mini|Gottfried Heinrich zu Pappenheim, zeitgen. Kupferstich rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.8|Unterschrift Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim

Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim (* 29. Mai 1594 in Treuchtlingen; † 17. November 1632 in Leipzig) war ein General im Dreißigjährigen Krieg, zuletzt im Range eines Feldmarschalls. Er kämpfte für die Katholische Liga und Kaiser Ferdinand II., unter Wallensteins Oberbefehl. Bekanntheit erlangte Pappenheim sowohl durch seinen Ruf persönlicher Verwegenheit und großer Loyalität als auch seine militärische Unberechenbarkeit. Ferner wird ihm die Erfindung der Zahnradpumpe zugeschrieben.F. Paturi; Chronik der Technik 1988. S. 119:

Familie Gottfried Heinrich zu Pappenheim entstammte dem Ministerialengeschlecht von Pappenheim, das angeblich seit 1111 belegt ist und seinen Stammsitz in der mittelfränkischen Ortschaft Pappenheim hatte. Er war der Sohn des Reichserbmarschalls Veit zu Pappenheim (* 1535; † 1600) und dessen zweiter Frau Maria Salome von Preising-Kopfsburg. Er war in erster Ehe mit Anna Ludomilla Baronesse von Kolowrat-Novohradsky (* 1601; † 1627) und in zweiter Ehe mit Anna Elisabeth Gräfin von Oettingen-Oettingen (* 1603; † 1673) verheiratet. Sein einziger Sohn Wolf Adam aus erster Ehe starb 1647 in Prag bei einem Duell mit Martin Maximilian von der Goltz.

Leben Herkunft mini|hochkant|Statue von Gottfried Heinrich zu Pappenheim in Treuchtlingen mini|hochkant|Statue in der Feldherrenhalle des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien

Das Adelsgeschlecht Pappenheim war im Zuge der Reformation zum protestantischen Glauben konvertiert, Gottfried Heinrich zu Pappenheim war also evangelisch getauft. Seine Mutter, Maria Salome, war jedoch Katholikin und versuchte nach dem Tode Veits am 18. Juni 1600, Gottfried Heinrich entgegen den testamentarischen Bestimmungen eine katholische Erziehung zukommen zu lassen.Barbara Stadler: Pappenheim und die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Gemsberg-Verlag, Winterthur 1991, ISBN 3-85701-091-6. Die erneute Hochzeit mit einem Protestanten, Adam Graf von Herberstorff, unterband diese Bestrebungen jedoch.

Pappenheims Kindheit liegt weitgehend im Dunkeln. Überliefert ist eine Immatrikulation an der Universität Ingolstadt von 1604, die jedoch noch kein Beweis für ein tatsächliches Studium ist, da der junge Pappenheim zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal zehn Jahre alt war. Für die Historikerin Barbara Stadler haben sich „[s]elbst [nach] Recherchen im Archiv der Ludwig-Maximilians-Universität in München […] keine genaueren Hinweise [bezüglich des Studiums in Ingolstadt] ergeben“. Sicher dagegen ist, dass Pappenheim ab 1607 in Tübingen und ab 1610 an der Akademie in Altdorf studierte. Dort war er an der philosophischen Fakultät eingeschrieben und genoss damit eine allgemeine Ausbildung, die für einen Adligen seiner Zeit eher untypisch war. Die folgenden Jahre absolvierte er eine Grand Tour, die ihn durch Frankreich, Spanien, Italien und in die Niederlande führte.

Konversion zum Katholizismus Beeinflusst durch seinen zum Katholizismus übergetretenen Stiefvater Herberstorff konvertierte Pappenheim im Jahr 1616 ebenfalls und wurde ein Jahr später von Kaiser Matthias zum Reichshofrat ernannt. Das Jahr 1618 verbrachte er in Treuchtlingen. Dort muss er sich um die Jahreswende 1618/1619 entschieden haben, seine zivile Karriere zu beenden und eine militärische einzuschlagen. An seinen Verwandten, den Landgrafen Maximilian von Stühlingen, brachte er folgenden Satz zu Papier:

Beginn der militärischen Laufbahn Der Tod des Kaisers am 20. März 1619 entband zu Pappenheim von seinen Pflichten als Reichshofrat und ermöglichte ihm die Bewerbung als Obristlieutenant bei einem kaiserlichen Infanterieregiment. Er wurde abgelehnt, bekam dafür etwas später aber einen Posten als Rittmeister in der Katholischen Liga und den Auftrag, eine 200 Mann starke Kürassierkompanie im Rheinland anzuwerben und binnen acht Wochen nach Ingolstadt zu führen.

Pappenheims Kompanie war im folgenden Sommer 1620 an der Unterwerfung Oberösterreichs beteiligt, und er nahm am 8. November schließlich als Oberstleutnant im Regiment seines Stiefvaters an der Schlacht am Weißen Berg nahe Prag teil. Dabei fing er mit seiner Kavallerie einen Durchbruch der böhmischen Infanterie durch die katholischen Linien ab, wobei er mehr als 20 schwere Hieb- und Stichwunden erlitt, was ihm später den Spitznamen Schrammhans einbrachte.Hans Schwackenhofer: Die Reichserbmarschälle, Grafen und Herren von und zu Pappenheim. S. 176Christian Pantle: Der Dreissigjährige Krieg. Als Deutschland in Flammen stand. S. 51, Propyläen, Berlin 2017, ISBN 978-3-549-07443-5 Er überlebte die folgende Nacht vermutlich nur, weil er unter seinem erschossenen Pferd eingeklemmt wurde und ihn der Körper des Pferdes vor Unterkühlung bewahrte. Am nächsten Morgen wurde er von einem katholischen Plünderer in die Stadt gebracht und dort vom böhmischen Landesarzt Andreas Stegemann behandelt.

Die schweren Verletzungen hinderten ihn an der Teilnahme an der Unterwerfung Böhmens, und im folgenden Jahr 1621 weilte er als Abgesandter des Generalleutnants Johann t’Serclaes von Tilly für kurze Zeit in Wien. Nachher beteiligte er sich an der Verfolgung des protestantischen Feldherren Ernst von Mansfeld in die Oberpfalz, jedoch konnte er in den Jahren 1622 und 1623 wegen der Spätfolgen seiner Verletzung nicht mehr aktiv am Kriegsgeschehen teilnehmen. In dieser Zeit richtete er auch mehrere Rücktrittsgesuche an Herzog Maximilian von Bayern, das Oberhaupt der katholischen Liga, doch stattdessen wurde er im April 1622 zum Obristen befördert. Auf dem Reichstag zu Regensburg 1623 schlug ihn Kaiser Ferdinand II. zum Ritter.

Veltlinkrieg und Oberösterreichischer Bauernkrieg Nachfolgend kämpfte Gottfried Heinrich zu Pappenheim im sogenannten Veltlinkrieg 1625 in spanischen Diensten in Oberitalien und der Schweiz gegen Truppen aus Frankreich und Venedig. Dank seiner guten Beziehungen zum spanischen Gouverneur von Mailand war es ihm gelungen, das Oberkommando über Truppen mit 6000 Mann im Veltlin zu erhalten und am 25. September 1625 in der Schlacht bei Verceia einen großen Sieg zu erringen. Der Sieg empfahl ihn für weitere militärische Aufgaben. So kehrte er 1626 in bayerische Dienste zurück und bekämpfte im bayerischen Auftrag den in Oberösterreich nach dessen Verpfändung an Bayern ausgebrochenen Bauernaufstand. Unter seiner Mithilfe wurde der als Oberösterreichischer Bauernkrieg bekanntgewordene umfassende – und zeitweise erfolgreiche – Aufstand bei Gmunden am 14. November 1626 gebrochen.

Kampf gegen dänische Truppen im Niedersächsischen Reichskreis Nach der Vertreibung des dänischen Königs Christian IV. nach der Schlacht bei Lutter am Barenberge im August 1626 musste die niedersächsische Festung Wolfenbüttel, eine wichtige Machtbasis der Dänen, zurückerobert werden. Pappenheim, der die Belagerung ab August 1627 leiten sollte, hätte mindestens 10.000 Soldaten und ein halbes Jahr Zeit gebraucht, doch ihm fehlten 4000 Mann und der Winter stand bevor. Deshalb staute er mit einem Damm die vorbeifließende Oker auf, überflutete Wolfenbüttel und zwang die Stadt Weihnachten 1627 zur Aufgabe.Zur Belagerung Wolfenbüttels siehe Barbara Stadler: Pappenheim und die Zeit des Dreissigjährigen Krieges. S. 255–269 Ein Versuch, durch Betreiben eines kaiserlichen Hochverratsprozesses gegen Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel sich dessen Teilfürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel dauerhaft anzueignen, scheiterte am Widerspruch Maximilians von Bayern, der eine Wiederholung des Aufstieges Wallensteins zum Reichsfürsten (als Herzog von Mecklenburg) und die hierfür erforderliche Enteignung einer alten Dynastie, nun durch Pappenheim, aus prinzipiellen Gründen ablehnte.Golo Mann: Wallenstein. Sein Leben, Frankfurt am Main 2016 (zuerst 1971), S. 590 ff. Wallenstein selbst stand der Idee, das Herzogtum zwischen Pappenheim und Tilly aufzuteilen, indes wohlwollend gegenüber, da sie zum Entstehen einer militärischen Fürsten-Aristokratie geführt hätte – und er selbst folglich nicht mehr so einsam wie bisher dagestanden wäre: „Alles Liga-Geschrei über den Raub Mecklenburgs mußte dann verstummen“.Golo Mann: Wallenstein. Sein Leben, Frankfurt am Main 2016 (zuerst 1971), S. 591 Aufgrund seiner Verdienste wurde Pappenheim 1628 jedoch in den Reichsgrafenstand erhoben, und 1631 zum Feldmarschall ernannt.

Von Magdeburg nach Breitenfeld Nach der Landung des schwedischen Königs Gustav II. Adolf begann Pappenheim mit kleineren Truppenteilen die Belagerung der mit den Schweden verbündeten Stadt Magdeburg, wobei nach kurzer Zeit sein Oberbefehlshaber Tilly mit der ligistisch-kaiserlichen Hauptarmee folgte und die Stadt zur Gänze einschloss. Der Sturm auf die Stadt sollte am Morgen des 20. Mai 1631 um 6:30 Uhr von allen Seiten erfolgen. Tilly verschob jedoch den Angriff um eine Stunde, ohne dass Pappenheim davon in Kenntnis gesetzt wurde. Während der Kampfhandlungen brach ein Großbrand aus, der Magdeburg fast völlig zerstörte (siehe Magdeburger Hochzeit). An den der Eroberung folgenden und bis dahin beispiellos gewesenen Gräueltaten an der Zivilbevölkerung hatten Pappenheims Truppen ihren Anteil:

Bei der Erstürmung Magdeburgs, den anschließenden Gewaltexzessen und Bränden verloren 20.000 (nach einigen Quellen 30.000) Bürger ihr Leben. Nach der Katastrophe wurden von den einst 35.000 Einwohnern noch 449 gezählt. Die „Magdeburger Hochzeit“ gilt als das größte und schlimmste Massaker des Dreißigjährigen Krieges und bildete damit zugleich einen Wendepunkt in der Kriegführung. Zudem lösten die Ereignisse eine bis dahin nie dagewesene propagandistische Auseinandersetzung aus.Jan N. Lorenzen: Die Großen Schlachten. Mythen, Menschen, Schicksale. Campus Verlag, Frankfurt/New York, 2006Matthias Puhle (Hrsg.): „…gantz verheeret!“ Magdeburg und der Dreißigjährige Krieg, Mitteldeutscher Verlag, Halle, 1998Hannes Schuler, Anne Roerkohl: Die großen Schlachten 2/4: 1631 – Das Massaker von Magdeburg, Fernsehdokumentation, WDR, 2006 Pappenheim selbst zeigte kein Bedauern über den Untergang der Stadt und die Leiden der Bevölkerung und die Opferzahlen, sondern lobte Gott, der den Hochmut Magdeburgs gestraft habe und vermeldete, dass „gewiß seit der Zerstorung Jerusalem khein greilicher Werckh und Straff Gottes gesehen worden. Alle unßere Soldaten seindt reich worden.“

Im Sommer nahm Pappenheim am erfolglosen Feldzug nach Thüringen teil und marschierte anschließend mit Tilly in Sachsen ein. Im September 1631 stieß Pappenheim mit seinen Truppen auf einem Erkundungsritt in der Nähe von Leipzig auf das schwedische Feldlager und verwickelte die Schweden eigenmächtig in heftige Kämpfe. Tilly hatte eine offene Feldschlacht vermeiden wollen, da er das Eintreffen von Verstärkung abwarten wollte, doch zwang ihn Pappenheims Vorgehen zum Eingreifen. Bei Breitenfeld kam es am 17. September 1631 zur Schlacht zwischen den kaiserlichen Truppen unter Tilly und Pappenheim und ihren schwedischen und sächsischen Gegnern unter dem Befehl des Schwedenkönigs Gustav Adolf, in der die kaiserlich-ligistischen Truppen vernichtend geschlagen wurden. Durch zähe Abwehrkämpfe sicherten Pappenheims Kürassiere den Rückzug von Tillys verbleibenden Truppenteilen.

Mobile Kriegführung im Rücken der Schweden