Die Gewöhnliche Simsenlilie (Tofieldia calyculata) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Tofieldiaceae. Sie wird auch Kelch-Simsenlilie oder Hüllen-Simsenlilie genannt. Der wissenschaftliche Name calyculata leitet sich von calyculus, der Verkleinerung von calyx „Kelch“ ab.

Der Trivialname bezieht sich auf die Ähnlichkeit mit Vertretern der Gattung Simsen (Scirpus).

Beschreibung Die ausdauernde krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen zwischen 10 und 30 cm. Die Grundblätter sind reitend, lineal, schwertförmig und lang zugespitzt, haben 4 bis 10 Längsnerven und werden zwischen 5 und 10 Zentimeter lang und 4 und 8 Millimeter breit. Der Stängel ist aufrecht und besitzt ein bis drei nach oben hin zunehmend kleinere Stängelblätter.

mini|links|Blütenstand mini|Blütenstand mini|Herbarexemplare Der Blütenstand ist eine meist zylindrische, am Grund lockere Traube, wird zwischen 3 und 10 Zentimeter lang und setzt sich aus 15 bis 40 Blüten zusammen. Die Blüten sind kurz gestielt, stehen jeweils in der Achsel eines laubartigen, ungeteilten, eiförmigen bis lanzettlichen Tragblattes und sind am Grund von einem dreilappigen, kelchähnlichen Vorblatt umgeben. Die hellgrünlichgelben Blütenhüllblätter sind 2 bis 3,5 Millimeter lang. Die Blüte enthält sechs Staubblätter sowie einen Fruchtknoten mit drei Narben. Die vielsamige Kapsel ist 3 bis 3,5 Millimeter lang, eiförmig bis kugelig-eiförmig, kantig. Die Samen sind 0,7 Millimeter lang, länglich, von bräunlicher Farbe und besitzen Längskanten.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28 oder 30.

Ökologie Die Gewöhnliche Simsenlilie ist ein Hemikryptophyt und eine Halbrosettenpflanze bzw. eine Sumpfpflanze mit Rhizom.

Die Blüten sind „Nektar führende Scheibenblumen“. Bestäuber sind Bienen, Schwebfliegen und andere Insekten. Wegen der weit herausragenden Staubblätter ist auch Windbestäubung und wegen der langlebigen Narben bei ausbleibender Fremdbestäubung auch spontane Selbstbestäubung möglich. Die Blütezeit reicht von Juni bis August.

Die Früchte sind vielsamige, sich bei Trockenheit an der Spitze klappenartig öffnende Kapseln, die als Windstreuer wirksam werden. Die leichten, spindelförmigen Samen werden als Körnchenflieger ausgebreitet bzw. sie heften sich bei feuchtem Wetter an Tiere. Fruchtreife ist von August bis Oktober.

Vorkommen Das Areal der Gewöhnlichen Simsenlilie ist auf Europa beschränkt. Die Art hat Vorkommen in den Ländern Spanien, Frankreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnein-Herzegowina, Montenegro, Tschechein, Slowakei, Polen, Schweden, Litauen, Lettland, Estland, Belarus und in der Ukraine. In Ungarn wurde die Art eingeführt. Das Verbreitungsgebiet der Gewöhnlichen Simsenlilie reicht von Gotland und Estland südwärts bis zu den Pyrenäen, Montenegro und der mittleren Ukraine mit Schwerpunkt in der Umgebung der Hochgebirge. Sie hat dementsprechend in Deutschland ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Alpen und im Alpenvorland. Weiter im Norden ist die Art selten; die meisten Vorkommen sind erloschen. In Österreich ist die Gewöhnliche Simsenlilie häufig und collin (selten) bis subalpin verbreitet. In den Allgäuer Alpen steigt sie an der Rappenseehütte in Bayern bis zu 2100 Metern Meereshöhe auf. Das vereinzelte Vorkommen im Bodenseegebiet wurde 1973 von Gerhard Lang (Biologe) als „Relikt der waldlosen Zeit“ bezeichnet; und 1998 von Monika Voggesberger verallgemeinernd als „Relikt aus dem Spätglazial“.Gerold Hügin: Die Hochlagenflora (Farn- und Samenpflanzen) des Schwarzwalds und der Vogesen. Kritische Anmerkungen zur Reliktfrage und zum Indigenat von „Glazialpflanzen“ Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 75:109-168, 2005.

Standorte Die Gewöhnliche Simsenlilie ist an Kalk gebunden und wächst auf feuchten Wiesen, Quellfluren, feuchten Felshängen sowie in Niedermooren. Diese Art gilt als Tonzeiger. Sie ist eine Charakterart des Verbands Caricion davallianae, kommt aber auch in Gesellschaften des Verbands Molinion und in Sesleria albicans-Gesellschaften vor. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w+ (feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 2+ (unter-subalpin und ober-montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).

Weblinks

Verbreitung auf der Nordhalbkugel aus: Eric Hultén, Magnus Fries: Atlas of North European vascular plants. 1986, ISBN 3-87429-263-0 bei .html Den virtuella floran. (schwed.) Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben) Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, 1753, S. 311 (Erstbeschreibung als Anthericum calyculatum)

Einzelnachweise W. T. Stearn: Tofieldia. In: Karl Suessenguth: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Begründet von Gustav Hegi. Band II: Monocotyledones, II. Teil. J. F. Lehmanns, München/Berlin 1939, S. 238–239.

Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 331.

Eckhard von Raab-Straube (2020+): Topfieldiaceae. Datenblatt Tofieldia calyculata In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.

Kategorie:Froschlöffelartige