mini|Opernhaus Graz mini|Zuschauerraum mit Galerie mini|Sitzplan samt Preisen (1899) Das Opernhaus Graz (früher auch Grazer Opernhaus) ist ein im neobarocken Stil errichteter Theaterbau, der sich am Opernring, im Zentrum der österreichischen Stadt Graz befindet.Bouvier: Opernhaus. 1997. S. 404. Das bis heute als Opernhaus dienende, freistehende Gebäude wurde 1899 nach den Plänen des Wiener Architektenduos Fellner & Helmer als Ranglogentheater erbautHoffmann: Die Theaterbauten von Fellner und Helmer. 1966. S. 98. und ist nach der Wiener Staatsoper das zweitgrößte Opernhaus in Österreich.
Der gehobene Anspruch des Hauses artikuliert sich durch die monumentale Formensprache des Gebäudes und den opulenten, im Barock und Rokoko ausgestatteten, knapp 1.400 Plätze umfassenden Zuschauerraum.Geschichte der Oper Graz, abgerufen am 4. Januar 2016.
Das Grazer Opernhaus ist ein Mehrspartenhaus und pflegt neben der Oper auch Ballett, Musical und Operette.
Geschichte mini|Das Stadttheater Graz bei der Eröffnung 1899, Federzeichnung von Ludwig Muhry Der Bau des Grazer Opernhauses wurde aus Anlass des Jubiläums von 50 Jahren Regentschaft Kaiser Franz Josephs I. gemäß zweier Gemeinderatsbeschlüsse vom Februar sowie Juli 1897 am 12. April 1898 begonnen; am 12. November 1898 fand die Gleichenfeier statt. Am Vormittag des 16. September 1899 wurde der Schlussstein gelegt und am Abend das Haus als Grazer Stadttheater mit Friedrich Schillers Wilhelm Tell eröffnet. Die erste Opernaufführung fand am Folgetag zur Eröffnung statt: Unter der musikalischen Leitung von Karl Muck (1859–1940) wurde Richard Wagners Lohengrin gegeben.
Geplant wurde der damals etwa 2.000 Plätze umfassende, im Zentrum der Stadt Graz (zwischen dem heutigen Opernring und dem Kaiser-Josef-Platz) stehende Bau von den Wiener Theaterarchitekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer. Die Bauleitung oblag der Baufirma Franz Stärk und Heinrich Loetz und dem städtisch ausführenden Architekten Ludwig Muhry (1861–1929).Buschek: Das Grazer Stadttheater (Opernhaus). 1999. S. 96.
Die Stadt Graz weist eine lange Operntradition auf: Bereits vor dem Bau der heutigen Oper aus dem Jahr 1899 fanden in Graz Aufführungen statt. Der erste Theaterbau war ein 1736 umgebautes Wirtschaftsgebäude der Hofstallungen des Kaiserhauses. In den wenig aufwendig ausgestalteten Räumlichkeiten lag der Fokus auf den Inszenierungen zeitgenössischer Theaterstücke und Opern. Aufgrund des Renommees, dessen sich die Vorstellungen erfreuten, wurde auf Anregung von Kaiserin Maria Theresia 1776 ein „Landständisches Theater“ am Freiheitsplatz errichtet. An dieser Stelle befindet sich das heutige Grazer Schauspielhaus, das seinen 1823 abgebrannten Vorgänger ersetzte.Buschek: Das Grazer Stadttheater (Opernhaus). 1999. S. 96f.
1864 wurde ein zweites Theater, der unmittelbare Vorgänger der heutigen Oper Graz, eröffnet: das sogenannte Thalia am Stadtpark, ein zwölfeckiges Zirkusgebäude, das durch Zubau eines Bühnenhauses für den Theaterbetrieb adaptiert wurde.
Da beide Häuser jedoch nicht den baulichen und technischen Anforderungen eines damals zeitgemäßen Theaterbetriebs genügten,Buschek: Das Grazer Stadttheater (Opernhaus). 1999. S. 97. wurde in der Grazer Bevölkerung der Wunsch nach einem Theaterneubau laut. 1893 reagierte der Gemeinderat darauf und beauftragte das Architekturbüro Fellner & Helmer mit der Erstellung erster Pläne für das Projekt. Die Neuerrichtung eines städtischen Theaters wurde als Prestigeprojekt kommunaler Kulturpolitik angesehen und sollte in seiner architektonischen Gestalt die moderne Identität der Stadt Graz widerspiegeln. Vorbild für den Neubau war die Gestaltung der Wiener Hofoper. Als Standort wurde der Platz neben dem Thalia, das weitgehend abgerissen wurde, ausgewählt.Hoffmann: Die Theaterbauten von Fellner und Helmer. 1966. S. 99. Für Fellner & Helmer war die Verwirklichung der Oper Graz der bis dahin dreißigste Theaterbau ihrer Karriere.
Aufgrund des begrenzten finanziellen Budgets konnten die umfangreichen Pläne der Architekten Fellner & Helmer nicht in der vorgesehenen Form realisiert werden. Entgegen der ursprünglichen Planung wurden weder ein an das Theater angrenzendes Konzerthaus noch ein kleines Volkstheater am Murufer umgesetzt.
Architektur
Außenbau Bei der Oper Graz handelt es sich um einen freistehenden Theaterbau mit einem vielfältig gegliederten Baukörper. Der Standort an einem städtebaulichen Gelenkpunkt zwischen Altstadt und Neustadt erforderte eine wirkungsvolle Ausrichtung nach allen Seiten. Das Eingangsportal schließt mit seinem kleinen Vorplatz an ein Parkstück am Opernring an, die Rückseite (das Bühnenhaus) grenzt an den Kaiser-Josef-Platz. Einen besonderen Akzent im Stadtbild setzt die Kuppel, die den Eingangsbereich bedeckt.
Entgegen einigen Forderungen von Anhängern deutsch-nationaler Interessen, wurde das Gebäude nicht im Stil der deutschen Renaissance (mit gotischen Anklängen) erbaut, sondern von Fellner & Helmer von Beginn an im Sinne des Historismus, im „Barockstil als einem ‚echt österreichischen Stile‘“ geplant und von der Stadt Graz auf der Gemeinderatssitzung im September 1897 entsprechend beschlossen.
mini|Bronzemodell der Oper Graz Der länglich angelegte Baukörper weist eine dreiteilige Gliederung auf, die sich aus der Höhe der einzelnen Gebäudeteile ergibt und an den inneren Funktionen orientiert ist: der Eingangshalle, dem Auditorium sowie dem Bühnenhaus samt Nebenräumen. Die klare architektonische Hervorhebung des Bühnenteils, das die anderen Gebäudesegmente turmähnlich überragt, gründet in gesetzlichen Bestimmungen, die eine feuersichere Abgrenzung zwischen Auditorium und Bühnenbereich vorschreiben.Buschek: Das Grazer Stadttheater (Opernhaus). 1999. S. 98.
Dem inneren Gefüge entsprechend gestalteten Fellner & Helmer auch die Bedachung des jeweiligen Gebäudeteils. Durch ein oktogonales Kuppeldach wird der repräsentative Charakter der vortretenden Eingangshalle verstärkt, wohingegen der Zuschauerraum haubenförmig überdacht ist und an den querrechteckigen Bühnenturm anschließt, dessen Mansarddach den höchsten Punkt des Bauwerks darstellt und den Spielbereich akzentuiert.Bouvier: Opernhaus. 1997. S. 406.
Die in Graz anzutreffende Aufgliederung des Theatergebäudes in ihre zweckbestimmten Teile, setzt sich um die Jahrhundertwende des 19. und 20. Jahrhunderts durch. Besonders deutlich ist die Dreiteiligkeit, Ort der Begegnung, Ort der Sammlung und Ort der Handlung, beim Volkstheater in Wien (1888/89), ebenfalls von Fellner & Helmer, zu sehen.Bouvier: Vom Interimstheater Brünn zum Grazer Opernhaus. 1999. S. 54. Frühe Vorläufer, die die Tendenz zur klaren Trennung räumlicher Funktionsbereiche bereits erkennen lassen, sind das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt in Berlin (Karl Friedrich Schinkel, 1818–20) oder die Semperoper Dresden (Gottfried Semper, 1871 bis 1878).
mini|Grazer Oper mit Kopie des Portikus aus Stoff
Fassadenbeschreibung Dem gehobenen Anspruch der Oper Graz Ausdruck verleihend, trat der zweigeschoßige Mittelrisalit der Hauptfassade zum Opernring als klassischer Portikus in Erscheinung. Ein von sechs Komposit-Säulen getragener, figural ausgeschmückter Giebel überfing, in Anlehnung an einen antiken Tempel, einen Balkon über dem Haupteingang. In den Architrav zwischen Säulen und Giebel war der Schriftzug „Stadt-Theater“ integriert worden.
Erste Restaurierungen des Gebäudes waren bereits um 1930 vorgenommen, im Zuge derer es zu einer Reduktion der skulpturalen Ausschmückung an der Hauptfassade kam. Betroffen waren davon, neben den Plastiken „Der Schmerz“ und „Die Heiterkeit“, unter anderem die „Ruhmverkündende Muse“ sowie die „Bacchantengruppe“ von Ernst Hegenbarth, die als figurale Sockelfiguren am unteren Mittelrisalit beziehungsweise Bekrönungen an beiden Enden der Attika thronten.
Blickfang für den Besucher beim Betreten der Oper war früher das Tympanon der Hauptfassade: Das 1948 abgerissene neoklassizistische Giebelfeld von Ernst Hegenbarth schmückte in der Mitte ein geflügeltes Pferd Pegasus mit einer Muse, flankiert von den Allegorien „Drama“ und „Lustspiel“. Ein Liebespaar, das auf einem Löwen ruht, stellte die Allegorie „Lustspiel“ dar. Palmettenstuck füllte beide seitliche Giebelecken. Im Zuge der Umgestaltung wurden nach Entfernung des Portikus an der kahlen Attika neue Relieffiguren vom Bildhauer Alexander Silveri angebracht, um die entstandene bauliche Disharmonie auszugleichen.
Die dem Kaiser-Joseph-Platz zugewandte Rückseite der Oper wiederholt weitgehend das Fassadenmotiv der Gebäudefront und ist ebenso repräsentativ. Im Unterschied zur Hauptfassade ist hier jedoch das Tempelmotiv am Mittelrisalit kaum hervortretend und ohne Balkon. Das von Hanns Brandstetter geschaffene Giebelfeld weist eine plastische Reliefdarstellung des griechischen Gottes Apollo auf. Dieser Gott des Ästhetischen und der Musik, ist umgeben von Figuren der Darstellenden Künste, wie Thespis mit seinem Karren und den Musen der Tragödie und Komödie.Bouvier: Vom Interimstheater Brünn zum Grazer Opernhaus. 1999. S. 70. Die Bedeutung und Bestimmung des Bauwerks wird durch diese Ausgestaltung auf das Äußere übertragen und sichtbar gemacht.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kuppel des oberen Foyers am 1. November 1944 durch eine Fliegerbombe getroffen, die stützende Attika wurde schwer beschädigt, der davor liegende Säulenhalle blieb dabei nahezu intakt. Die Wiederherstellung wurde wegen der vielen anderen Kriegsschäden in Graz bis 1948 verzögert, als ein möglicher Einsturz der notdürftig stabilisierten Kuppel zur Generalsanierung zwang. Im Rahmen der Arbeiten wurde dem "minimalen Zeitgeist" folgend, die gesamte Säulenarchitektur samt den Giebelreliefs einfach abgerissen und aus Kostengründen nicht wiederhergestellt, was bis heute für Kontroversen sorgt. Der Verein „Denkmal Steiermark“ bemüht sich intensiv um eine Wiederherstellung des Portikus. auf der Website des Vereins „Denkmal Steiermark“, abgerufen am 16. Juni 2013 Um dem zeitgenössischen Betrachter die ursprüngliche Optik zu veranschaulichen, wurde die Tempel-Architektur aus Stoff nachgestellt auf ein Gerüst gespannt und über dem offenen Balkon errichtet.Kleine Zeitung vom 6. Juni 2008:
Die Seitenfassaden des Opern-Gebäudes sind gleichartig gestaltet und in Länge wie Höhe symmetrisch unterteilt. Paarweise treten auf der rechten wie linken Gebäudeseite Risalite hervor, die mit vorgestellten Säulen im Erdgeschoß und Pilastern im Obergeschoß betont sind und nach oben hin mit einem Rundgiebel abschließen. Zwischen diesen gleichartigen Risaliten entfaltet sich das Zuschauerhaus dessen Obergeschoß im Vergleich zum Hauptgeschoß um Terrassenbreite zurückgesetzt ist.Hoffmann: Die Theaterbauten von Fellner und Helmer. 1966. S. 99.
Ausdruck des Historismus ist die Verwendung von in regelmäßigen Abständen angeordneten Pilastern im oberen Stockwerk und Dreiviertelsäulen an den Außenwänden des Untergeschoßes. Aufgelockert werden die Fassaden zudem von zahlreichen Bogenfenstern, welche sich zwischen den Pilastern und Säulenelementen befinden und teils figürlich umrandet sind.
Der überwiegend in seinem Originalzustand befindliche Baukörper wurde nur vereinzelten Veränderungen ausgesetzt, die unter praktischen Gesichtspunkten Umsetzung fanden. So kam es in den 1980er Jahren zu einer Erweiterung der Oper Graz: Nach den Plänen des Architekten Günther Wawrik, der einen dazu ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entscheiden konnte, verbindet seitdem eine verglaste Stahlbrücke die Oper mit einem neuen Kulissendepot, welches in dem alten Bühnenhaus des ehemaligen ‚Thalia‘-Theaters Platz gefunden hat.Bouvier: Opernhaus. 1997. S. 405.
Das Grazer Opernhaus vereint diverse Architekturmotive, bleibt im Ganzen aber seiner historisierten, neobarocken Formsprache treu. Es besticht als harmonische, erhabene Gesamterscheinung, die einem Theaterbau, als Haus der Künste, adäquat ist. mini|Treppenhalle der Oper Graz mini|Festtreppe
Innenarchitektur und -ausstattung