Das Schwäbische Donaumoos ist das größte zusammenhängende Feuchtgebiet Süddeutschlands, das in post-pleistozäner Zeit von der Donau in der Flusslandschaft „Naturraum Donauried“ zwischen Neu-Ulm und Donauwörth geschaffen wurde. Das Schwäbische Donaumoos ist dabei der westliche Teil des Donaurieds, die Fläche zwischen Riedheim bis Gundelfingen, heutigem Donaukanal und Schwäbischer Alb. Dieser Teil ist eine hydrogeologische Besonderheit, weil die zum Donautal fließenden, riesigen Karstwassermengen der südöstlichen Schwäbischen Alb ein sehr großes Donaukies-Grundwasser-Reservoir geschaffen haben und dabei ein Feuchtgebiet, teilweise ein Niedermoor, entstand.
Nur ein kleiner Teil des ursprünglichen Feuchtgebiets konnte vor einer totalen Urbarmachung bewahrt werden. FFH-Schutz und die Ramsar-Konvention stufen den Teil auch als international bedeutend ein. Nur drei Naturschutzgebiete können als Reste eines veritablen Niedermoores rückentwickelt werden. Sie sollen gegen die Interessen der Landwirtschaft (tiefere Entwässerung) und des Zweckverbands Landeswasserversorgung Baden-Württemberg (LW) (weniger Eutrophierung) als moortypisches, artenreiches Refugium für auch bedrohte Fauna und Flora gepflegt und wiedervernässt werden. miniatur|500px|Schwäbisches Donaumoos im pleistozänen Flusstal: Karstwasser der Alb, Feuchtgebiete, Niedermoor
Geographie Der Begriff „Schwäbisches Donaumoos“ bezeichnet nur den „besonderen“, westlichen Teil des Donaurieds bis Sontheim an der Brenz/Gundelfingen an der Donau.Der Begriff Donauried wird für die ganze, ursprünglich fluvial-feuchte, Fluss-Talebene der Oberen Donau von östlich Ulm bis Donauwörth verwendet.
Das Feuchtgebiet „Flusstal der Donau: Langenau-Sontheim-Gundelfingen-Riedheim (Leipheim)“, ca. 7,5 × 15 km, wird im Norden von der südöstlichen Schwäbischen Alb begrenzt und im Süden von den Auwäldern (ca. 1500 m) der hier kanalisierten Donau (nur ca. 70 m). Am nördlichen Rand der breiten Flusstalebene liegen die Orte Langenau, Rammingen, Asselfingen (alle Alb-Donau-Kreis), Niederstotzingen und Sontheim (beide Landkreis Heidenheim). Am südlichen Rand der Fluss-Talebene liegen Elchingen, Riedheim, Leipheim, Günzburg, Offingen, Gundremmingen, Gundelfingen. Alle südlichen Orte gehören zum bayrischen Regierungsbezirk Schwaben. Die politische Grenzziehung zwischen Baden-Württemberg und Bayern ist nur für die Administration und Entwicklung des Naturraums von Belang.
Wirtschafts-Geographie miniatur|Donauschlingen Ulm-Lauingen, 4 Blätter, Topograph. Atlas 1832–1837 Die offene und weite Riedfläche selbst ist wenig besiedelt. Das (land-)wirtschaftliche Potential des Rieds wurde aber erkannt und sukzessive genutzt. 1837 waren erste, kleinere Abschnitte der stark mäandernden Donau zwischen Ulm und Lauingen begradigt. 1871 war die Begradigung bis Passau vollendet. Von 1959 bis 1965 wurden vier Staustufen realisiert.Die Donau zwischen Riedlingen und Passau wurde größtenteils von 1806 bis 1871 begradigt. Nach und nach wurden Flächen des Naturraums extensiv, d. h. wegen häufiger witterungs- und standortbedingter Ertragseinbußen nur für Hutung, als Streumahd oder Heuwiese, genutzt. Deshalb wurde versucht, den Grundwasserspiegel durch das Ziehen von Entwässerungsgräben zu senken. Die verstärkte Sohlenerosion nach der Donaukorrektur erleichterte die Urbarmachung. Die Intensivierung der Landwirtschaft durch Ackerbau folgte dann ab der Industrialisierung wegen steigender Bevölkerung und später wegen der Not nach den Weltkriegen.Landschaftsökologie 1993, S. 11
Insbesondere im bayerischen Teil des Feuchtgebiets kam es während des Baubooms in den 1960er- und 1970er-Jahren zu beträchtlichen Ausdehnungen der Siedlungs- und Gewerbeflächen in den Randzonen. Auch die wirtschaftliche Gewinnung von Kies und Sand als begehrte Rohstoffe für Bauwirtschaft und Straßenbau stieg sprunghaft an. Es entstanden zahlreiche wassergefüllte Kiesgruben und künstliche Seen. Das Torfstechen im Niedermoor, ab 1900 im baden-württembergischen Teil auch maschinengestützt, wurde schon nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgegeben.Leipheimer Moos, 2003, S. 96
Seit 1917 schöpft die „Landeswasserversorgung BW“ (LW) Wasser zur Trinkwassergewinnung aus dem Ried. Seit dem Staatsvertrag von 1970/1992 zwischen Baden-Württemberg und Bayern hat der Zweckverband auch das Wasserrecht, bei Günzburg Donauwasser auszuleiten.
Seit etwa 1990 steigen die Finanzmittel für eine Rückentwicklung des Niedermoors. Das hat zunehmend, wenn auch nur begrenzt, wirtschaftliche Bedeutung.
Geologie Der Teil der Schwäbischen Alb, welcher an den nördlichen Rand des Donautales grenzt, ist wie die ganze Alb von geschichteten oder massigen Kalksteinen des Weißen Jura geprägt. Die Albtafel fällt, wie die ganze Südwestdeutsche Schichtstufenlandschaft, weitgehend gleichmäßig um 1 bis 1,7 % nach Südsüdost bis Südost ab.Donauried LW, 1997, S. 42 Auf Teile der Albtafel südlich der Lone legten sich noch Abtragungssedimente aus den Alpen. Die seit der Alpenentstehung (Hauptphase seit dem Unter-Miozän) abgetragenen und erneut sedimentierten Gesteine sind hier noch heute inselartig vorhanden. Auch im von den Schmelzwassermassen der Kaltzeiten ausgeräumten Tal sind diese unter der Oberfläche nach Süden keilförmig wachsenden Molassesedimente noch erhalten.Donauried LW, 1997, S. 41
Die fluviatile Dynamik der Donau hat seit dem Spät-Pleistozän, vor allem in periglazialen Zeiten, die Flusslandschaft, das heißt: die Deckschichten und die obersten Gesteinsformationen geprägt. Vor allem Prozesse von Erosion, Verwitterung und Tektonik der letzten 50.000 Jahre haben gewirkt. Mit dem Abklingen der Schmelzwassermassen ließen auch die enormen Geschiebelasten der südlichen Zuflüsse und die übrigen, angelandeten Sedimentationen nach. Kiese und Sande wurden durch „eine durchgehende, teilweise nur wenige Zentimeter starke, verbliebene Lehm- und Tonschicht“ überdeckt.Landschaftsökologie 1993, S. 9 Diese, zumeist undurchlässigen, Deckschichten ermöglichten schließlich die Entstehung eines ausgedehnten Niedermoors. Bis etwa vor 200 Jahren verblieb diese Flusslandschaft im Wesentlichen ein Feuchtbiotop, im Kernbereich ein Niedermoor und die Donau mäanderte – ihre Schlingen mehrfach wechselnd. Die Morphologie, die Sedimente und der Grundwasserkieskörper blieben vom Menschen unberührt.
Wilhelm Schloz (Landesamt für Geologie, Raumplanung und Boden) hat 1979 die „Zeichnung eines geologischen Nord-Süd-Schnitts Asselfingen-Donau-Günzburg“ veröffentlicht, die sich auf eine Reihe von Bohrungen stützt.LGRB Schloz, 1979 Demzufolge haben hohe Grundwasserspiegel durch ausreichende Karstwasserzuflüsse im Präboreal bis späten Atlantikum die Verdichtung von sehr langsam mikrobiell-organischem Pflanzenabbau (Torfbildung) bewirkt. In tiefer liegenden, abflusslosen Senken bestehen trotz anthropogener Wassergraben-Systeme auch heute noch Niedermoorinseln.
Die Befunde von W. Schloz, den geologischen Aufbau der Gesteinsschichten unter den holozänen Decken (Schluff, Ton, Kalkmudde, Anmoor, Wiesenkalk, Moorboden), zeigt das Geologische Profil in der überarbeiteten Graphik.
Am Südrand der Donautals ist der Weißjura bereits rund 150 m abgetaucht. BMBF-Fo-Endbericht, 2004, S. 33
Hydrogeologie miniatur|Hydrogeologisches Profil des Schwäbisches Donaumooses. Schichten, Karst- und Flusskies-Aquifer
Das ganze etwa 55 km lange post-pleistozäne Feuchtgebiet der Donauebene zwischen Langenau und Donauwörth ist als eigenständiger „Naturraum Donauried“ (Ried=Moor) definiert.Der „Naturraum Donauried“ wird z. B. vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) als Planungsgrundlage für das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 verwendet. BfN-Quelle: siehe Weblinks
Das Schwäbische Donaumoos, der etwa 7,5 × 15 km große westliche Teil des Donaurieds bis Sontheim/Gundelfingen hat trotz Erstellung und Ausweitung eines Entwässerungssystems auch heute noch den besonderen Charakter nasser Böden und extrem ergiebiger Grundwasservorräte. Bis etwa 1800 prägte der Fluss und die Schichten unmittelbar darunter die Landschaft als veritables „Durchströmungsmoor“ mit entsprechender Fauna und Flora. „Erst mit Beginn des Industriezeitalters bei steigender Bevölkerungsdichte und vermehrtem Energiebedarf“Landschaftsökologie 1993, S. 10 begannen die Menschen die Landschaft zu verändern.
Karstaquifer Der Wasserreichtum ergibt sich aus dem Karstgrundwassersystems des „Tiefen Karst“ eines Teils der östlichen Schwäbischen Alb.Nellingen-Böhmenkirch bis Beimerstetten-Sontheim, ca. 340 km² Das in den Sommermonaten verstärkt anfallende NiederschlagswasserHöll Porenraum, 2007, S. 31 dieser Albflächen versickert und fließt langsam nach Südosten. Ein markantes Beispiel für die extremen Karstversickerungen liefert der kleine Fluss Lone. Dieser im Unter-Miozän schon bestehende und damals sehr bedeutende Entwässerungsstrang („Heilbronner- und Tübinger Lone“Strasser Ur-Lone, 2005, S. 3) ist heute nur noch ein kleiner, 36 km langer, auf die Alb beschränkter Bach. Das Lone-Wasser, einschließlich der Einzugsgebiete der wenigen Seitentäler (alles Trockentäler), versickert in den meisten Jahren vollständig.Donauried LW, 1997, S. 50
Den einzigen nennenswerten direkten Aufstieg des Karstgrundwassers zur Erdoberfläche südlich der Lone stellen heute die Karstquellen im Ort Langenau an der Randstufe des pleistozänen Donautals – dem Südrand der Schwäbischen Alb – dar. Die großen Schüttungen mehrerer Karstquellen sind von gewöhnlichen Niederschlagsereignissen weitgehend unabhängig.Donauried LW, 1997, S. 59 Der übrige Karstwasser-Abfluss steigt unterirdisch in das breite Flusstal auf.
Dem Wasser des Weißjura-Karst-Aquifers ist der direkte Übertritt in den Haupt-Vorfluter Donau versperrt, da der alte mäandernde und auch der heute kanalisierte Fluss am Südrand des Tals verläuft. Auch die gering- bis undurchlässigen Molasseschichten unter dem Talboden sind sperrend.Donauried LW, 1997, S. 49 Stattdessen dringt das Karstgrundwasser „lateral“ und aufsteigend in den gut durchlässigen Grundwasserleiter „Kiesaquifer“ ein.Donauried LW, 1997, S. 54f In den nach Süden mächtiger werdenden Molasse-Sedimenten dringt immer weniger Karstwasser nach oben durch. Sofern Karstgrundwasser heutzutage nicht zur Trinkwassergewinnung von der LW entnommen wird, fließt es über Quellen, Entwässerungsgräben, Bäche, die Nau und die Brenz indirekt in die Donau.
Die Nau und ihre Karstquellen miniatur|Karstquelltopf Löffelbrunnen, Langenauer Becken, Donautal miniatur|links|Karstquelltopf der Nauquelle, Langenauer Becken In der nordwestlichen Spitze des breiten Donau-Flussbettes, der Bucht des so genannten „Langenauer Becken,“Donauried LW, 1997, S. 57 in welchem sich die Stadt Langenau entwickelt hat,Stadtrechte 1301, vgl. Siedlungsgeschichte im Webauftritt der Stadt Langenau dringt das Karstwasser aus vier großen und mehreren kleinen Karstquellen an die Oberfläche, denn der Karstwasserspiegel der Alb entspricht hier exakt dem „Vorfluter“-Niveau der alten Donau; Molasse-Sedimente sind hier nicht vorhanden. Das 26 km lange, am westlichen Niedermoorrand mäandernde Flüsschen Nau ist zwar für die Langenauer Karstquellen eine Entwässerungsrinne. Die baden-württembergischen Feuchtwiesen und das zentral liegende Niedermoor stehen dagegen nur bei Überschwemmungen mit der Nau im Austausch. Durch die Grundwassersenkung nach der Donaubegradigung haben aber Überschwemmungen nachgelassen. Erst durch die wasserrechtliche Genehmigung zum Bau und Inbetriebnahme (2006–2011) einer Nau-Wasserleitung in die naturgeschützten Niedermoorbereiche zum Zweck einer Wiedervernässung besteht wieder ein Austausch.Geschäftsbericht ARGE, 2015, S. 3 Nach einem Stück Parallellauf durch die holozäne Donau-Waldaue mündet die Nau westlich von Günzburg in die heutige Donau.
Flusskiesaquifer