Der Winterstein, auch als Hinteres Raubschloss oder als Raubstein bezeichnet, ist ein einzeln stehendes, langgestrecktes Felsmassiv in der Hinteren Sächsischen Schweiz im Freistaat Sachsen. Auf dem 389 Meter hohen Gipfel befand sich einst die mittelalterliche Felsenburg Winterstein, von der noch Reste wie Balkenfalze, ausgehauene Treppenstufen und die Zisterne erkennbar sind. Erstmals erwähnt wurde die wahrscheinlich im 13. Jahrhundert errichtete Burg im Jahr 1379 als böhmischer Pfandbesitz. Sie ging 1404 in sächsischen Besitz über, war aber bereits um 1450 verfallen. Das Felsmassiv des Wintersteins ist ein beliebtes Ziel für Wanderungen, das Gipfelplateau kann über Stiegen und Leitern erreicht werden.

Lage und Geologie Der freistehende und seine Umgebung um etwa 90 bis 100 Meter überragende, etwa 120 × 50 Meter große Winterstein befindet sich in der nahezu siedlungsleeren und dicht bewaldeten Hinteren Sächsischen Schweiz oberhalb des Großen Zschandes in der Gemarkung Ostrau. Den etwa 30 Meter höheren Bärfangwänden südlich des Wintersteins ist der Fels als verbliebener SandsteinhärtlingAlfred Neugebauer: Die Felsenburg des Recken vom Winterstein. In: Peter Rölke (Hrsg.): Wander- & Naturführer Sächsische Schweiz. Band 1, Verlag Rölke, Dresden 1999, ISBN 3-934514-08-1, S. 127. etwa 150 Meter vorgelagert. Er liegt innerhalb des Nationalparks Sächsische Schweiz, knapp außerhalb der Kernzone des östlichen Nationalparkbereichs. Wenige Kilometer östlich liegt im Großen Zschand das Zeughaus. Westlich des Wintersteins erstreckt sich der Kleine Zschand, überragt vom Großen und Kleinen Winterberg. Zum Felskomplex des Wintersteins gehört der südlich vorgelagerte und nur durch eine schmale Kluft getrennte Klettergipfel Wintersteinwächter.

mini|Winterstein von Norden, vor dem Hintergrund der Bärfangwände mini|Winterstein von Süden, Blick von den Bärfangwänden Wie das gesamte Elbsandsteingebirge entstand der Winterstein aus Ablagerungen eines kreidezeitlichen Meeres, das im Turonium und Coniacium bis zu 400 Meter mächtige klastische Sedimente ablagerte. Der Winterstein gehört wie die benachbarten Bärfangwände nach der ursprünglichen petrographisch-morphologischen Gliederung von Friedrich Lamprecht zu den beiden Horizonten der Sandsteinstufen c3 und d des Elbsandsteingebirges.Gerhard Engelmann, Hermann Lemme: Während der Horizont c3 noch zu der sogenannten Postelwitz-Formation zählt (abgerufen am 10. Dezember 2013). und eher hangbildend ist, bildet der wandbildende Horizont d den mit 50 bis 80 Metern mächtigsten Teil der Schrammstein-Formation. (abgerufen am 20. November 2013). (abgerufen am 20. November 2013; PDF; 6,7 MB). Am Winterstein erreichen die senkrechten Felswände aus beiden Horizonten eine Höhe von bis zu 40 Metern, durch den untenliegenden hangbildenden Horizont c3 ragt der gesamte Felsstock gut 100 Meter über die Waldgebiete nördlich davon auf. Zwischen den beiden Horizonten bildet der an vielen Stellen des Elbsandsteingebirges deutlich in Form von Felsterrassen und Überhängen sichtbare, sogenannte Untere Höhlenhorizont am Winterstein eine teilweise mehrere Meter breite Felsterrasse auf der Süd- und Ostseite des Felsens. Auf der Nord- und Westseite ist diese Trennschicht nur als dünnes, nicht begehbares Band erkennbar. Der untere Horizont c3 ist als schmales Felsband um den gesamten Winterstein gegen die im Hangenden folgenden Schichten abgegrenzt.

Zugang zum Winterstein Der Winterstein ist aus verschiedenen Richtungen gut zu Fuß erreichbar. Vom Kirnitzschtal herauf durch den Kleinen Zschand führt ein Wanderweg am Fuß des Felsmassivs vorbei, der auch über die untere Affensteinpromenade erreicht werden kann. Ein weiterer Ausgangspunkt für den Besuch des Wintersteins ist die Neumannmühle im Kirnitzschtal. Von dort führt der Weg durch den Großen Zschand und dann steil durch die Raubsteinschlüchte hinauf zur Scharte zwischen den Bärfangwänden und dem Winterstein. Von Schmilka verläuft der Weg über den Großen Winterberg zum Winterstein.

Ein Abzweig führt von der Scharte über Treppen und Leitern auf die breite Felsenterrasse an der Südseite des Felsmassivs zur großen Klufthöhle an der Trennschicht der Sandsteinstufen. Von dort erreichen trittsichere und schwindelfreie Wanderer das Gipfelplateau des Wintersteins über eine freistehende, etwa zehn Meter hohe Leiter in der Höhle und mit Stufen ausgebaute schmale Felsspalten. Am Sockel kann der Winterstein auf schmalen Felsbändern umrundet werden, dort befinden sich verschiedene Felshöhlen und Überhänge, die von Bergsteigern als Boofen zur Übernachtung genutzt werden dürfen. (abgerufen am 6. November 2011; PDF; 19 kB). Auf dem Gipfel existiert kein Geländer.

Aussicht Vom Winterstein ermöglicht sich eine umfangreiche Aussicht auf die umliegenden Felsen.

Geschichte mini|Fundamentreste der Felsenburg auf dem Winterstein, rechts im Hintergrund die Bärfangwände Die Burganlage auf dem Winterstein gilt als die größte und älteste Anlage dieser Art der Hinteren Sächsischen Schweiz. Allerdings liegen nur wenige schriftliche Quellen zu ihrer Entstehung und Geschichte vor. Beides ist daher immer wieder Gegenstand historischer Kontroversen.Christian Maaz: Winterstein – eine kritische Analyse historischer Quellen. In: Burgenforschung aus Sachsen. Heft 20 (2007), Deutsche Burgenvereinigung e. V., Landesgruppe Sachsen, S. 57–72.

Entstehung der Burg mini|hochkant|König Wenzel IV. Errichtet wurde die Burg wie auch weitere Felsenburgen im Elbsandsteingebirge vermutlich durch das böhmische Adelsgeschlecht der Berken von der Duba im Zuge des Ausbaus ihrer Herrschaft im 13. Jahrhundert, in dessen Mitte früheste Keramikfunde datieren. Die Annahme, dass die Berken mit der Burg eine Handelsstraße durch ihr Gebiet von Schandau bzw. Postelwitz nach Zittau schützten, wird in der neueren Literatur bestritten, die Existenz dieser Straße wird sogar in Frage gestellt.Christian Maaz: Winterstein – eine kritische Analyse historischer Quellen. In: Burgenforschung aus Sachsen. Heft 20 (2007), Deutsche Burgenvereinigung e. V., Landesgruppe Sachsen, S. 60 ff. Anstelle der Berken kommen als Bauherren aufgrund von Vergleichen mit der Felsenburg Neurathen auch das böhmische Adelsgeschlecht der Markwartitze in Frage. Die These, dass der Winterstein wie andere Felsenburgen der Sächsischen Schweiz für den Rückzug des böhmischen Königs Wenzel I. nach der Niederlage des schlesischen Herzogs Heinrich II. in der Schlacht bei Liegnitz am 7. April 1241 systematisch ausgebaut wurde, ist nicht plausibel. Allerdings fürchtete König Wenzel nach der Schlacht bei Liegnitz mongolische Einfälle in Mähren und der Oberlausitz und suchte nach Verbündeten. Deshalb war er nun bereit, am 7. Mai 1241 auf dem Königstein im Beisein des Meißner Bischofs Konrad die Oberlausitzer Grenzurkunde, die seit 1228 zur Ratifikation bereitlag, zu ratifizieren. Richard Jecht: Neues zur Oberlausitzer Grenzurkunde. In: Neues Lausitzisches Magazin. Band 95. Görlitz 1919, S. 63–94, hier S. 76 (SLUB Dresden). Der Winterstein wird in der Urkunde jedoch nicht erwähnt.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Winterstein im Jahre 1379, als der böhmische König Wenzel IV. ihn als Zubehör des Burgbezirkes Pirna, jedoch als selbständigen Pfandbesitz, seinem Kämmerer Thimo von Colditz, Besitzer der Herrschaft Graupen, verpfändete. Der Winterstein ist damit die am frühesten erwähnte Felsenburg der Hinteren Sächsischen Schweiz. Die Pfandschaft wurde 1381 bestätigt, 1391 löste sie Wenzel IV. wieder ein. Immer noch zu Pirna gehörend, erfolgte 1396 eine neuerliche Verpfändung des Wintersteins an König Wenzels Kammermeister Burkhard Strnad von Janowitz. Der König forderte 1397 die Bewohner der verpfändeten Gebietsteile auf, die Steuern an Strnad abzuführen. Dresden 1927, Königstein, S. 134 (abgerufen am 2. Oktober 2011; PDF; 32,1 MB). Daraus folgt, dass zum Winterstein Dörfer gehörten, die Einnahmen brachten. Es fehlen genauere schriftliche Angaben, um welche Gemeinwesen es sich handelte, anzunehmen sind umliegende Städte und Dörfer wie Bad Schandau, Altendorf und Lichtenhain, eventuell noch Saupsdorf und Hinterhermsdorf.Christian Maaz: Winterstein – eine kritische Analyse historischer Quellen. In: Burgenforschung aus Sachsen. Heft 20 (2007), Deutsche Burgenvereinigung e. V., Landesgruppe Sachsen, S. 58.

Unklare Besitzverhältnisse der Burg mini|hochkant|Friedrich der Sanftmütige Zu weiteren Besitzerwechseln gibt es teilweise nur Vermutungen. Burkhard Strnad von Janowitz wurde bereits 1397 im Auftrag Herzog Johanns II. von Troppau-Ratibor ermordet. Danach scheint Johann von Wartenberg, der Herr von Blankenstein bei Tetschen, Inhaber der Pfandschaft gewesen zu sein.Alfred Meiche: Dresden 1927, Winterstein, S. 380 (abgerufen am 2. Oktober 2011; PDF; 32,1 MB). Der Winterstein ging 1404 zusammen mit der bis dahin zur böhmischen Krone gehörenden Pflege Pirna an den meißnischen Markgrafen Wilhelm I. Dieser Besitzerwechsel steht in Zusammenhang mit der Dohnaischen Fehde, in der der Markgraf bestrebt war, das gesamte Gebiet der heutigen Sächsischen Schweiz in seinen Besitz zu bringen.Hermann Lemme, Gerhard Engelmann: In den markgräflichen Rechnungsbüchern und den Dresdner Kämmereirechnungen ist vermerkt, dass zwischen 1406 und 1408 auf dem Winterstein eine markgräflich-meißnische Besatzung unter dem Hauptmann von Techerwitz lag. Angegeben wurden aber keine Einnahmen, sondern nur Ausgaben.

Unsicher ist der weitere Besitz des Wintersteins. Georg Pilk und mit ihm die meisten Forscher nehmen an, dass der Winterstein um 1440 erneut in böhmischen Besitz überging. In den Quellen ist ab 1441 ein „Recke zcum Wintersteine“ erwähnt, der sich auf Seiten der Wartenberger an der „Wartenberger Fehde“ beteiligte. Im selben Jahr forderte Kurfürst Friedrich der Sanftmütige von den Berken von der Duba als Herren der Herrschaften Wildenstein und Hohnstein sowie von Johann von Wartenberg auf Blankenstein, dem Recken und weiteren namentlich genannten böhmischen Burgrittern keine Unterstützung mehr zu leisten, sondern vielmehr ihm, dem Kurfürsten, und dem Bischof von Meißen bei deren Bekämpfung zu helfen. Aufgrund der Zusage der Berken und der Wartenberger scheint dem Recken von Winterstein noch im selben Jahr seine Burg abgenommen worden zu sein. Sie kam danach in den Besitz Johanns von Wartenberg, der sie am 24. Juli 1441 an „Land und Städte“ der Oberlausitz verkaufte.

Die Zuordnung des Recken von Winterstein und des anschließenden Verkaufs seiner Burg an die Oberlausitzer zur Felsenburg auf dem heutigen Winterstein in der Sächsischen Schweiz ist jedoch umstritten, zumal die Existenz einer Handelsstraße – eine wesentliche Voraussetzung für das Raubrittertum – in der Nähe des Wintersteins ebenfalls bezweifelt wird. Eine Handelsstraße vom urkundlich nachgewiesenen Ausschiffungsplatz in Postelwitz am Fuße von Falkenstein und Affensteinen vorbei und dann nördlich am Winterstein vorbei zum Großen Zschand und weiter nach Sebnitz ist urkundlich nicht fassbar und wird lediglich in Werken von Heimatforschern des 19. Jahrhunderts benannt. Spätere Forscher hegten bereits um 1950 größere Zweifel an der Existenz der Straße.Christian Maaz: Winterstein – eine kritische Analyse historischer Quellen. In: Burgenforschung aus Sachsen. Heft 20 (2007), Deutsche Burgenvereinigung e. V., Landesgruppe Sachsen, S. 61. Die Bedeutung des Postelwitzer Umschlagsplatzes war zudem, soweit urkundlich greifbar, gegenüber dem Schandauer Elbhafen nur nachrangig. Der von Sebnitz über den Großen Zschand und südlich des Großen Winterbergs zur Elbe bei Herrnskretschen führende „Reitsteig“ ist wiederum erst um 1450, also nach Ende der Nutzung des Wintersteins, nachweisbar.Christian Maaz: Winterstein – eine kritische Analyse historischer Quellen. In: Burgenforschung aus Sachsen. Heft 20 (2007), Deutsche Burgenvereinigung e. V., Landesgruppe Sachsen, S. 63.