich. Dennoch ist in der zweiten Hälfte des 17. bis zum 18. Jahrhundert in relativ kurzer Zeit eine aus heutiger Sicht prächtige Fachwerkstadt von besonderer Geschlossenheit völlig neu entstanden. Der Haustyp ist wegen der gemeinsamen Entstehungszeit weitgehend einheitlich (traufenständige Reihenhäuser mit großen Zwerchgiebeln). Da viele Zimmerleute gleichzeitig nötig waren, kamen sie aus den angrenzenden Regionen, so dass der Allendorfer Fachwerkstil durch ein interessantes Nebeneinander fränkischer, niedersächsischer und Thüringer Elemente geprägt ist, die sich zu einem einheitlichen Gesamtbild fügen. Bis heute ist dieses besondere Stadtbild kaum durch spätere stilfremde Neubauten gestört.
Sooden war von den Verheerungen des Krieges weit weniger betroffen, weil die Saline unter der Protektion des Landgrafen stand.
Salzwerk Über 1000 Jahre lang, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, wurde in Siedehäusern aus Sole Salz gewonnen. Die Sole wurde aus einem Vorkommen unter der Stadt gefördert. Die Aufhebung des Salzmonopols in Preußen im Jahre 1868 führte mit der wirtschaftlich günstigeren Salzgewinnung durch Bergbau zu einem Preisverfall, der schließlich zur Aufgabe der Salzherstellung durch Versieden von Sole führte. Das letzte Siedehaus wurde in Sooden 1906 stillgelegt.
Parallel zum Niedergang der Saline entdeckte man die heilende Wirkung der Sole und begann mit dem Bau eines Badehauses. Am 1. Juni 1881 wurde das Haus eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Mit der Seehoferschen Gesundheitsreform in den 1990er Jahren brach jedoch auch die Zahl der Kuren ein; mittlerweile setzt die Stadt auf den Tourismus.
Noch heute wird mit dem Brunnenfest, das jährlich zu Pfingsten stattfindet, an die Zeit der Salzgewinnung erinnert. Mit einem originalgetreuen Pfannengesöde wird vorgeführt, wie früher Salz gewonnen wurde. In einem Salzmuseum wird das Salz dann verkauft; dort wird auch die Geschichte der Salzgewinnung präsentiert.
Industrielle Entwicklung Historisch bis zum 18. Jahrhundert war das Salzwerk der alles überragende und Wohlstand sichernde Industriebetrieb der Stadt. Mit dessen allmählichen Niedergang entstanden ab Mitte des 19. Jahrhunderts moderne kleinere mittelständische Industriebetriebe, die zusammen mit dem wachsenden Kurbad zu bedeutenden Arbeitgebern wurden.
So wurde am Allendorfer Marktplatz durch den Buchbindermeister Gumpert Bodenheim eine Tüten- und Papierwarenfabrik G. Bodenheim & Co gegründet (ab 1928 Allendorfer Papierenwaren-Fabrik GmbH), die weltweit die erste industriell gefertigte Spitztüte herstellte.Heinz Schmidt-Bachem (2001): Tüten, Beutel, Tragetaschen: zur Geschichte der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie in Deutschland. S. 54–55 - mit Verweis auf die städtische Chronik für das Jahr 1938. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts und im Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich mit mehreren Betrieben vor allem mittelständische Möbelindustrie, wie die Polstermöbelfabrik Bertram Schrot oder die Tischfabrik Karst & Gunkel (bis 1938 Niederhessische Tischfabrik Stern und Co.).
Die verschiedenen Industrieunternehmen mit teils mehreren 100 Mitarbeitern sind jedoch in dieser Form ab den 1970er Jahren bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts weitgehend verschwunden. Heute spielt ortsansässige Industrie als Arbeitgeber praktisch keine bedeutende Rolle mehr.
Modernisierung Werratal-Therme Ende 2005 stellte man eine Therme mit großem Saunabereich fertig, um auch privat zahlende Gäste in die Stadt zu locken. Hierfür wurde das Sole-Bewegungsbad umgebaut. Kultur- und Kongresszentrum Werratal Im April 2007 wurde eine neue Veranstaltungshalle für Kongresse und Konzerte am Standort der alten Halle eröffnet. Spielgolfanlage Im Jahr 2010 wurde die Minigolfanlage, bestehend aus Bahnen aus Eternitplatten, entfernt und durch eine moderne Spielgolfanlage ersetzt. Verkehrsberuhigung Auch die Straßenführung wurde geändert. Seither besteht keine direkte Verbindung mehr zwischen Sooden-Nord und Sooden-Süd; der Autoverkehr muss auf die Umgehungsstraße durch das Industriegebiet ausweichen. Der Bahnhof wurde auf zwei Gleise zurückgebaut und modernisiert; von dort aus ist ein direkter Weg nach Sooden geschaffen worden. Durch diese Maßnahmen will die Stadt dem Rückgang des Kurbetriebs insofern entgegenwirken, als der Bereich um die Therme und das Kurgebiet leichter erreichbar und autofreie Zone wird.
Eingemeindungen