Das Gesamtministerium Gradnauer II bildete vom 14. März 1919 bis 4. Mai 1920 (ab 22. April 1920 geschäftsführend) die Landesregierung von Sachsen. Sie wurde von der Sächsischen Volkskammer, dem provisorischen Parlament, das die Sächsische Verfassung erarbeiten sollte, gewählt und stütze sich auf eine parlamentarische Minderheit aus Sozialdemokraten bzw. ab Oktober 1919 auf eine Mehrheit aus Sozialdemokraten und linksliberaler DDP.
Abstimmung im Landtag Die Wahl Gradnauers fand am 14. März 1919 in der Sächsischen Volkskammer statt. Das Ergebnis ist folgend tabellarisch dargestellt: +Dresden, 14. März 1919WahlgangKandidatStimmenanzahlAnteilUnterstützer1. WahlgangGeorg Gradnauer49 51,0 % SPD, DDPleer4142,7 % USPD, DNVP, DVPWalter Koch11,0 %unklarnicht abgegeben44,2 %unklarnicht anwesend11,0 %Konrad Niethammer (DVP)Georg Gradnauer als Ministerpräsident gewählt. Gradnauer bildet das Gesamtministerium Gradnauer II. Ziel Gradnauers war zunächst eine Regierung aus (M)SPD, USPD und DDP zu bilden. Das lehnte die USPD ab; auch die Bildung einer rein sozialdemokratischen Koalition beider sozialdemokratischer Parteien scheiterte. Die SPD-Fraktion in der Volkskammer vertrat anschließend die Meinung, die Regierung müsse rein sozialdemokratisch besetzt werden, da das sächsische Volk mehrheitlich sozialdemokratisch wählte. Die DDP war deshalb zunächst nicht an der Regierung beteiligt.
Die Ministerliste entspricht der des Gesamtministeriums Gradnauer I mit Ausnahme der Ernennung eines Innenministers. Dieses Amt hatte Gradnauer zuvor noch selbst ausgeübt. Am 6. Oktober 1919 trat die DDP in die Regierung ein.
Gradnauer trat am 22. April 1920 aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück, bleib aber noch gut zwei Wochen geschäftsführend im Amt. Zu seinem Nachfolger wurde Wilhelm Buck gewählt.
Mitglieder des Gesamtministeriums AmtBildNamePartei Ministerpräsident zentriert|rahmenlos|120px Georg Gradnauer SPDMinister für auswärtige Angelegenheiten zentriert|rahmenlos|120pxGeorg GradnauerSPDStellvertreter des Ministerpräsidenten Minister des Innern zentriert|rahmenlos|120pxKarl Otto UhligSPD Finanzminister zentriert|rahmenlos|120px August Emil Nitzsche bis 6. Oktober 1919 SPD zentriert|rahmenlos|120pxEmil Nitzschke ab 6. Oktober 1919
bis 6. April 1920DDP zentriert|rahmenlos|120pxPeter Reinhold (Nachfolger Nitzschkes)DDP Justizminister zentriert|rahmenlos|120px Rudolf Harnisch SPD Minister für Militärwesen aufgelöst mit Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung am 14. August 1919 zentriert|rahmenlos|120px Gustav Neuring ermordet am 12. April 1919 SPDAmt vakant zentriert|rahmenlos|120pxBruno Kirchhof ab 26. April 1919
bis 14. August 1919SPD Wirtschaftsminister zentriert|rahmenlos|120px Albert Schwarz SPD Minister für Arbeit und Wohlfahrt zentriert|rahmenlos|120px Max Heldt SPD Minister des Kultus und öffentlichen Unterrichts zentriert|rahmenlos|120px Wilhelm Buck bis 6. Oktober 1919 SPD zentriert|rahmenlos|120pxRichard Seyfert ab 6. Oktober 1919DDP
Belege
Gradnauer 2 Kategorie:Kabinett mit SPD-Beteiligung