Pritzerbe [] ist ein Ortsteil der Stadt Havelsee im Landkreis Potsdam-Mittelmark im Land Brandenburg und ist Teil des Amtes Beetzsee. 2002 schloss sich Pritzerbe freiwillig mit den Gemeinden Fohrde, Briest und Hohenferchesar zur Stadt Havelsee zusammen, denen sich 2008 das Dorf Marzahne anschloss. Pritzerbe liegt zwischen dem nördlichen Ufer des Pritzerber Sees und der Havel. Die Bundesstraße 102 und die Landesstraße 98 führen durch den Ort.

Geschichte Vorgeschichte mini|links|Mittelsteinzeitliches Schwirrgerät, Fundplatz Pritzerbe, Kreismuseum Jerichower Land in Genthin Bereits in vorgeschichtlicher Zeit war die Gegend Pritzerbes von Menschen bewohnt. Anhand archäologischer Funde konnten Besiedlungen des Raums spätestens seit der mittleren Steinzeit nachgewiesen werden. So wurden im Gebiet des Pritzerber Sees zahlreiche Artefakte aus Knochen und Geweih ausgegraben, die in die jungpaläolithische beziehungsweise mesolithische Zeit datiert werden konnten. Man fand beispielsweise Spitzen, knöcherne Angelhaken und ein Schwirrgerät. Aus der jüngeren Steinzeit liegen aus der Pritzerber Gegend ebenfalls Einzelfunde vor.

Aus der Bronzezeit stammt ein nordöstlich der Stadt entdecktes Hügelgrab. Eisenzeitliche Grabfelder wurden in der Umgebung des Pritzerber Sees gefunden.Brandenburg an der Havel und Umgebung, Sebastian Lentz, Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln, 2006, S. 90 ff Ein großer Teil der prähistorischen Funde um Pritzerbe ist im Kreismuseum Jerichower Land in Genthin ausgestellt.

In seinem Werk Germania beschreibt Tacitus die Gegend östlich der Elbe bis an die Oder als Siedlungsgebiet des suebischen Stamms der Semnonen. Bis auf wenige Restgruppen verließen die Semnonen noch vor beziehungsweise spätestens während der Zeit der Völkerwanderung ab dem 3. beziehungsweise 4. Jahrhundert ihr altes Siedlungsgebiet an der Havel in Richtung des Rheins. Ab dem 5. bzw. 6. Jahrhundert kam die germanische Siedlungstätigkeit weitgehend zum Erliegen. Es liegen nur noch wenige archäologische Funde vor. Anfang des 8. JahrhundertsFelix Biermann, Stefan Dalitz, Karl-Uwe Heußner: Der Brunnen von Schmerzke, Stadt Brandenburg a.d. Havel, und die absolute Chronologie der frühslawischen Besiedlung im nordostdeutschen Raum. in: Praehistorische Zeitschrift. Band 74 (1999), Heft 2, S. 219–244 passim.; ihnen ausdrücklich folgend Thomas Kersting: Slawen in Brandenburg:eine archäologische Momentaufnahme. in: Joachim Müller, Klaus Neitmann, Franz Schopper (Hrsg.): Wie die Mark entstand. 850 Jahre Mark Brandenburg. BLDAM, Wünsdorf 2009. ISBN 978-3-910011-56-4, S. 15–31, hier S. 23. wanderten Slawen in das nach der Abwanderung der Germanen weitgehend siedlungsleere Gebiet ein. Reste germanischer Bevölkerung gingen in der slawischen Mehrheitsbevölkerung auf.

Mittelalter Nachdem die vorher slawische Burg Brandenburg zwanzig Jahre zuvor von Heinrich I. erobert worden war, errichtete König Otto I. im Jahre 948 das Bistum Brandenburg. In diesem Zusammenhang wurde die ehemalige Stadt Pritzerbe erstmals als civitas Prizervi urkundlich erwähnt. Der spätere Kaiser übertrug dem von ihm neu gegründeten Bistum beziehungsweise dem Fürstentum des Bischofs, dem Hochstift Brandenburg die Orte Pritzerbe und Ziesar mitsamt den umliegenden Ländereien. Es wird angenommen, dass der Name Pritzerbe slawischen Ursprungs ist. Er enthält das polabische Wort cerv, das so viel wie Made oder Wurm bedeutet. Weiterhin soll es die Bedeutung rote Farbe, roter Stoff haben.Brandenburg an der Havel und Umgebung, Sebastian Lentz, Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln, 2006, S. 90 Da es 983 zu einem Aufstand der Slawen kam, bei dem Brandenburg mitsamt seinen umliegenden Gebieten in die Hände heidnischer Slawen zurückfiel, lebten die Bischöfe formal in kontinuierlicher Besetzung im Exil in Magdeburg als Titularbischöfe, hatten jedoch keine Herrschaft über ihre Gebiete östlich an der Havel. Dieser Zustand bestand fast 200 Jahre, bis 1157 Albrecht der Bär Brandenburg zurückerobern konnte.

mini|Burgstall der ehemaligen bischöflichen Burg Pritzerbe So dauerte es bis 1161, bis Pritzerbe wieder Erwähnung fand. Laut einer Urkunde aus dem Jahr 1161 bildete es den Mittelpunkt eines Burgbezirks. abgerufen am 16. Oktober 2013 Der Bischof von Brandenburg ließ die Burg Pritzerbe zum Schutz des Verkehrs auf der Havel und der am Ostufer verlaufenden Landstraße im Winkel zwischen Fluss und Pritzerber See an Stelle einer vormaligen slawischen Befestigung errichten beziehungsweise ausbauen. Sie war auch Sitz der Verwaltung der umliegenden Güter durch einen Vogt. Vermutlich im Jahre 1207 oder 1208 gab es in Pritzerbe einen ersten Kirchenbau, eine Marienkirche, die bei späteren Bränden jedoch zerstört wurde. Ein in dieser Zeit wiederholt in Urkunden erwähnter Ritter und späterer Domherr Daniel von Mukede übertrug 1225 vier Hufen Land und eine Wiese in Pritzerbe dem Hospital des Doms zu Brandenburg. Ab dem Jahr 1216 bis 1275 war die Stadt und Burg wiederholt Bischofsresidenz. Nachdem im 14. Jahrhundert in Ziesar die Bischofsburg ausgebaut worden war, verlor Pritzerbe die Funktion einer Residenzstadt jedoch wieder.

Das erste überlieferte Hochwasser ereignete sich 1336, nachdem ein Elbdeich bei Jerichow gebrochen war. 1341 wurde erstmals eine Fährverbindung nach Kützkow beschrieben, die jedoch nach den Aufzeichnungen bereits „seit alters“ bestand. Sie sei eine gute Einnahmequelle des Bischofs gewesen. Eine Fährverbindung über den Pritzerber See von Pritzerbe nach Fohrde wurde erstmalig 1828 beantragt. Sie bestand bis zum Brückenbau 1895.Brandenburg an der Havel und Umgebung, Sebastian Lentz, Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln, 2006, S. 91 Eine wichtige Ernährungsgrundlage blieb der Fischfang. So gab es 1394 in Pritzerbe zehn Fischer, welche die Fischereirechte für die Havel und den See gepachtet hatten. Spätestens seit dem Jahr 1424 war die Stadt auch Marktort. Im späten Mittelalter wurde die Burg aufgelassen.

Neuzeit Unter dem brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. und seinem Sohn Johann Georg änderten sich die Besitzverhältnisse um Pritzerbe grundlegend. 1539 führte Joachim II. im Kurfürstentum Brandenburg und im Hochstift Brandenburg die Reformation ein. Dessen Sohn Johann Georg wurde 1560 zum Bischof des Bistums und somit zum Fürst des Hochstifts gewählt beziehungsweise ernannt. 1571 fiel schließlich das zuvor teilsouveräne Hochstift Brandenburg an das Kurfürstentum beziehungsweise ging in ihm auf. In der Folge wurde der vorher kirchliche Besitz in und um Pritzerbe dem Landesherrn, dem brandenburgischen Kurfürsten zugeschlagen. Eine letzte Bischofstagung in Pritzerbe fand bereits im Jahr 1548 statt. 1598 zerstörte ein Brand weite Teile der Stadt. Einem weiteren Brand fiel 1689 die gesamte Stadt einschließlich der Kirche zum Opfer. abgerufen am 16. Oktober 2013 Im Jahr 1711 wurde in Pritzerbe die Akzise, eine Steuer auf Lebens-, Genussmittel und Verbrauchsgüter eingeführt. Um diese einziehen zu können, wurde um die Stadt der Graben mit Brücken ausgebaut und ein Palisadenzaun mit fünf Stadttoren errichtet. An den Stadttoren erfolgte die Besteuerung. Im Jahr 1773 gab es erneut einen Stadtbrand, bei dem unter anderem abermals die Kirche vollständig zerstört wurde. Sie wurde bis 1783 wieder aufgebaut. 1776 wurde die Schifferinnung der Stadt Pritzerbe als Schiffer- und Fischergilde gegründet.

1815 wurde Pritzerbe der neuen preußischen Provinz Brandenburg angegliedert. Provinzgrenze war die Havel. Das westliche Flussufer gehörte bereits zur Provinz Sachsen. Ein Jahr später wurde der Landkreis Westhavelland gegründet, zu dem bis zu seiner Auflösung 1952 auch die Stadt gehörte. Im Jahr 1844 lebten in der Stadt Pritzerbe zwei jüdische Familien, die zur jüdischen Gemeinde der Stadt Brandenburg gehörten.Die Juden und die jüdischen Gemeinden Preußens in amtlichen Enquêten des Vormärz. Enquête des Ministeriums des Inneren und der Polizei über die Rechtsverhältnisse der Juden in den preussischen Provinzen (1842–1843) – Enquête des Ministeriums der Geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten über die Kultus-, Schul- und Rechts, Manfred Jehle, Verlag K.G. Saur, München, 1998, S. 645 In den 1850er Jahren wurde Pritzerbe für kurze Zeit Kreisstadt im Westhavelland und 1853/54 bekam es ein neues städtisches Volksschulgebäude. 1899 wurde die Pritzerber Schifferfachschule gegründet. Im Jahr 1904 erreichte die Eisenbahn den Ort und Pritzerbe wurde neben Fohrde mit der privaten Brandenburgische Städtebahn, die von Treuenbrietzen über Belzig, Brandenburg, Rathenow nach Neustadt (Dosse) führte, an das deutsche Schienennetz angeschlossen. 1929 endete in Pritzerbe die Zeit des Schiffbaus. Das letzte gebaute Schiff verließ die Werft Paelegrim. abgerufen am 16. Oktober 2013 Während die Stadt 1933 1.497 Bewohner hatte, stieg diese Zahl bis 1939 auf 1.620 Einwohner. abgerufen am 16. Oktober 2013 Die größten Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg erlitt Pritzerbe kurz vor Kriegsende, als deutsche Truppen die Übergänge über Fluss und See, also die Havelfähre und die beiden Brücken nach Fohrde zerstörten. Im Rahmen der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone 1947 wurden 197 Hektar Land in Pritzerbe und Kützkow neu aufgeteilt. Am 1. Juli 1950 wurde Kützkow nach Pritzerbe eingemeindet. 1952 fand in der 1949 gegründeten DDR eine Verwaltungsreform statt. Die Länder wurden aufgelöst und stattdessen Bezirke gegründet. In diesem Zusammenhang war auch eine Umstrukturierung der bestehenden Kreise notwendig geworden. So wurde der Landkreis Westhavelland, zu dem Pritzerbe gehörte, aufgelöst und die Stadt dem neuen Kreis Brandenburg (Land) im Bezirk Potsdam angegliedert. 1953 erfolgte die Kollektivierung in Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG).Brandenburg an der Havel und Umgebung, Sebastian Lentz, Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln, 2006, S. 96 Mit den politischen Umwälzungen der Jahre 1989 und 1990 kam es wiederum zu Veränderungen. 1990 wurde der Bezirk Potsdam aufgelöst und ging im wiedergegründeten Land Brandenburg auf. Im selben Jahr kam es zur Wiedervereinigung der DDR mit der Bundesrepublik. 1993 wurde der neue Kreis Potsdam-Mittelmark gegründet, in dem der Landkreis Brandenburg aufging. Im Vorfeld der für 2003 geplanten brandenburgischen Gemeindegebietsreform schlossen sich zum 1. Februar 2002 Pritzerbe und die Gemeinden Fohrde, Briest und Hohenferchesar freiwillig zur Stadt Havelsee zusammen und Pritzerbe gab seine Selbstständigkeit auf. Offizieller Termin der Stadtwerdung war der 1. Mai 2002. Havelsee ist Stadt, da das Stadtrecht von Pritzerbe auf die Neugründung überging. Am 1. Januar 2008 kam Marzahne als jüngster Ortsteil zu Havelsee. mini|Bevölkerungsentwicklung 1875 bis 2001 + Bevölkerungsentwicklung Pritzerbes von 1875 bis zum Ende der Selbstständigkeit 2001 Jahr Einwohner 1875 2022 1890 2127 1910 1881 1925 1736 1933 1646 Jahr Einwohner 1939 1793 1946 2221 1950 2132 1964 1565 1971 1504 Jahr Einwohner 1981 1212 1985 1188 1989 1170 1990 1137 1991 1087 Jahr Einwohner 1992 1096 1993 1095 1994 1085 1995 1091 1996 1215 Jahr Einwohner 1997 1295 1998 1316 1999 1320 2000 1336 2001 1279

Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Orgel in der Stadtkirche St. Marien „Unser lieben Frauen“ Sehenswürdigkeiten sind der historische Stadtkern der über eintausend Jahre alten märkischen Kleinstadt mit denkmalgeschützten Gehöften und Häusern (Dammstraße 18, Dammstraße 20, Havelstraße 8 und Mühlenstraße 4) und der nach einem Brand neu aufgebauten und 1783 geweihten Stadtkirche St. Marien „Unser lieben Frauen“, in der sich eine Orgel von Joachim Wagner aus dem Jahr 1737 befindet. abgerufen am 16. Oktober 2013 Auf dem ebenfalls denkmalgeschützten Pfarrgehöft in der Markstraße 6 wurde 2006 eine etwa zweihundert Jahre alte Fachwerkstallscheune restauriert. abgerufen am 16. Oktober 2013 Von der bischöflichen Burg Pritzerbe ist heute nur noch ein Burgstall, der spätere Mühlberg, am südlichen Ende zwischen der Bundesstraße 1 und der Havelstraße sichtbar.